Der Arzt und die Teufel (Originaltitel: The Flesh and the Fiends) ist ein schwarzweißer, britischer Thriller von John Gilling aus dem Jahr 1960 mit Peter Cushing und Donald Pleasence in den Hauptrollen. Es handelt sich um eine der zahlreichen Verfilmungen der West-Port-Morde, bei denen die Täter ihre Opfer als Anatomieleichen an Robert Knox von der Edinburgh Medical School verkauften.
Handlung Im Edinburgh des Jahres 1828 ist Dr. Robert Knox ein hochangesehener Anatomiedozent, dessen Vorlesungen über den menschlichen Körper zahlreiche Medizinstudenten anziehen. Obwohl er häufig mit seinen konservativen und rückständigen Kollegen in Konflikt gerät, genießt er bei seinen Studenten großes Ansehen und sieht es als seine Aufgabe an, die Medizin voranzubringen. Da aufgrund der damaligen Gesetzeslage nur wenige Leichen legal für die anatomische Ausbildung zur Verfügung stehen, ist man auf Grabräuber angewiesen, die weitere Leichname beschaffen. Knox’ Assistent Geoffrey Mitchell und der junge Medizinstudent Chris Jackson übernehmen den Ankauf der Leichen, die – insbesondere wenn sie frisch sind – hohe Preise erzielen.
Zur gleichen Zeit entdecken die heruntergekommenen Trunkenbolde William Burke und William Hare, dass ein Bewohner von Burkes Pension gestorben ist, ohne seine Mietschulden beglichen zu haben. Als sie feststellen, dass sich mit der Leiche ein beträchtlicher Gewinn erzielen lässt, beginnen sie, Einheimische zu ermorden und deren Körper an die medizinische Fakultät zu verkaufen. Als Jackson Burke und Hare in einer Schenke aufsucht, um sie zu bezahlen, lernt er die temperamentvolle Prostituierte Mary Patterson kennen, die den beiden Mördern ebenfalls bekannt ist.
Mit der Zeit schöpfen Jackson und Mitchell Verdacht, dass die von Burke und Hare gelieferten Leichen Mordopfer sind. Trotz ihrer Bedenken lehnt Dr. Knox jede Einschaltung der Polizei ab. Als Mary das nächste Opfer der beiden wird, entdeckt Jackson ihre Leiche im Seziersaal. Als er Burke und Hare zur Rede stellt, wird auch er von ihnen getötet. Nachdem die beiden einen in der Stadt bekannten, psychisch kranken, jungen Mann ermorden, geraten sie unter Mordverdacht und werden von einer aufgebrachten Menschenmenge gefasst. Hare erklärt sich bereit, als Kronzeuge gegen Burke auszusagen, und kommt dadurch frei. Rachsüchtige Einwohner greifen ihn jedoch auf und blenden ihn. Burke wird durch den Strang hingerichtet, wobei er sich bis zuletzt darüber beklagt, dass Dr. Knox ihm den letzten Leichnam nie bezahlt habe.
Wegen seiner Rolle in den Ereignissen wird Knox zum Ziel öffentlicher Empörung, bleibt jedoch straflos und wird auch von seinen Kollegen nicht zur Rechenschaft gezogen; Dr. Mitchell verteidigt ihn dabei eindringlich. Obwohl er seine Lehrtätigkeit fortsetzen darf, wird Knox zunehmend von Schuldgefühlen geplagt. Gegenüber seiner Nichte Martha gesteht er, die Mordopfer seien ihm zunächst in seinem Weltbild unbedeutend erschienen, obwohl er wusste, wie sie gestorben waren. Am Ende des Films rechnet Knox damit, seine Vorlesung vor einem leeren Hörsaal halten zu müssen. Stattdessen wird er von einem komplett gefüllten Auditorium mit Applaus empfangen. Offenbar geläutert, beginnt er seine Vorlesung mit dem Hippokratischen Eid, der das Versprechen beinhaltet, niemandem Schaden zuzufügen.
Entstehung Der Film wurde von Triad Productions produziert, einem Gemeinschaftsunternehmen von Tempean Films und dem Regisseur John Gilling. Gilling schrieb außerdem das Drehbuch. Bereits für die erste Verfilmung des Stoffes – The Greed of William Hart von 1948 – schrieb Gilling das Drehbuch.
Gedreht wurde in den Shepperton Studios in Middlesex, England.
Besetzung und Synchronisation Die deutschsprachige Synchronisation wurde von der Berliner Synchron in Berlin unter der Dialogregie von Bodo Francke nach einem Dialogbuch von Fritz A. Koeniger erstellt.
RolleDarstellerSynchronsprecherDr. Robert KnoxPeter CushingHeinz DracheWilliam HareDonald PleasenceFriedrich SchoenfelderMartha KnoxJune LaverickMargot LeonardDr. Geoffrey MitchellDermot WalshKlaus MiedelHelen BurkeRenee HoustonMarianne WischmannWilliam BurkeGeorge RoseEdgar OttMary PattersonBillie WhitelawGisela TroweChris JacksonJohn CairneyChristian MarschallDaft JamieMelvyn HayesMichael RüthMaggie O'HaraJune PowellInspector McCullochAndrew FauldsKlaus KindlerDr. ElliottPhilip LeaverErnst Fritz FürbringerDr. FergusonGeorge WoodbridgeHans W. HamacherDr. AndrewsGarard GreenOld DaveyGeoffrey Tyrell Veröffentlichungen Der Film hatte seinen Kinostart am 2. Februar 1960 im Vereinigten Königreich und in Deutschland am 4. November.
Im deutschsprachigen Raum war der Film bereits seit seiner Kinopremiere jahrzehntelang auf ca. 80 Minuten gekürzt. Inzwischen ist er auch auf Deutsch ungekürzt erhältlich in Form von DVD, Blu-ray und Stream.
Kritiken
Das Lexikon des internationalen Films urteilt: „Wiederaufnahme des Gruselmotivs aus der Stevenson-Verfilmung Der Leichendieb (1945), relativ gediegen inszeniert.“
TV Spielfilm spricht von einem „gruseligen Thrill“.
Moviebreak.de ist der Hybrid aus historischen Fakten, Horrorfilm, Justizthriller und Gesellschafts-Groteske seiner Zeit voraus. Der ethische Diskurs über das Erlaubte, das Sinnvolle und das Vertretbare überschreite bewusst Grenzen. Die Geltungsneurose der Oberen profitiere von der Skrupellosigkeit der Armut. Der arrogante, gleichgültige und zynische Umgang ließen den Film erst richtig wirken. Es gebe Momente, die auch heute noch wahnsinnig spöttisch wirkten. Mit begrenzten finanziellen Möglichkeiten und künstlerischer Spannweite versuche sich John Gilling an mutigen Ausbruchsversuchen gegenüber dem Standard der frühen 60er. Wenngleich der Film gelegentlich etwas holprig und ungeschickt anmute, verfehle er seine Wirkung nicht – auch dank der tollen Darsteller wie Peter Cushing und Donald Pleasence.
Weblinks
Der Arzt und die Teufel bei Schnittberichte.com
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 1960 Kategorie:Britischer Film Kategorie:Thriller Kategorie:Kriminalfilm Kategorie:Horrorfilm Kategorie:Schwarzweißfilm