Chiarano (Dialekt: Carám) ist eine Fraktion der italienischen Gemeinde Arco in der Provinz Trient, Region Trentino-Südtirol.

Geographie Chiarano liegt auf einer Höhe von zu Füßen des Monte Baone () und des Dosso di Romarzollo. Die Innenstadt von Arco liegt etwa 1,2 km südöstlich von Chiarano entfernt.

Im Westen grenzt die Ortschaft an die Fraktion Vigne. Südlich erstreckt sich die Neubausiedlung Nas in die zwischen Arco und dem Gardasee gelegenen Schwemmebene der Sarca und geht nahtlos in das Stadtgebiet der Nachbarfraktion Varignano über. Oberhalb des historischen Ortskerns liegt die Kulturlandschaft der „Olivaia“ von Arco und die sogenannten Placche di Baone.Aldo Gorfer: Le valli del Trentino. Trentino occidentale. S. 266.

Etymologie Das Toponym taucht erstmals 1267 in der Form Clarani auf, 1282 in der Variante Clarano.Giulia Mastrelli Anzilotti: Toponomastica trentina: i nomi delle località abitate. S. 126. Der Ortsname ist römischen Ursprungs und ist dem Namen des Grundbesitzes predium Clarianum entlehnt. Letzterer leitet sich vom Gentilnamen Clarus oder Clarius ab.Ernesto Lorenzi: Dizionario Toponomastico Tridentino. S. 156.

Geschichte mini|Sant‘Antonio Abate Chiarano kommt als archäologischer Fundplatz eine ähnliche Bedeutung, wie dem Nachbarort Vigne zu. So erstreckt sich eine 2011 bei Grabungen ausgemachte Siedlung der Vasi-a-bocca-quadrata-Kultur des mittleren Neolithikums ebenso auf Bereiche der Fraktion Chiarano, wie eine bereits im 19. Jahrhundert entdeckte Nekropole der gleichen Kultur.Elisabetta Mottes, Nicola Degasperi, Alessandro Bezzi: Arco Via Degasperi, pp.edd. 608/1, 608/2 c.c. Romarzollo. Area funeraria neolitica della cultura dei vasi a bocca quadrata e necropoli di età romana. Franco Nicolis, Roberta Oberosler (Hrsg.): AdA: Archeologia delle Alpi 2021–22. Provincia autonoma di Trento. Ufficio beni archeologici, Trient 2022, ISBN 978-88-7702-523-4, S. 184–185.

Bei Arbeiten in den 1990er Jahren wurden im Bereich der Rehaklinik „Eremo“ mehrere römische Gräber entdeckt. In den 2000er und 2010er Jahren legte man in der Umgebung der Klinik weitere Gräber frei, die zu zwei römischen Nekropolen gehören. Anhand der Grabbeigaben der insgesamt fast 40 Gräber, lassen sich die beiden Nekropolen der mittleren und späteren römischen Kaiserzeit sowie der Spätantike zuordnen. Die Auswertung der Grabbeigaben und der Skelettreste legt nahe, dass es sich um Gräber hier ansässiger Personen handelt. Anhand der Knochenveränderungen und -abnutzungen, kann man davon ausgehen, dass die Verstorbenen der Land- und Weidewirtschaft nachgingen.Roberta Oberosler, Stefania Bonato: La necropoli della Casa di Cura “Eremo”. Sepolture d’epoca romana in località Chiarano, Arco (Trento). In: Franco Nicolis (Hrsg.): AdA: Archeologia delle Alpi 2016. Provincia autonoma di Trento. Ufficio beni archeologici, Trient 2017, S. 13–18.

Wegen unzureichender Daten ist nicht geklärt, um welche Art von römischer Siedlung es sich in Chiarano handelt. Wahrscheinlich bestand sie aus mehreren einzelnen Höfe und der einen oder anderen kleineren Landvilla. Die Nekropolen waren von zwei römischen Nebenstraßen eingegrenzt, deren Spuren bei den Grabungen ebenfalls ans Tageslicht gebracht wurden.

Im Zuge der Christianisierung wurden entlang der ehemaligen Römerstraßen im Bereich des Ager Benacensis die ersten Kirchen in der Schwemmebene zwischen Arco und dem Gardasee errichtet. Zu diesen ersten Gotteshäusern kann auch die Kirche Sant‘Antonio Abate in Chiarano gezählt werden. Das aufragende Mauerwerk der Kirche weist stratigraphische Schichten auf, die als frühmittelalterlich angesehen werden können.Gian Pietro Brogiolo: Le chiese altomedievali nel loro contesto. S. 220, 226. In der Kirche war ein römischer Jupiter-Altar aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. aufbewahrt, der von einem Tiberius Claudius gestiftet wurde, einem vermutlich vom Kaiser freigelassenen Sklaven. Der vom Archäologen Paolo Orsi erwähnte Altar, war bereits im 18. Jahrhundert spurlos verschwunden.Annapaola Mosca: Ager Benacensis: Carta archeologica di Riva del Garda e di Arco (IGM 35 I NE–I SE). S. 67.

Die Kirche bildete den Kern der Siedlung, um den herum sich im Mittelalter der Ort entwickelte.Romano Turrini: Chiarano: Frammenti di storia, arte e tradizione. S. 11. Chiarano war Teil der 1269 erstmals urkundlich erwähnten Gemeinschaft Romarzollo. Als Teil der Grafschaft Arco, teilte Chiarano die Geschichte der Grafschaft.Cooperativa ARCoo (Hrsg.): Comune di Romarzolo. Inventario dell’archivio storico (1403–1929) e degli archivi aggregati (1894–1920). S. 10. 1592 wurde das Statut der Vicinia von Chiarano verfasst, das das gesellschaftliche Zusammenleben in Chiarano regelte.

Bis in das 19. Jahrhundert war das Leben in Chiarano von der Landwirtschaft geprägt. Mit dem Aufstieg Arcos zum Kurort in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es auch in Chiarano zu Veränderungen. Zum sichtlichen Ausdruck dieser Veränderungen wurde das 1888 am Ortseingang errichtete Hotel Erzherzog Albrecht.Romano Turrini: Chiarano: Frammenti di storia, arte e tradizione. S. 16–19. Letzteres wurde nach wechselvoller Geschichte in den 1930er in das Lungensanatorium „Eremo“ mit 84 Betten umgewandelt. Seit den 1960er Jahren wird es als Rehaklinik insbesondere für Kardiologiepatienten genutzt.Selenio Ioppi: Di villa in villa: lo sviluppo urbano ad Arco fra la fine del 1800 e la prima metà del 1900. Il Sommolago, Arco 2004, S. 65–66.

Bereits 1873 war an der Grenze zum Nachbarort Vigne die Villa Angerer mit ihrer großen Parkanlage entstanden. Auch dieser Bau wurde zwischen den beiden Weltkriegen in eine Lungenheilanstalt umgebaut. Zu den bekanntesten Gästen des ausgehenden 19. Jahrhunderts die Chiarano während ihres Aufenthaltes in Arco besuchten, gehörte Rainer Maria Rilke, der sich im November 1897 insbesondere vom Innenraum der Kirche Sant‘Antionio Abate angetan zeigte.Romano Turrini: Chiarano: Frammenti di storia, arte e tradizione. S. 19–23.

Chiarano gehörte in der Mitte des 19. Jahrhunderts zu den wenigen Orten im italienisch-sprechenden Teil Tirols, in dem ein privat geführtes Haus für die Verwahrung von Geisteskranken eingerichtet wurde. Entsprechende öffentliche Einrichtungen fehlten in Welschtirol bis zur Eröffnung der psychiatrischen Anstalt in Pergine 1882.Felice Ficco: Centri privati per la custodia dei mentecatti nel Trentino dell‘Ottocento “Le case dei matti” del Basso Sarca. In: Elisabeth Dietrich-Daum, Rodolfo Taiani (Hrsg.): Psyiatrielandschaft / Oltre il manicomio. (=Geschichte und Region / Storia e Regione. Band 17 (2008),2). Studienverlag, Innsbruck-Wien 2008, S. 68–82.

Während des Ersten Weltkriegs befanden sich in Chiarano mehrere österreichisch-ungarische Befehlsstände und der Ort war Ziel der italienischen Artillerie.Romano Turrini: Chiarano: Frammenti di storia, arte e tradizione. S. 26. Im Zuge der faschistischen Gemeindereform wurde die Fraktion nach Auflösung der Gemeinde Romarzollo 1929 an die Gemeinde Arco angeschlossen, gehört aber weiterhin der Katastralgemeinde Romarzollo an. Ab den 1970er Jahren wurden die Gebäude des lange Zeit vernachlässigten historischen Ortskerns renoviert. Zugleich begann die massive Urbanisierung der bis dahin vor allem landwirtschaftlich genutzten Flächen südlich des Ortskerns.

Sehenswürdigkeiten Sant‘Antonio Abate, altes Kirchlein im historischen Ortskern von Chiarano. Die mit Fresken verzierte Kirche ist frühmittelalterlichen Ursprungs. San Marcello, die 1537 erstmals urkundlich erwähnte Kirche wurde 1954 zur Pfarrkirche erhoben. Olivaia, an den Hängen des Monte Baone und des Dosso di Romarzollo gelegene Olivenhaine. Placche di Baone, charakteristische Felswand nordöstlich des Ortskerns gelegen, ehemals Steinbruch und mittlerweile eine der zahlreichen Kletterwände in Arco und Umgebung.

Literatur Ernesto Lorenzi: Dizionario Toponomastico Tridentino. Archivio per l‘Alto Adige, Gleno 1932 (Nachdruck Arnaldo Forni Editore, Sala Bolognese 1981), S. 156. Aldo Gorfer: Le valli del Trentino. Trentino occidentale. Manfrini, Calliano 1975, S. 266. Romano Turrini: Chiarano: Frammenti di storia, arte e tradizione. Comitato dei Santi Antonio e Marcello di Chiarano, Arco 2000. Cooperativa ARCoo (Hrsg.): Comune di Romarzolo. Inventario dell’archivio storico (1403–1929) e degli archivi aggregati (1894–1920). Provincia autonoma di Trento, Comune di Arco, Trient 2002, (PDF). Giulia Mastrelli Anzilotti: Toponomastica trentina: i nomi delle località abitate. Provincia autonoma di Trento. Servizio beni librari e archivistici, Trient 2003, ISBN 978-88-86602-56-3. Gian Pietro Brogiolo (Hrsg.): APSAT 3. Paesaggi storici del Sommolago. Società Archeologica, Mantua 2013, ISBN 978-88-87115-78-9. Annapaola Mosca: Ager Benacensis: Carta archeologica di Riva del Garda e di Arco (IGM 35 I NE–I SE). Editrice Università degli Studi di Trento – Dipartimento di Scienze Filologiche e Storiche, Trient 2013, ISBN 88-8443-034-8.

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Einzelnachweise

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