Lorimar Television (zuvor Lorimar Productions und später Lorimar Distribution, ab 1986 Lorimar-Telepictures), oft nur als Lorimar bezeichnet, war ein US-amerikanisches Film- und Fernseh-Produktionsunternehmen, das vom 1. Februar 1969 bis zum 1. Dezember 1993 aktiv war, bis es in Warner Bros. Television eingegliedert wurde. Einige Quellen nennen als Zeitpunkt der Fusion den 14. Juli 1993.
Geschichte Im Jahr 1969 gründeten Irwin Molasky (1927–2020), Merv Adelson (1929–2015) und Lee Rich (1927–2012) Lorimar Productions mit Hilfe eines Bankkredits über 185.000 US-Dollar, den Adelson einbrachte. Der Firmenname war ein Kofferwort aus dem Vornamen von Adelsons Ehefrau Lori und dem Namen des Flughafens von San Diego, dem Palomar Airport.
Lee Rich hatte bereits einen etablierten Ruf als Werbechef von Benton & Bowles sowie als Fernsehproduzent. So produzierte er erfolgreiche Fernsehserien mit Walter Mirisch, unter anderem The Rat Patrol.
Zu Beginn stellt Lorimar für ABC Fernsehfilme für das Format Movie of the Week her. Rich kaufte das Drehbuch für eine Adaption von Earl Hamner juniors Roman The Homecoming und verkaufte die Rechte anschließend an CBS. The Homecoming: A Christmas Story, ausgestrahlt in der Weihnachtssaison 1971, wurde ein Quotenerfolg und diente als Pilotfilm für Lorimars ersten großen Hit, Die Waltons, die im Jahr 1972 Premiere hatten. Im Verlauf der 1970er Jahre produzierte Lorimar eine Reihe weiterer erfolgreicher Serien, darunter Eight Is Enough und Dallas – das mit Abstand populärste Format der Produktionsfirma.
mini|Von 1978 bis 1988 genutztes Logo Lorimar Productions weitete seine Geschäftstätigkeit schrittweise aus. Zunächst wurde eine eigene Syndication‑Abteilung eingerichtet und 1978 eine Partnerschaft mit United Artists (UA) eingegangen, die den Verleih der von Lorimar produzierten Filme übernahm. Im Gegenzug sollte Lorimar Fernsehserien auf Grundlage von Stoffen von United Artists produzieren – dies kam jedoch nicht zustande und die Vertriebsvereinbarung wurde 1980 wieder beendet. Im selben Jahr erwarb Lorimar die Filmbibliothek der Allied Artists Pictures Corporation.
In der Fernsehsaison 1984–1985 gehörten drei der zehn erfolgreichsten US‑Fernsehserien Lorimar: Dallas, Unter der Sonne Kaliforniens und Falcon Crest. Mitte der 1980er-Jahre verlagerte sich Lorimars Produktion stärker in Richtung familienfreundlicher Sitcoms: hierzu gehörten Der Hogan-Clan (auch: Valerie), Ein Grieche erobert Chicago und Full House, das von Miller‑Boyett-Productions im Auftrag hergestellt wurde. 1985 unternahm Lorimar einen gezielten Vorstoß in das lukrative Geschäft der First‑Run‑Syndication und übernahm Syndivision, dessen landesweite Erstausstrahlungsrechte (Syndication) erfolgreiche Formate wie The Greatest American Hero und It’s a Living umfassten. Geplante neue Folgen der CBS‑Spielshow Press Your Luck wurden jedoch verworfen.
Im Oktober 1985 kündigte Lorimar im Rahmen seiner Syndication‑Erweiterung an, mit dem Fernsehvertriebsunternehmen Telepictures zu fusionieren. Aus der Fusion entstand Lorimar‑Telepictures. Im selben Jahr gab Lorimar bekannt, 15 Prozent von Warner Communications erwerben zu wollen. Am 19. Februar 1986 wurde die Fusion zu Lorimar‑Telepictures abgeschlossen und das Unternehmen wurde unter dem Kürzel „LT“ an der New Yorker Börse gehandelt. 1986 kaufte Lorimar zudem das ehemalige Studiogelände von Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) in Culver City, fortan Lorimar Studios genannt, sowie das Metrocolor‑Labor von Ted Turner; Metrocolor wurde später für 60 Millionen US‑Dollar an Technicolor weiterverkauft. Lee Rich verließ das Unternehmen und wechselte zu MGM.
Im Jahr 1987 wurde der Produktionszweig von Lorimar‑Telepictures zu Lorimar Television und der Vertriebszweig unter dem Namen Lorimar Syndication neu firmiert. Dies war Teil einer Strategie, die Marke Lorimar als einheitliche Bezeichnung für alle Geschäftsbereiche von Lorimar‑Telepictures zu etablieren. 1987 wurden ebenfalls Pläne bekannt, ein von Lorimar produziertes Fernsehformat für das Fernsehmagazin TV Guide zu produzieren; die Pläne wurden jedoch fallen gelassen und erst im Jahr 1999 im Rahmen der Umbenennung des Prevue Channels in TV Guide Channel realisiert.
Im Juni 1988 wurde Lorimar von Warner Communications übernommen, das 1990 mit Time Inc. zu Time Warner (heute: Warner Bros. Discovery) fusionierte. Lorimars Vertriebsabteilung wurde in Warner Bros. Television Distribution eingegliedert und firmierte fortan als Warner Bros. Domestic Television Distribution. Der Markenname Telepictures wurde 1990 als Produktionsfirma und 1995 als Syndication‑Unternehmen wiederbelebt. Die Lorimar Studios, das Studioareal, das einst von MGM übernommen wurde, wurden Ende 1989 an Sony verkauft, um dort Columbia Pictures, TriStar Pictures und weitere Sony‑Marken unterzubringen. 1990 erfolgte die Umbenennung in Columbia Studios und später in Sony Pictures Studios (heute: Sony Pictures Entertainment).
1990 verließ David Salzman Lorimar, um Millennium Productions zu gründen, eine unabhängige Produktionsfirma mit Verbindung zu Warner Bros. 1991 wechselte Gary Nardino nach der Schließung der Fernsehabteilung von Orion Pictures zu Lorimar und brachte mehrere von Orion produzierte Fernsehserien sowie bestehende Talent‑Verträge mit, darunter Thomas Carter, Robert Townsend, Paul Stojanovich, Clifton Campbell und Deborah Joy LeVine. 1992 schloss Barbara Corday, ehemalige Führungskraft bei CBS, einen Vertrag mit dem Studio.
Lorimar blieb bis September 1993 als Produktionsfirma bestehen, bevor es schließlich aus wirtschaftlichen Gründen vollständig in Warner Bros. Television integriert wurde. Die letzte Fernsehserie, die von Lorimar Television (zusammen mit Warner Bros. Television und Gary Nardino Productions) komplett produziert wurde, war Time Trax – Zurück in die Zukunft, die auf dem Prime Time Entertainment Network Premiere hatte. Von Lorimar Productions geplante oder laufende Fernsehserien wurden schließlich von Warner Bros. Television fortgeführt, darunter Superman – Die Abenteuer von Lois & Clark, Living Single, It Had to Be You, Café Americain, The Trouble with Larry, Against the Grain und Family Album.
Les Moonves war von 1990 bis 1993 Präsident und Chief Executive Officer (CEO) von Lorimar Television und wurde nach der Fusion Vorsitzender von Warner Bros. Television. Später war er Vorstandsvorsitzender und CEO der CBS Corporation.
Darüber hinaus besaß Lorimar wesentliche Teile der Filmbibliothek des eingestellten Studios Allied Artists (ursprünglich Monogram Pictures), darunter Filmklassiker wie Cabaret und Papillon, die durch die Fusion heute Warner gehören. Nach der Fusion mit Telepictures übernahm Lorimar außerdem das von Arthur Rankin Jr. und Jules Bass gegründete Animationsstudio Rankin/Bass Animated Entertainment sowie dessen Bibliothek ab 1973. Dies führte zum erfolgreichen Einstieg in den Animationsmarkt der 1980er‑Jahre; hierzu gehörte unter anderem die bis 1989 produzierte Serie ThunderCats. Eine von Warner Bros. Animation produzierte und eine Staffel umfassende Neuauflage wurde im Jahr 2011 auf Cartoon Network ausgestrahlt.
Lorimar Film Entertainment Auch wenn der Fokus von Lorimar Television im Bereich von Fernsehserien, Seifenopern bzw. Sitcoms sowie Fernsehfilmen lag, produzierte Lorimar zunächst unter der Marke Lorimar Motion Pictures (teilweise nur Lorimar Pictures) in den 1980er‑Jahren auch sporadisch Kinofilme, von denen die meisten ursprünglich von anderen Studios verliehen wurden. Lorimars Einstieg in den Bereich der Spielfilme wurde überwiegend von Merv Adelson vorangetrieben; Lee Rich hingegen war strikt dagegen. Das neue Unternehmensfeld war ein Faktor, der zu Spannungen und schließlich im Jahr 1986 zu Richs Ausstieg aus dem Studio führte.
Lorimar beendete 1980 seine ursprüngliche Vertriebsvereinbarung mit United Artists (UA), kurz nachdem die Allied‑Artists‑Bibliothek übernommen worden war – hauptsächlich aufgrund von Unzufriedenheit mit der uneinheitlichen Vermarktung der Lorimar‑Produktionen durch United Artists, die wiederum aus nicht umgesetzten Zusagen Lorimars gegenüber United Artists in der Serienproduktion resultierten. In der Folge wurden viele Lorimar‑Filme in den Vereinigten Staaten entweder durch Universal Pictures oder Paramount Pictures verliehen. Ende 1984 begann die gesamte Einheit, ihre Aktivitäten auszuweiten, darunter ein Vertrag mit Sidney Lumet zur Entwicklung neuer Spielfilme. 1985 ging Lorimar eine Partnerschaft mit der Producers Sales Organization (PSO) ein, die den weltweiten Vertrieb übernahm, sowie mit 20th Century Fox, das die nordamerikanischen Verleihrechte für viele Lorimar‑Kinofilme erhielt. Bis 1986 hatte Lorimar Motion Pictures internationale Vertriebsabkommen mit U.K. Film Distributors (einem Joint Venture von TCF und der Walt Disney Company) im Vereinigten Königreich, mit UGC in Frankreich, mit der Neuen Constantin Film in Deutschland sowie Toho‑Towa in Japan abgeschlossen.
Im Januar 1987 wurde die Filmeinheit in Lorimar Film Entertainment umbenannt, um sie an die neu gegründete interne Vertriebsabteilung anzupassen; diese ersetzte eine vorherige Vereinbarung mit Fox. Im selben Jahr schloss New Century/Vista Film Co. (ein Joint Venture aus The Vista Organization und New Century Entertainment) einen internationalen Vertriebsvertrag mit Lorimar. Mehrere Vista‑Produktionen wurden daraufhin von Lorimar verliehen, darunter Rented Lips, Pass the Ammo und Mein Nachbar, der Vampir. Lorimar erwarb außerdem internationale Kino‑ und Nebenrechte an Toll treiben es die wilden Zombies.
Im Mai 1987 kündigte Craig Baumgarten an, der seit 1984 bei Lorimar Motion Pictures tätig war, an seinen Posten als Präsident im Dezember niederzulegen; Peter Chernin übernahm daraufhin die Leitung von Lorimar Film Entertainment.
Nach der Fusionsankündigung von Lorimar‑Telepictures mit Warner Communications schloss Lorimar im Jahr 1988 einen neuen Vertriebsvertrag mit Warner Bros. Dieser Vertrag beendete effektiv Lorimars interne Vertriebsabteilung. Die Kinofilm‑Bibliothek von Lorimar wurde im Anschluss in Warner Bros. Pictures eingegliedert. Heute besitzt Warner Bros. den Großteil des Lorimar‑Katalogs, wenngleich einige Filme bei ihren ursprünglichen Verleihern verblieben. Der letzte unter Regie von Lorimar produzierte Film war 1990 Hexen hexen.
Lorimar Home Video Im Jahr 1984 kaufte Lorimar die von Stuart Karl (1953–1991) gegründete Karl Video Corporation (KVC), das Unternehmen hinter Jane Fondas Fitness‑Videoreihe Jane Fonda’s Workout. Lorimar lizenzierte weiterhin Bibliotheksmaterial, vor allem Titel aus dem erworbenen Allied‑Artists‑Katalog, an CBS und Fox Video sowie an deren Tochtergesellschaften Key Video und Playhouse Video.
Nach der Übernahme von KVC firmierte Lorimar Home Video zunächst als Karl‑Lorimar und begann sich zu erweitern, zunächst durch eine Vereinbarung über den Vertrieb von Filmen der Lorimar Motion Pictures. Verträge mit Drittanbietern wurden mit VCL Communications und der De Laurentiis Entertainment Group geschlossen, während gleichzeitig die Grundlage für eine internationale Expansion gelegt wurde, durch die Lorimar‑Titel im Vereinigten Königreich über Guild Home Video und The Video Collection veröffentlicht wurden; letztere Firma übernahm Kinderprogramme, darunter Titel des Gemeinschaftsprojekts Scholastic‑Lorimar Home Video.
Ende 1986 wurde ein neues, an einen Fernsehsender erinnerndes Home‑Video‑Branding eingeführt: KLV‑TV, das als „Your Personal Network“ beworben wurde. Weitere Wachstumsfelder waren Karl‑Lorimars Vertrieb der Romantikreihe Shades of Love (Direct-to-Video-Vertrieb in Zusammenarbeit mit Astral Film Enterprises aus Kanada) sowie Jazzvisions, eine Konzertreihe mit Jazzgrößen wie Herbie Hancock, Antonio Carlos Jobim, John Scofield, George Duke, Tito Puente und Etta James – einschließlich einer Big-Band-Jazzproduktion von Porgy and Bess.