Marino Eilert Slinning Nilsson (geb. 10. April 1914 in Bærum; gest. in Ålesund vermutlich 9. Dezember 1942) war ein norwegischer Kollaborateur im besetzten Norwegen während des Zweiten Weltkriegs. Seine Zusammenarbeit mit der Gestapo trug entscheidend zur Zerschlagung mehrerer norwegischer Widerstandsgruppen bei, wodurch hunderte Widerständler verhaftet und getötet wurden. mini|Hauptgebäude des Vøyen gård Kindheit und Familie Nilsson kam unehelich zur Welt und wuchs in Bærum im Waisenhaus Vøyen gård auf. Später absolvierte er eine Ausbildung zum Maurer.
Kollaboration und Verrat Nielsen-Gruppe, Ålesund Nilsson infiltrierte zunächst die Sverre-Nielsen-Gruppe, eine der „Export-Gruppen“, die über den Shetland Bus Flüchtlinge nach England schmuggelten. Gemeinsam mit dem Postbeamten Sverre Nielsen organisierte er im Mai und Juni 1941 zunächst kleinere Fahrten, die erfolgreich verliefen und erschlich sich so das Vertrauen der Gruppenmitglieder. Gleichzeitig diente er sich in eigener Initiative dem Gestapo-Offizier Siegfried Fehmer an, den er über die Existenz der Nielsen-Gruppe und eine geplante Oslo-Reise in Kenntnis setzte. Fehmer instruierte ihn, Nielsen in Oslo mit dem Agenten Finn Kaas in Verbindung zu bringen. Nielsen wurde jedoch noch in Oslo offenbart, dass Kaas der Kollaboration verdächtig sei und man keinerlei Risiko eingehe dürfe. Er kehrte daher heimlich nach Ålesund zurück und begann, die Flucht seiner vermutlich enttarnten Exportgruppe nach England zu planen. Nilsson gelang es jedoch, jegliche Verbindung zu leugnen und sich der Flucht anzuschließen; er ging am 2. Juli 1941 mit Nielsen und fünf weiteren Widerständlern an Bord eines Fluchtbootes. Das Boot wurde nahe der Küste von der Gestapo aufgebracht und alle Passagiere verhaftet. Marino wurde kurz darauf auf freien Fuß gesetzt, der Rest der Gruppe blieb bis zum Kriegsende in Gefangenschaft.
Stein-Organisation, Bergen Durch die Nielsen-Gruppe hatte Marino Nilsson von einem weiteren Kontaktmann in Bergen erfahren: Kristian Stein, wie Nielsen Postangestellter und Anführer der Stein-Organisation, der zu diesem Zeitpunkt mit ca. 1500 Mitgliedern größten Widerstandsgruppe Norwegens. Da Nilsson in der Region Ålesund als Agent „verbrannt“ war, beorderte ihn sein Führungsoffizier Fehmer nach Bergen, um auch dort den Widerstand zu infiltrieren. Nilsson reiste daher Mitte Juli 1941 nach Bergen, wo er unter dem Pseudonym „Piet“ an die SS-Offiziere Johann Behrens und Josef Seyfert berichtete, die ihm jedoch zunächst misstrauten. In der Stadt gab er sich als Flüchtling vor der Gestapo aus und überbrachte fingierte Nachrichten von Sverre Nielsen, der zu diesem Zeitpunkt bereits inhaftiert war. Er benutzte seine internen Kenntnisse aus den Widerstandsgruppen in Ålesund und Oslo, um Kontakte zur Stein-Organisation aufzubauen.Haga, S. 47–57 Es gelang ihm, Informationen zu sammeln, aber nicht, in den inneren Kreis der Gruppe vorzudringen. Ab September 1941 misstraute insbesondere Ole Agdesteen dem Neuankömmling und versuchte, dessen Hintergrund zu überprüfen, allerdings weitgehend erfolglos. Am 30. September informierte Agdesteen auch Kristian Stein über den möglichen Spion. Nilsson, der selbst seine Enttarnung und die Flucht Steins befürchtete, informierte seine Kontakte im Gestapo-Hauptquartier Veiten 3, die in der Nacht vom 1. auf den 2. Oktober 1941 die Operation zur Zerschlagung der Stein-Organisation in Gang setzten, in deren Folge über 200 Widerständler verhaftet und bis Kriegsende vermutlich über 50 ermordet wurden oder auf der Flucht umkamen.Haga, S. 95–103
Tod 1942 drängte die deutsche Gestapo Nilsson zu einer Kooperation mit Henry Rinnan und der Sonderabteilung Lola. Im November 1942 war er in Nord-Norwegen für die Rinnanbande unterwegs, wobei er sich mehrere Tage lang betrank, schließlich an Bord eines Schiffes verhaftet wurde und nur durch Eingreifen der Gestapo wieder freikam. Rinnan misstraute Nilsson daher und befahl ihm, Trondheim sofort zu verlassen. Als Nilsson nach Ålesund flüchtete, sandte Rinnan Karl Dolmen und Arild Hjulstad Østby dorthin, um Nilsson als Sicherheitsrisiko zu liquidieren. Die beiden erschlugen Nilsson am 9. Dezember 1942 und warfen seine Leiche in den Brosund, so dass sie erst im Oktober 1944 entdeckt wurde. Østby wurde wenige Monate später von der Gestapo wegen Vergewaltigung und Mordes an einer jungen Frau angeklagt und hingerichtet.Aage Georg Sivertsen: Rinnanbanden: Infiltrasjonen, torturen, oppgjøret. Kagge, 2022
Einzelnachweise
Kategorie:Stein-Organisation Kategorie:Person (norwegische Kollaboration) Kategorie:Norweger Kategorie:Geboren 1914 Kategorie:Gestorben 1942 Kategorie:Mann