Die Österreichische Aviatik B-Typen II–III waren für die K.u.k. Luftfahrtruppen entwickelte Aufklärungs- und Kampfflugzeuge im Ersten Weltkrieg. Sie wurden von der Österreichischen Aviatik entwickelt, nicht zu verwechseln mit den Aviatik B-Typen der deutschen Aviatik AG.
Österreichische Aviatik B.II (Serie 32) Da die K.u.k. Luftfahrtruppen bei Kriegsausbruch 1914 mit 48 nur bedingt verwendungsfähigen Flugzeugen keinesfalls kriegstüchtig war, trafen auch bei Aviatik wie bei anderen Flugzeugfabriken dringende Bestellungen des für militärische Beschaffungen zuständigen Fliegerarsenals (kurz Flars) ein:
22. Juli 1914 ging für die eine Bestellung über 33 Aviatik B.I (P.15), später gekürzt auf 23 Flugzeuge (Bezeichnung oAv-1 bis oAv-23), mit 120 PS-Daimler-Motor ein. Um diese zu erfüllen, wurde Fachpersonal der Mutterfirma mit Konstruktionsplänen und Material nach Wien geschafft, mit deren Unterstützung vier Flugzeuge als die ersten in Österreich-Ungarn gebauten Doppeldecker noch während des September 1914 ausgeliefert werden konnten. 9. September 1914: Bestellung von 8 Aviatik B.I mit 120-PS-Motoren, später auf vier gekürzt (Typennummern 30.01–30.04). Darunter wurde die als erste, mit Hilfe der von der deutschen Aviatik AG entlohnten Facharbeiter gebaute B.I Nr. 30.03 mit als Referenzmodell für Untersuchungen und Umbauten einbehalten. 15. September 1914: Bestellung über 19 B.I (30.05–30.23) ohne Motoren; diese sollten von Herstellern aus Österreich bezogen werden. 17. Oktober 1914: Bestellung über zwei bereits motorisierte B.I (30.24–30.25). Im Februar 1915 wurden die neuen Klassifizierungsnummern eingeführt, wonach die von der Österreichischen Aviatik künftig 30er- und 300er-Nummern zu verwenden hatte. Prototypen behielten die Seriennummer 30, Serienflugzeugen wurden die Typennummern 31, 32, 33 … etc. zugeordnet. Die mit 100-PS-Motor gebauten, aus Deutschland importierten Aviatiks mit Mercedes-Motor wurden nun als B.I, die mit österreichischen 120-PS-Daimler-Motoren gebauten als B.II bezeichnet und von Serie 30 auf Serie 32 umklassifiziert.
1915 folgten weitere Bestellungen: am 4. März 1915 über 21 Flugzeuge und am 15. September 1915 über 4 weitere, so dass bis Dezember 1915 insgesamt weitere 25 Flugzeuge mit den Nummern 32.23 bis 32.48 ausgeliefert wurden.
Das Flugzeug hatte außer den Handwaffen der Besatzung keine Bewaffnung, konnte aber zwei 10-kg-Bomben mitführen. Von September 1914 bis zum Abzug von der Front im ab September 1915 wurden die B.II daher für unbewaffnete Aufklärung von den Fliegerkompanien (Flik) 3, 11, 13 und 14 an der Ostfront eingesetzt.
Die B.II war nicht leicht zu fliegen. Die Piloten mussten insbesondere bei böigem Wetter damit kämpfen, dass das untermotorisierte Flugzeug im Anstieg unter Vollgas startend stark nach links, im Gleitflug dagegen nach rechts zog und der Pilot dabei ständig darauf achten musste, nicht vom Kurs abzukommen. Die Vergrößerung der Querruder- und Seitenruderflächen und eine Änderung der Flügelanpassung schufen etwas Abhilfe. Ab August 1915 wurde in einigen Flugzeugen der 150-PS-Daimler-Motor eingebaut. Obwohl die Einsatzhöhe an der Ostfront weniger bedeutend war, beklagte Flik 14, dass ihre B.II erst nach 1½ Stunden die Höhe von 1.000 Metern erreichten. Die in der gebirgigen Kärntenfront operierende Flik 16, welche Anfang Juni 1915 sieben B.II erhalten hatte, klagte, dass keines davon über 2.900 Meter steigen konnte, so dass deren Flugzeuge so dem ständigen Beschuss von den in 2.800 Metern Höhe in Stellung liegenden italienischen Truppen ausgesetzt waren. Erst die Lieferung der moderneren Lloyd C.II-Kampfflugzeuge ab September 1915 machte Einsätze an dieser Front daher möglich.
Bis Ende 1915 wurden die verbliebenen Flugzeuge der B.II-Serie 32 von der Front abgezogen und den Fliegerersatzkompanien (Flek) 2–6, 8 und 9 zur Anfängerausbildung zugeteilt. Neun davon waren im Juli 1917 noch aktiv.
Ende 1915 bestellte das Fliegerarsenal (Flars) 12 Aviatik B.II mit den Nummern 32.51 bis 32.62 mit grundüberholten 120-PS-Daimler-Motoren, welche als Schulflugzeuge mit Doppelsteuerung versehen werden sollten, was eine wichtige Innovation bei den K.u.k. Luftfahrtruppen bedeutete, denn deren bisher praktizierte Ausbildung erfolgte nur mit einem Steuer. Als der entsprechende Vertrag am 5. Februar 1916 unterzeichnet wurde, war deren Lieferung – vermutlich durch Umbau und nicht durch Neuzugänge – bereits im Gange. Insgesamt wurden 26 B.II zu Schulflugzeugen mit Doppelsteuerung umgebaut. Im Mai 1916 wurden diese als B.II-Serie 32.71 bis 32.96 bezeichnet, um sie von den Standard-Doppeldeckern der B.II-Serie 32 abzuheben. Maschinen, die später nicht auf Doppelsteuerung modifiziert wurden, behielten ihre ursprüngliche Typen- und Seriennummer.Peter M. Grosz et al.
Nummer (neu) Nummer (alt) 32.71 32.01 32.72 32.04 32.73 32.08 32.74 32.15 32.75 32.16 32.76 32.17 32.77 32.26 32.78 32.28 32.79 32.34 32.80 32.41 32.81 32.42 32.82 32.43 32.83 32.51 32.84 32.52 32.85 32.53 32.86 32.54 32.87 32.55 32.88 32.56 32.89 32.57 32.90 32.29 32.91 32.45 32.92 32.58 32.93 32.24 32.94 32.59 32.95 32.33 32.96 32.39
Österreichische Aviatik B.III (Serie 33)
Die von den Konstrukteuren Karl Illner und Ingenieur Alfred Gassner unabhängig von der deutschen Muttergesellschaft weiterentwickelte Version der B.II besaß statt getrennter Cockpits ein gemeinsames Cockpit für Pilot und Beobachter. Ein erstes Los von 25 Flugzeugen sollte ab Juni 1915 ausgeliefert werden, aufgrund technische Probleme verzögerten die Freigabe aber bis zum 8. September 1915. Das Flars bestellte zunächst 28 B.III mit 160-PS-Daimler-Motor, am 20. April 1916 gefolgt durch weitere 24 Flugzeuge auf insgesamt 52 Stück mit den Nummern 33.01 bis 33.52, die bis Mai 1916 geliefert werden sollten. Da die Ö.Aviatik die B.III aber erst im Dezember mittels Prototyp 30.01 zur Prüfung vorstellen konnte, liefen die ersten B.III erst ab Februar 1916 der Truppe zu und gelangten dort zu den an der Ostfront eingesetzten Flik 5, 10, 14, 20, 22 und 27.
Die B.III stießen bei den Besatzungen auf wenig Gegenliebe. Diese bezeichneten sie abschätzig als „Gondel“ oder „Schaukelstuhl“, weil die schwache Motorisierung sie noch schwerfälliger und windempfindlicher machte. Die B.III wurden daher bereits im Sommer 1916 vom Fronteinsatz abgezogen und an Ausbildungseinheiten abgeschoben. Hier bewährte sich das Flugzeug, denn im großen Cockpit konnte der Fluglehrer leicht in die Steuerung erreichen, und eine gewisse Trägheit und Langsamkeit waren sogar nützlich. Im Juli 1917 wurden insgesamt 37 B.III an die Fliegerersatzkompanien (Flek) 3, 4, 14 und 15 übergeben, wo sie bis 1918 verwendet wurden.
Österreichische Aviatik B.II (Serie 34) Da die B.III noch nicht einsatzreif war, wies das Flars an, die laufende Produktion nicht zu unterbrechen und stattdessen die B.II weiterzubauen. Die aufgrund von Modifikationen erforderlichen Flugversuche wurden mit dem 30.03-Prototyp durchgeführt. Im September 1915 gingen entsprechend Verträge für 24 B.II der neuen Serie 34 ein, am 30. November 1915 wurde diese Serie um weitere 25 Flugzeuge erweitert. Diese B.II mit den Nummern 34.01 bis 34.49 wurden von einem 150-PS-Daimler-Motor mit einem zwischen den Streben darüber aufgehängten Kastenkühler angetrieben; der Rumpf, abgesehen von der Abwehrbewaffnung durch ein Schwarzlose-MG, blieb gegenüber der B.II Serie 32 unverändert.
Die Auslieferungen dauerten von September 1915 bis April 1916 und gingen an die Flik 16 in Kärnten, die Fliks 2, 4, 8 und 12 am Isonzo und die Fliks 1, 3, 5, 11, 13, 14, 18, 20, 22, 26 und 27 an der Ostfront. Aufgrund der stärkeren Motorisierung wurden die B.II der Serie 34 von den Einheiten gern angenommen da ihr Flugverhalten schneller und stabiler war. Einige Flugzeuge erhielten zur Verteidigung ein 7,92 mm Schwarzlose-MG, konnten mit Funktelegraph zur Feuerleitung der Artillerie, mit Kamera zur Luftaufklärung oder mit drei 20-kg-Bomben beladen werden.
Die verbliebenen B.II der Serie 34 wurden ab Mitte 1916 schrittweise an Ausbildungseinheiten übergeben, 43 zur Reparatur an die Aviatik abgegebene Flugzeuge der Serie 34 mit Doppelsteuerungen ausgestattet. Am 31. August 1917 waren dreiundzwanzig solcher Schulflugzeuge im Einsatz, einige blieben bis Ende 1918. Einsatz Trotz der teilweise schwachen Flugleistungen, ihrer veralteten Bauart und der schwachen Bewaffnung leisteten die Ö.Aviatik B-Typen aufgrund ihres großen Aktionsradius und den wenigen Luftgefechten an der weiträumigen Ostfront als Aufklärer gute Arbeit. 1916 wurden sie von den Fronteinheiten abgegeben und als Schulflugzeuge verwendet. Mit Einführung der Aviatik-Schulflugzeuge konnten die Fluglehrer erstmals die Ausbildung auf Einsteuerungsflugzeugen durchführen. Die Doppelsteuerungslektionen begannen ab März 1916 bei der Flek 4, dann den Flek 2 und 3. Ab Juli 1917 war die Ablösung der noch verbliebenen 15 B.II-Schulflugzeuge der Serie 32.7 durch die Hansa-Brandenburg B.I geplant, aber Mitte 1918 flogen noch fünf oder sechs.
Bilder
Technische Daten
Kenngröße B.II (Serie 32) B.III (Serie 33) B.II (Serie 34) Antrieb wassergekühlter 6-Zylinder-Austro-Daimler-ReihenmotorPS 120 160 150 Spannweite, oben (m) 14,00 15,30 14,00 Spannweite, unten (m) 10,54 11,27 10,58 Länge (m) 8,63 9,40 8,63 Höhe (m) 3,15 3,47 3,15 Flügelfläche (m²) 45,0 48,0 45,0 Leermasse (kg) 825 920 830 Startmasse (kg) 1.250 1.357 1.220 Höchstgeschwindigkeit auf NN (km/h) 110 122 123 steigt auf 1.000 m in (min) 10:20 8:05 8:30 Gipfelhöhe (m) 2.500 5.000 - Reichweite (km) 400 - - Flugdauer (h:min) 4 h - - Besatzung Pilot und Beobachter Bewaffnung (MG) - 1 0–1 Erstflug 1914 19151915 Baujahr 1914 19151915 Stückzahl 74 <52<50 mil. Einsatz 1914–1916 1916 1915–1916Quelle: vgl. Grosz et al.
Literatur Enzo Angelucci. Paolo Matricardi: Flugzeuge von den Anfängen bis zum 1. Weltkrieg, Falken-Verlag, Wiesbaden 1976, ISBN 3-8068-0391-9, S. 225 Peter M. Grosz, George Haddow, Dr. Peter Schiemer: Austro-Hungarian Army Aircraft of World War One, Flying Machines Press, US 2002. 978-1891268052 via https://flyingmachines.ru/Site2/Arts/Art62980.htm (17. Juli 2026) Reinhard Keimel: Österreichs Luftfahrzeuge. Graz 1981, ISBN 3-900310-03-3. Kenneth Munson: Bomber 1914–19. Zürich 1968. Heinz Nowarra: Die Entwicklung der Flugzeuge 1914–18. München 1959.
Weblinks Aviatik (Osterr. Aviatik-Werke) B.I / B.II Austro-Hungarian Army - k.u.k. Luftfahrtruppe
Einzelnachweise
Kategorie:Aufklärungsflugzeug Kategorie:Bomber Kategorie:Einmotoriges Flugzeug mit Kolbenmotor Kategorie:Flugzeugtyp des Ersten Weltkrieges (Österreich-Ungarn) Kategorie:Erstflug 1914