Beim Brandanschlag in Gremberg (Köln) am 26. Januar 1994 kamen eine Zwölfjährige und ihre 64-jährige Großmutter ums Leben, die dort in einer städtischen Notunterkunft lebten. Von behördlicher Seite wird bis heute kein rassistisches Motiv anerkannt. Auf Grundlage journalistischer Recherchen und wissenschaftlicher Arbeiten werden Jasminka Jovanović und Raina Jovanović jedoch als Todesopfer rechtsextremer Gewalt in der Bundesrepublik Deutschland gewertet.

Tathergang und Ermittlungen Jasminka Jovanović und ihre Großmutter Raina Jovanović gehörten einer Roma-Familie an. Sie waren mit ihrer Familie vor ethnischer Verfolgung und Krieg aus Serbien bzw. Jugoslawien geflohen. In Deutschland lebten sie in einer Notunterkunft in Köln-Gremberg.

Unbekannte setzten am 26. Januar 1994 in der Notunterkunft in der Lüderichstraße mit Brandbeschleunigern Gegenstände in Brand, die vor den Zimmern der Roma-Familien standen. Bei der Flucht durch den brennenden Flur zogen sich mehrere Bewohner Verletzungen zu. Außer dem Mädchen und ihrer Großmutter wurden acht weitere Menschen teils lebensgefährlich verletzt, darunter zwei Kleinkinder. Laut dem Verein Rom e. V., der sich für die Rechte von Roma und Sinti einsetzt, sei die Feuerwehrzufahrt zur Unterkunft verriegelt und im Gebäude kein Feuerlöscher vorhanden gewesen.

Viele Spuren wurden durch die Aufräumarbeiten am folgenden Tag zerstört. Ein rassistisches Motiv wurde durch die Ermittlungsbehörden bereits am Tag nach dem Brand ausgeschlossen. Eine ausführliche Spurensicherung fand daher nicht statt.

Zunächst wurden Angehörige der Familien verdächtigt, später wurde ein Bewohner der Unterkunft zum Hauptverdächtigen. Die Polizei ermittelte gegen den mehrfach wegen Brandstiftungen verurteilten Mann: In mehr als einem Dutzend seiner vorherigen Wohnorte war es zu Brandstiftungen gekommen, und er war wegen Fantasien über Brandanschläge gegen Geflüchtetenunterkünften aufgefallen. Die Ermittlungen gegen ihn wurden eingestellt. Im Wohnheim lebende Obdachlose erklärten gegenüber der Polizei, die Roma hätten die Tat provoziert.

Die Polizei ermittelte wegen Brandstiftung und nicht wegen Mordes oder Totschlag, obwohl Gutachter des Landeskriminalamtes NRW bestätigten, dass der oder die Brandstifter wussten, dass in den Zimmern Menschen schliefen.

Späterer Verlauf Aufgrund der Einstufung als Brandanschlag verjährte der Fall im Jahre 2014, woraufhin die Akten bei Polizei und Staatsanwaltschaft vernichtet wurden. Der Vater von Jasminka Jovanović beauftragte 2018 die auch im NSU-Prozess beteiligte Rechtsanwältin Edith Lunnebach, den Fall aufzuarbeiten. Lunnebach konstatierte nachlässige Ermittlungen und antiziganistische Bemerkungen in den Teilen der Akten, die ihr Mandant ihr zur Verfügung stellen konnte. Bemühungen, die Ermittlungen wegen Mordes wieder aufzunehmen, blieben vergeblich.

2022 begann das Landeskriminalamt (LKA), Altfälle zu überprüfen (Todesopfer rechter Gewalt NRW – ToreG), die von der Zivilgesellschaft, nicht jedoch von behördlicher Seite als rassistische Gewalttaten erachtet wurden. Dabei verzichtete das LKA auf unabhängige wissenschaftliche Überprüfung und die Anhörung von Angehörigen der Opfer. Aufgrund der fehlenden Verfahrensakten wurde der Brandanschlag in Köln-Gremberg nicht abschließend bewertet.

Angehörige Die Familie der Opfer wurde zwei Tage nach dem Anschlag von der Ausländerbehörde aufgefordert, Deutschland zu verlassen. Sie lebt bis heute mit einer Duldung in Deutschland. Weil kein gesicherter Aufenthaltsstatus gewährt wurde, konnten die Angehörigen nicht das Grab der verstorbenen Tochter in Serbien besuchen (Stand 2017).

Einzelnachweise

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