Encephalartos aemulans (englisch: Ngotshe Cycad) ist eine vom Aussterben bedrohte Pflanzenart aus der Gattung der Brotpalmfarne (Encephalartos) innerhalb der Ordnung der Palmfarne (Cycadales). Sie ist in Südafrika endemisch. Das Typusmaterial (Wedel und männlicher Zapfen) wurde im April 1988 von Pieter Johannes Vorster im Distrikt Ngotshe im nördlichen KwaZulu-Natal, 1000 m über dem Meeresspiegel, gesammelt.

Merkmale Encephalartos aemulans ist ein kleiner bis mittelgroßer Palmfarn mit einem aufrechten, unverzweigten Stamm, der eine Höhe von bis zu 3 m und einen Durchmesser von etwa 35 cm erreicht. An der Stammbasis werden regelmäßig Schösslinge gebildet.

Die zahlreichen ausgewachsenen Wedel stehen in einer schräg aufrechten bis annähernd kugelförmigen Blätterkrone. Sie sind 1,2–2 m lang, 20–30 cm breit, dunkelgrün, glänzend und im Querschnitt flach. Der Blattstiel ist 10–12 cm lang.

Die Fiederblättchen sind schmal elliptisch. Im unteren Bereich des Wedels stehen sie relativ weit auseinander, während sie im mittleren und oberen Abschnitt dicht angeordnet sind und sich teilweise überdecken. Sie setzen in einem Winkel von etwa 35° an der Blattspindel an. Die unteren Fiederblättchen werden allmählich kleiner und gehen schließlich in eine Reihe kleiner, dornartiger, ungeteilter oder zweigabeliger Fortsätze über. Die mittleren Fiederblättchen sind 12,5–15 cm lang und 1,6–1,8 cm breit, leicht sichelförmig gebogen und dornspitzig. Sowohl der obere als auch der untere Blattrand tragen ein bis drei Zähne.

Die Art ist zweihäusig, es existieren also getrennte männliche und weibliche Pflanzen. Die Zapfen beider Geschlechter sind in ihrer Gestalt nahezu gleichartig, worauf das Artepitheton aemulans („wetteifernd“, „einander gleichkommend“) Bezug nimmt. Sie sind ellipsoid, aufgrund ihres sehr kurzen Stiels nahezu sitzend und dicht mit haselnussbraunen Haaren bedeckt. Jeder Stamm trägt gewöhnlich zwei bis vier Zapfen.

Die männlichen Zapfen sind schmal ellipsoid, zitronengelb, 29–38 cm lang und 14–18 cm breit. Ihr 5–6 cm langer Zapfenstiel bleibt innerhalb der Blätterkrone verborgen. Die Mikrosporophylle (pollentragenden Sporophyllblätter) besitzen sehr breite, rautenförmige Bullae (verdickte Endflächen der Sporophylle) mit einer kleinen, kantigen, abgeflachten Oberfläche, die nicht zu einem nach unten gebogenen, schnabelartigen Fortsatz verlängert ist. Diese außergewöhnlich breiten, rautenförmigen Mikrosporophylle unterscheiden Encephalartos aemulans deutlich von allen oberflächlich ähnlichen Arten.

Die weiblichen Zapfen sind gelbgrün bis grün, 35–40 cm lang und 20–23 cm breit. Ihr 2–2,5 cm langer Zapfenstiel ist ebenfalls innerhalb der Blätterkrone verborgen. Die Bullae der Megasporophylle (Samenschuppen beziehungsweise weiblichen Sporophyllblätter) besitzen eine warzig-höckerige Oberfläche.

Die länglichen Samen sind 2,5–3 cm lang und 1,5–2 cm breit. Sie sind von einer leuchtend roten Sarkotesta, der fleischigen äußeren Samenschale, umgeben.

Blüte und Vermehrung Weibliche Zapfen sowie männliche Zapfen mit Pollenfreisetzung wurden zwischen April und Anfang Juli beobachtet. Die Zapfenbildungszeit entspricht somit derjenigen der Arten Encephalartos altensteinii, Encephalartos lebomboensis und Encephalartos natalensis.

Männliche Zapfen einer kultivierten Pflanze enthielten noch im August, zweieinhalb Monate nach dem Öffnen der Pollensäcke, Pollen. Offenbar hatte die dichte Behaarung verhindert, dass der Pollen durch den Wind weggetragen wurde.

Lange Zeit ging man davon aus, dass alle Palmfarne – wie die meisten Nadelbäume – durch den Wind bestäubt werden, und die Tatsache, dass Palmfarne in der Regel große Mengen an Pollen produzieren, untermauerte diese Annahme. Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass Insekten die Bestäuber der Palmfarne sind.

Lebensraum Die Art ist offenbar weitgehend auf einen einzigen Hügel in KwaZulu-Natal beschränkt, wo sie in etwa 1000 m Höhe wächst. Der Untergrund besteht aus Sandstein. Die Pflanzen wachsen an südexponierten Felswänden sowie auf den darunterliegenden Schutthalden.

Das Klima ist im Sommer heiß und im Winter kühl bis kalt. Es treten leichte Fröste auf. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt 600–800 mm, wobei der Regen überwiegend im Sommer fällt.

Gefährdung und Schutz Encephalartos aemulans wird sowohl in der IUCN Red List als auch in der Red List of South African Plants des South African National Biodiversity Institute als vom Aussterben bedroht eingestuft. Sie steht zudem in Anhang I des Washingtoner Artenschutzübereinkommens. Luftbildzählungen der Naturschutzbehörden aus dem Jahr 2012 ergaben, dass der Bestand weniger als 600 Pflanzen umfasste. Etwa 10 km entfernt in einer Höhe von 600 m wurden zwei alte männliche Pflanzen gefunden, doch ihr Fortbestehen an diesem Standort konnte nicht bestätigt werden. 1999 schätzte der Botaniker Charles Robert Scott-Shaw die Zahl der in freier Wildbahn überlebenden Pflanzen auf 150, und John S. Donaldson und seine Mitarbeiter zählten 1997 in einem Teil des Bestands weniger als 100 Exemplare. Die Zählungen aus der Luft lieferten jedoch eine genauere Einschätzung und zeigten keinen wirklichen Anstieg des Bestands.

Literatur

Weblinks

PlantzAfrica: Encephalartos aemulans SANBI Red List of South African Plants: Encephalartos aemulans

Einzelnachweise

Kategorie:Palmfarne Kategorie:Cycadopsida Kategorie:Endemische Pflanze Südafrikas