mini|hochkant|Sparren-Wappen der Spicker im Wappenbuch des Westfälischen Adels (In dem) Spicker (auch Spiker, Spyker, Spycker o. ä.) ist der Name eines im 17. Jahrhundert erloschenen westfälischen Adelsgeschlechts. Da die Familie zwei unterschiedliche Wappen (bzw. eine Hausmarke und ein Wappen?) führte, nahmen ältere Veröffentlichungen fälschlicherweise zwei zu unterscheidende Familien an.

Geschichte Das Geschlecht war in Westfalen und am Niederrhein begütert. Es hatte Besitz in Altenbögge (urkundlich 1592), zu Burg Geinegge (1520), zu Haus Hölting in Werne-Schmintrup (1592–1598), in Hünxe (1497), Meinrinkshof (1461) und Westhofen (1427–1570).Ledebur (1856), S. 462.Kneschke (1868), S. 558. Nach Johann Dietrich von Steinen und Anton Fahne hatte die Familie ihren Namen von einem Schloss bzw. Burghaus Spicker in den Grenzen des ehemaligen Reichshofs Westhofen im Kirchspiel Syburg.Steinen (1755), S. 1609.Fahne (1853), S. 141.Fahne (1858), S. 366. Als Westhofen von einer Mauer umgeben wurde, hatte die Mauer fünf Tore, darunter die Spickerspforte, die zu Schloss Spicker gehörte.Ludwig Neuhaus: Beschreibung des Amtes (Bürgermeisterei) Westhofen, in: Zeitschrift für vaterländische Gescichte und Alterthumskunde, 36. Band, 2. Abtheilung, Münster 1888, S. 53 (Google Bücher).

Die Familie kommt ab Anfang des 15. Jahrhunderts in der Grafschaft Mark vor. Evert in dem Spicker war 1407 Richter zu Westhofen. 1434 waren Johann, Rotger und Evert im Spicker Räte des Grafen Gerhard von der Mark. Ersterer (Johann imme Spiker) hatte sich einige Jahre zuvor (1426) mit der gräflich-märkischen Ritterschaft verbunden. 1430, 1438 und noch 1442 war derselbe Rentmeister des Grafen Gerhard von der Mark zu Unna.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland, AA 0053 / Kleve-Mark, Urkunden AA 0053, Nr. 1654, abgerufen am 13. Juli 2026. 1440 besiegelte er eine märkische Urkunde mit dem alten Richter-Wappen der Familie.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland, AA 0057 / Mark, Lehen AA 0057, Nr. 1, abgerufen am 11. Juli 2026. 1449 erscheint Johann in dem Spicker als Drost zu Xanten.Steinen (1755), S. 1610. Im selben Jahr bestimmte ihn Graf Gerhard von der Mark in einem Rechtsstreit mit Bernhard von Westholt zu einem seiner beiden Prokuratoren.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland, AA 0053 / Kleve-Mark, Urkunden AA 0053, Nr. 1932, abgerufen am 11. Juli 2026. Danach tritt er noch bis 1455 in einer Vielzahl klevisch-märkischer Urkunden auf.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland, AA 0001 / Kurköln, Urkunden AA 0001, Nr. 2349, abgerufen am 11. Juli 2026.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland, AA 0053 / Kleve-Mark, Urkunden AA 0053, Nr. 2024 - a, Nr. 3273, Nr. 3323, Nr. 3330, Nr. 3347, Nr. 3389, abgerufen am 11. Juli 2026.

Ab spätestens 1452 übernahm Johann in dem Spyker der Junge das Richteramt in Schwerte. Auch er besiegelte mehrere märkische Urkunden mit dem alten Richter-Wappen der Spicker.Stadtarchiv Schwerte, 01.01.02 / A: Urkunden 1326-1758, Nr. UR_0014, abgerufen am 11. Juli 2026.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland, AA 0053 / Kleve-Mark, Urkunden AA 0053, Nr. 3380, abgerufen am 11. Juli 2026. In Schwerte ist er als Richter bis 1460 nachweisbar.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, U 194u / Gesamtarchiv von Romberg / Urkunden, Nr. 481, abgerufen am 11. Juli 2026. Danach scheint er nach Xanten versetzt worden zu sein. Dort war er 1463 Richter sowie 1467 und noch 1478 Schlüter zu Winnenthal. Sein Haus in Beek, heute ein Ortsteil von Xanten, machte er dem Herzog von Kleve zum Offenhaus. Seine Frau Jutte erhielt ein Leibzuchtsrecht. Auch im heutigen Xantener Ortsteil Birten hatten die Eheleute einen Hof.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland, AA 0054 / Kleve, Lehen, Generalia AA 0054, Nr. 3, abgerufen am 13. Juli 2026.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland, Vorgang zu Verzeichnungseinheit AA 0563 / Xanten, Kartause, Rep. u. Hs. AA 0563, Nr. 1 (1467-07), ebenda (1467-08), abgerufen am 13. Juli 2026.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland, Vorgang zu Verzeichnungseinheit AA 0563 / Xanten, Kartause, Rep. u. Hs. AA 0563, Nr. 2, abgerufen am 13. Juli 2026. 1479 erscheint Johann Spycker, Schlüter von Winnenthal, als verstorben.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland, Vorgang zu Verzeichnungseinheit Vorgang zu Verzeichnungseinheit AA 0567 / Xanten, Viktorstift, Akten AA 0567, Nr. 11 - w, abgerufen am 13. Juli 2026.

1463 stellte Gert Schrage, Richter zu Westhofen, einen Brief aus, der besagte, dass Grete im Spicker, Witwe des Johann im Spicker (des Alten), und Hermann, Pastor zu Lütgendortmund, und Everden Spicker eine Rente aus ihrem Gut Rodenberg, gelegen zu Garneveld, verkauft haben.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, E 003u / Prämonstratenserinnenkloster Dortmund / Urkunden, Nr. 293, abgerufen am 11. Juli 2026. Auch 1470 erscheint Hermann in dem Spyker als Pastor zu Lütgendortmund. 1484 tritt er als Hermann Spyker de Westhaven, Kleriker der Diözese Köln und Notar, auf.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, U 194u / Gesamtarchiv von Romberg / Urkunden, Nr. 669 und Nr. 670, abgerufen am 11. Juli 2026.

Nach Johann in dem Spicker dem Jungen war Evert in dem Spicker (Euert in dem Spyker) 1460, 1463 und noch 1470 Richter zu Schwerte.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, U 194 / Gesamtarchiv von Romberg / Akten, Nr. 8800, abgerufen am 11. Juli 2026.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, U 112 / Haus Dahl (Dep.), Nr. 3, abgerufen am 11. Juli 2026. 1461 bekam dieser Meinrinckhof als Lehen. 1471 fungierte er auch in Westönnen als Richter.Vereinigte Westfälische Adelsarchive, Mels.Ak / Altes Archiv, Akten, Nr. Mels.Ak - 2445, abgerufen am 11. Juli 2026. 1476 erhielt er Hof, Erb und Gut Geiseke, bei Schwerte gelegen, zum Mannlehen.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland, AA 0027 / Berg, Lehen, Spezialia AA 0027, Nr. 25 Urk. 1, abgerufen am 11. Juli 2026. 1478 versetzten Evert in dem Spyker und seine Frau Kunneke den Vorstehern des Heilig-Geist-Spitals in Schwerte eine jährliche Rente aus einem Kamp und aus ihren Haus und Hof Schwerte am Kirchhof und sämtlichen weiteren Gütern im Gerichte Schwerte.Stadtarchiv Schwerte, 01.01.02 / A: Urkunden 1326-1758, Nr. UR_0016, abgerufen am 11. Juli 2026. 1489 tritt „Evert in den Spyker, Richter zu Westhofen“, auf.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, U 131u / Haus Küchen / Urkunden, Nr. 38, abgerufen am 11. Juli 2026. Die beiden Söhne Everts in den Spicker wurden 1501 vom Landesherrn Johann II. von Kleve-Mark beschuldigt, zusammen mit anderen unberechtigt Pferde genommen zu haben.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, U 194u / Gesamtarchiv von Romberg / Urkunden, Nr. 874, abgerufen am 11. Juli 2026. 1506 war Evert in dem Spycker verstorben. Seine Söhne hießen Evert, Hermann und Rotger in dem Spicker. Evert und Rotger erscheinen 1548 unter der gräflich-märkischen Ritterschaft aus dem Amt Schwerte. Hermann verkaufte seinen Erbteil an seinen Bruder Rotger und diente darauf dem Herzog von Geldern gegen den Grafen von der Mark.

1505 gehörte der Junker Herman Spycker zu den Helfern Soests. 1513 bis 1528 erscheint Hermann im Spicker / Herman in deme Spyker zu Westhofen, 1520 verheiratet mit Cathrin von Ulenbrock, als Richter zu Hattingen.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, U 194u / Gesamtarchiv von Romberg / Urkunden, Nr. 1663, abgerufen am 11. Juli 2026.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, U 188u / Haus Rechen (Dep.) / Urkunden, Nr. 50, abgerufen am 11. Juli 2026.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland, AA 0544 / Werden, Urkunden AA 0544, Nr. 1330, abgerufen am 11. Juli 2026.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, U 144u / Gesamtarchiv von Landsberg-Velen (Dep.), Horst / Urkunden, Nr. 59, abgerufen am 11. Juli 2026. Sein Sohn Rotger in dem Spyker war 1516 Herr zu Geney (Geinegge?), verheiratet mit Beleke von Neheim, Tochter von Evert von Neheim. Im selben Jahr 1516 kauften Gert in den Spicker und seine Ehefrau Greite drei Maltersaat Land im Gut Aldendorp im Kirchspiel Dorsten.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, V 501u / Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abteilung Münster (Dep.) / Urkunden, Nr. 603, abgerufen am 11. Juli 2026.

Eine Schwester des o. g. Rotger in dem Spyker war Gertrud in dem Spyker (lebte 1513 noch), die mit Hermann von Hermann von Holtey (1513 bereits †) verheiratet war.Otto Merx (Bearb.): Urkundenbuch des Clarissenklosters, späteren Damenstifts Clarenberg bei Hörde, Dortmund 1908, S. 317, Nr. 420 (uni-muenster.de).Sonja Neitmann: Von der Grafschaft Mark nach Livland. Ritterbrüder aus Westfalen im livländischen Deutschen Orden (= Veröffentlichungen aus den Archiven preussischer Kulturbesitz, Beiheft 3), Köln/Weimar/Wien 1993, S. 224. 1553 erscheint Dorothea Holtey, Tochter von Hermann von Holtey zu Benninghofen und Anna von Schaphusen, als Witwe des Rotger Spicker. In zweiter Ehe heiratete Dorothea Holtey 1555 Werner von Neuhoff genannt Ley und brachte Ermlinckhoff an diesen.Steinen (1755), S. 1611.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, U 188u / Haus Rechen (Dep.) / Urkunden, Nr. 127, abgerufen am 11. Juli 2026.

Arndt Spycker war mit Beeltjen verheiratet. Die Eheleute hatten einen Sohn Johann Spycker und eine Tochter Cunneken/Cunera Spycker. Letztere ehelichte 1555 Caspar von Berchem genannt Rocholz. Den Ehevertrag besiegelte ihr Bruder Johann Spycker.Steinen (1755), S. 1612.

Um 1555, vielleicht auch ein paar Jahre früher oder später, ehelichte eine Cunera von Spicker zu Geinegge (Genegge) auch einen Johann von Wandthof zu Martfeld. Dies ergibt sich aus einer Aufschwörungstafel von 1700/1, die Johann von Wandthoff und Cunera von Spiker als Ahnen des Gisbert Jobst Balduin von Vaerst aufführt.Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, W 101 / Aufschwörungstafeln, Nr. 873,0, abgerufen am 12. Juli 2026. Da die in der Ahnentafel genannte Tochter Kunigunde von Wandthoff Melchior von Büren 1585 heiratete, leitet sich daraus der ungefähre Hochzeitszeitpunkt der Eheleute Wandthoff-Spicker ab. Steinen gibt an, dass die Eltern der Cunera von Spicker ein Herr von Spicker zu Genegge und eine Frau von Volmestein gewesen seien. Die Eheleute Spicker-Volmestein hätten noch eine ältere Tochter gehabt, die einen von Frydach geheiratet und diesem Geinegge zugebracht habe.Steinen (1755), S. 1613.

Sollten die Cunera von Spicker, verheiratet mit Caspar von Berchem, und die Cunera von Spiker, verheiratet mit Johann von Wandthoff, ein und dieselbe Person, sie also zweimal verheiratet gewesen sein, dann wären Arndt Spyker und Beeltjen von Volmestein ihre Eltern sowie Johann Spycker und die mit einem Frydach verheiratete Tochter ihre Geschwister gewesen.