mini|Raphaël Luc Ponson Raphaël Luc Ponson (* 12. Mai 1835 in Solliès-Pont, Var; † 31. Januar 1904 in Marseille) war ein französischer Marine- und Landschaftsmaler. Er gilt als einer der Hauptvertreter der Marseiller Malerschule (École de Marseille) sowie als Begründer der Malerei der südfranzösischen Calanques.
Leben Raphaël Ponsons Familie zog nach 1840 nach Marseille. Seine erste künstlerische Ausbildung erhielt er bei seinem Vater, der als Theaterdekorateur tätig war. Ab 1850 studierte er an der École gratuite de dessin in Marseille bei Émile Loubon, arbeitete gemeinsam mit seinem Vater als Bühnenbildner am dortigen Théâtre du Gymnase und fertigte einige Gouachebilder. In den Jahren 1855/56 hielt er sich in Paris auf, wo er sich im Louvre autodidaktisch weiterbildete und seinen Lebensunterhalt als Fächermaler in der Werkstatt von Édouard Lièvre verdiente. Anschließend unternahm er eine Studienreise durch Italien, die ihn unter anderem nach Rom, Venedig und Neapel führte. 1859 kehrte er nach Marseille zurück und hielt sich zwischen 1865 und 1895 zeitweise auch in Cassis auf.
Ponson war der ältere Bruder des ebenfalls als Maler tätigen Aimé Ponson (22. Mai 1850 – 1924). 1896 wurde er zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Zudem war er Offizier der Ehrenlegion sowie Offizier der Ehrenlegion für Bildung. Er war seit 1862 mit Augustine Justine Marie Magdeleine (geborene Lefèvre; 7. Juli 1911) verheiratet (Grabsteininschrift), mit der er mehrere Kinder hatte und starb 1904 in Marseille.
Werk Von der mediterranen Küstenlandschaft seiner Heimat geprägt, wandte sich Ponson früh der Marinemalerei in Öl zu. Durch seinen Lehrer Émile Loubon wurde er an die Freilichtmalerei herangeführt und für die Behandlung des Lichts sowie die Beachtung der Lokalfarbe sensibilisiert. Weitere Anregungen fand er bei den Malern der Schule von Barbizon sowie in den klassischen Landschaften von Nicolas Poussin und Claude Lorrain. Aus seiner Tätigkeit als Fächermaler übernahm er die charakteristische, minutiöse Wiedergabe der Bildmotive.
Seine Motive entnahm Ponson vorwiegend der Umgebung von Marseille, Martigues, Cassis und Nizza. Neben Stränden, Häfen, Ortsansichten und Genreszenen aus dem Fischermilieu widmete er sich vor allem der Darstellung der felsigen Buchten (Calanques), wodurch er den Beinamen Peintre des Calanques erhielt. Charakteristisch für seine Bilder ist das subtile Zusammenspiel von Farbe und Licht, das den Felsformationen eine plastische Wirkung verleiht und die Tiefenwirkung der Kompositionen verstärkt. Den Vordergrund seiner Bilder malte Ponson häufig schwungvoll und pastos, während er das ruhige Wasser dahinter in changierenden, oft nahezu transparent wirkenden Blaugrüntönen wiedergab.
Mit dieser Malweise traf er den Publikumsgeschmack seiner Zeit und erhielt bedeutende öffentliche Aufträge zur Wanddekoration. So dekorierte er im Jahr 1867 die Galerie der Appartements Privés im neu eröffneten Palais de la Préfecture in Marseille mit Stadtansichten. Im selben Jahr gestaltete er drei Räume des Musée d’histoire naturelle im Palais Longchamp, darunter die Salle de la Provence. Für diesen Raum schuf er einen Wandfries in Enkaustiktechnik mit typisch provenzalischen Motiven. Beide Werkgruppen befinden sich noch am ursprünglichen Standort. 1867 erfolgte der erste staatliche Ankauf eines seiner Werke im Pariser Salon und 1868 etablierte er sich dort endgültig. Als eines seiner Hauptwerke gilt das Gemälde Matinée à Sausset (Salon 1876, Musée des Beaux-Arts, Marseille). Es zeigt eine auf wenige Bildelemente und Farben reduzierte Naturstudie mit einem einsamen Segelboot am Horizont unter einem weiten, leicht verschleierten Himmel.
Werke (Auswahl) mini|Bord de la mer à Bandol mini|Navires charbonniers dans le bassin national 1859: Mare près Trouville 1860: La Plage du Prado 1866: Maisons de pécheurs à Saint-Tropez (Gouache) 1867: Guinguette aux environs de Toulon (Gouache) Berger provencal Navires charbonniers dans le bassin national (Musée de la Marine et de l’Economie de Marseille) Vue de Miramas le Vieux, Etang de Berre Bord de la mer à Bandol (Musée des Beaux-Arts de Carcassonne) 1870: Les rochers de Bandol 1873: La Calanque de Port-Pin, près Cassis 1882: Bord de la mer à Sausset près Marseille 1890: Les Croisettes près Marseille 1890: Le soir au golfe de Bandol 1890: La côte de Carqueranne Vue du château et du parc de Borely (für das Präfekturgebäude in Marseille)
Ausstellungen Einzelausstellung 1932 in der Galerie Caors-Cottier, Marseille (Retrospektive). Ponson beteiligte sich ab 1852 beziehungsweise ab 1857 regelmäßig am Salon in Marseille (1896 Ehrenmedaille) sowie ab 1861 am Pariser Salon; 1867 nahm er an der Weltausstellung in Paris teil.
Werke von Ponson befinden sich unter anderem in folgenden Museen: Musée Granet, Aix-en-Provence; Musée Calvet, Avignon; Musée des Beaux-Arts, Béziers; Musée des Beaux-Arts, Carcassonne; Musée municipal, Cassis; Musée Gassendi, Digne-les-Bains; Musée des Beaux-Arts, Dijon; Musée d’histoire naturelle und Palais de la Préfecture (Wandmalereien in situ), Musée de la Marine, Marseille; Musée Regards de Provence, Marseille; Musée d’Art, Toulon; Musée des Beaux-Arts, Tours.
Literatur
Édouard Harambourg: La peinture en Provence. Édisud, Aix-en-Provence 1985. André Blés: Dictionnaire historique des rues de Marseille. Jeanne Laffitte, Marseille 1989. Marie-Paule Vial: Le Palais Longchamp. À la gloire de l’eau, des arts et des sciences. Marseille 1991. Jean-Roger Soubiran: Le paysage provençal et l’école de Marseille avant l’impressionnisme, 1845–1874. Ausstellungskatalog. Musées de Toulon / Ville de Marseille, Marseille / Toulon 1992. Gérald Schurr, Pierre Cabanne: Dictionnaire des petits maîtres de la peinture. Band II. Les Éditions de l’Amateur, Paris 1996. Peintres de la couleur en Provence, 1875–1920. Überarbeitete Ausgabe des Ausstellungskatalogs. Paris/Marseille 1998. Ponson, Luc Raphaël. In: E. Bénézit – Dictionnaire des peintres, sculpteurs, dessinateurs et graveurs. Band 11: Pintoricchio–Rottel. Gründ, Paris 1999, S. 132 (französisch, ).
Alain Pentcheff: Raphaël Ponson (1835–1904). Images en Manœuvres Éditions, Marseille 2008.
Weblinks
Einzelnachweise
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