Wadym Wolodymyrowitsch Jermolajew (; geboren 1968 in Dnjepropetrowsk, heute Dnipro; Ukrainische SSR) ist ein früherer ukrainischer Oligarch, der seit 2019 Staatsbürger der Republik Zypern ist und seitdem meist in Monaco lebt. Er gehörte zu den reichsten Geschäftsleuten der Ukraine.
Jermolajew und zwei Begleiter wurden 2026 Opfer eines Sprengstoffanschlags. Er überlebte schwerverletzt und macht den ukrainischen Militärgeheimdienst HUR für das Attentat verantwortlich.
Biografie In der Ukraine mini|Most-City Center, Dnipro (2013) mini|Cascade Plaza, Dnipro (2015)
Nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaft und dem Militärdienst in der sowjetischen Armee gründete Jermolajew in den 1990er Jahren den Mischkonzern Alef. Den Grundstock für sein auf 300 Millionen Euro geschätztes Vermögen legte er mit Immobilien, Baumaterialien und Zahnmedizin. Bei mehreren markanten Bauwerken seiner Heimatstadt war Jermolajew Bauträger, darunter das Most-City Center und der Appartementkomplex Cascade Plaza. Jermolajew gehörte bis 2025 oder 2026 dem Kuratorium der jüdischen Gemeinde von Dnipro an.
Mehrere auf der Krim ansässige Unternehmen Jermolajews, darunter Alef-Vinal-Crimea, ließen sich nach der russischen Annexion der Halbinsel 2014 nach russischem Recht neu registrieren und setzten ihre Geschäftsaktivitäten fort. Mit ihren Steuerzahlungen unterstützten sie den russischen Staatshaushalt, so die Kritik der ukrainischen Regierung.Lilia Rzheutska: Explosion in Monaco: Wer ist Wadym Jermolajew? Jermolajew dagegen bestreitet Kontakte zu den russischen Besatzungsbehörden; seine Investitionen auf der Krim datierten in die Zeit vor 2014. Auch habe er selbst durch den Krieg erhebliche Verluste erlitten.
In Monaco Jermolajew, der seine ukrainische Staatsbürgerschaft 2019 aufgab und die zyprische annahm, lebte nach Angaben der örtlichen Behörden seit spätestens 2021 in Monaco. Sein Hauptwohnsitz war ein Appartement im Sun Palace, einem vierstöckigen, in den 1920er Jahren erbauten Appartementkomplex in der Rue Révérend Père Louis Frolla im Stadtbezirk La Rousse.
Journalisten der Ukrajinska Prawda deckten 2022 auf, dass sich mehrere ukrainische Oligarchen nach dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 an der Côte d’Azur niedergelassen hatten. Zu diesem sogenannten „Monaco-Bataillon“ wird auch Jermolajew gerechnet, obwohl er die Ukraine schon zuvor verlassen hatte und kein ukrainischer Staatsbürger mehr war. Am 23. Dezember 2023 verhängte Präsident Wolodymyr Selenskyj auf Grundlage eines Beschlusses des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates Sanktionen gegen Jermolajew, darunter die Sperrung von Vermögenswerten und die Einschränkung von Finanztransaktionen. Im Jahr 2024 übertrug Jermolajew einen Teil seines Vermögens auf seine Tochter Sofia Kononenko, die teils in London, teils auf Zypern lebt; damit konnte er ukrainische Sanktionen umgehen.Lilia Rzheutska: Explosion in Monaco: Wer ist Wadym Jermolajew?‘He isn’t political’: the Ukrainian-born oligarch targeted by a Monaco bomber
hochkant|mini|Artur Jermolajew (2014)
Im Dezember 2025 wurde Artur, der älteste Sohn Wadym Jermolajews, auf Zypern festgenommen und nach Estland ausgeliefert. Ihm wurde als Mitglied der sogenannten Milton Group im Frühjahr 2026 der Prozess gemacht. Artur Jermolajew bekannte sich schuldig, zahlte 8,5 Millionen Euro Entschädigung und erhielt eine fünfjährige Bewährungsstrafe. Bei der Milton Group handelt es sich um ein internationales kriminelles Netzwerk, das Callcenter in Albanien, Georgien, Nordmazedonien und der Ukraine betrieb. „Mitarbeiter dieser Callcenter bewegten die getäuschten Kunden dazu, auf einer Vielzahl von betrügerischen Plattformen im Vertrauen auf eine lukrative Anlagemöglichkeit teilweise hohe Geldsummen zu investieren (sog. Cybertrading). Die Täter spiegelten dabei vor, digitale Plattformen für den Handel mit unterschiedlichsten Finanzinstrumenten zur Verfügung zu stellen. Das investierte Kapital ging in der Regel vollständig verloren. Die geschädigten Investoren wurden häufig durch betrügerische Werbekampagnen mit prominenten Personen und Politikern angelockt.“
Anschlag am 29. Juni 2026 Am Abend des 29. Juni 2026 betraten Wadym Jermolajew, eine Frau und ein 13-jähriger Junge den Sun Palace. In diesem Moment explodierte Sprengstoff, der im Eingangsbereich deponiert worden war und vermutlich aus der Distanz gezündet wurde. Die beiden Erwachsenen wurden lebensgefährlich verletzt, der Jugendliche wurde notoperiert. Die schwersten Verletzungen erlitt die Frau; ihr mussten beide Unterschenkel amputiert werden. Ihr Name ist laut der Tageszeitung monaco-matin Hanna Nasobina, geboren 1979 in Dnipro und seit 2023 in London ansässig, wo sie für die Steuerberatungsfirma Wycombe Square Investments LLP tätig ist.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft von Monaco floh die Haupttatverdächtige über die nahe Grenze nach Frankreich und dann weiter nach Deutschland. Sie war auf Bildern der Überwachungskamera zu sehen, wie sie, als Mann verkleidet, die mit Sprengstoff und Metallteilen gefüllte Paketbombe ablegte. Nach der 39-jährigen Anastasija Beresowska, die zeitweise in Hessen lebte, wurde mit einer Red NoticeVgl. Bombe auf Oligarchen in Monaco: Verdächtige bei Kiew erschossen – Geheimdienstmann gesteht Mord: „Interpol hatte Berezovska wenige Tage zuvor mit einer sogenannten Red Notice zur internationalen Fahndung ausgeschrieben. … Eine Red Notice ist eine Aufforderung an Polizeibehörden weltweit, eine gesuchte Person ausfindig zu machen und gegebenenfalls vorläufig festzunehmen. Sie ist kein internationaler Haftbefehl.“ von Interpol gesucht. Am Abend des 6. Juli 2026 wurde sie der Ukrajinska Prawda zufolge nahe Kiew erschossen aufgefunden. Nach Angaben der ukrainischen Polizei wurden zwei weitere Verdächtige am 7. Juli festgenommen. Beresowska hatte Geldzahlungen von ihnen erhalten und nahm Kontakt zu den beiden auf, nachdem sie am 1. Juli in die Ukraine eingereist war.Bombe auf Oligarchen in Monaco: Verdächtige bei Kiew erschossen – Geheimdienstmann gesteht Mord Nach Darstellung der ukrainischen Staatsanwaltschaft vor dem Gericht des Rajon Petschersk am 9. Juli holten die Beschuldigten Wladyslaw R. und Witalij Sch. Beresowska an der Fernstraße M 06 zwischen Kiew und Tschop ab und fuhren mit ihr zu einem Waldstück beim Dorf Juriw. Dort schoss R. Beresowska in den Hinterkopf. Anschließend vergruben die Täter die Leiche. Im Zusammenhang mit einem anderen Ermittlungsverfahren stellte sich R. den Behörden und räumte die Tötung Beresowskas ein. Während R. ein Mitarbeiter des Militärnachrichtendienstes HUR ist, war Sch. nicht, wie zunächst angegeben, ein früherer Polizist, sondern bis zu seiner Entlassung im Frühjahr 2026 Mitarbeiter des Inlandsgeheimdienstes SBU.
Eine von Jermolajews Anwälten am 16. Juli verbreitete Erklärung bezichtigt „aktive Offiziere der Hauptnachrichtendienstabteilung des ukrainischen Verteidigungsministeriums, allgemein bekannt als HUR, direkt an diesem Attentatsversuch beteiligt“ gewesen zu sein.
Familie Wadym Jermolajew ist verheiratet mit Anna Innokentiiwna Jermolajewa. Die Eheleute haben vier Kinder.
Anmerkungen
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