Margarete Windmüller (* 11. März 1883 in Hamburg; † 11. März 1941 in der Tötungsanstalt Bernburg) war eine jüdische Kunstgewerblerin und Journalistin.

Werdegang mini|hochkant|Elternhaus im Harvestehuder Weg Margarete (auch Margarethe) Windmüller, geborene Simon, wurde 1883 in eine wohlhabende, großbürgerliche jüdische Kaufmannsfamilie geboren. Ihre Eltern waren Rosa Gabriele, geb. Seckels (1860–1933) und Carl Jacob Simon (1850–1924), der als Mitinhaber die Im- und Exportfirma Carl Simon & Mayer, Sternhof in den Hohe Bleichen 9 betrieb. Sie wuchs mit ihrer ein Jahr älteren Schwester Erna (1882–1942) und ihrer jüngeren Schwester Paula (* 17. November 1886) zunächst am Holzdamm 53 in St. Georg und ab 1888 im Hamburger Harvestehuder Weg 46 c auf. Im Zuge der Straßenumnummerierung 1910 änderte sich die Hausnummer zur 63. Ihr Vater hatte die neu erbaute Stadtville erst gemietet und konnte sie 1893 kaufen. Im Dezember 1890 wurde dort ihr Bruder Philipp geboren.

Nach einer für "höhere Töchter" üblichen Bildung heiratete sie 1901 mit 18 Jahren den in New York geborenen konfessionslosen Zahnarzt jüdischer Herkunft Percival Sidney Windmüller (* 25. Juli 1865). Nach der Heirat lebte das Paar in der Hagedornstraße 25 in Harvestehude, wo 1903 ihr Sohn Kurt zur Welt kam. 1904 kauften sie eine Jugendstilvilla in der nahegelegenen Hochallee 57. An ihrem neuen Wohnsitz richtete Margarete Windmüller sich eine kunstgewerbliche Werkstatt ein, in der sie auch als Fotografin arbeitete. Ihr Mann verbrachte neben seiner Berufstätigkeit viel Zeit mit zahnärztlichen Forschungen und musizierte zudem intensiv. Am 21. Dezember 1904 wurde Tochter Lilly geboren, am 1. Oktober 1911 „Denny“ Harald, gefolgt von Henning am 25. Mai 1913. Percival Sidney und Margarethe Windmüller konvertierten zum christlichen Glauben und traten in die Evangelisch-lutherische Kirche ein. Am 9. März 1914 ließen sie sich zusammen mit ihren Kindern Kurt, Lilly und Harald in der St. Johannis-Kirche in Harvestehude taufen.

mini|hochkant|Dorotheenstrasse 43, Winterhude Margarete Windmüller litt unter psychischen Problemen und unternahm 1916 einen Suizidversuch, ihr ältester Sohn Kurt brachte sich im Juli 1918 im Alter von 15 Jahren um. Im Dezember 1926 wurde die Ehe der Windmüllers geschieden. Margarete Windmüller zog in eine Etagenwohnung in der Dorotheenstraße 43 in Winterhude, die minderjährigen Söhne Harald und Henning, die noch zur Schule gingen, blieben im väterlichen Haushalt und wurden von der Haushälterin und Köchin versorgt. Die zur Säuglings- und Wochenschwester ausgebildete erwachsene Tochter Lilly lebte im Hause ihrer jeweiligen Arbeitgeber in Hamburg, Berlin und Süddeutschland.

Selbständigkeit und Tätigkeit für die Nordische Gesellschaft In Folge arbeitete Margarete Windmüller selbstständig als Kunstgewerblerin, Fotografin und Journalistin. Sie engagierte sich in der zu dieser Zeit völkisch, aber noch nicht rassistisch oder antisemitisch ausgerichteten Nordischen Gesellschaft und machte dort unter anderem die Bekanntschaft von Albrecht Mendelssohn Bartholdy und des Hamburger Reichsstatthalters Karl Kaufmann. Im Auftrag des Deutschen Ausland-Instituts in Stuttgart (Vorläufer des Goethe-Instituts) und der Nordischen Gesellschaft unternahm sie journalistische Reisen. Ebenso publizierte sie bis zum Kriegsausbruch in schwedischen, finnischen, dänischen und englischen Presseorganen unter dem Pseudonym „Sundström“. Zeitweise lebte sie in Finnland, behielt jedoch die Wohnung in der Dorotheenstraße 43 in Winterhude bei.

Obwohl die Nordische Gesellschaft 1937 die nicht-arischen Mitglieder ausschloss, konnte Margarete Windmüller ihre Arbeit zunächst fortsetzen. 1938 zog sie in die Kroogblöcke 10 in Horn in eine Wohnung aus ihrem mütterlichen Erbe. Sie wähnte sich aufgrund ihrer Verdienste in der völkischen Bewegung sicher vor den Repressalien gegen Juden. Anfang September 1939 schickte sie einem Ministerialrat in Berlin einen brieflichen Vorschlag zum Ausbau einer „Eismeerstraße“ für den Erztransport nach Deutschland, da durch den Beginn des Zweiten Weltkrieges der Seeweg zu den für die deutsche Rüstungsindustrie benötigten schwedischen Eisenerzvorräten in Kiruna zu unsicher geworden war.

Einweisung und Tod Margarete Windmüller wurde am 12. September 1939 in „Schutzhaft“ genommen, weil sie verbotenerweise Geschütze fotografiert und als Volljüdin geltende Frau „Rassenschande“ begangen haben sollte. Möglicherweise war sie wegen ihrer unangepassten, extravaganten Lebensweise denunziert worden. Sie selbst ging von politischen Gründen für ihre Festnahme aus und bestand vergeblich auf der Überstellung in das KZ Fuhlsbüttel. Stattdessen wurde sie in die „Psychiatrische und Nervenklinik der Hansischen Universität“ Friedrichsberg eingeliefert. Ihre Idee der „Eismeerstraße“ wurde von den dortigen Psychiatern als wahnhaft eingestuft. Von dort wurde sie am 28. September 1939 mit der Diagnose „Hyperthyme Querulanterie, paranoide Umdeutungen“ in die Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn verlegt, wo ihr „paranoide Übertreibungen“ bei unbeeinträchtigter Intelligenz attestiert wurden. Laut Krankenakte war sie eine schwierige Patientin, „die viel redete und täglich auf eine neue Krankheit hinwies“. Im Verlauf ihres zwangsweisen Aufenthaltes diagnostizierten die Ärzte einen Orbitaltumor, der allerdings nicht behandelt wurde. Besuch erhielt sie von ihrer Schwester Paula und gelegentlich von ihrer in Berlin wohnenden Schwester Erna.

Im September 1940 wurde Margarete Windmüller in die Heil- und Pflegeanstalt Berlin-Buch eingewiesen. Weil diese bis auf einen kleinen restlichen Psychiatriebetrieb zum 31. Oktober 1940 geschlossen wurde, wurde sie am 24. Oktober 1940 in die Heil- und Pflegeanstalt Berlin-Wittenau verlegt. Von dort gelangte sie in die Tötungsanstalt Bernburg der Heilanstalt in Bernburg (Saale), wo sie im März 1941 mit Gas umgebracht wurde.

Ihre Kinder Lilli und Harald sowie dessen Frau Mathel wurden am 25. Oktober 1941 in das Ghetto Litzmannstadt deportiert. Lilli wurde Mitte Mai 1942 in das Vernichtungslager Kulmhof in Chełmno verbracht, wo sich ihre Spur verliert. Margarete Windmüllers früherer Mann Percival Windmüller und seine zweite Frau, Gertrud, geb. Friedländer, starben im Ghetto Theresienstadt, ihre Schwester Erna wurde im August 1942 in das KZ Riga verschleppt und direkt umgebracht. Ihr Sohn Henning überlebte den Holocaust in Finnland, ebenso wie ihre Schwester Paula, die im Juli 1942 deportiert worden war und 1945 aus dem Ghetto Theresienstadt zurückkehrte.

Gedenken mini|hochkant|Stolperstein für Margarete Windmüller Zum Gedenken an Margarete Windmüller wurde an ihrem früheren Wohnsitz in der Dorotheenstraße 43 in Hamburg-Winterhude ein Stolperstein verlegt. Die Inschrift des Stolpersteins beruht auf älteren Informationen und wurde nicht ergänzt. Sie lautet:

HIER WOHNTE MAGARETE WINDMÜLLER GEB. SIMON JG. 1883 EINGEWIESEN 1940 'HEILANSTALT' BERLIN-BUCH ERMORDET 11.3.1941.

Einzelnachweise Windmüller, Margarethe. In: Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1933–1945. Abgerufen am 21. Juli 2026

Ingo Wille: Transport in den Tod. Von Hamburg-Langenhorn in die Tötungsanstalt Brandenburg. In: Landeszentrale für politische Bildung, S. 80. Abgerufen am 12. Juli 2026

Hildegard Thevs: Magarete Windmüller (geborene Simon) * 1883. In: Stolpersteine in Hamburg. Abgerufen am 11. Juli 2026

Maria Koser: Lilly Windmüller * 1904. In: Stolpersteine in Hamburg. Abgerufen am 11. Juli 2026

Hildegard Thevs: Erna Simon * 1882. In: Stolpersteine in Hamburg. Abgerufen am 12. Juli 2026

Margarethe Windmüller. In: Yad Vashem. Abgerufen am 11. Juli 2026

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