mini|360px|Anfang der Chaconne Handschrift von Johann Sebastian Bach Die Partita in d-Moll für Solovioline, BWV 1004, von Johann Sebastian Bach entstand zwischen 1717 und 1720. Sie ist Teil seines Kompositionszyklus Sonaten und Partiten für Violine solo. Der bekannteste Teil des Werks ist die Chaconne ().

Struktur mini|Allemanda mini|Ciaconna I. Allemande II. Courante III. Sarabande IV. Gigue V. Chaconne

Mit Ausnahme der Ciaccona Zwar hat die Chaconne ihren Ursprung im Tanz und wurde ursprünglich auch als Tanz verwendet, doch zu Bachs Zeiten in Deutschland hatten ihre „lebhaften Läufe und ihre kontrapunktische Dichte jegliches Tanzgefühl weitgehend ausgelöscht“. ISBN 978-1-56159-263-0 handelt es sich bei den Sätzen um Tanzformen jener Zeit, die häufig unter ihren französischen Bezeichnungen aufgeführt wurden: Allemande, Courante, Sarabande, Gigue und Chaconne. Der letzte Satz ist in Variationsform geschrieben und dauert etwa so lange wie die ersten vier Sätze zusammen.

Die Spieldauer der gesamten Partita schwankt zwischen 26 und 32 Minuten, je nach Herangehensweise und Stil des Interpreten.

Rezeption mini|360px|Ciaccona Professorin Helga Thoene vermutet, dass diese Partita und insbesondere ihr letzter Satz ein Tombeau zum Gedenken an Bachs erste Frau, Maria Barbara Bach (die 1720 starb), war, auch wenn diese Theorie umstritten ist.

Yehudi Menuhin bezeichnete die Chaconne als „das großartigste Werk für Solovioline, das es gibt“.

Der Violinist Joshua Bell sagte, die Chaconne sei „nicht nur eines der großartigsten Musikstücke, die je geschrieben wurden, sondern eine der größten Leistungen eines Menschen in der Geschichte. Es ist ein Stück von großer spiritueller und emotionaler Kraft und von perfekter Struktur.“ Er spielte das Stück als Straßenmusiker auf dem L’Enfant Plaza in Washington, D.C. für die Washington Post.

Johannes Brahms beschrieb das Stück in einem Brief an Clara Schumann wie folgt:

Transkriptionen der Ciaccona mini|Brahms’ Transkription für Klavier (nur für die linke Hand) der Chaconne aus Johann Sebastian Bachs Partita Nr. 2 für Solovioline, BWV 1004 (gespielt von Martha Goldstein). Der Musikwissenschaftler Raymond Erickson (* 1941) hat etwa zweihundert Transkriptionen und Bearbeitungen von Bachs Ciaccona ermittelt.

Transkriptionen für Klavier Orgelfassungen Die früheste Fassung für Orgel stammt von William Thomas Best. Weitere Bearbeitungen stammen von John Cook (1918–1984), Wilhelm Middelschulte (1863–1943), Walter Henry Goss-Custard (1915–1955) und Henri Messerer (1838–1923).

Im Vorwort zu seiner Transkription von 1955 schrieb John Cook: „Die Chaconne ist in ihrer ursprünglichen Form von erhabener Schönheit, doch viele werden zustimmen, dass eine einzelne Violine die weitreichenden Implikationen eines Großteils dieser Musik nur andeuten kann … Es ist vielleicht nicht abwegig anzunehmen, dass Bach, hätte er die Chaconne selbst transkribiert, die Orgel als das Instrument gewählt hätte, das dem Ausmaß seiner Ideen am besten gerecht wird … Eine gute Darbietung auf der Violine kann als beste Orientierungshilfe für die Interpretation auf der Orgel angesehen werden – die beiden Instrumente weisen durchaus Gemeinsamkeiten auf, und beide lagen Bach sehr am Herzen.“

Transkription für Cembalo Gustav Leonhardt hat die Partita für Cembalo solo bearbeitet. ISMN 979-0-0065-6260-2 Auch Pieter-Jan Belder hat die Chaconne für Cembalo bearbeitet.

Klavierbearbeitungen Zu den Transkriptionen für Klavier zählen unter anderem jene von Ferruccio Busoni, Alexander Siloti, Joachim Raff und Rudolf Lutz sowie für die linke Hand von Johannes Brahms, ISMN 979-0-2018-1187-1 Paul Wittgenstein und Géza Zichy.

Felix Mendelssohn und Robert Schumann komponierten jeweils eine Klavierbegleitung für das Werk.

Carl Reinecke hat das Stück für Klavierduett bearbeitet.

Transkriptionen für Cello Es gibt eine Transkription der Chaconne für Solo-Cello, die der Cellist Johann Sebastian Paetsch (* 1964) im Jahr 2015 angefertigt hat. Diese wurde vom Hofmeister Musikverlag in Leipzig veröffentlicht. ISMN 979-0-2034-3021-6

Gitarrenarrangements Die Chaconne wird häufig auf der Gitarre gespielt. Marc Pincherle, Sekretär der „Französischen Gesellschaft für Musikwissenschaft“ () in Paris, schrieb 1930: „Während sich die Meinungen hinsichtlich bestimmter schneller monodischer Passagen darüber teilen, ob die Violine oder die Gitarre das bessere Instrument ist, triumphiert die Gitarre stets in den polyphonen Passagen, das heißt fast im gesamten Werk. Der Klang der Gitarre erzeugt neue, emotionale Resonanzen und ungeahnte dynamische Abstufungen in jenen Passagen, die ursprünglich vielleicht ausschließlich für die Violine komponiert wurden; wie zum Beispiel die Variationen in den Arpeggien.“

Die bekannteste Transkription für Gitarre ist die Segovia-Transkription. Viele Gitarristen ziehen es heute vor, die Chaconne direkt nach der Violinpartitur zu spielen.

Orchesterbearbeitungen Es gibt eine Reihe von Bearbeitungen der Chaconne für Orchester unterschiedlicher Besetzung, darunter Leopold Stokowskis Bearbeitung für ein volles Sinfonieorchester.The Mystery of Leopold Stokowski, von William Ander Smith, Rutherford, Madison, Teaneck, 1990 Fairleigh Dickinson University Press; London and Toronto: Associated University Presses S. 243 ISBN 0-8386-3362-5

A.M. Herz’ Bearbeitung für Streichquartett lässt sich für die Aufführung durch ein Kammerorchester erweitern. Sie wurde 1927 (unter dem Namen Albert Maria Herz) veröffentlicht. Das Werk wurde 2023 vom Asasello-Quartett aufgenommen.

Weitere Transkriptionen Anne Dudley hat Bachs Chaconne für Klaviertrio bearbeitet, und eine Aufnahme des Eroica Trios ist auf dessen Barock-Album zu finden.

Die Chaconne wurde von Christoph Poppen und dem Hilliard Ensemble für Violine und vier Stimmen bearbeitet. Die Chaconne wurde von Dewey Owens für Pedalharfe transkribiert und bei Lyra veröffentlicht, ebenso wie von Skaila Kanga (* 1946).

Die Chaconne wurde außerdem von José Miguel Moreno für Barocklaute transkribiert und sowohl als Solostück als auch in Begleitung einer Sopranistin und eines Countertenors aufgeführt.

Tanz Bachs „Ciaccona“ für Violine wurde bereits fast fünfzig Mal choreografiert.

Publikationen Im Jahr 2005 veröffentlichte Joseph C. Mastroianni den Roman Chaconne The Novel. Milo, der von dem Vater verlassen worden war, der ihn in die Chaconne eingeführt hatte, studierte vier Jahre lang in Spanien, um das Stück zu meistern. Im Jahr 2008 veröffentlichte Arnold Steinhardt, Soloviolinist und erster Geiger des Guarneri String Quartets, Violin Dreams, eine Autobiografie über sein Leben als Geiger und über seine größte Herausforderung: das Spielen von Bachs Chaconne. Im Jahr 2017 veröffentlichten Márta Ábrahám (* 1971) und Barnabás Dukay (* 1950) ein Buch über die Chaconne: Excerpts from Eternity – The Purification of Time and Character, the Fulfilment of Love and Cooperation with the Celestial Will in Johann Sebastian Bach's Ciaccona for Violin.Deutsch: Auszüge aus der Ewigkeit – Die Läuterung von Zeit und Charakter, die Erfüllung der Liebe und die Zusammenarbeit mit dem himmlischen Willen in Johann Sebastian Bachs Ciaccona für ViolineExcerpts from Eternity: The Purification of Time and Character, the Fulfilment of Love, Cooperation with the Celestial Will in Johann Sebastian Bach's Ciaccona for Violin, von Barnabás Dukay, Márta Ábrahám, BioBach, 2017 148 Seiten

Literatur ISBN 978-1-57467-166-7.

Raymond Erickson, 2019: Popularisation and transformation: Bach's Ciaccona for Unaccompanied Violin, BWV 1004/5, in the Nineteenth Century. Bach and Chopin: Baroque Traditions in the Music of the Romantics, ed. Szymon Paczkowski, Seiten 371–395 Warsaw: The Fryderyk Chopin Institute, 2019. ISBN 978-83-64823-92-3

Weblinks

Bach: Chaconne in D minor, BWV1004 : arranged for organ by W. T. Best bei youtube.com Bach BWV 1004 Chaconne Nathan Milstein Violin – Complete bei youtube.com Bach-Busoni – Chaconne in D minor – Boris Giltburg bei youtube.com Partita No. 2 (complete), played on electric bass by Dave Grossman (audio and video) bei jsbach.net Arnold Steinhardt discusses his lifelong quest to master the chaconne bei radioopensource.org

Rethinking Bach's Violin Ciaccona (commentary by Raymond Erickson, with Mikyung Kim, violin and Julie Iwasa, dancer) bei youtube.com Bach's Ciaccona for Unaccompanied Violin: A Reassessment (commentary by Raymond Erickson; Luosha Fang, violin), played by Luosha Fang bei youtube.com Chaconne (Johann Sebastian Bach, BWV 1004) bei Violinorum Bach Chaconne / TV documentary with violinist Márta Ábrahám bei youtube.com

Einzelnachweise

Kategorie:Werk von Johann Sebastian Bach Kategorie:Werkverzeichnis (Musik)