Kolpings Traum ist ein deutschsprachiges Musical in zwei Akten über den katholischen Priester und Sozialreformer Adolph Kolping.
Das Buch und Teile der Liedtexte stammen von Christoph Jilo, die Musik und weitere Liedtexte von Dennis Martin. Zusätzliche Musik komponierte Marc Schubring. Das von der Spotlight Musicalproduktion entwickelte Werk wurde am 2. August 2013 im Schlosstheater Fulda uraufgeführt.
Das Musical verbindet Stationen aus Kolpings Biografie mit erfundenen Figuren und Handlungssträngen. Im Mittelpunkt stehen sein Weg vom Schuhmachergesellen zum Priester sowie die Entstehung seiner Idee, wandernden Handwerksgesellen durch Bildung, Gemeinschaft und soziale Unterstützung eine neue Heimat zu geben.
Hintergrund und Entstehung
Das Musical entstand anlässlich des 200. Geburtstages Adolph Kolpings, der am 8. Dezember 1813 in Kerpen geboren wurde. Als historischer Hintergrund dienen die Industrialisierung, die Verarmung großer Bevölkerungsteile und die schlechten Lebens- und Arbeitsbedingungen vieler Handwerksgesellen und Fabrikarbeiter im 19. Jahrhundert.
Produziert wurde das Werk von der Fuldaer Spotlight Musicalproduktion. Christoph Jilo schrieb das Buch sowie Teile der Liedtexte und führte bei der Uraufführung Regie. Doris Marlis übernahm die Co-Regie und Choreografie. Das Bühnenbild stammte von Andreas Arneth, die Kostüme von Ute Carow und die Lichtgestaltung von Rüdiger Benz. Die Chorleitung lag bei Andreas Pabst.
Neben Adolph Kolping treten mit dem Pädagogen Johann Gregor Breuer und dem Elberfelder Bürgermeister Johann Adolf von Carnap weitere historische Persönlichkeiten auf. Zentrale Figuren wie Karl Wagner, Susanne sowie der Fabrikant Wilhelm Karcher und dessen Ehefrau Frieda wurden für die Bühnenhandlung erfunden oder dramaturgisch ausgestaltet.
Handlung
Erster Akt
Der gealterte Adolph Kolping blickt auf sein Leben zurück. Seine Erinnerungen führen in das frühe 19. Jahrhundert, als Maschinen und Fabriken die bisherige Arbeitswelt grundlegend verändern.
Der junge Kolping arbeitet in Kerpen als Schuhmachergeselle. Obwohl ihm sein Handwerk ein gesichertes Leben ermöglichen könnte, sehnt er sich nach Bildung und einer bedeutungsvolleren Aufgabe. Er verlässt seine Heimat und begibt sich auf Wanderschaft. Dabei lernt er den lebensfrohen Handwerksgesellen Karl Wagner kennen. Beide ziehen gemeinsam nach Köln.
Karl findet Arbeit in der Fabrik des Unternehmers Wilhelm Karcher und verliebt sich in Susanne. Kolping erkennt dagegen zunehmend die schlechten Lebens- und Arbeitsbedingungen der Gesellen und Fabrikarbeiter. Frieda Karcher, die Ehefrau des Fabrikanten, unterstützt seinen Wunsch nach Bildung. Kolping besucht eine höhere Schule und entscheidet sich schließlich dafür, Priester zu werden.
Während Kolping seinen Bildungsweg verfolgt, versuchen Karl und Susanne, sich eine gemeinsame Existenz aufzubauen. Die wirtschaftliche Situation der Arbeiter verschlechtert sich jedoch zunehmend. Karl wird mit Ausbeutung, Arbeitslosigkeit und sozialer Unsicherheit konfrontiert.
Zweiter Akt
Nach seiner Priesterweihe wird Kolping Kaplan in Elberfeld. Dort begegnet er dem Lehrer Johann Gregor Breuer, der einen Gesellenverein gegründet hat. Breuer führt Kolping in die Armenviertel der Stadt und macht ihn mit der konkreten Not der Arbeiter und Gesellen vertraut.
Kolping trifft dort auch Karl wieder, der durch Arbeitslosigkeit und Armut verbittert ist. Die Begegnung wird für Kolping zum Wendepunkt. Er erkennt, dass Predigten und religiöse Unterweisung allein nicht genügen und die Gesellen konkrete Unterstützung, Bildung und Gemeinschaft benötigen.
Gleichzeitig verschärft sich der Konflikt zwischen den Fabrikarbeitern und Karcher. Karl schließt sich den Protesten an und wird zu einer treibenden Kraft des Widerstands. Kolping versucht, eine gewaltsame Eskalation zu verhindern und die Arbeiter an ihre eigene Würde und Verantwortung zu erinnern.
Am Ende findet Kolping seine Lebensaufgabe. Aus seinem Engagement entstehen Gesellenvereine, die jungen Handwerkern Unterkunft, Weiterbildung und sozialen Halt bieten. Diese bilden die Grundlage des späteren internationalen Kolpingwerks.
Rollen
Adolph Kolping Ein Schuhmachergeselle aus Kerpen, der nach Bildung und einer sinnvollen Lebensaufgabe sucht. Er wird später Priester und Sozialreformer. In einigen Inszenierungen werden der junge und der gealterte Kolping von unterschiedlichen Darstellern gespielt.
Karl Wagner Kolpings fiktiver Weggefährte. Der lebensfrohe Handwerksgeselle wird später Fabrikarbeiter und erlebt die Auswirkungen von Ausbeutung, Arbeitslosigkeit und Armut.
Susanne Karls Partnerin, die trotz wirtschaftlicher Not und gesellschaftlicher Unsicherheit auf eine gemeinsame Zukunft hofft. Die Figur wird je nach Quelle als Susanne Beck oder Susanne Glöckner bezeichnet.
Wilhelm Karcher Ein wohlhabender Fabrikbesitzer, der wirtschaftlichen Erfolg über die Bedürfnisse seiner Arbeiter stellt.
Frieda Karcher Die Ehefrau des Fabrikanten. Sie erkennt Kolpings Begabung und unterstützt seinen Bildungsweg.
Johann Gregor Breuer Lehrer und Gründer des Elberfelder Gesellenvereins, der Kolping an die praktische soziale Arbeit mit den Gesellen heranführt.
Johann Adolf von Carnap Bürgermeister von Elberfeld und Vertreter der politischen Obrigkeit.
Weitere Rollen sind unter anderem Handwerksmeister, Schustergesellen, Fabrikarbeiter, Geistliche, Soldaten, Bürger und Kinder.
Musik
Die Partitur verbindet Pop- und Rockmusik mit Balladen, Ensemblenummern und Elementen des klassischen Musicals. Wiederkehrende musikalische Motive begleiten Kolpings Wunsch nach Veränderung, die Beziehung zwischen Karl und Susanne sowie die zunehmenden gesellschaftlichen Konflikte.
Mehrere Lieder werden im Verlauf des Stücks als Reprisen wiederholt und erhalten dabei eine veränderte dramatische Bedeutung.
Liederübersicht
Die folgende Übersicht enthält die größeren Gesangsnummern des Musicals. Je nach Inszenierung und Veröffentlichung können einzelne Reprisen, instrumentale Übergänge und Szenen unterschiedlich bezeichnet oder angeordnet sein.
Ein Leben unter Dampf Raus aus meiner kleinen Welt Wer schuftet und malocht Das ist meine Stadt Geld regiert die Welt Mach die Augen auf Der Irrtum meines Lebens In deinen Händen Genug ist genug Das wahre Leben Verraten und verkauft Komm zurück in unsern Traum So kann es nicht bleiben Vergesst nicht, wer ihr seid Revolution Lebenszeichen
Uraufführung und Erstbesetzung
Die Uraufführung fand am 2. August 2013 im Schlosstheater Fulda statt. Anschließend wurde die Produktion vom 15. August bis zum 1. September 2013 im Opernhaus Wuppertal gezeigt.
Die Erstbesetzung bestand aus:
Adolph Kolping: Maximilian Mann Adolph Kolping, alt: Léon van Leeuwenberg Karl Wagner: Dennis Henschel Susanne Glöckner: Sabrina Weckerlin Wilhelm Karcher: Claus Dam Frieda Karcher: Tina Haas Johann Gregor Breuer und Kaplan: Dietmar Ziegler Clara: Tabea Grün Eisenstein: Sascha Kurth Schuster und Bürgermeister: Olaf Meyer Schuster Beck und Hauptmann: Martin Christoph Rönnebeck
Zum Ensemble der ursprünglichen Produktion gehörten außerdem Guido Breidenbach, Tamina Ciskowski, Evita Komp, Yasuko Kayamori, Lars Rindelaub und Konstantin Zander. Als Swings waren Kristian Lucas, Stephan R. Przywara, Jenny Schlensker, Robert Schmelcher und Linda Stark beteiligt.
Die von Sabrina Weckerlin gespielte Figur wird in unterschiedlichen Produktionsdatenbanken als Susanne Glöckner oder Susanne Beck bezeichnet.
Weitere Aufführungen
Fulda und Wuppertal 2013
Im Anschluss an die Uraufführung wurde das Musical vom 2. bis zum 11. August 2013 insgesamt 16-mal im Schlosstheater Fulda gespielt. Vom 15. August bis zum 1. September 2013 folgten 22 Vorstellungen im Opernhaus Wuppertal.
Wiederaufnahme in Fulda 2014
Vom 8. bis zum 17. August 2014 wurde die Produktion für weitere 17 Vorstellungen im Schlosstheater Fulda wiederaufgenommen.
Große Teile der ursprünglichen Hauptbesetzung blieben erhalten. Als Alternativbesetzungen waren unter anderem Kristian Lucas als Adolph Kolping, Sascha Kurth als Karl Wagner und Karolin Konert als Susanne vorgesehen.
Aufführung beim Kolpingtag 2015
Am 19. September 2015 wurde Kolpings Traum im Rahmen des Kolpingtages in der Lanxess Arena in Köln aufgeführt. Rund 15.000 Menschen besuchten die Veranstaltung.
Die Inszenierung verzichtete weitgehend auf ein klassisches Bühnenbild und arbeitete stattdessen mit historischen Kostümen, einzelnen Requisiten und Videoleinwänden. Maximilian Mann, Dennis Henschel, Sabrina Weckerlin, Claus Dam und Tina Haas kehrten in ihre Rollen zurück. Den gealterten Adolph Kolping spielte Frank Logemann. Die musikalische Begleitung übernahm das Berliner Pop Orchestra.
Ein Mitschnitt dieser Aufführung wurde später als DVD unter dem Titel Kolpings Traum – Live aus der Lanxess-Arena veröffentlicht.
Inszenierung in Garmisch-Partenkirchen 2022
Der Kulturverein des Pfarrverbandes Zugspitze führte Kolpings Traum am 4., 5., 6., 11. und 12. November 2022 im Festsaal Werdenfels des Kongresshauses Garmisch-Partenkirchen auf.
An der regionalen Inszenierung wirkten mehr als 70 Personen aus Schauspiel, Gesang, Tanz, Chor, Orchester und Bühnentechnik mit. Regie und Choreografie übernahm Julia Goldstern. Die musikalische Leitung lag bei Sylvia Meggyes, die Orchesterleitung bei Thomas Nähbauer.
Benedikt Ehrenberg verkörperte den jungen Adolph Kolping, Michael Maier übernahm die Rolle des Karl Wagner und Julia Goldstern spielte Susanne. Als Fabrikant Karcher waren Ferdl Brunnenmayer und bei weiteren Vorstellungen Harald Ehrenberg zu sehen.
Die örtliche Presse hob insbesondere das Zusammenspiel von Darstellern, Gesang, Liveorchester, Tanz, historischen Kostümen sowie Bild- und Lichttechnik hervor. Besonders erwähnt wurden Ehrenberg und Maier als Kolping und Karl, Brunnenmayer als Karcher sowie die Darstellung des Arbeiteraufstandes im zweiten Akt.
Nach Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat und Oliver! war Kolpings Traum die dritte größere Musicalproduktion des Kulturvereins des Pfarrverbandes Zugspitze.
Neuinszenierung in Kerpen 2024
Das Musical Ensemble Erft brachte Kolpings Traum vom 29. November bis zum 1. Dezember 2024 mit vier Vorstellungen in der Aula des Gymnasiums der Stadt Kerpen auf die Bühne. Die halbszenische Inszenierung bestand aus 21 Darstellerinnen und Darstellern, einem Chorensemble und einem großen Liveorchester. Die künstlerische Gesamtleitung und Regie übernahm Barbara Körner-Franck, die musikalische Leitung lag bei David Pesch.
Die Rolle des jungen Adolph Kolping wurde von Daniel Wichmann und Alexander Geiger gespielt. Als Karl Wagner waren Tim Stranowsky und Miguel Schlang zu sehen, als Susanne Beck Anja Hemmann und Barbara Mocha. Wilhelm Karcher wurde von Markus Bürgel und Christoph Paeßens, Frieda Karcher von Katrin Janke und Melina Paeßens verkörpert. Hans-Josef Pütz spielte den gealterten Adolph Kolping, Marco Maciejewski Johann Gregor Breuer.
Zum Ensemble gehörten Jennifer Boldt, Annika Eggerath, Stefanie Köb, Nadine Linden, Sarah Wichmann, Saskia Rappenhöner, Simone Rothkegel, Monika Schumacher und Joshua Vithayathil.
Veröffentlichungen
2013: Kolpings Traum, Original-Cast-Aufnahme aus Fulda 2014: Kolpings Traum – Live aus dem Schlosstheater Fulda, DVD 2015: Kolpings Traum – Live aus der Lanxess-Arena, DVD
Die Original-Cast-Aufnahme sowie die beiden Videoaufzeichnungen sind im Musicallexikon der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg dokumentiert.
Rezeption
Die Zeitschrift Blickpunkt Musical bezeichnete die Uraufführung als ein musikalisches Zeitgemälde, in dem Kolping zunächst als Beobachter, später als Vermittler und schließlich als Sozialreformer auftrete. Hervorgehoben wurden insbesondere die Texte und die verständliche Vermittlung gesellschaftlicher Inhalte.