Die Fegyver- és Gépgyár (kurz: FÉG, deutsch: Waffen- und Maschinenfabrik) war eine von 1891 bis 2004 bestehende ungarische Waffen- und Maschinenfabrik mit Sitz in Budapest im IX. Budapester Bezirk.
Geschichte
Fegyver- és Gépgyár Rt. (1891 – 1935) Am 24. Februar 1891 wurde in Budapest eine neue Fabrik gegründet. Diese hatte den Namen Fegyver- és Gépgyár Rt. (deutsch: Waffen- und Maschinenfabrik AG). Der Hauptsitz befand sich im IX. Budapester Bezirk in der Soroksári-Straße 158. Neben Waffen wie Pistolen, Gewehren und Maschinengewehren wurden dort auch Werkzeug- und Fräsmaschinen hergestellt, weiterhin Kalander- und Hebemaschinen und Werkzeug. Im Jahr 1899 sicherten die Ingenieure Oszkár Epperlein und Jenő Böszörményi die Patentrechte für Dieselmotoren von Rudolf Diesel.
Zwischen den Jahren 1912 und 1914 wurde eine große Werkshalle von Árpád Gut und Jenő Gergely entworfen und gebaut. Diese Halle war die erste größere Halle in Ungarn, welche vollständig aus Stahlbeton bestand. Die dort hergestellten Waffen waren sowohl für die ungarischen Streitkräfte, also auch für den Export vorgesehen. Ab dem Jahr 1926 begann dann die Produktion von neuen und moderneren Jagdwaffen. Ab dem Jahr 1929 wurden die von dort stammenden Jagdwaffen mit großem Erfolg auf der Europa-Meisterschaft in Stockholm und Monte Carlo eingesetzt.
Fémáru-, Fegyver- és Gépgyár Rt. (1935 – 1946) Im Jahr 1935 gab es die erste größere Fusion in der Geschichte der Waffenfabrik. Hierbei schlossen sich die Fegyver- és Gépgyár Rt. und die Magyar Fém- és Lámpaárugyár Rt. (deutsch: Ungarische Metall- und Lampenfabrik AG) zur Fémáru-, Fegyver- és Gépgyár Rt. (deutsch: Metallwaren-, Waffen- und Maschinenfabrik AG) zusammen. Zusätzlich kam nun auch die Produktion von Lampen, Lüstern und Gasmessgeräten hinzu. Da zu dieser Zeit Gas immer mehr als Engergiequelle genutzt wurde, begann man mit der Herstellung von Gasherden und Heißwassergeräten.
Von den nun entstandenen verschiedenen Geschäftsfeldern wurde ab 1938 die Rüstungsproduktion am wichtigsten. Nachdem Ungarn auf Seite der Wehrmacht dem Zweiten Weltkrieg beitrat und im Balkanfeldzug unterstützte, wurde die Produktion von Waffen und Gerät deutlich hochgefahren. So entfielen im Jahr 1943 90 % der Produktion auf Waffen. Etwa 10.000 Arbeitskräfte waren in diesem Zeitraum in der Firma angestellt. 1944 kam es zu mehreren Luftangriffen auf die Werkshallen in der Soroksári-Straße und der firmeneigenen Ölraffinerie. Dabei wurden ein großer Teil der Anlagen komplett zerstört und die Produktion nahezu komplett eingestellt.
Lámpagyár (Lampart) (1946 – 1965) Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Unternehmen als Lámpagyár (Lampart) (deutsch: Lampenfabrik (Lampart)) weitergeführt und spezialisierte sich auf die Fertigung von Lampen und Zubehörteile. In den 1950er Jahren begann die Herstellung einer neuen Art von Warmwasserbereitern. Die alten 5-Liter-Modelle wurden durch neue und modernere Geräte vom Typ KV 6 ersetzt. Wenig später folgten neue Geräte mit der Bezeichnung Csongor, welche zur damaligen Zeit der Anforderungen auf höchstem Niveau entsprachen. Weiterhin gab es in den 1960er Jahren eine Produktion von Gasheizgeräten auf der Basis von Gas-Wasser-Heizsystemen.
Fegyver- és Gázkészülékgyár (1965 – 1990)
Ab dem 1. April 1965 änderte die Firma erneut ihren Namen und wurde als Fegyver- és Gázkészülékgyár (deutsch: Waffen- und Gasgerätefabrik) geführt. In dieser Zeit spielte das Unternehmen erneut eine große Rolle in der Produktion und Versorgung von Schusswaffen für die ungarische Armee. Anfangs wurden Kalaschnikows und PPSch-41 Maschinenpistolen hergestellt, später modernere und verschiedene andere Waffentypen. 1968 wurde mit der westdeutschen Firma Junkers eine Vereinbarung getroffen und gemeinsam neue gasindustrielle Kleinautomaten vom Typ CR gebaut. Durch Junkers erhielt Fegyver- és Gázkészülékgyár neues Know-how und konnte das technische Niveau der hergestellten Produkte erhöhen. Ein Jahr später wurde in Makó ein neuer Standort eingerichtet und der Hauptsitz verlegt. Dort begann man mit der Herstellung von Durchfluss-Heißwassergeräten und Kessel mit Gasheizung in großem Ausmaß.
Im Jahr 1975 Übernahm die Fegyver- és Gázkészülékgyár die Fővárosi Gázkészülékgyártó Vállalat (deutsch: Hauptstädtische Gasgerätefabrik) und führte dort bis ins Jahr 1984 die Produktion weiter. Danach wurde das Werk stillgelegt. 1977 konnte mit der französischen Firma Chaffoteaux et Maury ein Lizenzvertrag geschlossen werden. Damit begann die Produktion von modularen Industriekessel vom Typ FÉG-VESTALE mit Gasbetrieb.
FÉGARMY Fegyvergyártó Kft. (1990 – 2004) mini|Die Ruinen der Fabrik im Jahr 2018 Ab dem Jahr 1990 wurde die Firma privatisiert und das ehemalige staatliche Unternehmen in 13 Produktions- und mehrere Dienstleistungsunternehmen aufgeteilt. Eines davon war die FÉGARMY Fegyvergyártó Kft. (deutsch: FÉGArmee Waffenfabrik Ltd.), welche bis ins Jahr 2004 weiterhin Waffen, Gerät und Zubehör herstellte. Die Produktion war jedoch bis 1999 nur sehr schleppend und mit vielen Problemen am Laufen zu halten. So konnte die Produktion nur durch einen Kredit in Höhe von 80 Millionen Forint (heute 219.840,616 Euro) weitergeführt werden. Im Jahr 2004 gab es ein Waffenhandelsverbot für mehrere Exportmärkte und FÉGARMY meldete Insolvenz an. Damit war die Sparte der Waffenproduktion in der Geschichte der Firma endgültig beendet. im gleichen Jahr wurden die letzten 2.005 Waffen an die ungarische Armee übergeben. Danach hörte die Firma auf zu existieren.
Ein anderer Zweig war die FÉG Konvektorgyártó Rt. (deutsch: FÉG Konvektorenfabrik AG), welcher weiterhin Heizgeräte und Industriekessel produzierte.
VARA-FÉG Kft. (2008 – 2025) Im Jahr 2008 kaufte die Firma VARA. Kft. die Herstellungstechnologie der Wandkessel und Durchfluss-Heißwassergeräte vom Typ FÉG, wie auch die Produktionslinien und den Markennamen von der FÉG Konvektorgyártó Rt. auf. Kurze Zeit später wurde die VARA-FÉG Kft. gegründet, welche bis heute die Produktion von Heißwassergeräten, Wärmetauschern und Modulkessel in Makó weiter fort.
Waffenproduktion Neben der Fertigung verschiedenen Waffen unter Lizenzen, stellte die FÉG auch eigene Waffen und leicht abgeänderte Umbauten her. Dazu zählten: Pistolen (Firmeneigen): FÉG 37M FÉG PA-63 FÉG R78 Maschinenpistolen (Firmeneigen): FÉG KGP-9 Gewehre FÉG 35M FÉG 43M Sturmgewehr FÉG SA2000
Weblinks
Literatur
Einzelnachweise
Kategorie:Ehemaliges Unternehmen (Ungarn) Kategorie:Ehemaliger Waffenhersteller Kategorie:Rüstungshersteller (Ungarn) Kategorie:Budapest Kategorie:Unternehmensgründung 1891 Kategorie:Aufgelöst 2004