Die Echte Alpenscharte (Saussurea alpina) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Alpenscharten (Saussurea) innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Sie hat ein disjunktes Areal in Eurasien in hochalpinen und arktischen Gebieten.
Beschreibung mini|Grundblätter im Habitat mini|Blütenkörbe mini|Fruchtstände
Vegetative Merkmale Die Echte Alpenscharte ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von meist 2 bis 15, selten bis zu 30 oder 40 oder 20 bis 70 Zentimetern erreicht. Sie besitzt ein walzliches, reichlich beschupptes Rhizom. Je Pflanzenexemplar wird nur ein aufrechter Stängel gebildet, der im oberen Bereich verzweigt und strohfarben bis purpurfarben-rötlich überlaufen ist; er ist spärlich flaumig behaart bis fast kahl.
Die Laubblätter sind grundständig und wechselständig am Stängel verteilt angeordnet. Die Grundblätter sind gestielt; ihre Blattspreite ist bei einer Länge von 10 bis 18 Zentimetern oval-lanzettlich mit zugespitztem oberen Ende und entfernt gezähnt bis ganzrandig. Die unteren bis mittleren Stängelblätter sind gestielt; ihr Blattstiel ist 1 bis 4 Zentimeter lang und ihre einfache Blattspreite ist bei einer Länge von 8 bis 12, selten bis zu 20 Zentimetern sowie einer Breite von 0,7 bis 3 Zentimetern schmal-elliptisch bis eiförmig-elliptisch mit keilförmig-verschmälerter Spreitenbasis sowie zugespitztem oberen Ende; ihr Rand ist gezähnt. Die oberen Stängelblätter sind mit verschmälertem Grund sitzend und bei einer Länge von 1 bis 5 Zentimetern sowie einer Breite von 1 bis 5 Millimetern lanzettlich oder schmal-elliptisch bis linealisch mit zugespitztem oberen Ende sowie glatten Blattrand und werden nach oben hin zunehmend kleiner. Die Blattoberseite ist grün sowie kahl und die Blattunterseite ist dicht spinnwebig behaart sowie gräulich-grün bis gräulich-weiß.
Generative Merkmale Die Blütezeit reicht von Juli oder August bis September. In einem ebenstraußigen Gesamtblütenstand befinden sich dicht angeordnet drei bis fünf oder mehr bis viele körbchenförmige Teilblütenstände auf jeweils kurzen Korbschäften. Das Involucrum der Blütenkörbe ist bei einer Höhe von 15 bis 20 Millimetern sowie einem Durchmesser von 6 bis 12 Millimetern schmal-glockenförmig oder walzlich und besteht aus vier oder fünf Reihen von Hüllblättern. Die Hüllblätter sind eiförmig mit zugespitztem, spitzem oder fast stumpfem oberen Ende, dicht behaart und grünlich, aber am oberen Ende schwarz-violett bis purpurfarben überlaufen und kahl bis spärlich zottig behaart.
Die Blütenkörbe enthalten nur Röhrenblüten. Die Röhrenblüten sind violettrot und 1 bis 1,2 Zentimeter lang, wobei ihre Kronröhre etwa 5 Millimeter lang ist. Die Staubblätter sind blau mit zwei langen spitzen Anhängseln.
Die hell-brauen Achänen sind bei einer Länge von 4 bis 5 oder 2 bis 3 Millimetern zylindrisch und viel kürzer als der Pappus. Der 10 bis 12 Millimeter lange Pappus ist an seine Basis hell-braun und im oberen Bereich weiß; er besteht aus federigen Pappusborsten, von denen die äußeren 1 bis 3 Millimeter und die inneren 7 bis 9 Millimeter lang sind.
Chromosomensatz Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 26, (48), 52 oder 54.
Ökologie Bei der Echten Alpenscharte handelt es sich um einen sommergrünen, plurienn-pollakanthen, mesomorphen bis skleromorphen Hemikryptophyten.
Blütenökologisch handelt es sich Köpfchenblumen mit ausschließlich Röhrenblüten mit völlig verborgenem Nektar. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten: Bienen, Hummeln, Wespen, Bombyliden sowie Syrphiden.
Die Ausbreitung der Diasporen, es sind die Achänen, erfolgt durch den Wind (Anemochorie).
mini|Verbreitungsgebiet
Vorkommen Die Echte Alpenscharte kommt in Eurasien von Spanien bis Jakutien und zur Mongolei weitverbreitet. Sie hat ein disjunktes Areal in Eurasien in hochalpinen und arktischen Gebieten. Saussurea alpina ist meist in Bergregionen in Nord- bis Mitteleuropa und in Zentralasien (in Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan) nordlichen sowie westlichen Xinjiang (nur im Altai sowie Tian Shan) verbreitet. In Europa gibt es Fundortangaben für Spanien, Frankreich, das Vereinigte Königreich, Irland, Italien, die Schweiz, Österreich, Deutschland, Slowenien, Serbien, Nordmazedonien, die Slowakei, Polen, die Ukraine, das Baltikum, Norwegen, Schweden, Finnland und Russland.
Die Echte Alpenscharte gedeiht in Mitteleuropa in Magerrasen und Zwergstrauchheiden in Höhenlagen von 1770 bis 3100 Metern. In Mitteleuropa wächst sie vor allem in wind- und schneegefegten Gratlagen auf frischen, meist kalkarmen, modrig-humosen, tonigen Steinböden.
mini|Illustration aus Billeder af nordens flora, 1917 mini|Blütenstände von oben von Saussurea alpina subsp. depressa
Systematik Die Erstveröffentlichung erfolgte 1753 unter dem Namen (Basionym) Serratula alpina durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, Seite 817. Die Neukombination zu Saussurea alpina wurde 1810 durch Augustin Pyrame de Candolle in Annales du Museum National d'Histoire Naturelle, Band 16, Seite 198 veröffentlicht. Weitere Synonyme für Saussurea alpina sind: Saussurea macrophylla , Saussurea alpina subsp. macrophylla , Saussurea pujolica , Saussurea pohlei , Saussurea italica , Saussurea latifolia .
Je nach Autor gibt es etwa zwei Unterarten: Gewöhnliche Alpenscharte (Saussurea alpina subsp. depressa , Syn.: Saussurea depressa ): Sie kommt nur in den Seealpen sowie im Valais in Frankreich, im Schweizer Kanton Wallis und in Italien vor. Sie erreicht Wuchshöhen von 2 bis 50 Zentimetern und ihr Stängel ist aufsteigend. Gewöhnliche Alpenscharte (Saussurea alpina subsp. alpina): Sie erreicht Wuchshöhen von 10 bis 50 Zentimetern und ihr Stängel ist aufrecht. Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz für diese Unterart: Feuchtezahl F = 2+ (frisch), Lichtzahl L = 5 (sehr hell), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 1+ (unter-alpin, supra-subalpin und ober-subalpin), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).
Quellen Literatur Zhu Shi, Eckhard von Raab-Straube, Werner Greuter, Ludwig Martins: Cardueae Cassini. In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China, Volume 20–21: Asteraceae. Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2011, ISBN 978-1-935641-07-0. Zhu Shi, Eckhard von Raab-Straube: Saussurea Candolle. Saussurea alpina (Linnaeus) Candolle., S. 147 – textgleich online wie gedrucktes Werk.
Einzelnachweise Zhu Shi, Eckhard von Raab-Straube, Werner Greuter, Ludwig Martins: Cardueae Cassini. In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China, Volume 20–21: Asteraceae. Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2011, ISBN 978-1-935641-07-0. Zhu Shi, Eckhard von Raab-Straube: Saussurea Candolle. Saussurea alpina (Linnaeus) Candolle., S. 147 – textgleich online wie gedrucktes Werk. Eckhard von Raab-Straube: Asteraceae. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 98. Auflage. Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024. ISBN 978-3-494-01943-7. S. 817. Werner Greuter (2006+): Compositae (pro parte majore). In: W. Greuter, E. von Raab-Straube (Hrsg.): Compositae. Datenblatt Saussurea alpina In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Marco Kreuzer, Andreas Tribsch, Reto Nyffeler: Ecological and genetic differentiation of two subspecies of Saussurea alpina in the Western Alps. In: Alpine Botany, Volume 124, 2014, S. 49–58. doi:10.1007/s00035-014-0128-9
Weblinks
Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben). P. A. Stroh, T. A. Humphrey, R. J. Burkmar, O. L. Pescott, D.B. Roy, K. J. Walker (Hrsg.): In: BSBI Online Plant Atlas 2020: Datenblatt Saussurea alpina (L.) DC. mit Verbreitung auf den Britischen Inseln. Datenblatt Saussurea alpina (L.) DC. mit Fotos und Verbreitung in Frankreich bei Tela Botanica. Gerhard Nitter: Datenblatt Saussurea alpina (L.) DC. mit Fotos. W. Auer, 2020: Saussurea alpina. In: PalDat - A palynological database.
Kategorie:Carduoideen