Sphaerodactylus elasmorhynchus ist eine Geckoart aus der Gattung der Kugelfingergeckos (Sphaerodactylus). Sie ist nur vom Holotypus, einem Weibchen, bekannt, das im März 1966 von Richard Thomas südsüdöstlich von Marché Léon im Département Grand’Anse in Haiti auf der Insel Hispaniola in einer Höhenlage von 790 m gesammelt wurde.
Merkmale Das Typusexemplar von Sphaerodactylus elasmorhynchus weist eine Kopf-Rumpf-Länge von 17 mm auf. Der nicht regenerierte Schwanz misst ebenfalls 17 mm. Sphaerodactylus elasmorhynchus unterscheidet sich von allen anderen bekannten Vertretern der Gattung durch eine einzigartige Schnauzenbeschuppung. Die stark vergrößerten Supra- und Postnasalschilde bilden zusammen mit dem Rostralschild und den Labialschilden eine zusammenhängende Schildplatte, die den größten Teil der Schnauze bedeckt. Die Rückenschuppen sind fein gekörnt und gekielt, während die Bauchschuppen groß, glatt und dachziegelig angeordnet sind. Zwischen Achsel und Leiste befinden sich 56 Rückenschuppen. Die Schuppen auf der Oberseite des Schwanzes sind gekielt, diejenigen auf der Unterseite glatt; die mittlere Bauchschuppenreihe des Schwanzes ist vergrößert. Die vierte Zehe besitzt zehn Haftlamellen. Jede Schuppe trägt ein bis zwei Schuppenorgane mit bis zu drei Haaren.
Die Lebendfärbung des Holotypus war dunkelbraun mit kleinen, dunkel umrandeten, orangezentrierten Ocelli auf Körper und Schwanz. Die Ocelli sind auf dem Körper in sechs unregelmäßigen Längsreihen angeordnet, wobei die dorsolateralen Reihen die größten und auffälligsten Flecken tragen. Das Hinterhaupt weist ein Paar heller Querflecken sowie ein schwach ausgeprägtes Paar gegabelter dunkler Streifen hinter den Augen auf. Im Kreuzbeinbereich befindet sich ein Paar vergrößerter heller Flecken, deren dunkle Innenränder eine U-förmige Zeichnung bilden. Auf dem Schwanz verlaufen zwei dorsale Reihen von Ocelli. Die Kehle ist schwach pigmentiert und zeigt undeutliche helle Längsstreifen, während die Bauchseite stark pigmentiert ist; zahlreiche Bauchschuppen besitzen hell gefärbte Zentren.
Vergleich mit verwandten Arten Die außergewöhnlich vergrößerten, plattenförmigen Schuppen der Schnauze unterscheiden Sphaerodactylus elasmorhynchus von allen übrigen bekannten Arten der Gattung. Weitere diagnostische Merkmale sind der deutliche Größenunterschied zwischen Rücken- und Bauchschuppen sowie der abrupte Übergang von den körnigen Kehlschuppen zu den Bauchschuppen.
Ein Vergleich der Kopf-Rumpf-Länge mit der Kopflänge zeigt, dass der Holotypus innerhalb des Wertebereichs adulter Exemplare anderer Sphaerodactylus-Arten liegt und nicht mit juvenilen Tieren größerer Arten übereinstimmt. Daraus schlossen Thomas und Schwartz, dass es sich beim Holotypus um ein adultes oder subadultes Exemplar handelt und S. elasmorhynchus eine kleinwüchsige Art ist.
Die Art weist – wie die Vertreter der Sphaerodactylus-decoratus-Artengruppe – Körnerschuppen auf dem Rücken auf, unterscheidet sich von dieser Gruppe jedoch deutlich durch die besondere Schnauzenbeschuppung sowie offenbar auch durch ihre geringe Körpergröße. Unter den auf Hispaniola vorkommenden Arten weist lediglich Sphaerodactylus cinereus ebenfalls eine körnige Rückenschuppung auf, zeigt jedoch nach Auffassung der Autoren keine erkennbaren näheren Verwandtschaftsbeziehungen zu S. elasmorhynchus. Die großen haartragenden Schuppenorgane entsprechen denen anderer Arten mit körniger Rückenschuppung; ihre geringe Anzahl pro Schuppe wird als Folge der geringen Körpergröße der Art interpretiert.
Verbreitung Sphaerodactylus elasmorhynchus ist nur vom Massif de la Hotte im Südwesten Haitis bekannt.
Lebensraum Der Holotyp wurde zwischen den Wurzeln eines verrotteten Baumes in einer bewachsenen Schlucht mit Kalksteinfelsen und Geröll in einem abgeholzten Landschaftsgebiet gefunden.
Status Diese Art wird in der IUCN Red List als „vom Aussterben bedroht“ (CR(PE), möglicherweise ausgestorben) eingestuft, da sie ein sehr begrenztes Verbreitungsgebiet hat, nur an einem einzigen Standort vorkommt und anhaltenden Bedrohungen durch die Ausweitung landwirtschaftlicher Aktivitäten, die Holzkohleproduktion und die Holzgewinnung ausgesetzt ist, die die Ausdehnung und Qualität ihres Waldlebensraums weiter verringern. Gezielte Erhebungen, bei denen keine überlebende Population nachgewiesen werden konnte, sowie der stark geschädigte Zustand der noch vorhandenen Wälder in diesem Gebiet lassen vermuten, dass die Art bereits ausgestorben sein könnte. Sollte die Art noch existieren, wäre sie durch den Verlust ihres Lebensraums aufgrund der Ausweitung der Landwirtschaft, der Holzkohleproduktion und der Holzgewinnung bedroht. Die Wälder unterhalb von 1000 m ü. NN in diesem Gebiet im Zentrum Haitis gehören zu den am stärksten bedrohten Lebensräumen auf dieser Insel, auf der nur noch 1 % der ursprünglichen natürlichen Vegetationsdecke erhalten ist.
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Geckos Kategorie:Gekkonidae Kategorie:Endemisches Tier Haitis Kategorie:Neuzeitlich ausgestorbenes Reptil