mini|Hochzeitskleid mit Pagodenärmeln, Material: Damast (USA, circa 1860) mini|Zingyaik Pagoda in Myanmar Pagodenärmel sind dreiviertellange, abgeschrägte und sich nach unten stark erweiternde Ärmel eines Kleides, und waren vor allem im 18. und 19. Jahrhundert modern. Der Name rührt von ihrer Ähnlichkeit mit buddhistischen Pagoden her.
Beschreibung mini|Bildnis der Maria Antonia, Kurfürstin von Sachsen (1724–1780) Der französische Begriff „en pagode“ (im Pagoden-Stil) war zu Beginn des 18. Jahrhunderts eingeführt und regelmäßig verwendet worden. Die französische Bezeichnung „manches en pagode“ für Pagodenärmel wurde zuerst im 18. Jahrhundert gebraucht. Es war eine bürgerliche Modeerscheinung in den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts und des nachfolgenden, speziell in der Zeit von etwa 1850 bis 1870, welche die Ärmel mit zunehmender Weite nach untenhin öffnete, entweder beginnend von der Achsel oder erst ab dem Ellenbogen. Im 18. Jahrhundert waren diese Ärmel am Oberarm meist eng und hatten ab dem Ellenbogen einen breiten Umschlag, der mit Litzen oder Agraffen gerafft oder hochgeklappt wurde. Der entblößte Vorderarm wurde daher mit mehrreihigen Manschetten (Engageantes, oft aus Spitzen) bedeckt und dazu teils zusätzlich lange Handschuhe getragen. Im 19. Jahrhundert waren die Pagodeärmel meist ab der Achsel stark zunehmend in der Weite, oft noch seitlich oder hintenwärts geschlitzt und üppig mit Rüschen und Spitzen besetzt.
mini|Unterärmel (britisch, um 1850–1865)
Bis 1857 hatten Pagodenärmel stetig an Umfang zugenommen, ebenso wie die dazugehörigen Unterärmel, die längeren Jackenschößchen und der kuppelförmige, von der Taille abstehende Rock, was den Rückgriff auf die Mode des Rokoko zeigt.
Je nach Größe nannte man sie halbe oder ganze Pagodenärmel. So passten etwa zu einer „mächtigen“ Krinoline die ganzen Pagodenärmel am besten.
Die Pagodenärmel ließen den Blick frei auf die mit Spitzen, Rüschen und Stickereien verzierten weißen Unterärmel, die entweder ebenfalls weit ausgestellt waren oder unten gebauscht und am Handgelenk eng geschlossen wurden. Von 1857 bis 1860 waren die Pagodenärmel am weitesten, was noch weitere Unterärmel erforderlich machte, die bis zum Ellenbogen reichten. Ballonartige Unterärmel mit breiter Manschette waren typisch für die späten 1850er und frühen 1860er Jahre.
Die wegen ihrer „ungeheuerlichen Größe“ als „Elefantenärmel“ bezeichneten Ausführungen wurden um 1861 mit Drahtgestellen ausgesteift, damit die gewünschte Steifheit des Batist, des Tülls und der Spitzen erhalten blieb; dieser Typus kam schon Anfang der 1860er wieder aus der Mode. Die Ärmel waren dann „halbeng“ und im Ellenbogen etwas völliger, aber so lang, dass am Handgelenk nur noch wenig Weißzeug zu sehen war. Die umgekehrte Trichterform blieb noch länger in Mode. mini|Entwurf, Gazette de bon genre (1922) In den 1920ern waren Pagodenärmel lange, schmale Ärmel, die etwa 15 Zentimeter über dem Handgelenk endeten, mit einem kleinen Unterärmel oder einem abnehmbaren kurzen Ärmel zu kombinieren. Doch schon Anfang der 1920er Jahre gaben Couturiers und Designer ihre Bemühungen auf, vollere Röcke und Pagodenärmel wieder einzuführen.
Im Jahr 1933 präsentierte die Modeschöpferin Elsa Schiaparelli in ihren Kollektionen auch Pagodenärmel; dieser Stil wurde auch als „Ägypten-Look“ bekannt. Der Modedesigner Yves Saint Laurent setzte in seiner China Collection der 1977/78er auf Pagodenärmel.
Pagodenärmel der Männermode mini|Modezeichnungen links: Perruque à Face; Mitte: Dame en Robe; Links; rechts: Manche en Pagode (von Jacques Chéreau, um 1720) mini|Jean François de Troy – The Declaration of Love (um 1724, Metropolitan Museum of Art) Ende des 17. Jahrhunderts waren Herrenmäntel knielang und weiteten sich nach unten hin zu weit schwingenden Röcken, die weiten Pagodenärmel hatten breite Manschetten an den Handgelenken. Ärmel von Herrenmänteln wurden auch als „manche en pagode“ bezeichnet, wie etwa 1729 in der Zeitung Mercure de France – wenn deren sehr hohe, den Ellbogen umschließende Aufschläge nach hinten auf den Ärmel umgeschlagen war, anstatt – wie die breiten Stulpenaufschläge der vorangegangenen Jahre – nach außen zu stehen. Auch die Ärmel von Damenkleidern aus dem ersten Drittel des 18. Jahrhunderts wurden als „à pagode“ bezeichnet; sie waren trichterförmig ausgestellt und wiesen ebenso weite umgeschlagene Aufschläge auf, die aber nicht so breit wie die jene der Männer waren. Der französische Maler Jean-Francois de Troy hat diese Mode seiner Zeit in seinen Gemälden (zum Beispiel in Die Liebeserklärung) eingefangen.
Die Bezeichnung des Banyan als „armenisches Gewand“ (wohl auf die armenischen Kaufleute zurückzuführen) setzte sich nicht durch: eine 1780 veröffentlichte Modeillustration bezeichnete die Ärmel eines ähnlichen Gewands als „en pagode“ und so fand der Begriff „en pagode“ in den 1780er Jahren schließlich für alles Verwendung, was ausgestellt war.
Der Begriff „en pagode“ tauchte während des Zweiten Kaiserreichs erneut auf und bezog sich dabei auf die ausgestellten Ärmel von Damenkleidern.
Einzelnachweise
Kategorie:Teil eines Kleidungsstücks Kategorie:Armbekleidung Kategorie:Bekleidungszubehör Kategorie:Frauenkleidung