Helmut Max Kißling (* 19. November 1945 in Lutherstadt Wittenberg) ist ein deutscher Filmregisseur, der für das DEFA-Dokumentarfilmstudio tätig war und auch nach dem Ende der DDR noch viele Dokumentarfilme zu ganz unterschiedlichen Themen drehte.

Leben Helmut Kißling wuchs im sachsen-anhaltinischen Wittenberg auf (in der DDR, ab 1952, Bezirk Halle). 1964 machte er das Abitur an der Lucas-Cranach-Oberschule (heute Lucas-Cranach-Gymnasium) im Wittenberger Stadtteil Piesteritz.

Danach studierte er zwei Jahre Textiltechnik an der Technischen Universität Dresden. Das brach er ab, um zum Film zu gehen, und er war ab 1967 vier Jahre Kameraassistent im damaligen DEFA Studio für populärwissenschaftliche Filme (später umbenannt in DEFA Studio für Dokumentarfilme). Von 1971 bis 1975 folgte das Regie-Studium an der Hochschule für Film und Fernsehen der DDR in Potsdam-Babelsberg, heute Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf.

Sein dort entstandener Diplomfilm Lieber ein Mann?Meldung in der Tageszeitung Neues Deutschland am 27. Oktober 1975, S. 4 nahm in Polen an einem Festival der Filmhochschule Łódź teil und sollte auch im DDR-Fernsehen laufen. Er wurde aber nicht gesendet, nachdem die prominenten Schauspieler Manfred Krug und Angelica Domröse, die sich in dem Film zum Thema äußerten, eine Resolution gegen die Ausbürgerung (1976) des Liedermachers Wolf Biermann unterzeichnet hattenstiftung.de/fileadmin/DEFA_Stiftung/Dateien/Buecher/Freundschaft_Teil2/Heimann_Freundschaft_Teil_2_11.02.2020.pdf Artikel auf der Homepage der DEFA-Stiftung, S. 169.

Danach drehte er unter anderem für das DDR-Fernsehen 30 Folgen der Reihe Treffpunkt Kino sowie für das DEFA-Dokumentarfilmstudio und das Hygiene-Museum Dresden Filme über das Themenumfeld Liebe und Sexualität.

Anfang 1988 nutzte er – in Absprache mit seiner Frau – die Gelegenheit einer privaten Reise nach Westdeutschland, um die DDR zu verlassen.

Sein Film Die andere Liebe befasste sich dokumentarisch mit der Homosexualität – in der Zeit, als das Thema in der DDR erstmals im Film aufgegriffen wurde und wenig später in dem Spielfilm Coming out (1989) einen Höhepunkt erlebte. Wegen Helmut Kißlings Flucht nach Westdeutschland Anfang 1988 stellte sein Dramaturg Axel Otten den Film fertig.

Ab 1988 wirkte er mehrere Jahre in der Filmproduktionsgesellschaft Nord TV (Hamburg, Kiel) mit.

Bis zum Alter von 75 Jahren drehte er zirka 400 Filme.

Helmut Kißling ist seit 1972 verheiratet und hat zwei Söhne (geboren 1975 und 1977).

Filmografie (Auswahl) 1974: Hauptprüfungsfilm HFF: Die Angst haben, mag ich nicht (Regie, Drehbuch, Interviews) – Fernsehen der DDR 1975: Diplomfilm HFF Lieber ein Mann? (Regie, Drehbuch) 1976 bis 1981: Treffpunkt Kino (Drehbuch, Regie, Interviews), 30 Folgen für das Fernsehen der DDR 1976: Artisten (Regie, Interviews; Drehbuch, Filmtext, Postproduction: Kurt Tetzlaff) – Kinofilm 1978: Arbeitet, arbeitet, arbeitet im Namen der Kunst (Regie, Drehbuch) 1979: Silberfüchse (Regie, Interviews; Drehbuch, Filmtext, Postproduction: Karl Gass) – Kinofilm 1982: Ich zog mir einen Falken (Drehbuch, Regie, Interviews, Filmtext, Postproduction) – Fernsehen der DDR 1982: Ist das denn schon Liebe? (Regie, Drehbuch) 1983/1984: Die Geschichte vom Habicht, der wegfliegen wollte (Regie) 1984: Binnenschiffer (Regie) 1984: Schon fast wie Mann und Frau – Erfahrungen mit dem ersten Geschlechtsverkehr (Regie) 1985: Ich will mit dir leben (Regie, Drehbuch) 1985: Glowi – Ein ganz normaler Tag (Regie) 1985: Ich will mit Dir leben (Recherche, Drehbuch, Regie, Interviews, Postproduction; Co-Recherche und Filmtext: Dramaturg Axel Otten) – Kinofilm 1985/1986: Hermann aus Eisenhüttenstadt (Regie) 1986: Auf der KÄT (Recherche, Drehbuch, Regie, Interviews, Postproduction; Co-Recherche und Filmtext: Dramaturg Axel Otten) – Kinofilm 1987/1988: Die Eltern und der erste Freund (Regie, Drehbuch) 1987/1988: Das Biwak (Regie, Drehbuch) 1988: Die andere Liebe (Regie, Drehbuch)

Weblinks

Kurzbiografie bei der DEFA-Stiftung Helmut Kißling auf filmportal.de

Einzelnachweise

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