Weiße Südafrikaner sind Südafrikaner überwiegend europäischer Herkunft. Sprachlich, kulturell und historisch werden sie meist in Afrikaans sprechende Nachfahren der frühen Siedler der Niederländischen Ostindien-Kompanie, die Afrikaaner, sowie in englischsprachige Nachfahren vor allem britischer Kolonisten unterteilt. Während der Apartheid war „weiß“ eine rechtlich definierte rassische Klassifikation und Weiße besaßen das Monopol auf die staatliche Macht.
Die europäische Besiedlung des heutigen Südafrika begann 1652 mit der niederländischen Kolonisierung am Kap und wurde im 19. Jahrhundert durch britische Kolonisierung, Einwanderung aus Europa und die Ausbreitung burischer Siedler ins Landesinnere geprägt. Unter der Apartheid bildeten Weiße eine politisch und wirtschaftlich privilegierte Minderheit. Seit dem Ende der Apartheid ist ein Teil der Weißen in Südafrika ausgewandert, da die schwarze Bevölkerungsmehrheit nun durch das Black Economic Empowerment gefördert wurde. Nach der Volkszählung von 2022 machten weiße Südafrikaner 7,3 Prozent der Bevölkerung aus; die meisten sprachen Afrikaans oder Englisch als Muttersprache.
Geschichte mini|Karte der Kapkolonie im Jahr 1809 mini|Bevölkerungsdichte der Europäischstämmigen in Südafrika 1922 Der portugiesische Seefahrer Bartolomeu Dias war 1488 der erste Europäer, der das südliche Afrika mit dem Kap der Guten Hoffnung und dem Kap Agulhas erreichte. Die dauerhafte europäische Ansiedlung begann jedoch erst 1652, als die Niederländische Ostindien-Kompanie unter Jan van Riebeeck eine Versorgungsstation am Kap der Guten Hoffnung gründete. Neben niederländischen Kolonisten kamen auch französische Hugenotten, deutsche Soldaten und Seeleute sowie weitere europäische Siedler in die Kapkolonie.
Die Kapkolonie blieb bis Anfang des 19. Jahrhunderts niederländisch geprägt, wurde aber 1806 endgültig von Großbritannien übernommen. Zu dieser Zeit lebten dort etwa 26.000 Menschen europäischer Herkunft, mehrheitlich niederländischer Abstammung. Konflikte über die britische Verwaltung, die Abschaffung des Sklavenhandels und die Beschränkung kolonialer Expansion führten im 19. Jahrhundert zu Spannungen zwischen britischen Behörden und niederländischsprachigen Siedlern. In den 1830er Jahren zogen viele Buren während des Großen Trecks ins Landesinnere und gründeten dort eigene Burenrepubliken.
Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wuchs die weiße Bevölkerung durch natürliche Vermehrung und weitere Einwanderung. 1865 lebten in der Kapkolonie 181.592 Menschen weißer bzw. überwiegend europäischer Herkunft. Zwischen 1880 und 1910 kamen unter anderem jüdische Einwanderer aus Litauen sowie Einwanderer aus dem Libanon und Syrien hinzu. Angehörige dieser levantinischen Gruppen wurden zunächst teilweise als „asiatisch“ und damit als „nichtweiß“ behandelt, konnten jedoch rechtlich eine Einstufung als „weiß“ durchsetzen. Daneben gab es durch die Burenkriege erhebliche Spannungen zwischen Buren und Englischsprachigen, welche bis ins 20. Jahrhundert anhielten. mini|Burische Kämpfer während des Zweiten Burenkriegs Die erste landesweite Volkszählung 1911 ergab eine weiße Bevölkerung von 1.276.242 Personen. 1936 waren es rund 2,0 Millionen, 1946 etwa 2,37 Millionen. In der Mitte des 20. Jahrhunderts kamen weitere Einwanderer aus Deutschland, Italien, den Niederlanden, Griechenland und aus Gebieten des portugiesischen Kolonialreichs hinzu. Die weiße Bevölkerung erreichte 1965 mehr als 3,4 Millionen, 1973 über 4 Millionen und Mitte der 1990er Jahre mit rund 5,2 Millionen einen Höchststand.
Während der Apartheid wurden alle Einwohner Südafrikas nach dem Population Registration Act von 1950 rassisch klassifiziert. „Weiß“ war dabei eine staatlich definierte Kategorie, die nicht nur auf äußerlichen Merkmalen, sondern auch auf sozialer Wahrnehmung, Sprache, Lebensweise und Herkunft beruhte. Während der Apartheid erhielten manche asiatische Einwanderer aus Ländern wie Taiwan, Japan und Südkorea aus außenpolitischen Gründen den Sonderstatus sogenannter „Ehrenweißer“ (Honorary whites). Dadurch konnten sie in bestimmten Bereichen ähnliche Rechte wie Weiße erhalten. Auch einzelne Afroamerikaner wie Max Yergan erhielten zeitweise einen solchen Status. Die Rassengesetze wurden in den 1990er Jahren mit dem Ende der Apartheid aufgehoben, doch wirkten die Kategorien in Verwaltung, Politik und gesellschaftlicher Selbstwahrnehmung weiter.
In den letzten Jahrzehnten ist der Anteil der weißen Bevölkerung in Südafrika stetig zurückgegangen, was unter anderem auf höhere Geburtenraten bei anderen ethnischen Gruppen in Südafrika sowie auf eine hohe Auswanderungsrate zurückzuführen ist. Im Jahr 1977 gab es 4,3 Millionen Weiße, die damals 16,4 % der Bevölkerung ausmachten. Schätzungen zufolge waren bis 2008 seit 1995 mindestens 800.000 weiße Südafrikaner ausgewandert.
Als Gründe für Auswanderung wurden häufig Kriminalität, Gewalt und schlechtere Berufsperspektiven genannt. Zugleich kehrte ein Teil der Auswanderer später zurück. Die Initiative Homecoming Revolution schätzte 2014, dass in den vorangegangenen zehn Jahren rund 340.000 weiße Südafrikaner zurückgekehrt seien. 2025 erhielten 59 weiße Südafrikaner in den Vereinigten Staaten Flüchtlingsstatus, nachdem US-Präsident Donald Trump ihnen aufgrund eines angeblichen „Genozids“ an weißen Südafrikanern diesen Status gewährt hatte. Zwischen Oktober 2025 und März 2026 nahmen die Vereinigten Staaten 4.499 Flüchtlinge auf; laut BBC waren bis auf drei alle weiße Südafrikaner.
Herkunft Die Mehrheit der Afrikaans sprechenden (Afrikaner) und englischsprachigen weißen Südafrikaner lässt sich auf die niederländischen Kolonisten des 17. und 18. Jahrhunderts bzw. die britischen Kolonisten von 1820 zurückführen. Zu den weiteren Kolonisten zählten Hugenotten, die aus Frankreich, sowie Wallonen, die aus dem heutigen Belgien auswanderten. Der Rest der weißen südafrikanischen Bevölkerung besteht aus späteren Einwanderern aus dem Libanon und Europa, wie beispielsweise Griechen, Deutschen und Norwegern. Portugiesische Einwanderer kamen nach dem Zusammenbruch der portugiesischen Kolonialverwaltungen in Angola und Mosambik an, wobei einige auch aus Madeira stammten.
Nach der Volkszählung von 2011 sprachen 61 Prozent der weißen Südafrikaner Afrikaans als Erstsprache, 36 Prozent Englisch. Die Mehrheit identifizierte sich in Umfragen in erster Linie als südafrikanisch, unabhängig von Sprache oder Abstammung.
Politik Während der Apartheid hielt die weiße Minderheit die politische Macht in Südafrika. Das System beruhte auf gesetzlich verankerter Rassentrennung, politischem Ausschluss der nichtweißen Mehrheit und ökonomischen Privilegien für Weiße. Zugleich gab es innerhalb der weißen Bevölkerung politische Gegensätze: Die Nationale Partei war Trägerin der Apartheidpolitik, während liberale und linke weiße Politiker, Aktivisten und Intellektuelle zu den Gegnern des Systems gehörten. Nach 1994 verlor die weiße Minderheit ihre politische Vorherrschaft. Die Mehrheit der weißen Wähler unterstützt seitdem die liberale Democratic Alliance (DA), während eine kleinere Minderheit konservativere identitäre Parteien wie den Freedom Front Plus (FF+) wählt.
Frühere südafrikanische Präsidenten äußerten sich wiederholt zur Rolle weißer Südafrikaner. Thabo Mbeki betonte 2008, Südafrika gehöre allen, die darin lebten, „Schwarzen und Weißen“. Jacob Zuma bezeichnete Afrikaaner 2009 als „einzigen weißen Stamm“ Afrikas, was eine Beschwerde beim südafrikanischen Menschenrechtsausschuss nach sich zog. 2015 wurde zudem eine Beschwerde wegen möglicher Hassrede geprüft, nachdem Zuma erklärt hatte, mit der Ankunft Jan van Riebeecks 1652 hätten „die Probleme“ Südafrikas begonnen. Nelson Mandela hat jegliche Intoleranz gegenüber nichtschwarzen Gruppen verurteilt und 2015 die Rhetorik des ANC verurteilt.Mandela accuses ANC of racism and corruption The Telegraph
Demografie mini|Verteilung der Weißen Bevölkerung Südafrikas (2011) mini|Karte zur sprachlichen Verteilung der weißen Bevölkerung in Südafrika, 2001. Blau = Afrikaans. Rot = Englisch Nach dem Zensus 2022 lebten 4.504.252 weiße Südafrikaner im Land, was 7,3 Prozent der Bevölkerung entsprach. Die höchsten Anteile weißer Bevölkerung hatten das Westkap mit rund 16 Prozent und Gauteng mit rund 10 Prozent; in Limpopo, Mpumalanga, KwaZulu-Natal und North West lag der Anteil unter fünf Prozent. Die Ergebnisse der Volkszählung 2022 wurden jedoch wegen einer möglichen Untererfassung von 31 Prozent kritisiert, die besonders Fragen zur Genauigkeit der Zahlen zu Weißen, Indern, Ausländern und Obdachlosen aufwarf.
2001 waren rund 87 Prozent der weißen Südafrikaner Christen, etwa neun Prozent konfessionslos und etwa ein Prozent jüdisch. Die größte christliche Konfession ist die Niederländisch-reformierte Kirche, gefolgt von methodistischen, katholischen und anglikanischen Kirchen. Mit einem Medianalter von 45 waren Weiße 2022 deutlich älter als der Durchschnitt der Gesamtbevölkerung, der bei knapp 28 Jahren liegt.Is South Africa Growing Older? The Unseen Shift in Our Population Statistic South Africa 2009, auf dem Höhepunkt der HIV/AIDS-Epidemie, lag die Lebenserwartung von Weißen bei 71 Jahren, während die von Schwarzen bei nur 48 Jahren lag. JahrWeiße BevölkerungAnteil an der GesamtbevölkerungQuelle17011.265–Kapkolonie ohne Vertragsbedienstete179514.292–Kapkolonie ohne Vertragsbedienstete19041.116.80521,6 %Volkszählung 190419111.270.00022,7 %Volkszählung 191119603.088.49219,3 %Volkszählung 196019703.792.84817,1 %Volkszählung 197019804.522.00018,1 %Volkszählung 198019854.867.00017,5 %Volkszählung 198519915.068.30013,4 %Volkszählung 199119964.434.69710,9 %Volkszählung 199620014.293.6409,6 %Volkszählung 200120114.586.8388,9 %Volkszählung 201120224.504.3497,3 %Volkszählung 2022
Wirtschaft und Soziales Nach dem Ende der Apartheid blieben weiße Südafrikaner im Durchschnitt wirtschaftlich besser gestellt als andere Bevölkerungsgruppen, verloren aber ihre frühere gesetzliche Vorrangstellung. Programme wie Black Economic Empowerment und Affirmative Action sollten die schwarze Bevölkerungsmehrheit fördern. Kritiker führten eine wachsende soziale Unsicherheit eines Teils der weißen Bevölkerung auf diese Reformen und schlechtere Beschäftigungsaussichten zurück. So kam es zur Bildung von Slums, in denen verarmte Weiße leben. Haushalte mit weißem Haushaltsvorstand wiesen 2022/23 jedoch weiterhin das höchste Einkommen (676.375 Rand), gefolgt von indischen/asiatischen Haushalten (417.431 Rand), farbigen (260.816 Rand) sowie schwarzen Haushalten (143.632 Rand). Damit waren weiße Haushalte weiterhin fünfmal wohnhabender als schwarze Haushalte. Im privaten Sektor hatten im Jahr 2022 Weiße 65,9 % der Führungspositionen inne, während Schwarze 13,8 % besetzten. Trotz der Dominanz der Schwarzen im staatlichen Sektor und die Förderungspolitik ist die große Vermögensungleichheit seit den 1990er Jahren eher langsam abgebaut worden. Zwischen 2012 und 2024 sank der Anteil der Weißen an der obersten Einkommensklasse der Gesamtbevölkerung von 60 auf 40 Prozent und entsprach jetzt dem der Schwarzen mit ebenfalls 40 Prozent.
Ein besonders umstrittenes Thema ist die Landreform. 1994 befanden sich etwa 85 Prozent des landwirtschaftlich nutzbaren Landes im Besitz weißer Eigentümer. Die südafrikanische Landreform sollte innerhalb von 20 Jahren 30 Prozent des kommerziellen Farmlands in weißem Besitz an schwarze Eigentümer übertragen; dieses Ziel wurde bis 2014 deutlich verfehlt. Ein staatliches Audit von 2017 gab an, dass 72 Prozent des privaten Farmlands weiterhin weißen Eigentümern gehörten. 2018 stimmte das südafrikanische Parlament für eine Prüfung der Verfassungsklausel zum Eigentumsrecht, um Enteignungen ohne Entschädigung im öffentlichen Interesse zu ermöglichen. Für eine politische Kontroverse haben zudem Morde an weißen Farmern gesorgt.
Bekannte Weiße Südafrikaner Olive Schreiner (1855–1920), Schriftstellerin und frühe feministische Autorin.