Der Sikorsky XH-39 (Herstellerbezeichnung S-59), der 1954 von Sikorsky Aircraft entwickelt wurde, war der erste turbinengetriebene Hubschrauber der US Army. Er war schnell und innovativ, wurde jedoch letztendlich von der US-Armee zugunsten des Bell UH-1 Iroquois abgelehnt.
Entwicklung Sikorsky baute seit 1951 die S-52 mit Kolbenmotor. Da zur gleichen Zeit Turbinen für Flugzeuge immer kompakter und auch leistungsfähiger wurden, kam bei allen damaligen Hubschrauberproduzenten die Idee auf, diese mit Turbinen auszustatten. Anfang der 1950er Jahre schrieb die US Army einen Wettbewerb aus, in dem man nach einem neuen turbinenbetriebenen Transporthubschrauber suchte. Es bewarb sich Bell mit der XH-40, aus der später das Erfolgsmodell Bell UH-1 entstehen sollte. Sikorsky wählte die S-52 als Basis aus. Um genau zu sein wurden 1953 zwei YH-18A (S-52-2) zur XH-39 umgebaut. Eine für Flugtests (Seriennummer 49-2890) und die andere für statische Tests (Seriennummer 49-2891). Der viersitzige XH-39 wurde von einer Continental-CAE-XT51-T-3-Turbine mit 298 kW (400 PS) angetrieben, einer in Lizenz gebauten Weiterentwicklung der Turbomeca Artouste. Sie unterschied sich durch ein einziehbares Fahrwerk, einem dreiblättrigen Heck- und vierblättrigen Hauptrotor, einem veränderten Getriebe und einer verstärkten Flugzeugzelle. Eine zweite zivile S-59 mit der Seriennummer 52004 und der zivilen Registrierung N74150 wurde ebenfalls aus einer YH-18A umgebaut. Sie wurde hauptsächlich für Demonstrationsflüge eingesetzt.
Am 26. August 1954 stellte die XH-39 mit dem Piloten U. S. Army Warrant Officer Bill Wester auf einer drei Kilometer langen geschlossenen Strecke am Bradley Field (heute Bradley International Airport) in Windsor Locks, Connecticut, einen Geschwindigkeitsweltrekord für Hubschrauber von 251 km/h auf. Im selben Jahr, am 17. Oktober 1954, stellte er in Bridgeport, Connecticut, einen inoffiziellen Höhenweltrekord für Hubschrauber von 7.474 m auf. mini|S-59 im New England Air Museum (2013) Nachdem sich die US Army für die XH-40 entschieden hatte, war man der Ansicht, dass, obwohl die XH-39 schneller war, sie von der Konstruktion her zu altmodisch ist. Dies war aber noch nicht das Ende für die XH-39, denn sie wurde noch mehrere Jahre von der US Army zum Testen eingesetzt. So konnte man noch weiter Erfahrungen mit Turbinenhubschraubern sammeln.
Die XH-39, die für die Flugversuche genutzt wurde, ging 1957 an das US Army Aviation Museum in Fort Rucker in Alabama. 1986 wurde diese Maschine mit Unterstützung von Sikorsky restauriert. Die einzige gebaute zivile S-59 wurde 1964 auf der Weltausstellung in New York ausgestellt und ging danach in das New England Air Museum in Windsor Locks in Connecticut. Die Maschine ist dort eingelagert.
Technische Daten Kenngröße Daten Besatzung 1 Passagiere 3Rotordurchmesser 10,67 m Rotorkreisfläche 89,40 m² Länge über alles 12,50 m Höhe 2,92 m Leermasse 955 kg Startmasse 1525 kg Höchstgeschwindigkeit 251 km/hReisegeschwindigkeit 222 km/h maximale Flughöhe 5500 m Reichweite 450 km Triebwerk 1 × Wellenturbine Continental-Turbomeca CAE XT51-T-3 mit Tankinhalt 300 l
Literatur Stephen Harding: U.S. Army Aircraft Since 1947. Shrewsbury, England: Airlife, 1990, ISBN 1-85310-102-8, S. 232 f. Norman Polmar, Floyd D. Kennedy, Jr.: Military Helicopters of the World: Military Rotary-wing Aircraft Since 1917. Annapolis, Maryland: Naval Institute Press, 1981, ISBN 0-87021-383-0. E. R. Johnson: American Military Helicopters and Vertical/Short Landing and Takeoff Aircraft since 1941, McFarland and Co., 2021, ISBN 978-1-4766-7734-7, S. 113–115.
Weblinks
S-59 auf sikorskyarchives.com Video eine Testfluges der XH-39 auf youtube.com
Einzelnachweise
Kategorie:Militärhubschrauber Kategorie:Sikorsky Kategorie:Erstflug 1954