Jacques Désiré Léandri (* 12. Juli 1903 in Sartène, Département Corse-du-Sud, Korsika; † 10. Mai 1982 in Paris) war ein französischer Botaniker und Pflanzentaxonom, der häufig auf Madagaskar forschte. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „“.
Leben Léandri schloss bereits im Alter von 17 Jahren ein naturwissenschaftliches Studium ab. Im Jahr 1921 trat er in den Mitarbeiterstab des Muséum national d’histoire naturelle ein und setzte seine weiterführenden Studien unter der Betreuung der Professoren Gaston Bonnier, Paul Henri Lecomte und Julien Noël Costantin fort. Er studierte an der École des Langues Orientales. Von 1929 bis 1933 war er Assistent an der École pratique des hautes études. Anschließend arbeitete er zunächst als Assistent, später als stellvertretender Direktor des Laboratoire de Phanérogamie am Muséum national d’Histoire naturelle in Paris. 1930 wurde er mit einer Dissertation über anatomische Veränderungen der Seidelbastgewächse als Reaktion auf ihre Umweltbedingungen zum Dr. ès Sci. Nat. (Doktor der Naturwissenschaften) promoviert.
Anschließend verbrachte Léandri viele Jahre mit Forschungsreisen, Studien und dem Sammeln von Pflanzen, hauptsächlich auf Madagaskar, aber auch in Marokko (um 1931). Er führte umfangreiche Untersuchungen zur Flora Madagaskars und der benachbarten Komoren durch, wobei sein besonderer Schwerpunkt auf den Wolfsmilchgewächsen (Euphorbiaceae) lag, einer Pflanzenfamilie, innerhalb derer er 18 Taxa beschrieb. Darüber hinaus veröffentlichte er zahlreiche Arbeiten über die Familien der Brennnesselgewächse, der Seidelbastgewächse und der Fuchsschwanzgewächse sowie über zahlreiche einzelne Gattungen und Arten. Insgesamt war er Autor oder Mitautor von etwa 150 wissenschaftlichen Veröffentlichungen allein zur Flora Madagaskars.
Léandri sammelte zudem Pflanzen auf Korsika (1936, 1947, 1952–1953) sowie Insekten und Reptilien auf Madagaskar. Er entdeckte den Flammenbaum (Delonix regia) (Caesalpiniaceae) in seinem natürlichen Lebensraum im Westen Madagaskars.
Neben seinem Interesse an der madagassischen Flora wurde Léandri auch mit der Bearbeitung von Monografien über die Wasserpflanzenfamilie Ceratophyllaceae, die Gnetaceae und die Palmfarne (Cycadaceae) für die Flore générale de l’Indochine beauftragt. In diesem Werk beschrieb Léandri zwei neue Palmfarnarten.
Der Palmfarn Cycas chevalieri wurde erstmals von François Fleury im Auftrag des französischen Botanikers Auguste Jean Baptiste Chevalier im Gebiet von Nghĩa Đàn in Französisch-Indochina (heute Vietnam) gesammelt. Chevalier hatte sich 1841 in der Region aufgehalten. Die Existenz dieser Palmfarnart blieb jedoch lange Zeit unsicher, bis sie fast ein Jahrhundert später, im Jahr 1931, von Léandri wissenschaftlich erstbeschrieben wurde.
Léandri benannte die Art zu Ehren Chevaliers, der in Vietnam gearbeitet hatte und später Professor für Botanik am Naturkundemuseum in Paris wurde. Das Belegexemplar F. Fleury sub. A. Chevalier 32.612 im Herbarium von Paris gilt als Lectotypus. Die Art wurde am ursprünglichen Fundort nie wieder nachgewiesen. Später wurden jedoch mehrere weitere Populationen in den Provinzen Hà Tĩnh, Nghệ An, Quảng Bình und Quảng Trị im zentralen Vietnam entdeckt.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts sammelte der französische Botaniker Eugène Poilane Palmfarnproben in den südlichen Küstenhügeln Indochinas (heute Südostvietnam). Léandri erkannte die Ähnlichkeit dieses Materials mit Cycas pectinata und beschrieb das Taxon 1931 als Cycas pectinata var. elongata. Das Exemplar Poilane 9328 im Pariser Herbarium wurde als Lectotypus bestimmt. 1996 wurde das Taxon durch Ding Yue Wang in den Rang einer eigenständigen Art erhoben und zunächst als elonga veröffentlicht; durch eine spätere Korrektur im Erratum wurde der Name zu Cycas elongata berichtigt.
Eine zunehmende Sehschwäche verhinderte jedoch in seinen späteren Lebensjahren umfangreiche weitere taxonomische Arbeiten. Nach einer persönlichen Mitteilung von Feuillet starb Léandri am 10. Mai 1982 im Alter von 78 Jahren im Herbarium des Pariser Museums.
Léandri war Mitglied der Académie malgache, der Société des amis du Parc botanique et zoologique de Tsimbazaza sowie der Société botanique de France.
Dedikationsnamen Léandris Name wurde in den madagassischen Gattungen Dendroleandria (Malvaceae) und Leandriella (Acanthaceae) sowie in den Arten Rhynchosia leandrii (Fabaceae) und Blotia leandriana (Euphorbiaceae) verewigt.
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