Die elektrischen Tagebaulokomotiven AEG Bo Bo 36t wurden ab 1909 bei AEG in acht bezeichneten Exemplaren gefertigt. Die Lokomotiven wurden für verschiedene Tagebaue ursprünglich für das Spannungssystem von 550 V gebaut und für den frühen Fahrbetrieb verwendet. Die meisten der bis 1913 gebauten Exemplare waren um die Zeit des Zweiten Weltkriegs ausgemustert.

Zwei Lokomotiven, die 1943 in das Rheinische Braunkohlerevier gelangten, wurden ab 1952 in Normalspur umgebaut und versahen bis 1972 als Rangierlokomotiven bei Rheinbraun auf dem Bahnhof der Grube Carl ihren Dienst.

Geschichte Vorkriegsgeschichte Diese vierachsigen Lokomotiven gehen auf die ersten vierachsigen Abraumlokomotiven zurück, von denen im Tagebau Phönix 1907 die ersten Maschinen dieser Bauart beschafft wurden.Frank Barteld: Kohlebahnen im Meuselwitz-Rositzer Revier, Verlag Barteld Berga/Elster, 2013, ISBN 978-3-935961-15-8 Diese Lokomotiven leisteten mehr als damals zeitgemäße Dampflokomotiven, waren ideal bei den unebenen Gleislagen auf den Kippengleisen und konnten unter einem Eimerkettenbagger durchfahren.

Die ersten beiden bekannten Lokomotiven dieser Konfiguration wurden bei der Grube Theodor mit den Fabriknummern 670 und 671 sowie den Nummern 6 und 7 eingesetzt. Diese beiden Lokomotiven wurden 1943 an den Kohleveredlungsbetrieb Frechen zum Betrieb auf der Grube Wachtberg verkauft.Hans-Dieter Stolle: Wachtberg-100 Jahre Brikettfabrik, 50 Jahre Grube, Stadtarchiv Frechen, Frechen 2004 1913 erhielt die Grube Theodor mit den Fabriknummern 1572 sowie 1573 nochmals zwei weitere Lokomotiven, von denen der weitere Betrieb nicht bekannt ist.Auflistung der von AEG gefertigten Lokomotiven auf www.werkbahn.de (kann als CD kostenpflichtig erworben werden)

Ein weiterer Kunde der Lokomotivgattung waren die Beunaer Kohlewerke, die nach den Tagebaunachrichten der AEG zwei Lokomotiven erhalten sollte.Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft: Elektrische Tagebaulokomotiven, 1952, BTJ 5741 Sicher zugeordnet werden kann nur die Lok mit der Fabriknummer 1228 von 1912.

Die Grube Phönix sollte lt. AEG auch eine Lok dieser Leistungskonfiguration erhalten. Eine verbindliche Fabriknummernangabe kann nicht bestätigt werden.

Nachdem die Grube Felix bereits 1908 mit den AEG Fabriknummern 624 und 625 zwei gleichaussehende Lokomotiven mit nur 164 kW Leistung erhalten hatte,Andreas Schild: Die Geschichte der Eisenbahn im Braunkohlenrevier der Lausitz, Selbstverlag Andreas Schild, Cottbus, 2010, Seite 14 sollten sie auch zwei leistungsstärkere Versionen für 210 kW Leistung erhalten haben. Eine Bestätigung in den Lieferlisten lassen sich aber auch hier nicht finden.

Nachkriegsgeschichte Aus den Nachkriegsjahren existieren nur Informationen aus dem Rheinischen Braunkohlerevier. Die Lokomotiven waren als Nummer 500 und 501 bezeichnet. Aus sämtlichen Unterlagen geht hervor, dass sie ihre originalen Motoren U 28 behalten haben und für das höhere Spannungssystem bei Rheinbraun nur in Reihe geschaltet waren, was sich natürlich auf die Geschwindigkeit auswirkte.Hans-Dieter Stolle: Legende einer Tagebaulokomotive, Selbstverlag Hans-Dieter Stolle, Weilerswift 1999 Leistungsmäßig waren sie neben den gleichzeitig beschafften Henschel/SSW Bo Bo 46 t unterlegen. Daher fasste man 1952 den Entschluss, die Lokomotiven in Zukunft nur noch für Rangierarbeiten zu verwenden.

Umbau in Normalspurlok 1952 wurde dann der Entschluss des Umbaues der Lokomotiven in eine normalspurige Rangierlokomotive gefasst. Die mechanischen Arbeiten wurden von der Werkstatt in Grefrath ausgeführt, die elektrischen Anlagen wurde von der Firma BBC beigesteuert. Für diese Umbaumaßnahmen benötigte die Lokomotiven verbreiterte Drehgestelle für Normalspur und neue Achswellen. Der Lokkasten, der in den Abmessungen gleich geblieben war, bekam als Schutz des Rangierpersonals bei Ausschlagen der Drehgestelle in Kurvenfahrt seitliche 430 mm breite Schutzbleche. Die vorhandene Mittelpufferkupplung für den Abraumbetrieb wurde gegen eine Zug- und Stoßeinrichtung der Regelbauart getauscht. Die vorhandenen Hilfstromabnehmer wurden entfernt, und die Hauptstromabnehmer wurden für die vergrößerte Höhe der Fahrleitung bei Normalspur auf einem Rohrgerüst platziert. Bei der elektrischen Ausrüstung von der BBC wurden die alten Motoren AEG U 28 für 600 V wiederverwendet, die Lokomotiven erhielten für die Steuerung einen zusätzlichen Widerstandskasten, der auf dem Dach untergebracht wurde. Die Gesamtstundenleistung der Loks blieb in etwas gleich.

In dieser Form wurden die Lokomotiven als Rangierlokomotiven auf dem Bahnhof der Grube Carl eingesetzt und ab 1960 als RBW 680 und 681 bezeichnet. Sie waren danach noch 20 Jahre im Einsatz. 1962 wurde eine Grundinstandsetzung durchgeführt. 1972 wurden beiden Lokomotiven nach Unfällen schwer beschädigt und danach ausgemustert.

Technik Die Lokomotiven gehörten mit zu den ersten elektrischen Tagebaulokomotiven. Ihre Form, der tief liegende mittlere Führerstand und die beiden flach gehaltenen Vorbauten, wurde für viele folgende Lokomotiven verwendet. Die AEG-Lokomotiven hatten einen Aufbau mit stabilem Rahmen sowie Drehgestellrahmen und angenietetem Blechoberbau. Die Loks besaßen einen etwas außermittig gelegenen Stromabnehmer auf dem Führerhausdach, das ermöglichte ein Beladen der Anhänger von oben. Diese Bauweise war später noch durch zwei parallele Stromabnehmer auf den Vorbauten geändert, das war bei AEG bis in die Zeit des Zweiten Weltkrieges vorherrschend, während andere Hersteller wie Henschel & Sohn und BBC schon frühzeitig auf einen Haupt- und vier Seitenstromabnehmer setzten.

Die Antriebsmotoren in Tatzlagerbauart waren eigenbelüftet. Die großen Räder waren im Drehgestell mit jeweils einer Blattfeder pro Seite ohne Federausgleich abgefedert. Die Mittelpufferkupplung war an den Drehgestellen befestigt. Die Lokomotiven hatten zwei Scheinwerfer an den Vorbauten.

Die elektrische Ausrüstung bestand aus Gleichstromtechnik, wo über die elektrische Spannung von der Fahrleitung über den zentral gelegenen Nockenfahrschalter mit der Widerstandssteuerung die elektrischen Fahrmotoren angetrieben wurden, die als Reihenschlussmaschinen ausgeführt waren und vollständig gekapselt mit Eigenkühlung waren.Georg Klein: Die deutsche Braunkohlenindustrie 1, Handbuch für den deutschen Braunkohlenbergbau, in Die deutsche Braunkohlenindustrie, Halle 1933. Man kann davon ausgehen, da auf Fotos von 1917 nur eine Lokomotive mit zweiachsigen hölzernen Abraumwagen zu sehen ist, dass sie zur Bauzeit keine Druckluftbremse und Druckluftausrüstung besaßen, sondern dass alles nur mit Hand- bzw. Elektrischer Bremse funktionierte. Die Druckluftbremse sind spätere Nachbauten.

Siehe auch Schienenfahrzeuge von Rheinbraun

Literatur Hans-Dieter Stolle: Legende einer Tagebaulokomotive, Selbstverlag Hans-Dieter Stolle, Weilerswift 1999 Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft: Elektrische Tagebaulokomotiven, 1952, BTJ 5741 Andreas Schild: Die Geschichte der Eisenbahn im Braunkohlenrevier der Lausitz, Selbstverlag Andreas Schild, Cottbus, 2010, Hans-Dieter Stolle: Wachtberg-100 Jahre Brikettfabrik, 50 Jahre Grube, Stadtarchiv Frechen, Frechen 2004

Weblinks

Internetseite über die Fahrzeuge bei Rheinbraun mit Erwähnung der AEG 670 und 671

Einzelnachweise

Kategorie:Elektrolokomotive für Gleichstrom 550 V Kategorie:Triebfahrzeug (Deutschland) Kategorie:Schienenfahrzeug (AEG) Kategorie:Tagebaulokomotive Kategorie:Triebfahrzeug (Rheinischer Braunkohlenbergbau) Kategorie:Elektrolokomotive für Gleichstrom 1200 V