Die Schlacht bei Bornhöved fand am 7. Dezember 1813 bei dem kleinen Ort Bornhöved im zu der Zeit dänischen Herzogtum Holstein statt. Sie wurde zwischen einem schwedischen Kavallerieregiment – dem Husarenregiment „Mörner“ (später : Kronprinsens husarregemente bzw. : Husarenregiment des Kronprinzen) unter Bror Cederström – und den dänischen Truppen des Prinzen Friedrich von Hessen-Kassel ausgetragen, die durch kleinere Kontingente litauischer Kavallerie und Holsteiner Infanterie verstärkt waren. Das Gefecht war Teil der Befreiungskriege bzw. des Sechsten Koalitionskriegs.
Hintergrund Nach Napoleons Niederlage in Russland 1812 rückten Teile der Nordarmee der Koalition im Dezember in Norddeutschland vor. Dänemark hatte sich im Februar 1813 zunächst für neutral erklärt – Napoleons Erfolge bei Großgörschen und Bautzen im Mai 1813 sowie die von Großbritannien gestützten Ansprüche der Schweden auf das dänische Norwegen bewogen den dänischen König Friedrich VI. allerdings, erneut ein Bündnis mit den Franzosen einzugehen.Wilhelm Sager: Heere zwischen den Meeren – Heeres- und Kriegsgeschichte Schleswig-Holsteins. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft. Husum. 2003, ISBN 3-89876-113-4. S. 90.
Folgerichtig hatte Dänemark-Norwegen im Juli 1813 ein Korps von 12.000 Mann aufgestellt, das gemeinsam mit französischen Divisionen das XIII. Armeekorps unter Marschall Davout bildete. Die Lage für Dänemark-Norwegen hatte sich im Herbst 1813 bedrohlich zugespitzt. Nach Napoleons Niederlage in der Völkerschlacht bei Leipzig (15.–19. Oktober 1813) rückte sein ehemaliger Marschall Bernadotte – inzwischen schwedischer Thronfolger und einer der Oberbefehlshaber der Koalition – mit einer russisch-deutsch-schwedischen Armee gegen die verbliebenen französischen Positionen und ihre dänischen Verbündeten in Norddeutschland vor. Davout musste sich schließlich vor der Übermacht nach Hamburg zurückziehen und wurde dort eingeschlossen, während sich das dänische Hilfskorps verfolgt von Koalitionstruppen unter ständigen Gefechten nach Nordwesten durch Holstein zurückzog, um möglichst den Schutz der starken Festungsanlagen von Rendsburg zu erreichen. Bereits am 4. Dezember 1813 war es bei Groß Boden zu einem Gefecht gekommen.Hans Christian Wolter, Helge Scheuchen, Ole L. Frantzen, Christian Würgler Hansen: Den danske hær i Napoleonstiden 1801-1814. Tøjhusmuseet. ISBN 87-89022-10-6. S. 24.
Am 5. Dezember schlossen Unterhändler beider Seiten eine Vereinbarung zur kampflosen Übergabe Lübecks. Lallemand, ein von Davout zu den Dänen entsandter General, führte die verbliebenen dänischen Truppen am Tag darauf nach Segeberg. Hierdurch war auch die Stellung des restlichen dänischen Korps um Oldesloe unhaltbar geworden und der Prinz von Hessen befahl den Rückzug in Richtung Kiel über Segeberg und Bornhöved. Am gleichen Tag erhielt Generalleutnant Skjöldebrand, Kommandeur der Kavalleriedivision des schwedischen Korps, den Befehl, die Dänen über Plön zu verfolgen. Der Plan sah vor, dass die schwedische Kavallerie parallel zu den Dänen vorrücken sollte, bis General Graf Wallmoden, der auf Neumünster zumarschierte, deren Rückzug nach Rendsburg abschneiden und die manövrierunfähig gemachten Dänen zur Kapitulation zwingen konnte.Henrik Schou: Denmark's role in the 1813 Campaign bei Blunders on the Danube. 2013. Skjöldebrand ignorierte diesen Befehl allerdings und rückte stattdessen ebenfalls über Segeberg vor.
Am Morgen des 7. Dezember besprach der Prinz von Hessen mit seinem Stab, wie die Nachhut den Marsch der Hauptstreitkräfte durch Bornhöved decken sollte. Hierzu wurden zwei Jäger-Kompanien auf beiden Seiten der Segeberger Straße sowie eine Husaren-Schwadron der 1. Brigade am südöstlichen Rand des Ortes postiert. Beim Eintreffen der Brigade Lallemand ließ dieser zwei Geschütze sowie zwei Bataillone des Holsteiner-Scharfschützenkorps am Ortseingang zurück. Vier holsteinische Schwadronen und zwei litauische Ulanen-Schwadronen bildeten das Ende der dänischen Marschkolonne. Vor ihnen marschierte eine holsteinische Artillerie-Batterie. Diese Streitmacht umfasste zwischen 5.000 und 8.000 Mann, von denen 1.000 Kavalleristen sowie 2.000 bis 3.000 Infanteristen an den Kämpfen teilnahmen.Vilhelm Fredrik Palmblad, Peter Wieselgren: Biographiskt Lexicon öfver namnkunnige Svenska Män. Band 14. Wahlström & C. Uppsala. 1847. S. 365. OCLC 470641899.Bernhard von Beskow: Kongl. Vitterhets historie och antiquitets academiens handlingar. Band 20. Kungliga Vitterhets Historie och Antikvitets Akademien. Stockholm. 1852. S. 293–294. OCLC 185616922.
Auf der anderen Seite standen Skjöldebrand sechs Schwadronen Mörner Husaren, eine Schwadron Schonische Husaren, zwei Schwadronen Schonische Karabiniers sowie zwei Schwadronen Schill-Husaren zur Verfügung. Der Rest seiner Truppe war durch zerstörte Brücken weit zurückgeblieben. Das schwedische Kavallerieaufgebot bestand somit aus 1.200 Mann, von denen 900 für den Angriff zur Verfügung standen.
Bernadotte, der innenpolitisch unter Druck stand, da der Krieg in Schweden nicht viele Befürworter hatte, hatte die schwedischen Truppen bisher bewusst zurückgehalten, während die Verbündeten zum Teil schwere Verluste hinnehmen mussten. Gerade die schwedische Kavallerie hatte sich daher bei allen vorangegangenen Schlachten des Krieges übergangen gefühlt. Dieser Umstand – sowie die Tatsache, dass die Division bereits im Krieg von 1808/09, in dem Finnland verloren ging, nicht zum Einsatz gekommen war – veranlasste Skjöldebrand dazu, nun direkt gegen die dänischen Truppen vorzugehen.
Schlachtverlauf mini|Die Schlacht bei Bornhöft (1813): Schwedische Husaren erbeuten ein dänisches Feldzeichen. Unbekannter Maler. Sammlung des Armeemuseums Stockholm. In der schwedischen Angriffslinie bildeten sechs Schwadronen der Mörner Husaren die rechte Flanke und das Zentrum, während die linke Flanke nur aus drei Schwadronen (Schonische und Schill Husaren) bestand. In Reserve wurden 2 Schwadronen Karabiners gehalten. Skjöldebrand selbst befand sich mit seinem Stab, dem Regimentskommandeur Baron Cederström, dem Adjutanten des Kronprinzen Baron Stjerncrona, Stedingks Adjutanten Major Stjernskans, Major von der Lancken und dem Kornett von Rosen von den Karabiners unmittelbar an der Spitze der Mörner-Husaren und somit im Mittelpunkt des Geschehens.
Als die Schweden den Ort erreichten, empfing sie das Abwehrfeuer der dort postierten Jäger, das einige Verluste verursachte, den Angriff aber nicht abwehren konnte. Schließlich erreichten die Schweden die dänische Nachhut der litauischen Ulanen, die auf dem schmalen Weg nicht ausweichen konnten und die holsteinischen Reiter durchbrachen, die langsam hinter der Batterie trabten und ihnen so den Weg versperrten. Als dicht gedrängte Masse stürzten somit Holsteiner, Litauer und Schweden durch die Gassen des Ortes.
In der Folge trafen die Schweden auf die holsteinischen Artilleristen sowie auf ihrer linken Seite auf das 2. Bataillon des Holsteiner Scharfschützenkorps. Beide Einheiten wurden jedoch überrannt. Erst das 1. Bataillon des Holsteiner Scharfschützenkorps, das mit einer Schleswiger Jägerkompanie und einer weiteren Korpskompanie auf der Ostseite des Ortseinganges in Marschkolonne stand, konnte mit gezieltem Feuer den Angriff zunächst stoppen, zog sich dann aber ebenfalls zurück und überall auf den Straßen des Dorfes brachen kleinere Kämpfe aus.
Als die dicht gedrängte Masse den nördlichen Stadtrand erreichte, wichen die Dänen zu den Flanken aus und Geschütze und die beiden Holsteiner Infanteriebataillone der 1. Brigade eröffneten ein heftiges Abwehrfeuer. Die ersten Geschosse trafen noch Freund und Feind, aber die Dänen wichen weiter zurück. Die Schweden ergriffen die Flucht und jagten im wilden Galopp durch Bornhöved und um den Ort herum, wobei sie von dänischen Truppen und Holsteiner Scharfschützen, die sich noch in dem Ort befanden, beschossen wurden, was weitere Verluste verursachte. Mit dem Rückzug der Schweden Richtung Süden endeten die Kämpfe.
Nachwirkungen Die Dänen hatten die Stellung gehalten, und ihre Verluste an Toten und Verwundeten waren bedeutend geringer als die der Schweden. Der offizielle dänische Bericht gab 11 Gefallene, 35 Verwundete und 75 Vermisste an. Eine spätere dänische Meldung bezifferte die Zahl der Gefallenen hingegen auf 200. Die Schweden gaben an, 200 bis 300 Dänen gefangen genommen sowie zahlreiche weitere getötet oder verwundet zu haben. Zudem wurden zwei Kanonen und eine Haubitze erbeutet. Während der schwedischen Verfolgung gerieten in den folgenden Tagen weitere rund 400 Dänen in Gefangenschaft. Die schwedischen Verluste beliefen sich auf 21 Gefallene, 55 Verwundete sowie 128 getötete oder verwundete Pferde.
Der Ausgang der Schlacht ist somit umstritten. Diejenigen, die sie als dänischen Sieg werten, führen an, dass der Angriff abgewehrt wurde, die Dänen das Schlachtfeld behaupteten, weniger Tote und Verwundete zu beklagen hatten und ihren Marsch nach Kiel fortsetzen konnten.N. Mejdal: 3 betydningsfulde slag ved Bornhöved (798-1227-1813). Auf: Krigsvidenskab.dk Link. Abgerufen am 18. Juli 2026. Demgegenüber bezeichnen viele die Schlacht auch als schwedischen Sieg. Das Regiment „Kronprinsens husarer“ führte „Bornhöft 1813“ als Ehrenbezeichnung auf seiner Standarte.
Galerie
Literatur R. Glenthøj; M. Ottosen: Experiences of War and Nationality in Denmark and Norway, 1807–1815. Springer. 2014. S. 203. ISBN 978-1137313898.
Weblinks Henrik Schou: Denmark's role in the 1813 Campaign bei Blunders on the Danube. 2013. Frank Becker: Napoleonische Kriege in Norddeutschland - das Gefecht bei Bornhöved bei Figuren und Geschichten – ein Tabletop Tagebuch. 2024.
Einzelnachweise
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