Albert Steudel (* 31. August 1822 in Winzerhausen; † 28. November 1890 in Friedrichshafen) war ein deutscher evangelischer Geistlicher und Naturforscher.

Leben Steudels Vater war Joseph Albrecht Steudel, der als Dekan in Brackenheim arbeitete. 1834 starb der Vater, was für Steudel der Grund war, ebenfalls die Ausbildung zum Geistlichen einzuschlagen. Er besuchte das Stift Schönthal und studierte anschließend Theologie an der Universität Tübingen. Seit 1844 war er Mitglied der Studentenverbindung Tübinger Königsgesellschaft Roigel.Tübinger Königsgesellschaft Roigel: Roigelalbum 1963. Tübingen 1963, S. 5. Der Tübinger außerordentliche Professor für Theologie Johann Christian Friedrich Steudel war sein Onkel.

Nach dem Studium war Albert Steudel zunächst Hauslehrer in Bolbec in der Normandie. 1846 wurde er Vikar in Schwäbisch Hall, 1847 Repetent in Schöntal und 1848 Vorstand der Töchterschule in Heilbronn. Von 1854 bis 1888 war er Lehrer am Lyzeum in Ravensburg. Dort war er von 1866 bis 1873 zugleich zweiter Diakon der evangelischen Gemeinde.

Daneben war Steudel ein anerkannter Naturforscher, besonders bekannt durch seine Arbeiten über die Glazialbildungen Oberschwabens und die zahlreichen von ihm angefertigten Gebirgspanoramen. In einem Nachruf wurden diese Panoramen als „unvergleichlich genau und überall bekannt“ bezeichnet.Schwäbischer Merkur, Nr. 283, 29. November 1890, Mittagsblatt, S. 2154 (Digitalisat). Steudel unternahm zahlreiche Reisen und war ein Experte für die Schweizer Alpen. Er war Mitglied mehrerer wissenschaftlicher Vereinigungen und hinterließ eine wertvolle Sammlung von Mineralien und Petrefakten.

Steudel war seit 1849 mit Amalie Wilhelmine Kapoll verheiratet. Sie hatten zwei Söhne, von denen der eine Konsul in Moskau war und der zweite nach Philadelphia auswanderte.

Veröffentlichungen (Auswahl)

Predigt gehalten am Confirmationsfeste zu Ravensburg den 2. Mai 1858, Ravensburg 1858. Panorama vom Schwarzen Grat bei Isny, o. O. ca. 1860 (Digitalisat). Panorama des Alpengebirges vom Schloss Waldburg in Schwaben: nebst erklärendem Texte. Maier, Ravensburg 1860. Chronik der Stadt Ravensburg: aus gedruckten und ungedruckten Quellen. K. Hammer, Ravensburg 1864. Alpenschau: kurze Beschreibung von 150 Bergen, welche am nördlichen Bodensee-Ufer gesehen werden; nebst Panorama vom Standpunkt Friedrichshafen. C. Hammer'sche Officin, Ravensburg 1864. Panorama vom Schloss Tarasp, 4608 p.F.ü.d.M. Nic. Peer, Schuls ca. 1865. Über die Heimat der oberschwäbischen Geschiebe. In: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg. Bd. 22 (1865), S. 104–115. Über die Erratischen Blöcke Oberschwaben. In: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg. Bd. 25 (1868), S. 41–56. Alpen Aussicht von der Veitsburg bei Ravensburg. Dorn, Ravensburg ca. 1870. Über die erratischen Erscheinungen in der Bodenseegegend. In: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung. Bd. 2 (1870), S. 115–142. Karte der Pfahlbauten des Bodensees. Röhrig, Ravensburg 1872. Vortrag über die Pfahlbauten: nebst einer Pfahlbaukarte das Bodensees. In: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung. Bd. 3 (1872), S. 66–88. Welche wahrscheinliche Ausdehnung hatte der Bodensee in der vorgeschichtlichen Zeit? Wann ungefähr gestalteten sich seine jetzigen Ufer? In: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung. Bd. 5 (1874), S. 72–91. Gebirgspanorama von Überlingen. Gaa, Überlingen 1875. Über das Tiefseeleben der Meere und Seen mit besonderer Berücksichtigung des Bodensee's. In: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung. Bd. 6 (1875), S. 27–35. Über das Material der Steinwaffen aus den Bodenseepfahlbauten. In: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg. Bd. 32 (1876), S. 75–90. Festrede zu Ehren des achtzigsten Geburtstags Sr. Majestät des deutschen Kaisers Wilhelm I. gehalten den 22. März 1876. Maier, Ravensburg 1876. Panorama von Schloss Zeil, durch den Tubus gezeichnet. o. O. 1877 (Digitalisat) Alpenpanorama vom Edenstein bis Meersburg : nebst erklärendem Texte. J. A. Pecht, Konstanz 1878. Der gefrorene Bodensee des Jahres 1880. In: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung. Bd. 11 (1882), S. 22–32.

Ehrungen 1888: Friedrichs-Orden 1. Klasse Große goldene Medaille für Wissenschaft und Kunst Württemberg

Literatur Zum Andenken an Albert Steudel, Professor a. D., geboren den 31. August 1822, gestorben den 28. November 1890; Reden und Nachrufe gesprochen bei seiner Beerdigung in Friedrichshafen am 1. Dezember 1890. Dr. Bernhard Kah, Ravensburg 1890 (Digitalisat). Konrad Miller: Nekrolog des Professors Albert Steudel von Ravensburg. In: Jahreshefte des Vereins für vaterländische Naturkunde in Württemberg. Bd. 47 (1891), S. XLV–L.

Einzelnachweise

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