mini|Winterliche Stadtansicht von Kowel mit der Kreuzerhöhungskirche im Hintergrund, 1917

Die Kreuzerhöhungskirche (Kowel) war ein orthodoxes Kirchengebäude in der Stadt Kowel in Wolhynien, heute in der Ukraine. Die Kirche trug das Patrozinium der Kreuzerhöhung; ukrainisch wurde sie als Хрестовоздвиженська церква beziehungsweise als Kirche der Erhöhung des ehrwürdigen und lebensspendenden Kreuzes des Herrn bezeichnet. Das Gebäude wurde 1944 während der Kämpfe um Kowel zerstört und nicht wieder aufgebaut.

Geschichte Nach lokalen kirchengeschichtlichen Überlieferungen soll die Kreuzerhöhungskirche bereits im Jahr 1505 durch eine örtliche Bruderschaft errichtet worden sein. Der wolhynische Kirchenhistoriker Mykola Teodorowytsch wies jedoch darauf hin, dass für eine so frühe Existenz der Kirche keine gesicherten schriftlichen Belege bekannt seien. Eine Klerusaufstellung aus dem Jahr 1873 nannte die Kirche dennoch als im Jahr 1505 erbaut.

Im 19. Jahrhundert gehörten zur Kirche nach lokalen Angaben größere Grundstücke, darunter Ackerland, Wiesen und Waldflächen. In der Kirche wurden Matrikelbücher seit 1795 und Beichtregister seit 1829 aufbewahrt. Der Glockenturm besaß nach lokalen Angaben im oberen Bereich eine Uhr, die auf Kosten des Priesters A. Straschkewytsch eingerichtet worden sein soll.

Während des Ersten Weltkriegs wurde Kowel von den Mittelmächten besetzt. Aus dieser Zeit sind historische Aufnahmen der Stadt erhalten, auf denen die Kreuzerhöhungskirche im Hintergrund der Kowler Bebauung zu sehen ist. Eine Aufnahme aus dem Bestand des k.u.k. Kriegspressequartiers zeigt eine winterliche Stadtansicht mit der Kirche im Hintergrund.

Zerstörung der Kreuzerhöhungskirche mini|Lage der von Adolf Hitler definierten "Festen Plätze" an der Front des Deutsch-Sowjetischen Krieges, an Position 19 befindet sich ganz im Westen der Karte Kowel. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche zerstört. Im März 1944 gelang der Roten Armee ein schneller Vorstoß aus Richtung Kyiv nach Westen, der erst im Gebiet von Kowel zum Stehen kam. Zeitgleich verordnete Adolf Hitler der Wehrmacht das neue Verteidungskonzept der "Festen Plätze", die aufgrund ihrer Lage oder aus Prestigegründen bis zum letzten Soldaten zu halten waren. Kowel war einer dieser "Festen Plätze", da sich in der Stadt ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt befindet. Kowel wurde am 17. März 1944 von der Roten Armee und koopierierenden Einheiten der Polnischen Heimatarmee eingeschlossen und von einer ad-hoc gebildeten "Kampfgruppe Gille" verteidigt. Den Deutschen gelang es bis zum 7. April 1944 die Stadt zu halten und vorläufig wieder in den deutschen Machtbereich zu integrieren. Im Verlauf dieser Kesselschlacht wurde die Kreuzerhöhungskirche wahrscheinlich durch das sowjetische Bombardement des "Festen Platzes" zerstört.

Am 6. Juli 1944 wurde Kowel im Zuge der sowjetischen Sommeroffensive Operation Bagration von der Roten Armee besetzt, nachdem die Stadt von der Wehrmacht aufgrund ungünstiger Kräfteverhältnisse aufgegeben wurde.

Lokale Darstellungen bringen deswegen die Zerstörung der Kirche mit dem sowjetischen Vormarsch auf die Stadt und ihrer Verteidigung durch die deutsche Wehrmacht in Verbindung.

Lage und Erscheinungsbild

Die Kreuzerhöhungskirche stand nach lokalen Darstellungen im Bereich der heutigen Wolodymyrska-Straße in Kowel, nahe dem heutigen Haus Nr. 44. Kovel.media beschreibt die Kirche als Bauwerk, das an der aus Richtung Wolodymyr kommenden Straße am Stadteingang von Kowel sichtbar war.

Historische Fotografien zeigen einen hölzernen Kirchenbau mit einem markanten, schlanken Turmhelm. Auf frühen Stadtansichten erscheint die Kirche hinter niedriger Bebauung und Holzzäunen.

Nachwirkung

Die Kreuzerhöhungskirche gehört zu den nicht erhaltenen historischen Sakralbauten Kowels. Lokale Geschichtsseiten dokumentieren das Gebäude anhand alter Fotografien und Vergleichsansichten des heutigen Stadtbildes.

Literatur

Mykola Teodorowytsch: Волынь в описании городов, местечек и сел. Band 5. Počajiv 1903, S. 53–55.

Einzelnachweise

Kategorie:Kirchengebäude in der Ukraine Kategorie:Kowel Kategorie:Zerstört im Zweiten Weltkrieg Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in der Ukraine Kowel Kategorie:Russisch-orthodoxes Kirchengebäude Kategorie:Holzkirche in der Ukraine Kategorie:Ersterwähnung 1873