Die Altersschätzung anhand des Gesichts ist der Einsatz von künstlicher Intelligenz, um das Alter einer Person anhand ihrer Gesichtszüge zu schätzen. Dabei werden Techniken des Computer Vision genutzt, um die Eigenschaften von Gesichtern in den Bildern von Millionen von Menschen zu analysieren, deren Alter bekannt ist. Anschließend wird mithilfe von Deep Learning ein Algorithmus entwickelt, der versucht, das Alter einer unbekannten Person vorherzusagen. Der Hauptzweck dieser Technologie besteht darin, den Zugang zu altersbeschränkten Produkten und Dienstleistungen zu verhindern. Beispiele hierfür sind die Einschränkung des Zugangs von Kindern zu Internetpornografie, die Überprüfung, ob sie bei der Registrierung für ein Konto in sozialen Medien das vorgeschriebene Mindestalter erfüllen, oder die Verhinderung des Zugriffs von Erwachsenen auf Websites, Online-Chats oder Spiele, die ausschließlich für Kinder bestimmt sind.
Die Technologie unterscheidet sich von Gesichtserkennungssystemen, da die Software nicht versucht, die Person eindeutig zu identifizieren.
Forschende setzen seit mindestens 2010 neuronale Netze zur Altersschätzung ein.
Evaluation Eine laufende Studie des US-amerikanischen National Institute of Standards and Technology (NIST) mit dem Titel „Face Analysis Technology Evaluation“ soll die technische Leistungsfähigkeit von Prototypen für Algorithmen zur Altersschätzung ermitteln, die von akademischen Teams und Softwareanbietern eingereicht wurden, darunter die Technische Universität Brünn, die Tschechische Technische Universität Prag, IDEMIA, Jumio, Nominder, Rank One Computing und Yoti.
Nutzung im öffentlichen Sektor Die britische Regierung hat geprüft, ob an der britischen Grenze die Altersschätzung anhand des Gesichts als Alternative zu Röntgenaufnahmen der Knochen und MRT-Untersuchungen bei der Feststellung des Kinderstatus von Asylbewerbern eingesetzt werden kann.
Kommerzielle Nutzung Zu den kommerziellen Benutzenden der Gesichtsalter-Schätzung gehören Instagram und OnlyFans. Im Januar 2025 gab die britische Kaufhauskette John Lewis & Partners bekannt, dass das Unternehmen damit begonnen habe, diese Technologie einzusetzen, um das Alter von Nutzenden zu überprüfen, die auf ihrer Website Messer kaufen, und damit das britische Gesetz zur Eindämmung von Messerstechereien () einzuhalten.
In Großbritannien haben sich mehrere Supermarktketten an Testläufen des Innenministeriums beteiligt, bei denen es darum ging, die Altersüberprüfung beim Kauf von altersbeschränkten Waren wie Alkohol zu automatisieren. Ein im Januar 2025 in Kraft getretenes britisches Gesetz schreibt vor, dass bis Juli 2025 zuverlässige Methoden zur Altersüberprüfung für den Zugriff auf nicht jugendfreie Inhalte in Großbritannien eingeführt werden müssen. Zu den zulässigen Methoden gehört die Altersschätzung anhand des Gesichts.
Kritik Adam Schwartz, ein Anwalt der Electronic Frontier Foundation, kritisierte den Einsatz von Software zur Altersschätzung anhand von Gesichtsbildern und wies auf deren Ungenauigkeit hin, insbesondere bei Angehörigen von Minderheiten und Frauen, wie im NIST-Bericht von 2024 festgestellt wurde. Zwanzig Organisationen, die sich unter dem Dach von European Digital Rights zusammengeschlossen haben, bezeichneten diese Praxis als „systematische und eingreifende Verarbeitung von Daten junger Menschen“, die das Risiko einer diskriminierenden Profilerstellung birgt.
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