Als Genisa Sontra wird in der Genisaforschung der Fund eines einzelnen Gebetbuches des im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis gelegenen Sontra bezeichnet. Nicht mehr zu klären ist, ob der Fund ursprünglich aus der Synagoge Sontra oder einem Privathaushalt stammt.

Fundumgebung und Hintergrundgeschichte In Sontra gab es mindestens seit 1721 eine „Judenschule“ (Synagoge), zwischen 1850 und 1859 wurde sie durch die Synagoge ersetzt. Dieses zweigeschossige Fachwerkhaus lag giebelseitig an der Hauptstraße des Ortes mit der Adresse Mühlenweg 2. Bis 1937 fanden dort Gottesdienste statt. Im Sommer 1938 wurden Teile der Innenausstattung nach Rotenburg an der Fulda gebracht, wo sie während der Novemberpogrome 1938 mit der Synagoge vernichtet wurden. Weitere Funde sind daher nicht zu erwarten.Sontra (Werra-Meißner-Kreis) Jüdische Geschichte / Synagoge, bei alemannia-judaica.deGeniza-Projekt Sontra HE, Website der Johannes Gutenberg-Universität Mainz unter blogs.uni-mainz.de

Religionsgeschichtlicher Hintergrund Nach jüdischer Tradition werden rituelle Gegenstände und liturgische Schriften, die nach langem Gebrauch nicht mehr benutzbar sind, entweder auf dem Friedhof bestattet oder in einem eigens dafür bestimmten Ort abgelegt. Meist dient hierfür der Dachboden der Synagoge. Dieser Ort wird als Genisa (im Plural Genisot) bezeichnet, das Schatzkammer, Archiv, Depot bedeutet. Sämtliche unbrauchbar gewordenen Schriftstücke, die den Namen Gottes enthalten, werden in einer Genisa abgelegt, um sie vor Entweihung zu schützen.Frowald Gil Hüttenmeister: Die Genisot als Geschichtsquelle. In: Monika Richarz, Reinhard Rürup (Hrsg.): Jüdisches Leben auf dem Lande. Studien zur deutsch-jüdischen Geschichte. Mohr Siebeck, Tübingen 1997, ISBN 3-16-146842-2, S. 207–218, S. 207f.Falk Wiesemann (Hrsg.): Genisa – verborgenes Erbe der deutschen Landjuden. Ausstellungskatalog, Bertelsmann, München 1992, ISBN 3-570-10501-6, S. 16

Das Fundstück Bei dem Fundstück handelt es sich um Überreste eines Gebetbuches für die Hohen Feiertage, ein Machsor. Die Buchseiten wurden bei der Renovierung des Hauses in Sontra im Jahr 2000 gefunden, wo sie als Abdichtung für ein Fenster im Dachgeschoss genutzt worden waren. Im Jahr 2023 übergab der Historiker Heinrich Nuhn sie dem Genizaprojekt an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Der Fund besteht aus mehreren Seiten, die zum Teil wurmstichig sind, ein Titelblatt fehlt. Zu einer möglichen Datierung liegt ein vergleichbarer Machsor aus einem Sulzbacher Druck des Jahres 1785 vor. Der Band enthält Gebete sowie jiddische Erklärungen sowie liturgische Hinweise. Nicht mehr zu klären ist, ob die Buchseiten aus der Synagoge, einer Genisa oder einem Privathaushalt stammen. Die Forschung geht davon aus, dass die Seiten erst nach Aufgabe der Synagoge als Dämmmaterial genutzt wurden.

Weblinks Geniza-Projekt Sontra HE, Website der Johannes Gutenberg-Universität Mainz unter blogs.uni-mainz.de Sontra (Werra-Meißner-Kreis) Jüdische Geschichte / Synagoge, bei alemannia-judaica.de

Einzelnachweise

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