Sites ist eine nicht eingemeindete Ortschaft im Antelope Valley, etwa 13 Kilometer westlich von Maxwell, im Colusa County, Kalifornien. Der Ort entstand 1886 im Zuge des Baus der Colusa and Lake Railroad und wurde nach dem deutschstämmigen Rancher John Sites benannt, der der Eisenbahngesellschaft die Hälfte des künftigen Ortsgeländes überließ. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich Sites zu einem Zentrum des Sandsteinabbaus. Der dort gewonnene Sandstein wurde unter anderem beim Bau des Ferry Building in San Francisco verwendet.

Nach dem Ort ist das Sites Reservoir benannt, ein geplanter Stausee zur Speicherung von Wasser aus dem rund 18 Kilometer östlich von Sites gelegenen Sacramento River. In niederschlagsreichen Zeiten soll Wasser über bestehende Pumpanlagen aus dem Fluss entnommen, in das Reservoir geleitet und dort für Trockenperioden gespeichert werden. Mit dem Bau des Stausees würden weite Teile des Antelope Valley sowie die Ortschaft Sites überflutet. Erste Bauarbeiten sollen 2027 beginnen.

Geschichte Indigene Besiedlung miniatur|Traditionelle Erdhäuser der Patwin im Sacramento Valley (Illustration aus Stephen Powers, The Tribes of California, 1877) Vor der Ankunft europäisch-amerikanischer Kolonisten wurde das Antelope Valley von Angehörigen der Patwin, einer der drei Gruppen der Wintun, bewohnt. Sie lebten in Gemeinschaften, die jeweils aus einem Hauptdorf, kleineren Siedlungen sowie den dazugehörigen Jagd- und Sammelgebieten bestanden. Im Umfeld des späteren Ortes Sites sind mehrere Dörfer und kleinere Siedlungen überliefert. Ein Hauptort lag etwa sieben Kilometer nordwestlich von Sites, weitere Siedlungen befanden sich westlich und nordwestlich des heutigen Ortes. Die Bewohner lebten in teilweise in den Boden gebauten Häusern und errichteten größere Versammlungs- und Zeremonialgebäude sowie besondere Speicher zur Aufbewahrung von Eicheln. Neben Eicheln ernährten sie sich von Samen, Wildpflanzen und Fischen sowie von Hirschen, Wapitis und Gabelböcken.Gregory G. White / Jarith Kraft / Kathleen Hillman, Archaeological Overview, Inventory Report, and Research Design, Proposed Sites Reservoir APE, Colusa and Glenn Counties, California, Chico 2009, S. 15–20.

Der Ortsgründer John Sites miniatur|hochkant|John Sites (1832–1914), um 1885 Der spätere Namensgeber des Ortes, John Sites, wurde am 4. Oktober 1832 im Großherzogtum Hessen geboren. Im Alter von zwei Jahren kam er 1834 mit seinem Vater Henry Sites (vermutlich amerikanisiert von „Heinrich Seitz“) in die Vereinigten Staaten, wo sich die Familie in Missouri niederließ. Am 16. April 1850 brach der damals 17-jährige John gemeinsam mit einem Mann namens Fisher über die Great Plains nach Kalifornien auf. Als Gegenleistung für die Reisekosten hatte Sites sich verpflichtet, nach der Ankunft neun Monate für Fisher zu arbeiten. Die Gruppe erreichte Placerville am 4. August 1850 und Sites erfüllte anschließend die vereinbarte neunmonatige Arbeitszeit. Nachdem mehrere Mitglieder der Gruppe erkrankt waren, zogen Sites und die Familie Fisher an den Cache Creek im Yolo County, wo sie Viehzucht betrieben. 1853 verkaufte Sites seinen dortigen Besitz, zog mit seinem Viehbestand in das Antelope Valley und erwarb eine kleine Ranch. Diese erweiterte er später auf rund 2800 Hektar. Er betrieb Landwirtschaft und Viehzucht, gehörte dem örtlichen Schulvorstand an und half bei der Gründung der ersten Schule im Antelope Valley.Charles D. McComish / Rebecca T. Lambert, History of Colusa and Glenn Counties, California, Los Angeles 1918, S. 510–511.

Entstehung von Sites Die Ortschaft Sites entstand erst mehr als drei Jahrzehnte nach der Ansiedlung von John Sites. Als die Colusa and Lake Railroad ihre Strecke 1886 in das Antelope Valley verlängerte, schenkte John Sites der Eisenbahngesellschaft die Hälfte des für die neue Ortschaft vorgesehenen Geländes. Die Gesellschaft parzellierte das Grundstück und benannte den Ort nach seinem Stifter. Durch den Bahnanschluss erhielt die bis dahin vorwiegend landwirtschaftlich geprägte Region eine direkte Transportverbindung nach Colusa und von dort zu den überregionalen Märkten Kaliforniens.McComish / Lambert, History of Colusa and Glenn Counties, S. 510; zur Verlängerung der Strecke nach Sites 1886 siehe S. 83.

Sandsteinabbau Die Eisenbahn ermöglichte die wirtschaftliche Nutzung der Sandsteinvorkommen bei Sites. 1892 wurde etwa eine halbe Meile östlich des Ortes ein Steinbruch eröffnet, den zunächst die Colusa Sandstone Company betrieb. Einige Jahre später eröffnete der Bauunternehmer John D. McGilvray einen zweiten Steinbruch. Hunderte Tonnen Sandstein wurden mit der Eisenbahn nach San Francisco transportiert. Nach der Darstellung der 1918 erschienenen County History von Colusa und Glenn wurde der Stein unter anderem beim Bau des Ferry Building, des Spreckels Building, des Emporium Building und des Kohl Building verwendet. Besonders bedeutend war seine Verwendung am 1898 eröffneten Ferry Building, einem der bekanntesten Bauwerke San Franciscos.McComish / Lambert, History of Colusa and Glenn Counties, S. 127–128.

Im Jahr 1905 produzierten die Steinbrüche bei Sites nach Angaben der County History rund 90.300 Kubikmeter Sandstein im Wert von 289.454 US-Dollar. Nach dem Erdbeben und dem Großbrand von San Francisco im Jahr 1906 wurde dem Stein eine vergleichsweise hohe Widerstandsfähigkeit gegen Hitze zugeschrieben. In den folgenden Jahren ging die Nachfrage jedoch zurück, da Beton den Naturstein im Bauwesen zunehmend verdrängte. Mit der Einstellung des Betriebs der Colusa and Lake Railroad verloren die Steinbrüche ihre Transportverbindung und wurden geschlossen. Dadurch entfiel ein wesentlicher Teil der wirtschaftlichen Grundlage des Ortes.McComish / Lambert, History of Colusa and Glenn Counties, S. 128.

Landwirtschaftliche Nutzung Ungeachtet des zeitweiligen Aufschwungs durch Eisenbahn und Steinbrüche blieb das Antelope Valley landwirtschaftlich geprägt. Die großen Ranches verbanden Getreideanbau mit Viehzucht. Ein Beispiel war die rund 1780 Hektar große Ranch von William F. Sites, dem Bruder Johns, im Zentrum des Tals. Auf etwa 240 Hektar wurde jährlich Getreide angebaut, während der übrige Teil vor allem der Rinderhaltung diente. Die Ranch wurde durch den Antelope Creek, mehrere Quellen und einen Brunnen mit Wasser versorgt. Auf dem Gelände befanden sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts außerdem noch Überreste einer älteren indigenen Siedlung.McComish / Lambert, History of Colusa and Glenn Counties, S. 640–641.

Sites Reservoir miniatur|Eines der bereits verlassenen Wohnhäuser in Sites im Juli 2026 miniatur|Der historische Friedhof von Sites im Juli 2026 Bereits seit den 1950er Jahren gab es Überlegungen, das Antelope Valley zur Speicherung von Wasser aus dem Sacramento River zu nutzen. Nachdem frühere Planungen nicht umgesetzt worden waren, wurde das Vorhaben zu Beginn des 21. Jahrhunderts erneut aufgegriffen. Das Sites Reservoir soll keinen Fluss unmittelbar aufstauen, sondern als Stausee außerhalb eines Flusslaufs dienen. In niederschlagsreichen Zeiten soll Wasser aus dem Sacramento River über Pumpanlagen bei Red Bluff und Hamilton City und bestehende Kanäle in das Antelope Valley geleitet und dort gespeichert werden. In Trockenperioden könnte das gespeicherte Wasser für die landwirtschaftliche Bewässerung sowie für kommunale Wasserversorger bereitgestellt werden.Sites Project Authority / U.S. Bureau of Reclamation (Hrsg.), Sites Reservoir Project. Final Environmental Impact Report / Environmental Impact Statement, Sacramento 2023, Kapitel 1: Introduction, S. 1-1–1-11.

Zugleich soll das im Sites Reservoir gespeicherte Wasser den Süßwasserzufluss in das Sacramento-San Joaquin River Delta erhöhen, den Salzgehalt dort regulieren und die Lebensbedingungen bedrohter Wanderfischarten sowie des Delta-Stints verbessern. Darüber hinaus soll das Projekt zusätzliche Wassermengen für Naturschutzgebiete im Kalifornischen Längstal bereitstellen.U.S. Bureau of Reclamation / Sites Project Authority / California Department of Water Resources, North-of-the-Delta Offstream Storage Investigation. Final Feasibility Report, Dezember 2020, S. ES-3–ES-5.

Die geplante Überflutungsfläche umfasst weite Teile des Antelope Valley sowie die Ortschaft Sites. Innerhalb der Überflutungsfläche befinden sich zwei Friedhöfe, darunter der Friedhof mit dem Grab des Ortsgründers John Sites; die dortigen Gräber sollen vor dem Bau des Reservoirs verlegt werden.Sites Project Authority / U.S. Bureau of Reclamation (Hrsg.), Sites Reservoir Project. Revised Draft Environmental Impact Report / Supplemental Draft Environmental Impact Statement, Kapitel 22: Cultural Resources, Sacramento 2021, S. 22-42–22-43.

Literatur Charles D. McComish / Rebecca T. Lambert, History of Colusa and Glenn Counties, California, Los Angeles 1918.

Weblinks

Sites Project, Informationen zum geplanten Sites Reservoir

Anmerkungen