Der Hornist,Robert Rey: Manet, 1994, S. 88. auch Der Bläser,Sandra Orienti: Das gemalte Werk von Edouard Manet. 1972, S. 120, Nr. 407. TrompeterSandra Orienti: Edouard Manet. 1981, Bd. 2, S. 86, Nr. 404. oder Der TrompeterDeutscher Bildtitel Der Trompeter gemäß Théodore Duret: Edouard Manet, sein Leben und seine Kunst. 1910, S. 299, Nr. 292 und Kunsthandlung Hugo Perls: Französische Malerei des XIX. Jahrhunderts. 1927, Nr. 33. (Französische Bildtitel gemäß Denis Rouart, Daniel Wildenstein: Edouard Manet: Catalogue raisonné, S. 288, Nr. 392.), ist ein 1882 entstandenes Gemälde des französischen Malers Édouard Manet. Das in Öl auf Leinwand ausgeführte Bild hat eine Höhe von 101 cm und eine Breite von 81 cm.Die Größenangaben entsprechen dem Werkverzeichnis von Denis Rouart, Daniel Wildenstein: Edouard Manet: Catalogue raisonné, S. 288, Nr. 392. In der Literatur gibt es teilweise abweichende Angaben. So nennt der Ausstellungskatalog 2009 im Kimbell Art Museum die Maße 88 × 80,3 cm, siehe Richard R. Brettell: From the private collections of Texas, European art, ancient to modern. 2009, Nr. 66. Das skizzenhaft gemalte WerkThéodore Duret: Edouard Manet, sein Leben und seine Kunst. 1910, S. 299, Nr. 292. zeigt einen Musiker der französischen Armee mit einem Bügelhorn. Das Gemälde war ursprünglich als ein Beitrag Manets zum Salon de Paris vorgesehen, konnte aber zunächst aufgrund von Krankheit und letztendlich wegen seines Todes im April 1883 nicht fertiggestellt werden. Das Gemälde gehört zur Kunstsammlung der Pauline Allen Gill Foundation und befindet sich als Dauerleihgabe im Dallas Museum of Art.

Beschreibung Das Bild zeigt einen stehenden Hornisten der französischen Infanterie (clairon d’infanterie)Adolphe Tabarant: Manet, histoire catalographique, 1931, S. 428, Nr. 411. vor einem undefiniertenRichard R. Brettell: From the private collections of Texas, European art, ancient to modern. 2009, Nr. 66. grau-beigen Hintergrund.François Daulte: L’impressionnisme dans les collections romandes, 1984, S. 157, Nr. 51. Der „im fast reinen Profil“ zum linken Bildrand gedrehte Soldat nimmt nahezu die gesamte Leinwand ein, wobei die Bildunterkante seinen Körper auf Höhe der Oberschenkel abschneidet. Während sein linker Arm entlang des Körpers nach unten fällt, hält er mit der rechten Hand sein Blechinstrument zum Spiel an den Mund.Julius Meier-Graefe: Edouard Manet. 1912, S. 296. Der Militärmusiker wird in der Literatur teilweise auch als Trompetenbläser beschrieben.Georg Biermann: „Le Clarion“ von Manet. In: Der Cicerone, 1927, Heft 2, S. 73. Zu seiner Militäruniform gehören ein blauer Mantel mit schwarzem Gürtel, eine rote Hose und als Kopfbedeckung ein rot-schwarzes Käppi.

Das Gemälde blieb unvollendet und es ist nicht signiert. Verschiedene Autoren bezeichneten das Bild als „Skizze“,Als „Esquissé“ bezeichnet von Adolphe Tabarant: Manet, histoire catalographique. 1931, S. 438, Nr. 411 und von Denis Rouart, Daniel Wildenstein: Edouard Manet: Catalogue raisonné. 1975, S. 288, Nr. 392. wobei im Nachhinein nicht klar ist, wie weit das Gemälde von seiner Fertigstellung entfernt war, bevor Manet die Arbeit daran einstellte. In diesem unfertigen Stand der Ausführung lässt sich Manets Arbeitsweise gut nachvollziehen. Am weitesten vorangeschritten sind die Arbeiten im hell beleuchteten Gesicht des Hornisten. Hier hat Manet in mehreren dünnen Farbschichten die Bereiche von Stirn, Nase und Wangenknochen pastos herausgearbeitet. Deutlich sind die weit geöffneten Augen, die buschigen Augenbrauen, der gepflegte Bart und das in vielen Farbnuancen wiedergegebene Inkarnat zu sehen. Der lockere Pinselstrich ist nicht nur dem unvollendeten Werk geschuldet, sondern findet sich bei Manet auch in weiteren Bildern seiner letzten Lebensjahre. In diesem Bild beabsichtigte er mit einem momenthaften Eindruck möglicherweise den flüchtigen Blick selbst einzufangen, wie der Autor Richard R. Brettell anmerkte. Durch die flüchtige Malweise und auch durch den Einsatz der starken Kontraste zwischen Rot, Dunkelblau und Schwarz wich Manet deutlich von akademischen Konventionen ab und orientierte sich in seiner Malweise eher am Stil des Impressionismus.

Manets geplante Teilnahme am Salon 1883 Der Salon de Paris war für Manet der wichtigste Ort, um seine Werke den Kritikern und dem Publikum zu präsentieren. Die in der Regel jährlich ausgerichtete Ausstellung wurde jeweils von mehreren 100.000 Menschen besucht und ausführlich in den Zeitungen besprochen.Matthias Krüger: Wie Manet den Salon bespielte. In: Hamburger Kunsthalle: Manet – Sehen: Der Blick der Moderne. S. 21–33. Einer der Salon-Kritiker war der mit Manet befreundete Charles Baudelaire, der die Maler seiner Generation aufgefordert hatte, sich nicht an historisierenden Themen der akademischen Malerei zu orientieren, sondern das moderne Leben zu malen. Baudelaire veröffentlichte seine entsprechenden Gedanken 1859 unter dem Titel Le Peintre de la vie moderne. Im selben Jahr hatte Manet mit Der Absinthtrinker (Ny Carlsberg Glyptotek, Kopenhagen) erstmals ein Gemälde zum Salon de Paris eingereicht. Die Salonjury ließ jedoch diese Darstellung eines Menschen am Rande der Gesellschaft nicht zur Ausstellung zu. Seine Premiere im Salon hatte Manet schließlich 1861 mit dem Porträt seiner Eltern und dem folkloristischen Motiv Der spanische Sänger. Der Gitarre spielende Musikant sollte in der Folgezeit nicht das einzige für den Salon eingereichte Werk mit musikalischem Thema bleiben. So zeigte er 1870 mit Die Musikstunde (Museum of Fine Arts, Boston) erneut einen musikalischen Vortrag. Musikalische Themen lagen für Manet nahe, da er nicht nur mit einer Pianistin verheiratet war, sondern auch einige Musiker zu seinem Freundeskreis zählten.

Manet versuchte regelmäßig im Salon auszustellen, musste jedoch durch die dortige Jury immer wieder Ablehnungen seiner Arbeiten erfahren. Zuletzt wies die Jury 1874 zwei seiner Werke ab. Im selben Jahr fand die ersten Gruppenausstellung der Impressionisten statt, an der er sich trotz der Einladung seiner Malerkollegen – insbesondere durch Edgar Degas – weigerte teilzunehmen. Er erwartete nur im stark besuchten Salon für seine Werke von Kritikern und Publikum eine breite Anerkennung.John Rewald: Die Geschichte des Impressionismus. S. 192. Auch den weiteren Gruppenausstellungen der Impressionisten blieb er fern. Im Salon erhielt er 1881 große Anerkennung für sein Gemälde Der Löwenjäger. Es wurde mit eine Medaille II. Klasse ausgezeichnet, wodurch er gemäß dem Reglement zukünftig ohne Prüfung durch die Jury teilnahmeberechtigt an den Salonausstellungen war. Zudem wurde ihm im selben Jahr die Aufnahme in die Ehrenlegion zuerkannt. Entsprechend befreit von der Zulassung durch die Salonjury konnte er 1882 die beiden Gemälde Der Frühling (J. Paul Getty Museum, Los Angeles) und Bar in den Folies Bergère (Courtauld Institute of Art, London) im Salon de Paris ausstellen. Manet hatte hier – wie bereits die Jahre zuvor – zwei sich jeweils ergänzende Bilder für den Salon ausgewählt.

Im Herbst 1882 begann Manet in seinem Atelier in der Rue d’AmsterdamAdolphe Tabarant: Manet, histoire catalographique. 1931, S. 438, Nr. 411. mit den Arbeiten für die von ihm geplanten Gemälde für den Salon de Paris des folgenden Jahres.Robert Rey: Manet, 1994, S. 78. Durch Notizen von Manets Patenkind Léon Leenhoff ist überliefert, dass er zum einen mit Die Amazone (Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid) eine Frau in einem Reitkostüm zeigen wollte, zum anderen das Gemälde Der Hornist zur Ausstellung vorgesehen hatte.In den nach Manets Tod angefertigten Fotoalben mit Fotografien der Werke des Künstlers gibt es handschriftliche Notizen von Léon Leenhoff, aus denen die geplante Ausstellung des Gemäldes Der Hornist im Salon 1883 hervorgeht. Siehe Scott Allen, Emily A. Beeny, Gloria Groom: Manet and Modern Beauty, the Artist’s Last Years. 2019, S. 38, 41. Manet war 1882 bereits schwer erkrankt und insbesondere das Arbeiten an großformatigen Werken fiel ihm schwer, da er kaum noch an der Staffelei stehen konnte. Es ist nicht bekannt, warum Manet mit Der Hornist erneut einen Armeeangehörigen als Motiv wählte. Möglicherweise hatte sein Freund, der Militärmaler Henri Dupray, Manet zu diesem Motiv angeregt. Von Dupray stammte leihweise nicht nur die Militäruniform und das Musikinstrument, er stellte zudem auch das Modell zur Verfügung. Da Manets Krankheit rasch voranschritt, musste er die Arbeit bald wieder abbrechen und die beiden Gemälde blieben unvollendet. Er starb am 30. April 1883, einen Tag vor der Eröffnung des Salon de Paris.Scott Allen, Emily A. Beeny, Gloria Groom: Manet and Modern Beauty, the Artist’s Last Years. 2019, S. 38. Das unvollendete Werk Der Hornist befand sich zum Zeitpunkt seines Todes noch in seinem Atelier.

Militärdarstellungen in Manets Werk Manet gilt weder als ausgewiesener Historien- noch als Militärmaler, obschon er in einzelnen seiner Werke solche Themen aufgriff. Zu seinen wenigen Bildern von Militärangehörigen gehört die 1866 entstandene Darstellung Der Pfeifer (Musée d’Orsay, Paris). Der Maler zeigt darin einen jugendlichen Soldaten der leichten Gardeinfanterie mit einer Piccoloflöte.Françoise Cachin: Manet. 1991, S. 65. Diese „aufs äußerste vereinfachte“ Darstellung mit dem nahezu vollständigen Verzicht auf SchattenFrançoise Cachin, Charles S. Moffett, Juliet Wilson-Bareau: Manet: 1832–1883. 1984, S. 246. zeigt den Einfluss von japanischen Holzschnitten auf Manets Werk. Zudem sind spanische Vorbilder möglich, die Manet kurz zuvor bei einer Reise nach Madrid gesehen hatte.Gary Tinterow, Geneviève Lacambre: Manet/Velázquez, The French Taste for Spanish Painting. 2003, S. 497. Manet reichte das Werk zum Salon de Paris 1866 ein, wo es von der Jury jedoch nicht zugelassen wurde. Warum Manet dieses Motiv wählte, ist nicht bekannt. Möglich ist, dass er versuchte, ein traditionelles Thema unter dem Einfluss einer neuartigen Malerei umzusetzen. Wenige Jahre später griff Manets Schülerin Eva Gonzalès das Werk als Vorlage für ihr Gemälde Der Hornist (Musée de Gajac, Villeneuve-sur-Lot) auf.Dorthe Vansgaard Nielsen, Sylvie Patry: Impressionism and its overlooked Women. 2024, S. 99. Bei ihr steht der Musiker regungslos Modell, während Manets Pfeifer wie später auch sein Hornist beim Spiel des Instrumentes zu sehen sind.

Im Gemälde Die Weltausstellung von 1867 (Nationalmuseum für Kunst, Architektur und Design, Oslo) zeigte Manet erneut Militärangehörige. Das anlässlich der Weltausstellung 1867 entstandene Gemälde zeigt ein Panorama von Paris mit dem Ausstellungsgelände im Hintergrund. Am rechten Rand sind auf einer Rasenfläche eine Gruppe von Soldaten der Garde impériale bei der Rast zu sehen. Sie dienen Manet als Staffagefiguren im Bild und sind Teil der aus unterschiedlichen Figuren bestehenden Stadtgesellschaft, die in der Ferne einen aufgestiegenen Heißluftballon beobachtet.Manuela B. Mena Marqués: Manet en el Prado. 2003, S. 465. Manets bekanntestes Historienthema ist die in verschiedenen Versionen gemalte Erschießung Kaiser Maximilians von Mexiko (finale Fassung: Kunsthalle Mannheim). Manet wagte sich hierbei, ein zeitgenössisches Thema als Historienbild darzustellen, was an sich schon gegen die üblichen Herangehensweisen der akademischen Malerei sprach. Zudem stellte er in der finalen Fassung das mexikanische Erschießungskommando in französischen Uniformen dar und unterstrich damit die politische Rolle Frankreichs bei der Niederlage der Royalisten in Mexiko. Die Ausstellung des Gemäldes wurde entsprechend von der Zensur in Frankreich verhindert.Manet wurde vorab signalisiert, dass er für das Gemälde keine Zulassung zum jährlichen Salon de Paris erhalten würde. Die Genehmigung der Veröffentlichung einer nach dem Motiv gefertigten Lithographie wurde Manet nicht erteilt, siehe Juliet Wilson-Bareau: Manet und die Erschießung Kaiser Maximilians. In: Manfred Fath, Stefan Germer: Edouard Manet: Augenblicke der Geschichte. 1992, S. 124.