mini|Statue Polancos in Valladolid Anselmo Polanco Fontecha OSA (* 16. April 1881 in Buenavista de Valdavia; † 7. Februar 1939 in Pont de Molins) war ein spanischer römisch-katholischer Geistlicher und Bischof von Teruel. In der römisch-katholischen Kirche wird er als Seliger verehrt.
Leben Anselmo Polanco Fontecha wurde als Sohn einer katholischen Bauernfamilie geboren. Sein Taufname geht zurück auf den Namen seines Taufpriesters. Nach dem Tod seines Bruders Pedro (im Alter von einem Monat) und seiner Schwester Amabile (im Alter von vier Jahren) blieb er als einziges Kind der Familie zurück.
Am 1. August 1896, im Alter von fünfzehn Jahren, trat er als Novize in Valladolid in den Augustinerorden ein. Am 2. August 1897 legte er die zeitlichen Gelübde ab. Am 3. August 1900 legte er die feierliche Profess ab.
Am 17. Dezember 1904 wurde er in der Kathedrale von Burgos von José María García Escudero y Ubago zum Priester geweiht. Seine Primiz feierte er am Weihnachtstag.
Im Jahr 1905 wurde er nach Deutschland entsandt, um Deutsch zu lernen und Theologie zu studieren, doch ein Jahr später wurde er bereits nach Spanien zurückgerufen, um innerhalb des Ordens in der Lehre zu wirken.
Er war Dozent für Geisteswissenschaften in Valladolid (1906–1913) und sodann Dozent für Theologie im Kloster La Vid (1913–1923).
1922 wurde er zum Rektor des Priesterseminars von Valladolid ernannt. 1929 wurde er zum Definitor und 1932 zum Provinzial des Ordens ernannt; diese Aufgaben zwangen ihn zu häufigen und langen Reisen auf die Philippinen, nach China, in die Vereinigten Staaten, nach Kolumbien und Peru.
Anselmo Polanco wird von einigen Autoren als traditionalistischer oder gar „streitbarer“ Geistlicher beschrieben. Der britische Historiker Paul Preston beschreibt ihn als „frommen, strengen und konservativen Geistlichen, der gerne Almosen an die Armen verteilte“.
Episkopat Am 21. Juni 1935 ernannte ihn Papst Pius XI. zum Bischof von Teruel und Apostolischen Administrator von Albarracín. Die Bischofsweihe spendete ihm am 27. August Manuel de Castro y Alonso; Kokonsekratoren waren Mateo Múgica y Urrestarazu und Tomás Gutiérrez Díez. Am 8. Oktober desselben Jahres nahm er Besitz von seiner Diözese.
Kurz vor der Parlamentswahl in Spanien 1936 veröffentlichte Polanco ein internes Rundschreiben an die Priester seiner Diözese, in dem er unter Bezugnahme auf die Wahlen erklärte, der Wahlkampf werde zwischen „den Verfechtern der Religion, des Eigentums und der Familie und den Vertretern der Gottlosigkeit, des Marxismus und der grenzenlosen Liebe“ geführt. Es endete mit einer Unterscheidung zwischen „den beiden verfeindeten Städten, von denen der heilige Augustinus spricht: den gegensätzlichen Seiten des Guten und des Bösen“.
Nach dem Militärputsch schloss sich Teruel den Aufständischen an. Polanco war ein offener Befürworter der Aufständischen und veröffentlichte am 31. Juli 1936 einen Hirtenbrief, in dem er vom „Aufstand unserer glorreichen Nationalarmee zur Rettung Spaniens“ sprach. Seit Beginn des Krieges wurde Teruel von republikanischen Truppen belagert. Trotz der drohenden Gefahr beschloss Polanco, in der Stadt zu bleiben.
Die Rolle Polancos beschränkte sich dabei nicht auf den rein kirchlichen Bereich. Er finanzierte aus Mitteln der „Bula para la Santa Cruzada“ Sabotageaktionen gegen republikanische Kräfte in Bajo Aragón. Wie er später zugab, griff er nicht ein, um die zahlreichen Erschießungen zu verhindern, die während des Krieges in Teruel durchgeführt wurden (je nach Quelle ist von 2.000 Toten auszugehen).
Am 14. März 1937 veröffentlichte er einen Hirtenbrief, in dem er den Antiklerikalismus heftig attackierte:
„Unzählige marxistische Horden begehen alle möglichen Arten von Übergriffen und Verbrechen, wobei Menschen und heilige Dinge das Hauptziel ihres Zorns sind. [...] Der teuflische Hass revolutionärer Atheisten auf der ganzen Welt hat Verwüstung gesät und Trümmer und Ruinen hinterlassen.“
Im Juli unterzeichnete er einen gemeinsamen Brief des spanischen Episkopats, in dem die katholische Hierarchie den Konflikt als Kreuzzug einstufte.
Im August 1937 nahm er gemeinsam mit anderen Amtsträgern eine Parade ab, bei der Mitglieder des „Tercio General Sanjurjo“ durch Teruel marschierten und republikanische Gefangene mit sich führten.
Andererseits versuchte er auch, sich für das Leben einiger Bürger aus einfachen Verhältnissen einzusetzen, was aber erfolglos blieb. Gar wurde er für seine Bemühungen mit dem Tod bedroht.
Gefangenschaft Am 15. Dezember 1937 starteten republikanische Truppen eine Offensive gegen Teruel. Innerhalb weniger Tage umzingelten sie die Stadt und besetzten den größten Teil des Stadtgebiets. Sowohl das Priesterseminar als auch der Bischofspalast von Teruel wurden durch die Bombardements der republikanischen Armee zerstört. Polanco suchte Zuflucht im Kloster Santa Clara. Dort wurde er am 8. Januar 1938 verhaftet, als es zur Kapitulation der Truppen unter dem Kommando von Oberst Domingo Rey d’Harcourt kam.
Polanco wurde zusammen mit anderen Häftlingen nach Valencia überführt und verhört. Der Hauptvorwurf war, dass er die Bevölkerung durch die Unterzeichnung des gemeinsamen Briefes der spanischen Bischöfe zum Aufstand angestiftet habe. Als man ihn bei einem Verhör fragte, ob er etwas an dem gemeinsamen Brief ändern wolle, antwortete Polanco: „Wir hätten ihn einen Tag früher schreiben sollen.“
Der republikanische Verteidigungsminister Indalecio Prieto wünschte, dass Polanco unter Bewachung an die französische Grenze gebracht und freigelassen werde, doch die Mehrheit der Regierung lehnte eine Freilassung ab.
In der Folge unterbreiteten die republikanischen Behörden dem Heiligen Stuhl das Angebot, dass der Bischof das republikanische Gebiet verlassen und sich bis zum Ende des Konflikts auf vatikanischem Gebiet aufhalten solle. Der Vatikan reagierte nicht auf das Angebot.
Der Bischof und andere Gefangene wurden in das Kloster San Miguel de los Reyes in Valencia und von dort nach Barcelona verlegt. Er bestand mehrfach darauf, als „Evakuierter“ und nicht als „Kriegsgefangener“ eingestuft zu werden.
Am 23. Januar 1939, kurz vor der bevorstehenden Einnahme Barcelonas durch falangistische Truppen, wurden die Gefangenen nach Santa Perpetua de Mogoda evakuiert, um anschließend nach Campdevànol, Puigcerdà, Ripoll, San Juan de las Abadesas, Figueras, Can de Boach und Pont de Molins verlegt zu werden.
Martyrium Obgleich Juan Negrín befohlen hatte, dass die Gefangenen zu beschützen sind, brachten am Morgen des 7. Februar 1939 etwa dreißig Soldaten, die von Kommandant Pedro Diaz entsandt worden waren, 42 Gefangene in die Nähe der Schlucht von Can Tretze. Die Gefangenen wurden gezwungen, in das ausgetrocknete Flussbett der Muga zu steigen und dort hingerichtet. Nachdem sie erschossen worden waren, wurden die Leichen mit Benzin übergossen und verbrannt.
Verehrung Die sterblichen Überreste von Polanco ruhen in der Krypta der Kathedrale von Teruel. 1940 errichtete man am Ort seiner Hinrichtung ein Denkmal.
Papst Johannes Paul II. sprach ihn am 1. Oktober 1995 selig.
Die Katholische Aktion Spaniens gab den Film "Cerca del Cielo" (1951) in Auftrag, der die Lebensgeschichte Polancos erzählt.
Trivia Im Pektorale von Papst Leo XIV. befindet sich eine Reliquie des Seligen.
Literatur Martín Abad, Joaquín (1995). Dare la vita per amore. Anselmo Polanco, OSA e Filippo Ripoll. Rom: Eigenverlag der Postulazione Generale Agostiniana.
Weblinks
Anselmo Polanco auf der Webseite des Dicastero delle Cause dei Santi Anselmo Polanco auf Augustinians.net Anselmo Polanco auf der Webseite der Real Academia de la Historia
Einzelnachweise
Kategorie:Römisch-katholischer Bischof (20. Jahrhundert) Kategorie:Bischof von Teruel y Albarracín Kategorie:Seliger Kategorie:Märtyrer Kategorie:Spanier Kategorie:Geboren 1881 Kategorie:Gestorben 1939 Kategorie:Mann