mini|400px|Römische Wachtposten am Walensee Die frühkaiserzeitlichen Wachtposten am Walensee waren drei bis vier steinerne Wachtürme der frühen römischen Kaiserzeit in der Umgebung des Walensees auf dem Gebiet der schweizerischen Kantone Glarus und St. Gallen. Die heutigen Bodendenkmale wurden im zweiten Jahrzehnt vor unserer Zeitrechnung (vermutlich im Kontext der Augusteischen Alpenfeldzüge des Jahres 15 v. u. Z.) errichtet, wurden wohl nur kurze Zeit genutzt und befanden sich auf dem Gebiet der frisch eroberten Provinz Raetia. Die Relikte sind seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bekannt.

Wachtposten Schänis-Biberlikopf Der Biberlichopf ist ein hoher Hügel am Fuss des Federispitz im Gebiet der Gemeinde Schänis (Kanton St. Gallen), der 140 Meter aus der Linthebene hinausragt. Er überblickt nicht nur den westlichen Zugang zum Walensee, sondern ermöglicht auch eine Kontrolle des Ausgangs aus dem Tal der Linth (heute Glarnerland).

Der Altertumsforscher Ferdinand Keller identifizierte 1832 die Fundstelle Biberlikopf bereits im Jahr 1832 als Überreste eines römischen Wachtpostens und untersuchte sie 1853.Schänis-Biberlikopf bei Während des Ersten Weltkriegs wurde die Ruine von einem betonierten Schützenstand überdeckt. Der Archäologe Rudolf Laur-Belart (1898–1972) führte 1960 eine erste Sondierung, 1961 die Ausgrabung und 1962 die Konservierung der Turmstelle durch.

Das noch bis zu einer Höhe von 1,70 m erhaltene Mauerwerk aus Kalkstein und Konglomerat hat einen quadratischen Grundriss von neun Metern Seitenlänge und ist an seiner Fundamentbasis bis zu 2,40 m mächtig. In der nördlichen Ecke des Turminneren befindet sich ein L-förmiges Wasserbecken, dessen Boden und Wandungen aus einem Gemisch aus Steinsplittern, Sand und Kalk bestehen. Das Fundmaterial umfasst Scherben von Terra sigillata und Glanztonware der augusteischen Zeit, sowie Amphorenscherben, Fragmente von Pila, Pfeilspitzen wie am Döttenbichl und eine bronzene Strigilis. Umgeben ist der Turm von einer unregelmässigen, annähernd rechteckigen Ummauerung mit den Massen von 24,50 m mal 20,50 m (≈ 500 m²).Walter Drack, Rudolf Fellmann: Die Römer in der Schweiz. Theiss, Stuttgart 1988, ISBN 3-8062-0420-9, S. 501.Rudolf Laur-Belart: Strahlegg und Biberlikopf. Zwei frührömische Wachtposten am Walensee. In: Ur-Schweiz, Band 24, 1960, S. 51–74.Rudolf Laur-Belart: Der frührömische Wachtposten auf dem Biberlikopf. In: Ur-Schweiz, Band 26, 1962, S. 35–61.Katrin Roth-Rubi, Verena Schaltenbrand Obrecht, Martin Peter Schindler, Benedikt Zäch: Neue Sicht auf die «Walenseetürme». Vollständige Fundvorlage und historische Interpretation. In: Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte, Band 87, 2004, S. 33–70 (Digitalisat).

Wachtposten Filzbach-Vordemwald mini|Wachtposten Vordemwald Die Route am Südufer des Walensees führt im westlichen Bereich über den Kerenzerberg. Ungefähr auf dem höchsten Punkt westlichen von Filzbach im Kanton Glarus steht der Wachtposten Vordemwald (auch: Voremwald). Der Standort liegt über einer Felswand, die 300 Meter zum See hinabfällt, und überblickt die Linthebene im Westen.

Der Wachtposten war schon 1846 von dem Paläontologen, Botaniker, Paläobotaniker und Entomologen Oswald Heer und dem Juristen und Politiker Johann Jakob Blumer-Heer vermutet worden.Filzbach-Vordemwald bei Oswald Heer, Johann Jakob Blumer: Der Kanton Glarus, historisch-geographisch-statistisch geschildert von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Historisch-geographisch-statistisches Gemälde der Schweiz. Band VII, Hubet und Compagnie, St. Gallen und Bern 1846 (Digitalisat) Auf dieser Grundlage suchte und identifizierte Fritz Legler-Staub (1908–1986) im Jahr 1955 die Turmstelle und Rudolf Laur-Belart führte 1959 eine Ausgrabung durch und nahm 1960 eine Konservierung vor.Fritz Legler-Staub, Rudolf Laur-Belart, Irmgard Grüninger: Ein frührömischer Wachtposten auf dem Kerenzerberg bei Filzbach. In: Jahrbuch des Historischen Vereins des Kantons Glarus, Band 59, 1960, S. 5–32. und dies.: Ein frührömischer Wachtposten auf dem Kerenzerberg bei Filzbach (GL). In: Ur-Schweiz, Band 24, 1960, S. 3–24.

Der Turm mit seinem rechteckigen Grundriss von 13,70 m mal 12,00 m war rund 320 m oberhalb des Walensees auf einem Felsen errichtet worden. Die talseitige Nordmauer hat eine Mächtigkeit von 2,50 m, die übrigen drei Mauern sind rund 1,30 m breit. Wie beim Wachtposten Schänis-Biberlikopf befindet sich im Inneren des Turms ein 30 cm dicker Boden aus Steinsplittern, Sand und Kalk, was auch bei diesem Bauwerk auf ein Wasserbassin weist. Von den südlichen Ecken des Turms greifen zwei halbkreisförmige Mauern hangabwärts. Der so gebildete Hof besitzt eine ostwestlich verlaufende Längsachse von 40,50 m und eine nordsüdlich verlaufende Querachse von rund 22,00 m. Auf der Nordseite erübrigte der steile Hangabfall vermutlich eine Ummauerung. Das Fundmaterial besteht aus zum Teil augusteischer Keramik und insgesamt drei eisernen Spitzen von Pila.Walter Drack, Rudolf Fellmann: Die Römer in der Schweiz. Theiss, Stuttgart 1988, ISBN 3-8062-0420-9, S. 395 f.Nathalie Hertig: Fundbericht Filzbach-Vordemwald. In: Jahrbuch Archäologie Schweiz, Band 106, 2023, S. 223–224 (Digitalisat).

Wachtposten Amden-Strahlegg mini|Wachtposten Strahlegg Am nördlichen Seeufer gegenüber befindet sich die kleine Anhöhe Stralegg, die etwas in den See hinein reicht. Sie liegt bei Betlis in der Gemeinde Amden im Kanton St. Gallen.

Der Wachtposten Strahlegg ist bereits seit 1832 bekannt, wurde aber seinerzeit noch als angesprochen.Amden-Strahlegg bei Eine Publikation des Jahres 1860 verweist sie dann in einen römischen Kontext.Ferdinand Keller: Die römischen Ansiedelungen der Ostschweiz. In: Mitteilungen der antiquarischen Gesellschaft in Zürich, Band 12, Heft 7, Zürich 1858–1860, S. 328. Sondierungen erfolgten in den Jahren 1937 und 1952. Rudolf Laur-Belart nahm 1960 eine Ausgrabung und Konservierung vor.

Der Turm ist heute noch bis zu einer Höhe von sechs Metern erhalten und hat einen quadratischen Grundriss mit einer äusseren Seitenlänge von 10,40 m. Die Stärke des Mauerwerks beträgt 2,10 m im Fundamentbereich und 0,85 m im Aufgehenden. Etwa 1,10 m oberhalb des Fundamentes befinden sich Auffanglager für einen Holzboden in Form von Schlitzen im Mauerwerk. Nur vor der Südwestecke des Turms fanden sich noch Spuren einer ehemaligen Ummauerung.

Mittelalterliche Funde weisen auf eine neuerliche Nutzung ab dem 13. Jahrhundert. Möglicherweise wurde der Turm damals von Dienstmannen der Habsburger besetzt und diente diesen bis zur Schlacht bei Näfels (1388) als Vorposten gegen die Alte Eidgenossenschaft. Nach der Eroberung durch die Glarner wurde er deshalb zerstört.Walter Drack, Rudolf Fellmann: Die Römer in der Schweiz. Theiss, Stuttgart 1988, ISBN 3-8062-0420-9, S. 320 f.

Wachtposten und Refugium Walenstadt-Berschis Östlich vom Walensee überragt der Georgenberg das Seeztal, die Verbindung zwischen See und Rheintal. Der aufragende Felsvorsprung südöstlich von Berschis (Gemeinde Walenstadt im Kanton St. Gallen) beherrscht überragt den Talgrund um rund 160 Meter. Die Funde auf diesem Felsen zeigen menschliche Aktivitäten seit der Zeit des Neolithikums (um 4000 bis 3000 v. u. Z.) und Siedlungsspuren seit der späten Bronzezeit (um 1100 bis 900 v. u. Z.).

Der quadratische Grundriss des zentralen Bereichs des Kirchenschiffs der St.-Georgs-Kapelle mit einer Seitenlänge von 11,50 m liessen in den 1930er Jahren die Hypothese aufkommen, dass die Kapelle römischen Ursprungs sein könnte.Walenstadt-Berschis bei Diese Hypothese wurde durch das Fundmaterial gestützt, deren Münzreihe von drei Prägungen des ersten und zweiten Jahrhunderts über vier Münzen des dritten Jahrhunderts bis zu fünf Prägungen aus den Jahren 341 bis 360 (Folles und Centionales) reichte. Hinzu kam Keramik des vierten Jahrhunderts, darunter Terra sigillata des Typs Drag. 37, Scherben nordafrikanischer Sigillata, von Lavezgefässen und Mortaria. Die daraus folgende Vermutung ist, dass der Fundplatz zunächst der Standort eines frühkaiserzeitlichen Wachtpostens war und in spätrömischer Zeit als Refugium für die Bevölkerung diente. Auf dem Gelände wurden mehrere Zisternen (darunter der Ughür Brunnä) gefunden, welche die Versorgung mit Trinkwasser sicherstellten. Insgesamt ist die Befundsituation durch wiederholte Bebauung in verschiedenen Epochen sehr unübersichtlich.Walter Drack, Rudolf Fellmann: Die Römer in der Schweiz. Theiss, Stuttgart 1988, ISBN 3-8062-0420-9, S. 536.Bernhard Overbeck: Geschichte des Alpenrheintals in römischer Zeit. Beck, München 1982, S. 76–78 (Digitalisat).

Siehe auch Liste der Kulturgüter von nationaler Bedeutung im Kanton St. Gallen Liste der Kulturgüter in Glarus Nord Liste der Kulturgüter in Amden Liste der Kulturgüter in Schänis Liste der Kulturgüter in Walenstadt

Literatur Walter Drack, Rudolf Fellmann: Die Römer in der Schweiz. Theiss, Stuttgart 1988, ISBN 3-8062-0420-9, S. 320 f., 395 f., 501, 536. Rudolf Laur-Belart: Strahlegg und Biberlikopf. Zwei frührömische Wachtposten am Walensee. In: Ur-Schweiz, Band 24, 1960, S. 51–74. Rudolf Laur-Belart: Der frührömische Wachtposten auf dem Biberlikopf. In: Ur-Schweiz, Band 26, 1962, S. 35–61. Fritz Legler-Staub, Rudolf Laur-Belart, Irmgard Grüninger: Ein frührömischer Wachtposten auf dem Kerenzerberg bei Filzbach. In: Jahrbuch des Historischen Vereins des Kantons Glarus, Band 59, 1960, S. 5–32. Fritz Legler-Staub, Rudolf Laur-Belart, Irmgard Grüninger: Ein frührömischer Wachtposten auf dem Kerenzerberg bei Filzbach (GL). In: Ur-Schweiz, Band 24, 1960, S. 3–24. Bernhard Overbeck: Geschichte des Alpenrheintals in römischer Zeit. Beck, München 1982, S. 76–78 (Digitalisat). Katrin Roth-Rubi, Verena Schaltenbrand Obrecht, Martin Peter Schindler, Benedikt Zäch: Neue Sicht auf die «Walenseetürme». Vollständige Fundvorlage und historische Interpretation. In: Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte, Band 87, 2004, S. 33–70 (Digitalisat).

Weblinks

Regula-Anna Steinhauser-Zimmermann: Biberlikopf, in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version von 1998 Filzbach GL, Vordemwald in archeobase.ch Walenstadt SG, Berschis, Kapelle St. Georg in archeobase.ch Georgenberg auf der Webseite der Kantonsarchäologie St. Gallen

Einzelnachweise

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