Die Nachwahl in Clacton 2026 war eine Nachwahl zum House of Commons, die am 13. August 2026 im Wahlkreis Clacton stattfand. Sie wurde nötig, da der Reform-Abgeordnete Nigel Farage wegen einer parlamentarischen Untersuchung zu einer undeklarierten Privatspende, die möglicherweise gegen parlamentarische Richtlinien verstoßen hat, zurückgetreten war.

Nigel Farage strebte in der Nachwahl, die er selber ausgelöst hatte, seine eigene Wiederwahl an. Alle anderen großen Parteien boykottierten die Abstimmung, weshalb Farages Hauptherausforderer Spaßkandidat Count Binface war. Daneben standen 32 weitere Kandidaten zur Wahl – so viele wie nie zuvor bei einer britischen Parlamentswahl.

Die Wahlbeteiligung betrug 44,4 %, ein Rückgang von 14,3 Prozentpunkten gegenüber der regulären Wahl 2024. Nigel Farage gewann mit 63,3 % der Stimmen, während Count Binface mit 26,9 % auf den zweiten Platz kam; die anderen 32 Kandidaten kamen auf insgesamt 9,7 % der Stimmen.

Wahlsystem Die Abgeordneten des House of Commons werden durch die relative Mehrheitswahl (engl. ) in 650 Wahlkreisen für eine Amtszeit von maximal fünf Jahren gewählt. Falls ein Abgeordneter stirbt, zurücktritt oder anderweitig sein Mandat verliert, muss der Sitz seines Wahlkreises durch eine Nachwahl (engl. ) neu besetzt werden, die nach demselben Prinzip abläuft. Gewählt ist der Kandidat, der die meisten Stimmen erhält.

Ausgangslage

mini|Nigel Farage (2024)|200px Clacton ist ein Wahlkreis in Essex in Ostengland, der klassisch rechts orientiert ist. 2010 wurde Douglas Carswell für die Conservative Party gewählt. Er lief später zur rechtspopulistischen UK Independence Party über und trat daraufhin von seinem Mandat zurück, um als UKIP-Kandidat bei einer Nachwahl anzutreten; er gewann diese mit 59,7 % der Stimmen und wurde auch bei der Parlamentswahl 2015 erneut gewählt. Von 2017 bis 2024 war der Wahlkreis wieder in den Händen der Conservatives. In der Parlamentswahl 2024 gewann Nigel Farage den Wahlkreis mit 46,2 % der Stimmen als Kandidat seiner Partei Reform UK.

Im April 2026 enthüllte der Guardian eine fünf-Millionen-Pfund-Spende, die Farage kurz vor der Wahl 2024 von einem in Thailand lebenden britischen Kryptomilliardär erhalten hatte. Parlamentsabgeordneten ist es zwar grundsätzlich erlaubt, vor und während ihrer Amtszeit Spenden anzunehmen, sie müssen diese aber deklarieren, was Farage in diesem Fall nicht tat. Farage bestritt jegliches Fehlverhalten, da das Geld laut eigener Aussage lediglich ein persönliches Geschenk zur Finanzierung der eigenen Sicherheit gewesen sei. Hätte die parlamentarische Untersuchung Regelverstöße festgestellt, hätte er aus dem Parlament suspendiert werden müssen, was für ihn schlimmstenfalls eine Nachwahl in seinem Wahlkreis ausgelöst hätte. Bevor es dazu kam, kündigte Farage jedoch am 7. Juli an, selber von seinem Mandat zurückzutreten, um in der dadurch ausgelösten Nachwahl anzutreten, die er als ein Kampf zwischen dem Volk und dem Establishment bezeichnete. Er forderte, dass die Wähler seines Wahlkreises die Richter seines Handels sein sollen. Am Tag nach der Ankündigung wurde der Rücktritt am 8. Juli formell durchgeführt. Die Nominierungen der Kandidaturen für die Nachwahl fanden vom 14. bis 17. Juli statt und der Wahltag wurde auf den 13. August gesetzt.

Nachdem Farage seinen Rücktritt angekündigt hatte, erklärten alle anderen großen Parteien zügig, dass sie die Wahl boykottieren würden. Sie bezeichneten die Nachwahl als Show, Trick und Ablenkung und wollen Farage nicht die politische Stärkung geben, die er sich aus der Nachwahl erhofft hatte. Der Spaßkandidat Count Binface erhielt in der folgenden Zeit starke mediale Aufmerksamkeit, da er bei vielen als einzige Alternative zu Farage galt; neben Farage und Binface traten lediglich zahlreiche parteilose und kleinparteiliche Kandidaten an. Binface, der schon länger in der britischen Politik als Spaßkandidat bekannt ist, hatte nun erstmals die Chance, als eine Art „Einheitskandidat“ des Anti-Farage-Lagers, einen großen Stimmenanteil zu erreichen und laut manchen Analysten sogar eine kleine Chance zu gewinnen.

Eine landesweite Umfrage von Ipsos ergab, dass 33 % der Briten sich Binface als Sieger wünschten, während es bei Farage nur 21 % sind. Eine weitere landesweite Umfrage von Survation zeigte, dass 52 % der Briten glauben, Farage habe die Nachwahl herbeigeführt um von den Investigationen rund um seine Finanzen abzulenken.

Kandidaten Nach Nominierungsschluss wurde am 17. Juli 2026 die Liste aller Kandidaten veröffentlicht. Es traten insgesamt 34 Kandidaten an – so viele wie noch nie bei einer Parlamentswahl im Vereinigten Königreich. Der vorherige Rekord war die Nachwahl 2008 im Wahlkreis Haltemprice and Howden mit 26 Kandidaten.

Die zwei Hauptkandidaten waren Nigel Farage (Reform UK) und Count Binface (Count Binface Party). Daneben standen folgende weitere 32 Kandidaten zur Wahl: British Democratic: Kai Stephens Consensus: James Ransley Everyone is God: Marcus White Forward Party: Adham Alkhatip Freedom Alliance: Martin Davies Monster Raving Loony: Nick The Incredible Flying Brick, Howling Laud Hope und Baron Von Thunderclap Reclaim Party: Laurence Fox Rejoin EU: John Stevens Social Democratic: William Clouston UK Voice: Ketankumar Pipaliya Parteilose: Joseph 77, Tony Cane, Woke Trump Carrzee, Rees Cowne, Glenn Charles Cummings, Andy Erlam, Attieh Fard, Tony Francis, Robin Green, Abi Hookway, Stephen Richard Ingram, Amy Morris, Derrick Norbert Morris, Martyn OBrien, Michael Noel O'Keeffe, Nick Pelas, Daniel Pocock, Gerry Smith, Pamela Walford und Marc Wilkinson

Kandidatur abgelehnt: Labour Party Conservative Party Liberal Democrats Green Party Restore Britain

Umfragen Institut Zeitraum BefragteReformBinfaceReclaim Nachwahl 2026 13.08.2026 — 63,3 % 26,9 % 1,0 % 8,8 % Survation 16.07.2026 – 24.07.2026 50273 % 20 % 2 % 5 % Wahl 2024 04.07.2024 — 46,2 % — — 53,8 %

Ergebnis Die Wahllokale waren von 7 bis 22 Uhr Ortszeit offen. Die Auszählung der Stimmen begann direkt nach Wahlende, dauerte jedoch aufgrund der außergewöhnlich hohen Anzahl an Kandidaten länger als normalerweise. Noch während der Auszählung erklärte Nigel Farage, der schon im Voraus als klarer Sieger galt, dass er bei der Verkündigung der Ergebnisse nicht anwesend sein würde, da ihm gesagt worden sei, dass dort eine „organisierte Kampagne, um das Ergebnis zu stören und zu untergraben“ sei und er verhindern wollen würde, dass er „von Niemanden herabgewürdigt und gedemütigt“ werde. Farage und seine Partei sprachen außerdem davon, dass es eine „glaubwürdige Bedrohung“ gegeben hätte und die Polizei von Essex ihm geraten hätte, nicht bei der Auszählungsveranstaltung teilzunehmen; die Polizei widersprach den Behauptungen und sagte, dass sie keinem der Kandidaten zur Nichtteilnahme geraten hätten und dass es starke Polizeipräsenz und Sicherheitsmaßnahmen beim Veranstaltungsort gegeben hätte.

Das Ergebnis wurde um ca. 6 Uhr Ortszeit verkündet. Die Wahlbeteiligung sank im Vergleich zur Parlamentswahl 2024 von 58,0 % um 13,6 Prozentpunkte auf 44,4 %. Farage gewann mit 22.239 Stimmen (63,3 %), während Count Binface hinter ihm auf 9.455 Stimmen (26,9 %) kam. Farage konnte im Vergleich zu 2024 nur etwa 1.000 Stimmen dazugewinnen, was jedoch aufgrund der niedrigen Wahlbeteiligung einem prozentualen Anstieg von 17,1 % entsprach. Alle anderen Kandidaten erhielten zusammen 3.417 Stimmen (9,7 %); keiner von ihnen konnte seine Wahlkaution zurückgewinnen.

Nachwirkungen Die parlamentarischen Investigationen in Farages Finanzen wurden nach seinem Rücktritt pausiert und werden nun, da er wieder Abgeordneter ist, weitergeführt werden. Die Website des parlamentarischen Beauftragten für Verhaltensstandards hat bereits bestätigt, dass die Untersuchungen nicht länger suspendiert sind; diese werden vermutlich nach dem Ende der parlamentarischen Sommerpause Anfang September weitergehen. Sollte die Untersuchung ergeben, dass Farage gegen die parlamentarischen Regeln verstoßen hat, würde ihm das drohen, was ihm auch vor der Nachwahl drohte – Suspendierung, Abwahlpetition und vermutlich eine zweite Nachwahl. Die großen Parteien haben bereits angekündigt, dass sie bei einer zweiten Nachwahl Kandidaten gegen Farage aufstellen würden.

Einzelnachweise

Kategorie:Britische Unterhauswahlen VereinigtesKonigreich