alternativtext=Ulrike Thiede|mini|Ulrike Thiede Ulrike Thiede geb. Schumacher (* 23. März 1934 in Lübeck; † 13. Juli 2005 in Köln) war eine deutsche Japanologin, Biologin, Hochschullehrerin, Verbandsfunktionärin, Frauenrechtlerin und Nachhaltigkeitsstrategin.

Sie wurde vor allem bekannt durch zoologische Studien zur Haustiergeschichte in Japan, sowie zum Artenschutz des Nipponibis (Nipponia nippon; jap. , , , oder , jeweils toki; , 朱鹮, zhūhuán) und der Japanischen Nachtigall (Horornis diphone, jap. uguisu).

Werdegang Ulrike Schumacher wurde in Lübeck als zweites von vier Kindern von Margarete Schumacher, geb. Redlefsen, und Oskar Schumacher geboren. Ihre Mutter stammte aus Satrup in Mittelangeln, wohin Ulrike nach den Bombenangriffen auf Lübeck am 29. März 1942 mit ihren Eltern umzog. Ihr Vater war Landgerichtsrat und fiel zum Ende des Zweiten Weltkriegs als Hauptmann und Bataillonskommandeur nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion. In Satrup wuchs sie in einer Großfamilie auf und machte in Flensburg ihr Abitur.

1955 bis 1962 studierte Ulrike Schumacher „in Kiel, Tübingen und Wien Philosophie, Pädagogik und Naturwissenschaften mit dem Hauptfach Zoologie“.

1962 beendete sie ihr erstes Studium der Biologie mit einer Promotion zur Dr. ner. nat. am Institut für Haustierkunde der Universität zu Kiel. Ihr Forschungsthema war ein Evolutionsvergleich an Säugetiergehirnen. Von 1962 bis 1965 war sie als Kustodin des Instituts für Haustierkunde tätig.

1962 heiratete sie den Pharmazeuten und Ornithologen Walther Thiede (1931–2011).

Von 1962 bis 1965 setzte sie ihre Studien in Kiel fort. Im Mai 1968 zog sie zu ihrem Mann nach Japan, wo dieser als wissenschaftlicher Delegierter des Pharmaunternehmens Asta-Werke mit Sitz in Brackwede bzw. Bielefeld wirkte. In Japan erlernte Ulrike Thiede die Landessprache, die ihr ab 1973 für ein Studium der Japanologie an der Ruhr-Universität in Bochum nützlich war. Sie spezialisierte sich in der Kultur- und Geistesgeschichte sowie der Sprache und Literatur Japans. 1980 schloss sie ihr zweites Studium mit einer Promotion zur Dr. phil. über das Thema „Zum Naturverständnis der Japaner“ ab.

1973 kehrte das Ehepaar Thiede aus Japan nach Deutschland zurück.

Ab 1978 war Ulrike Thiede für über 20 Jahre freie Mitarbeiterin von Inter Nationes in Bonn, für die sie japanische Staatsgäste begleitete. Etwa alle zwei Jahre kehrte Thiede nach Japan zu Forschungszwecken zurück. Zu Wildkatzen z. B. forschte sie auf der südjapanischen Insel Iriomote zusammen mit Paul Leyhausen von der Außenstelle des Max-Planck-Instituts für Verhaltensphysiologie in Wuppertal. Mittels eines Stipendiums der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG betrieb sie Studien zur Geschichte der Haustiere in Japan am Primatenzentrum in Inuyama bei Nagoya.

Ende 1998 forschte das Ehepaar Thiede in japanischen Bibliotheken, im National Science Museum in Tōkyō und an der Universität in Obihiro, Insel Hokkaidō, Nordjapan. 帯広畜産大学, Obihiro University of Agriculture and Veterinary Medicine.

Seit 1984 hielt Ulrike Thiede Vorträge und Seminare über Japan ab und beriet Wirtschaftsunternehmen zum Japangeschäft. Sie vermittelte insbesondere die japanische Geschäftskultur. Von 1985 bis 1989 wirkte sie als Lehrbeauftragte am Japanologischen Seminar der Universität Bonn sowie am Ostasieninstitut der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf bis 1995. Bis 2005 lehrte sie an der Hochschule Bremen an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften. Ihre Schwerpunkte in der Wissensvermittlung lagen in der Landeskunde Japan, in der Wirtschaftspsychologie und den Wirtschaftsstrukturen sowie in der Medizin- und Pharmaziegeschichte Japans.

Von 2004 bis 2005 war sie bis zu ihrem Tod Vorsitzende der KölnAgenda e. V. Dieser Verein wirkt an der Lokalen Agenda 21 mit.

Ulrike Thiede wurde auf dem Friedhof Köln-Nord (Pallenbergstraße) neben ihrem Ehemann Walther begraben.http://www.vso-web.de/artikel/VSO-Ehrenmitglied_Dr._Walther_Thiede_verstorben.html

Gesellschaftliches Engagement DAB, Deutscher Akademikerinnenbund: 30 Jahre aktive Mitarbeit, 2. Vorsitzende ab 1988, Mitglied im Bundesvorstand, Mitinitiatorin der DAB-Denkfabrik „Projekt Zukunft“. DAB-Gruppe Köln: ab 1987 bis 1993 1. Vorsitzende, ab 2001 Neuaufbau, ab 2002 Leitungsfunktion. AKF, Dachverband der Kölner Frauenvereinigungen: 1996 bis 2002 sechs Jahre lang stellvertretende Vorsitzende. LandesFrauenrat NW KölnAgenda e. V.: 2004 Vorsitzende. städtische Koordinationsgruppe des Leitbildes Köln 2000.

Wirken Ulrike Thiedes zweite Doktorarbeit kann als eine der ersten wissenschaftlichen Studien zum Thema „Natur- und Umweltschutz in Japan“ mit der Ausrichtung auf den Artenschutz angesehen werden. Beispielsweise erforschte sie die nur auf der japanischen Insel Iriomote wildlebende Iriomote-Katze (Japanisch iriomote yamaneko イリオモテヤマネコ, 西表山猫), eine stark bedrohte Inselpopulation der Bengalkatze (Prionailurus bengalensis).

Sie bereicherte die deutschsprachige Japanologie ab 1982 durch ihre Studien zum Natur- und Umweltschutz in Japan.

Der deutsche Umweltwissenschaftler Carsten Dietsche ist ein Schüler von Ulrike Thiede.

Schriften 1977: KOIDE, KATO & TAKEYAMA: Bonsai — Freude an japanischen Zwergbäumen. — München, BLV. 128 Seiten. 3. Auflage 1979. Völlig überarbeitete deutsche Fassung (Mitarbeit). 1978: BIANCHINI, F., F. CORBETTA & M. PISTOIA: Der große Heilpflanzenatlas. — München, BLV. 233 Seiten. Völlig überarbeitete und erweiterte deutsche Fassung. — 2. Auflage 1979 (Mitarbeit). 1980: & Walther THIEDE: Beitrag „Fauna“. In: Horst HAMMITZSCH (Hrsg.), Japan-Handbuch. 1982: Japanibis und Japanische Nachtigall als Beispiele zweier Pole im Naturverständnis der Japaner. — Mitteilungen der Gesellschaft f. Natur- und Völkerkunde Ostasiens, Hamburg 90: 190 Seiten. 1987: Die Bedeutung der Jahreszeiten für das Naturerleben der Japaner. — In: Kostbarkeiten aus Japan. Ausstellungskatalog des Museums für Kunst und Gewerbe, Hamburg: S. 13–17. 1989: Natur- und Umweltschutz in Japan. — In: „Japans Gesellschaft und Kultur“, Vortragsreihe 4, Japanisches Kulturinstitut Köln, S. 11–36. 1990: & Karl-Heinz MEID: Auf dem Weg nach Japan. Eine Einführung für Geschäftsleute. Stuttgart, Deutscher Sparkassenverlag, 90 Seiten. 1990: Reisebegleiter Japan. Eine landeskundige Einführung. Bonn, Latka-Verlag. 128 Seiten. 1992: Struktur und Dynamik des japanischen Pharmamarktes. — Düsseldorfer Studien zur Ostasienforschung 1: 92 Seiten. 1994: & Karl-Heinz MEID: Erfolgreich im Japangeschäft. Die Geschäftspartner besser verstehen. 2., erweiterte und aktualisierte Auflage des Titels von 1990. 95 Seiten. 1996: Veränderungen in der japanischen Gesellschaftsstruktur am Beispiel der Familie. — In: FEST, Wilfred & Günther HAASCH (Hrsg.): Japan heute — Wirtschaft, Politik, Gesellschaft, Bildung. — Berlin. Berliner Institut für Lehrer-Fort- und Weiterbildung. S. 181–203. 1997: Verbraucherverhalten in Japan, deren Wandlungen und Tendenzen. — In: POHL, Manfred (Hrsg.): Japan 1996/97 — Politik und Wirtschaft. Hamburg. S. 235–251. 1997: Kreislaufwirtschaft für die Zukunft unserer Erde: vermeiden - vermindern - verwerten : Fachtagung des FrauenRat NW am 19. September 1997 in Düsseldorf. Leverkusen : FrauenRat NW, (Hrsg. Ulrike Thiede, Anne Müller de Raadt). 1998: Auf Haustierspuren zu den Ursprüngen der Japaner. — Vor- und frühgeschichtliche Haustierhaltung in Japan. — München. iudicium-Verlag, 152 Seiten, https://d-nb.info/954599632 (Forschung und Druck wurden von der DFG gefördert). ISBN 978-3-89129-429-1.

Zeitschriftenartikel (Auszug) 1963: Quantitative Untersuchungen an Gehirnen mitteleuropäischer Musteliden (Marderartige). — Journal für Hirnforschung 6. S. 137–163. Anmerkung: Noch unter dem Mädchennamen Schumacher veröffentlicht. 1964: Formenbesonderheiten an Gehirnen südamerikanischer Säuger. — Verhandl. Deutschen Zool. Ges. Kiel, 1964. S. 613–618. 1965: & H. OTTENS: Erfahrungen bei der künstlichen Aufzucht verschiedener Canidenwelpen. — Zool. Garten NF 31. S. 203–208. 1965: & W. HERRE: Studien an Gehirnen südamerikanischer Tylopoden. — ZooI. Jahrbuch f. Anatomie 82. S. 155–176. (Lama-artige). 1966: Zur Evolution von Gehirneigenschaften mitteleuropäischer und südamerikanischer Musteliden. I: Innerartliche Ausformung und zwischenartliche Unterschiede äußerlich sichtbarer Merkmale. — Zeitschrift Zool. Systematik & Evolutionsforsch. 4. S. 318–377. 1974: & Walther THIEDE: Die Dressur von Buntmeisen (Parus varius) in Japan. IN: Ornithologische Mitteilungen - Monatsschrift für Vogelbeobachtung, Feldornithologie und Avifaunistik / herausgegeben von Dr. Walther Thiede, Jg. 26 (November 1974) H. 11, S. 217–220. 1979: & Walther THIEDE: Glossar der deutschen und japanischen Namen der Vögel Japans. — Bochumer Jahrbuch f. Ostasienforschung 1979. S. 466–522. 1994: Einemsen beim Grünspecht Picus viridis?. IN: Ornithologische Mitteilungen - Monatsschrift für Vogelbeobachtung, Feldornithologie und Avifaunistik / herausgegeben von Dr. Walther Thiede, Jg. 46 (Juni 1994) H. 6, S. 153. 2001: Philipp Franz von SIEBOLDS ornithologische Studien in Japan. — Blätter aus d. Naumann-Museum 20. S. 1–26. Köthen.

Graue Literatur (unveröffentlicht) 1969: Gutachten zur Einbürgerung von 5 Säugetierarten im zukünftigen Nationalpark Bayerischer Wald.

Einzelnachweise

Weblinks

Kategorie:Japanologe Kategorie:Biologe Kategorie:Zoologe Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1934 Kategorie:Gestorben 2005 Kategorie:Frau