Die Giuseppe Zanardelli ist ein über Schaufelräder angetriebenes Motorschiff auf dem Gardasee. Es ist das älteste Passagierschiff, das mit Stand Mitte 2026 auf dem Gardasee verkehrt.

Geschichte Die Società Anonima Impresa di Navigazione sul Lago di Garda bestellte 1900 bei Escher, Wyss & Cie. in Zürich einen Raddampfer. Nach Plänen von Escher, Wyss & Cie. wurde das Schiff in der Werft in Peschiera del Garda gebaut. Am 25. September 1903 lief es vom Stapel und wurde nach dem damaligen italienischen Präsident des Ministerrats Giuseppe Zanardelli, der beim Stapellauf anwesend war, getauft.

Das Schiff verkehrte im südlichen italienischen Teil des Gardasees, bis es im Ersten Weltkrieg am 23. Mai 1915, nach der Kriegserklärung Italiens an Österreich-Ungarn, beschlagnahmt wurde. Es erhielt einen grauen Anstrich und wurde mit einer kleinkalibrigen Kanone ausgestattet. Das Kommando wurde an einen Offizier der Regia Marina übergeben und die Mannschaft militärisch organisiert. Es wurde nun als Truppen- und Nachschubtransporter genutzt aber auch weiterhin zum Transport von Zivilisten.Bentornato Zanardelli, salite con noi a bordo dello storico piroscafo restaurato bei gardapost.it

Nach dem Krieg wurde die Bewaffnung des Schiffs entfernt. Die Reederei war inzwischen insolvent und auch die Konzenssion für die Schifffahrt auf dem Gardasee ausgelaufen und so wurden alle Schiffe, auch die Giuseppe Zanardelli, an die Staatsbahn Ferrovie dello Stato Italiane übertragen und bis 1923 von ihr betrieben. Danach wurden sie für ein Jahr von dem Ministero dei Lavori Pubblici übernommen. Nach Ausschreibung des Betriebs der Schifffahrt auf dem Gardasee erhielt der Ingenieur Ernesto Canobbio die Konzession. Am 1. März 1924 gründete er die Società Anonima per la Navigazione sul Lago di Garda.

Auch während des Zweiten Weltkriegs wurde die Personenschifffahrt auf dem Gardasee uneingeschränkt fortgesetzt. Die Alliierten flogen zwar Angriffe auf Italien, die Schifffahrt auf den Seen blieb jedoch zunächst verschont, auch nachdem die Wehrmacht am 8. September 1943 das Kommando übernommen hatte. Ab Herbst 1944 begann man jedoch jegliche Transportmittel zu attackieren. Am 6. November 1944 um 11:45 Uhr befand sich die Giuseppe Zanardelli auf dem Weg von Malcesine nach Limone sul Garda. An Bord befanden sich etwa 200 Passagiere, bei denen es sich vor allem um deutsche Soldaten auf Genesungsurlaub handelte. Es näherten sich zwei britische Supermarine-Spitfire-Jagdbomber und nahmen das Schiff in vier Angriffen mit ihren Bordgeschützen ins Visier. Hierbei wurde der Hilfssteuermann Francesco Bertera getötet und der Kapitän Berardo Martinelli tödlich verwundet. Der Kapitän konnte jedoch noch den unverletzten Matrosen Guerrino Ceccon anweisen, dass Schiff nahe an die Felsen bei Limone sul Garda zu steuern und auf Grund zu setzen, um weitere Angriffe zu verhindern. Ceccon wurde später für diese Tat geehrt und zum Schiffsführer befördert. Neben Francesco Bertera und Kapitän Guerrino Ceccon, der später im Krankenhaus starb, kamen sechs Zivilisten und fünf deutsche Soldaten ums Leben. 17 Menschen wurden schwer und etwa 20 leicht verletzt.ZANARDELLI, piroscafo bei enciclopediabresciana.it Das in Brand geratene Schiff trieb später durch die Einschüsse völlig durchlöchert auf dem See. Es wurde von dem Dampfschiff Italia in die Werft in Peschiera del Garda geschleppt und wieder repariert.

Nach dem Krieg wurde das Dampfschiff von den US-Streitkräften beschlagnahmt. Während der US-amerikanische Generalleutnant Mark W. Clark sein Hauptquartier am Gardasee hatte, benutzte er das Schiff für Ausflugsfahrten. 1946 erhielt die Reederei die Giuseppe Zanardelli zurück und betrieb sie bis 1948 weiter. Am 16. April 1948 übernahm eine Sonderkommission die Schifffahrt auf dem Gardasee. Seit 1957 ist der Staatsbetrieb Gestione Governativa Navigazione Laghi Betreiber der Schifffahrt. In den 1970er Jahren lief die Giuseppe Zanardelli im Nebel auf einen Felsen und wurde stark beschädigt und musste in der Werft repariert werden. 1982 wurde das Schiff restauriert und die Dampfmaschine durch zwei Dieselmotoren des Typs MTU SR 493TZ ersetzt. 2002 wurde die Giuseppe Zanardelli erneut modernisiert und mit zwei MTU-Dieselmotoren des Typs 183TA 61 ausgerüstet.IL PIROSCAFO ZANARDELLI bei asiamicky.blogspot.com

Am 6. November 2019 wurde das Schiff nach umfangreicher Restauration in Desenzano del Garda der Öffentlichkeit vorgeführt. Bei diesen Arbeiten wurde Wert darauf gelegt, dass Originalmaterialien verwendet wurden und das ursprüngliche äußere Erscheinungsbild erhalten blieb. Seither wird das Schiff nicht mehr im Linienverkehr eingesetzt, sondern kann für Sonderfahren und private Veranstaltungen gebucht werden.

Technik Der stählerne Rumpf des Schiffes ist 49,20 m lang und 6,20 m breit und hat eine Verdrängung von 253 t. Inklusive der Schaufelradkästen beträgt die Breite etwa 11,60 m. Der ursprüngliche Antrieb bestand aus einer Verbunddampfmaschine mit 450 PS, die die beiden Seitenräder antrieb. Die schmiedeeisernen Seitenräder haben einen Durchmesser von etwa 2,5 m und eine Breite von etwa 2,6 m. Während die Maschine mittschiff installiert war, befanden sich die Dampfkessel zum Heck hin. 1982 wurde die Dampfmaschine entfernt und zwei MTU-Dieselmotoren des Typs SR 493TZ mit insgesamt 736 kW eingebaut. Bei der Umrüstung 2002 wurden zwei 341 kW starke Dieselmotoren des Typs 12V 183 TA 61 von MTU Friedrichshafen mit zwölf Zylindern installiert.

1903 betrug die maximale Passagierzahl 800, während sie heute mit 500 angegeben wird. Auf dem Hauptdeck befindet sich die Küche und ein Salon für 66 Gäste, auf dem Oberdeck gibt es einen weiteren Salon für 84 Passagiere. Außerdem gibt es 250 Stehplätze und im Freien noch 100 weitere Sitzplätze. Bei allen Renovierungen wurde darauf geachtet, dass die Einrichtung im Stile Liberty erhalten blieb.Motonave “Zanardelli” bei navigazionelaghi.it

Literatur J. Jobé, R. A. Plummer, G. W. Hilton: Raddampfer aus aller Welt, 1989 Augsburg, ISBN 3-89350-024-3, S. 211

Weblinks

Einstiger Dampfer Zanardelli wurde restauriert bei gardaseezeitung.it Italien bei schaufelraddampfer.de G Zanardelli bei faergelejet.dk La storia del piroscafo Zanardelli bei gardatop.it Motonave ZANARDELLI bei navigazionelaghi.it (Technische Daten)

Einzelnachweise

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