Auf zwei Rädern (Originaltitel: A bicyclette!, übersetzt: „Mit dem Fahrrad“) ist ein autobiographischer Spielfilm aus dem Jahr 2024 mit Mathias Mlekuz und Philippe Rebbot in den Hauptrollen. Regie führte Mathias Mlekuz. Das Drehbuch schrieben er und Philippe Rebbot gemeinsam.

Handlung Mathias will zusammen mit seinem langjährigen Freund Philippe und dem kleinen Hund Lucky per Fahrrad von der französischen Atlantikküste bis nach Istanbul fahren. Sie wählen diese Strecke, um dem seit einem Jahr verstorbenen Sohn Youri von Mathias zu gedenken, der diese Tour einige Jahre vorher zurückgelegt hatte. Sie verwenden aber auch gelegentlich einen Zug, einen Flixbus oder einen Pferdekarren.

Obwohl die beiden Senioren nicht fit sind und beide keine Sportgewohnheiten haben (Mathias ist zudem übergewichtig, Philippe raucht und trinkt regelmäßig Alkohol), zweifeln sie nicht an der Erfüllung ihrer selbstgewählten Aufgabe, übernachten teilweise in einem Zelt (teilweise in Airbnbs) und haben dabei gelegentlich körperliche Schmerzen. Da es aber um eine Art Pilgerreise geht, stellt sich die Frage nach dem Abbruch nicht. Mithilfe des Tagebuchs und von Fotografien von Youri empfinden sie die Route nach und erinnern sich an ihn. Dabei übernachten sie an denselben Orten wie der Sohn, stellen Fotos nach und versuchen, die Vergangenheit lebendig zu halten. Die Reise beinhaltet improvisierte Unterkünfte, allerlei Begegnungen und einige Umwege. Das Roadmovie startet in Frankreich, geht über Deutschland, Österreich, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und endet in der Türkei bei der ehemaligen Freundin des Sohnes Youri, der (ein Jahr vorher) mit 28 Jahren sein Leben selbst ohne Vorwarnung beendet und keinen Abschiedsbrief hinterlassen hatte. Die beiden Freunde sind durch die Trauer, ihre Freundschaft und den Versuch, eine neue Bewertung der Verlustgefühle des Vaters zu finden, miteinander verbunden. Sie versuchen, das Leben zu feiern, wie es sich ihnen offenbart.

Während ihrer Reise sind sie gemeinsam witzig und spielen Clowns. Selten streiten sie. Manchmal schweigen sie und umarmen sich. Gegen Ende der Reise kommt unerwartet Mathias Sohn Josef Mlekuz zur eigentlich letzte Etappe hinzu. Sie feiern gemeinsam mit der ehemaligen Freundin von Youri in der Wohnung der letzten Etappe ein spontanes Minifest und tanzen und trinken gemeinsam. Anschließend fahren Vater und Sohn mit Hund auf einem neu erworbenen Tandem für weitere drei Monate weiter, während der Freund die Reise – wie ursprünglich ausgemacht – beendet.

Produktion und Hintergrund Die 89-minütige Tragikomödie wurde von Jean-Louis Livi und Marc-Etienne Schwartz produziert. Die Dreharbeiten fanden ab 24. September 2023 in Frankreich (mit Start an der Atlantikküste) und quer durch Europa (Wien in Österreich, ein Dorf in Rumänien, Budapest in Ungarn und Istanbul in der Türkei) statt, wobei die Gegenden keinen zentralen Hintergrund für die Geschichte bilden, sondern der Tatsache geschuldet sind, dass Youri diesen Weg gefahren war.

Das Drehbuch schrieben Mathias Mlekuz und Philippe Rebbot gemeinsam. Die Kamera wurde von Florent Sabatier geführt. Die Musik stammt von Pascal Lengagne.

In Deutschland erhielt der Film von der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) eine Freigabe ab 6 Jahren.

Regisseur Mathias Mlekuz versucht autobiographisch, seine eigene Geschichte zu verarbeiten und spielt sich selbst. So erhält Auf zwei Rädern eine besondere Authentizität. Der Ausgangspunkt ist der Suizid seines Sohnes, der im Film nicht zu Anfang genannt wird. Die Idee ist zu zeigen, dass Trauer bleibt, aber sich wandeln kann. Mlekuz will eine Aneinanderreihung kleiner Schritte, Gespräche und gemeinsamer Erfahrungen zeigen.

Auch sein Freund Philippe Rebbot spielt unter seinem eigenen Namen. Ihre Freundschaft wirkt natürlich und echt, ohne demonstrative Männlichkeitsgesten und übertriebenes Pathos.

Veröffentlichung Der offizielle Kinostart war am 26. Februar 2025 in Frankreich und am 9. Juli 2026 in Deutschland im Weltkino-Verleih GmbH.

Im Vorfeld wurde der Film beim Filmfestivals, zuerst in Angoulême am 27. August 2024 gezeigt und wurde dort mit drei Preisen geehrt. Auch beim Festival 2 Valenciennes am 28. September 2024 erhielt der Film im Beisein des Filmteams zwei Preise.

Rezeption Der Film entwickelt laut Oliver Armknecht von Film-Rezensionen.de aus dem authentischen Verhältnis der beiden Protagonisten eine gewisse Wärme ganz ohne in Szene gesetzte Tränen als Demonstration der Trauer über den Verlust des Sohnes und erhält sechs von zehn möglichen Sternen, da er die manchmal langen Dialoge als bremsend für die Handlung empfindet. Weltkino.de., Kino.de und Kinoheld.de sprechen von einem berührenden und lebensbejahenden Film voller Wärme, Humor und Menschlichkeit, der die Balance zwischen feiner Situationskomik, Ernst, Melancholie und Freude gut findet. Sie erwähnen die Auszeichnungen auf französischen Festivals und die Tatsache, dass der Film zum Publikumsliebling dort wurde. Michael Meyns von Programmkino.de bemerkt, dass die Antworten auf Gründe für den Selbstmord ausbleiben und die Mutter nicht im Film vorkommt, da der Fokus auf der aktuelle Reise der beiden Freunde liegt. Er nennt es witzig, dass in Wien eine besonders pingelig dargestellte junge Frau im Airbnb den beiden Senioren mithilfe von Smartphone-Übersetzungen ihren Forderungen Nachdruck verleiht, über die die beiden Freunde intensiv lachen. Er merkt an, dass der Film eher langsam vorwärts gehe, statt Höhepunkte zu zeigen. Bei Filmstarts.de wird gelobt, dass mit jeder Radumdrehung die Schwere der Vergangenheit geringer und den Freunden etwas leichter um ihre Herzen werde. Andreas Köhnemann von Kino-Zeit.de sieht den Film als humorvoll an und lobt, dass der Film den Schmerz der Freunde gut zeigt, was bei Filmen über Ältere sonst nicht immer so gut gelänge. Während der Film keine Antworten vortäusche, erlaube er dennoch das Finden von Trost in offenem Umgang mit Gefühlen und einem guten Miteinander unter Freunden. Walli Müller vom Norddeutschen Rundfunk hebt die Professionalität der beiden Schauspieler hervor, die gleichzeitig die Kunst des Improvisierens beherrschen, sei es bei Clown-Szenen in Erinnerung an den ebenfalls als Clown aufgetretenen Youri oder beim Streiten und beim Teilen der Gedanken und der Stille miteinander. Sie meint, die Berg- und Talfahrten der Gefühle der beiden Freunde sei sehr berührend. Auf IMDb erhält der Film 6,7 von 10 möglichen Sternen (bei 746 Bewertungen, Stand Juli 2026).

Auszeichnungen

2024: Beim Filmfestival von Angoulême erhielt der Film drei Preise, je einen für die Kameraführung, die Filmmusik und den Publikumspreis. 2024: Beim Filmfestival 2 Valenciennes erhielt der Film den Publikumspreis und den Preis für die Rollendarstellung durch Philippe. 2025: Nominierung beim Internationalen Filmfestival der Comédie de l'Alpe für die besondere Vorführtechnik für Matias Mlekuz. 2026: Nominierung für den César für den besten Dokumentarfilm.

Weblinks

Auf zwei Rädern bei TMDb

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 2024 Kategorie:Französischer Film Kategorie:Filmdrama Kategorie:Filmkomödie Kategorie:Roadmovie