Compositions No. 10 & No. 16 (+101) ist ein Musikalbum mit Musik von Anthony Braxton, interpretiert von Guillermo Gregorio, Carrie Biolo, Michael Cameron, Gene Coleman und Jim O’Rourke. Die am 24. Februar 1997 in den Air Wave Studios in Chicago entstandenen Aufnahmen erschienen 1998 auf HatHut Records in der Reihe hat[now]ART.

Hintergrund Der Arrangeur Art Lange organisierte die Aufnahme von Braxtons Kompositionen in Zusammenarbeit mit fünf Musikern der Chicagoer Musikszene der späten 1990er Jahre. Diese Musiker verfügten über vielfältige Erfahrungen in Bereichen wie Jazz, zeitgenössischer Musik, elektroakustischer Musik, Improvisation und Rockmusik, notierte Brian Olewnick.

„Komposition 10“ wird zweimal aufgeführt, mit zwei völlig unterschiedlichen Ergebnissen. Jim O’Rourke (Akkordeon) und Guillermo Gregorio am Altsaxophon in der ersten Fassung, Elektronik (O’Rourke) und Klarinette (Gregorio) in der zweiten. Die Musiker nutzen jeweils die grafische Notation und allgemeine musikalische Anweisungen Braxtons.

Titelliste Anthony Braxton: Compositions No. 10 & No. 16 (+101) (hat[now]ART 108) Composition No. 10¹ 11:38 Composition No. 16 (+101) 17:02 Composition No. 10² 38:44

Die Kompositionen stammen von Anthony Braxton.

Rezeption mini|Anthony Braxton Brian Olewnick verlieh dem Album in Allmusic viereinhalb Sterne und schrieb, es sei schon immer rätselhaft gewesen, warum die Werke zeitgenössischer Komponisten wie Anthony Braxton, dessen Schaffen Jazz und Klassik umfasst, nicht auch außerhalb ihres unmittelbaren musikalischen Umfelds als Standards des modernen Repertoires häufiger aufgeführt werden. Schließlich würden Stücke moderner Komponisten der Generation vor ihm, wie Ornette Coleman oder Charles Mingus, regelmäßig von Interpreten innerhalb und außerhalb des Jazz interpretiert. Man sollte meinen, dass Braxtons eher jazzorientierte und vom Bebop beeinflusste Kompositionen sich hervorragend für Improvisationen eignen würden. Doch abgesehen von einigen wenigen Ausnahmen suche man vergeblich nach Weiterentwicklungen und Interpretationen seiner Werke. Daher sei die Entscheidung des Autors und Arrangeurs Art Lange, zwei von Braxtons abstrakteren Werken aufzunehmen, ein sehr willkommener Schritt und resultiere zudem in einer herausragenden und bleibenden Interpretation.

Die reichhaltige Klangpalette (unter anderem Klarinetten, Vibraphon, Drehleier und Akkordeon) würde wunderbare und warme Klangfarben erzeugen, die mit erstaunlicher Fantasie eingesetzt werden, so Olewnick. Besonders hervorzuheben sei der argentinische Holzbläser Guillermo Gregorio, dessen trockener, luftiger Ton einen idealen Kontrast zu den tiefen Klarinettenklängen und den tiefen Coll’arco-Bass-Mustern von Michael Cameron bilde. Beide Stücke würden im Allgemeinen den Eindruck von besonnener Ruhe und anhaltenden, besinnlichen Betrachtungen vermitteln, in denen hier und da unvorhersehbar Unruhe aufblitzt, aber im größeren, gelasseneren Fluss aufgeht. Die Grenzen zwischen Improvisation und Komposition würden völlig verschwimmen.

Compositions 10 und 16 (+101) sei zweifellos die gelungenste Interpretation von Braxtons Musik, die nicht unter der direkten Aufsicht des Komponisten entstanden ist, lobt Olewnick. Art Lange habe sich damit einen großen Verdienst erworben, nicht nur durch die hervorragende Umsetzung des Projekts, sondern auch, indem er Beweise dafür liefere, dass Braxtons Werk ebenso ernst genommen werden kann wie Kompositionen anderer, bekannterer Meister der Moderne und seine Musik ihren Platz im Standardrepertoire der zeitgenössischen Musik verdiene. Dieses Album sei sowohl langjährigen Braxton-Anhängern sehr empfohlen als auch jenen, die am Besten der „ernsten Musik“ im späten 20. Jahrhundert interessiert seien.

Art Lange, ein hochangesehener Jazzjournalist aus Chicago, habe diese Sammlung außergewöhnlicher Improvisationsmusik für Quintett arrangiert und dirigiert, lobte John Murph in JazzTimes. Die Musik sei typisch Braxton – weitläufig, verspielt, tiefgründig und, ja, anspruchsvoll. Das Programm würde jedoch kurze Anklänge an Swing enthalten, insbesondere in „Composition No. 16 (+101)“, wo Michael Cameron eine gewaltige Walking-Bass-Linie einstreut, die klingt, „als wäre Mingus einem Kandinsky-Gemälde entsprungen“. Die wunderbaren Harmonien von Klarinette, Altsaxophon, Bass und Akkordeon würden überraschenderweise weniger bedrohlich klingen, als sie auf dem Papier erscheinen. Eine gewisse Ruhe unterscheide diese CD von seinen turbulenteren Werken. Vielleicht seien es die ruhigen, linearen Passagen von Bassklarinettist Gene Coleman und Altsaxophonist Guillermo Gregorio oder die kraftvollen Untertöne von Camerons Arco-Bass – jedenfalls zeige sich Braxton hier von seiner intellektuell-romantischsten Seite.

Einzelnachweise

Kategorie:Album (Neue Improvisationsmusik) Kategorie:Album 1998 Kategorie:Anthony-Braxton-Album