mini|Das Kriegerdenkmal in Köflach mini|hochkant|Blick in den Kapellenraum des Kriegerdenkmals Das Kriegerdenkmal Köflach befindet sich im ehemaligen Karner neben der Pfarrkirche der Stadtgemeinde Köflach in der Weststeiermark. Das Gebäude wurde im 13. Jahrhundert ursprünglich vermutlich als Baptisterium errichtet und diente später als Karner, aber auch als Friedhofskapelle. Nach der Verlegung des Friedhofes verlor es seine Funktion und sollte abgerissen werden. Da es aber von historischen Wert war, wurde es in den 1890er-Jahren restauriert und 1926 schließlich in ein Kriegerdenkmal umgestaltet. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz ().

Geschichte Der Karner wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet und ist damit das älteste Gebäude in Köflach. Diese Datierung erfolgt stilistisch, da er baulich noch der Romanik zuzuordnen ist und deckt sich auch mit der ersten urkundlichen Erwähnung einer Kirche in Köflach aus dem Jahr 1245. Vermutlich diente das Gebäude anfangs nicht als Karner, sondern als Baptisterium, also als Taufkapelle. Wann die Umnutzung des Gebäudes erfolgte, ist nicht klar, wahrscheinlich erfolgte diese aber nach dem Aufstellung eines Taufbeckens in der Kirche. Ein Karner wird immer wieder in Kirchenrechnungen und Visitationsprotokollen genannt, wobei diese Nennungen mit dem Jahr 1582 enden. In diversen Dokumenten scheint ab da allerdings immer wieder eine Lampertikapelle, eine Sebastianikapelle oder eine Friedhofskapelle auf, wobei es sich um dieses Gebäude gehandelt haben dürfte. In einem Visitationsprotokoll des Seckauer Erzbischofs Martin Brenner aus dem Jahr 1623 wird das Bauwerk noch als Baptisterium bezeichnet. In einem weiteren Visitationsprotokoll aus dem Jahr 1623 wird der Prälat dazu aufgefordert, die zwischen den einzelnen Strebepfeilern der Pfarrkirche gestapelten Knochen zu entfernen, damit diese nicht für abergläubische Bräuche und Rituale missbraucht würden. Der Köflacher Pfarrer Johannes Graeff befreite laut der vom Köflacher Dechanten Ludwig Stampfer 1920 verfassten Stampfer-Chronik im Jahr 1626 die runde Kapelle vom Schutt und gestaltete sie 1631 baulich um. Dabei dürfte die romanischen Fenster und das Portal vergrößert worden sein. Bis zur Umgestaltung zum Kriegerdenkmal erinnerte eine Inschrift über der Tür auf der Innenseite an diese Restaurierung.

Laut einem Visitationsprotokoll befand sich ein 1641 konsekrierter und dem heiligen Lambert geweihter Altar in dem Gebäude. Dieser befand sich noch 1682 dort, war aber vor 1705 dem heiligen Sebastian geweiht worden. In den folgenden Jahren kam es immer wieder zu Reparaturen und Umbauten an der Bausubstanz. So wurde etwa 1660 das Schindeldach erneuert, ehe dieses 1733 einem neuen mit Schindeln gedeckten Dachstuhl mit Zwiebelhelm und Laterne wich. In der Laterne hingen zwei Glocken, die 1740 gegen zwei größere ausgetauscht wurden. Der untere Raum wurde 1731 als Totenkammer gestaltet, die 1836 und 1855 restauriert wurde. Josef Andreas Janisch schrieb 1877, dass im Karner ein kleiner Altar mit Statuen der Heiligen Sebastian, Leonhard und Barbara stehe. In der Friedhofskapelle wurde bis zur Verlegung des Friedhofes im Jahr 1868 jedes Jahr am Allerseelen (2. November) eine Stille Messe gelesen. Mit der Verlegung des Friedhofes verlor die Kapelle ihre Funktion und wurde dem Verfall überlassen.

Gegenüber des Kirchenkonkurrenzausschusses forderte der Dechant Mayerhofer im Oktober 1887 die Renovierung des als baufällig beschriebenen Gebäudes. Der Ausschuss kam im April 1888 zum Beschluss, das Gebäude nicht mehr zu renovieren, da es als funktionslos angesehen wurde und stellte die finanziellen Mittel zum Abriss in Aussicht. Das Ordinariat widersprach aber diesem Beschluss und forderte die Erhaltung des Gebäudes und die Vorlage von Kostenvoranschlägen für die Instandsetzung. Ein erster, von der Statthalterei vorgelegter Kostenvoranschlag wurde im Oktober 1888 vom Kirchenkonkurrenzausschuss abgelehnt, da der Karner für kirchliche Zwecke nicht notwendig sei. Dechant Mayerhofer legte daraufhin dem Ordinariat ein Ansuchen vor, in dem er bat, den Karner abtragen zu dürfen. Dieses wurde auch der Statthalterei vorgelegt. Da sowohl das Ordinariat als auch die Statthalterei den Karner allerdings als historisch wertvoll ansahen, wurde im Juni 1889 eine Anfrage an das Ministerium für Kultur und Unterricht gestellt, in dem um eine finanzielle Unterstützung zum Erhalt des Gebäudes gebeten wurde. Das Ministerium sicherte zuerst eine Summe von 150 Gulden zu, aber nachdem sich weder die Kirchenkonkurrenz, noch der Landesausschuss, noch ein lokaler Wohltäter finanziell an der Erhaltung beteiligen wollten, übernahm das Ministerium mittels Erlässen im Dezember 1891 und Jänner 1892 die gesamten Herstellungskosten. Der Karner wurde wieder hergestellt, wobei das Dach mit der Laterne einem einfachen Kegeldach wich. Da der Putz größere Schäden aufwies, wurde das Gebäude 1912 neu verputzt.

Auf eine Idee von Oberlehrer Anton Tax hin wurde der Karner in ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges umgestaltet. Die künstlerische Gestaltung erfolgte durch den Bildhauer Franz Joseph Unterholzer und den Maler Fritz Silberbauer. Am 12. September 1926 wurde das Denkmal durch den Feldkuraten Kortschak eingeweiht, wobei der Bundesminister Anton Rintelen eine Gedenkrede hielt. Im Jahr 1931 wurde das Dach repariert, da durch eindringendes Regenwasser die Fresken teilweise bereits beschädigt worden waren. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Kriegerdenkmal erweitert, um auch den Gefallenen dieses Krieges zu gedenken. Der Köflacher Maler Franz Roupec restaurierte 1971 die Fresken.

Beschreibung Der ehemalige Karner ist ein im Kern romanischer turmartiger Rundbau mit Kegeldach. Seine Mauer ist sechs Meter hoch, das Gebäude hat einen Umfang von 21 Metern. Im Gebäudeinneren befinden sich zwei übereinander angeordnete Räume. Der untere Raum ist gewölbt und hat eine Höhe von 2,35 Metern, während der obere Raum, der Kapellenraum, 3,35 Meter hoch ist. Im unteren Raum dürfte sich ursprünglich der Taufbrunnen befunden haben. Dieser Raum verfügte über keine Fenster oder Türen, sondern war durch eine Öffnung im Boden des oberen Raumes erreichbar. Eine Treppe an der westlichen Gebäudeseite führt zum Kapellenraum hoch.

Das Portal wurde vom Franz Joseph Unterholzer 1926 aus Salla-Marmor gefertigt. Das Relief am Türrahmen zeigt das Leben eines Soldaten vom Abschied von daheim bis zu seinem Tod in der Schlacht. Über dem Portal ruht auf drei Soldatenköpfen die Darstellung eines toten Soldaten. Dessen Konturen zeichnen die Konturen der Stub- und der Gleinalpe nach. Das Innere des Kriegerdenkmals wurde ebenfalls 1926 von Fritz Silberbauer mit Fresken ausgeschmückt. Diese zeigen Allegorien auf den Krieg. Nachdem sie durch eindringendes Regenwasser beschädigt worden waren, restaurierte Franz Roupec 1971 die Fresken. Die Fresken links vom Eingang wurden danach durch Wasser, welches durch das Mauerwerk eindrang, schwer beschädigt und teilweise vollständig zerstört. Die lebensgroße Figur eines Schmerzensmanns im Inneren wurde von Unterholzer geschaffen. Gegenüber dem Eingang befindet sich eine Tafel mit den Namen der Gefallenen des Ersten Weltkrieges der Pfarre. Für die Opfer des Zweiten Weltkrieges wurde ebenfalls eine Tafel im Inneren aufgestellt.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Bauwerk in Köflach Kategorie:Baudenkmal (Steiermark) Koflach Kategorie:Rotunde Kategorie:Umgenutztes Bauwerk in der Steiermark Kategorie:Erbaut im 13. Jahrhundert Kategorie:Gedenkstätte des Ersten Weltkriegs in Österreich Kategorie:Gedenkstätte des Zweiten Weltkriegs in Österreich Kategorie:Bauwerk der Romanik in der Steiermark