TV für Millionen, TV-Dé-coll/age-Happening, Elektronische Verwischung & Verzerrung von TV-Bildern, Arbeit mit Oszillogrammen und elektroakustischen Objekten, ist ein Werkkomplex des deutschen Künstlers Wolf Vostell, bei dem er das laufende Fernsehprogramm elektronisch verzerrte, abfotografierte und in der Partitur TV-Dé-coll/age Ereignisse und Handlungen für Millionen aus dem Jahr 1959 zu einem Happening für das Fernsehpublikum 1961 verarbeitete. Die erste Planung und die ersten Experimente mit dem manipulierten Fernsehbild sowie die zugehörige gedruckte Notation entstanden ab 1959 in Köln.Wolf Vostell. Elektronisch. Neue Galerie im Alten Kurhaus, Aachen 1970 (ohne ISBN).Wolf Vostell. Happening und Leben. Luchterhand Verlag, 1970 (ohne ISBN).

Hintergrund 1959 verfremdete Vostell in Köln das laufende Fernsehprogramm, indem er in das Empfangsgerät eingriff und das gesendete Bild elektronisch verwischte und verzerrte. Die so entstehenden Bilder hielt er in Schwarzweißaufnahmen fest. Er übertrug damit sein Kunstprinzip der Dé-coll/age erstmals auf das elektronische Bild des Fernsehens. Das Verfahren, das gesendete Bild als Material zu behandeln, ist in der Partitur von 1959 formuliert. Sie sieht ein bewusst verwischtes Programm vor, das die Zuschauer zunächst für einen Defekt ihres Geräts halten sollten. Diese Arbeit am bewegten, gestörten Fernsehbild bildet den konzeptuellen Ausgangspunkt für Vostells Video Sun in Your Head (1963). In dem Zyklus Transmigración (1958) und der in der Installation Das schwarze Zimmer (1958/59) hatte Vostell bereits laufende Fernsehgeräte in seine Werke integriert.Das Theater ist auf der Straße. Die Happenings von Wolf Vostell. Museum Morsbroich Leverkusen. Kerber Verlag, 2010, ISBN 978-3-86678-431-4.Mercedes Guardado: Mi vida con Vostell. Un artista de vanguardia. Editorial La Fábrica, Madrid 2011, ISBN 978-84-92841-91-2.

Die Partitur Die 1959 verfasste Partitur TV-Dé-coll/age Ereignisse und Handlungen für Millionen war für eine Fernsehsendung mit Partizipation des Publikums konzipiert. Über den Sprecher des Senders sollten die Zuschauer zu Hause aufgefordert werden, vor dem Bildschirm eigene Handlungen auszuführen, sodass aus passiven Fernsehzuschauern aktive Mitwirkende würden. Die Sendung sollte mit drei Minuten verwischtem Programm beginnen, damit die Zuschauer den Eingriff zunächst für eine Störung hielten. Zu den notierten Aufforderungen zählten unter anderem, eine Person auf dem Bildschirm zu küssen, sich dicht vor den Schirm zu setzen und die Zähne zu putzen, das Gerät mit Stacheldraht zu umwickeln, an die unbewältigte Vergangenheit zu denken oder laut „Wirtschaftswunder“ zu rufen. Die für eine Ausstrahlung vorgesehene Sendung wurde von den Fernsehanstalten nicht angenommen und kam daher nicht zustande. Eine Hörfassung realisierte Vostell 1969 in dem Happening 100 Mal Hören und Spielen, Aktionsspiele, Funk-Happening für den Westdeutschen Rundfunk. Die Notation zum Happening erschien in Vostells Buch Happening & Leben (1970).Wolf Vostell: TV-dé-collage Ereignisse und Handlungen für Millionen. In: Wolf Vostell. Happening und Leben. Luchterhand Verlag, 1970.Wolf Vostell: TV für Millionen In: Medien Kunst Netz. Wolf Vostell: Sun in Your Head In: Medien Kunst Netz.TV für Millionen Online-Sammlung Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien.

Literatur Wolf Vostell. Ziehung der Lottozahlen, Tagesschau und Wetterkarte, Das Wort zum Sonntag. edition et, et 14, 1966 (ohne ISBN). Wolf Vostell. Happening und Leben. Luchterhand Verlag, 1970 (ohne ISBN). Wolf Vostell. Elektronisch. Neue Galerie im Alten Kurhaus, Aachen 1970 (ohne ISBN). Das Theater ist auf der Straße. Die Happenings von Wolf Vostell. Museum Morsbroich Leverkusen. Kerber Verlag, 2010, ISBN 978-3-86678-431-4. Stephan Berg, Dieter Daniels (Hrsg.): TELE GEN Kunst und Fernsehen, Kunstmuseum Bonn, Hirmer Verlag, 2015, ISBN 978-3-7774-2444-6.

Siehe auch Liste der Aktionen, Fluxus-Konzerte und Dé-coll/age-Happenings von Wolf Vostell

Weblinks TV für Millionen, Online-Sammlung Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien. TV für Millionen. Medien Kunst Netz. Kultur Stiftung der Länder, Mediale Wanderungen, 2014. Ekkehard Tanner: Kunst ist Leben – Leben ist Kunst: Wolf Vostell. SCHIRN MAG, 2015. Wolf Vostell. Film von Paul Karalus, Köln, 1968.

Einzelnachweise

Kategorie:Wolf Vostell Kategorie:Werk der Aktionskunst Kategorie:Medienkunst Kategorie:Werk (20. Jahrhundert)