mini|Nicolas Antoine Taunay – Selbstbildnis, um 1800. Museu Nacional da Universidade Federal do Rio de Janeiro mini|Henrique Bernardelli – Retrato do pintor Nicolas Antoine Taunay. (Studie für das Fresko an der Fassade des Gebäudes der Nationalen Hochschule für Bildende Künste in Rio de Janeiro, Brasilien) Nicolas Antoine Taunay (auch Ton[n]ay oder Tounay; * 10. oder 11. Februar 1755 in Paris; † 20. März 1830 ebenda) war ein französischer Maler, Zeichner und Illustrator. Er gilt als Vertreter der Landschafts-, Genre- und Schlachtenmalerei um 1800 und wirkte von 1816 bis 1821 als Professor für Landschaftsmalerei an der neu gegründeten königlichen Kunstakademie in Rio de Janeiro.

Leben Nicolas Antoine Taunay entstammte einer Künstlerfamilie: Sein Vater Pierre Antoine Henry Taunay war Email- und Porzellanmaler, sein Großvater Louis François Auguste Taunay Goldschmied und Kupferstichhändler. Sein Bruder Auguste Marie Taunay war Bildhauer, sein Sohn Baron Félix Émile Taunay war Maler, Schriftsteller und Hochschullehrer. Sein Enkel Alfredo d’Escragnolle Taunay wurde ein bekannter französisch-brasilianischer Schriftsteller. Nicolas Antoine Taunay trat zwischen 1768 und 1770 in das Pariser Atelier von Nicolas-Bernard Lépicié ein. Anschließend wechselte er zu Nicolas-Guy Brenet, wo er sich mit Jean-Louis Demarne, Pierre-Jean Boquet und Frédéric Schall anfreundete. Bis 1783 war er im Atelier von Francesco Casanova tätig. In den 1770er Jahren soll er gemeinsam mit Demarne, Jean-Joseph-Xavier Bidauld und Lazare Bruandet Pleinair-Studien in den Wäldern um Paris (Saint-Germain, Fontainebleau und Compiègne) angefertigt haben. Eine Studienreise führte ihn mit Demarne und Boquet in die Schweiz, wo er sich intensiv der Landschafts- und Tiermalerei widmete. Möglicherweise war Jean-Honoré Fragonard der erste Käufer eines seiner Werke.

1784 wurde er agréé der Académie royale de peinture et de sculpture, bewarb sich jedoch nie um die volle Mitgliedschaft. Ohne am Wettbewerb um den Prix de Rome teilzunehmen, erhielt er auf Empfehlung von Joseph-Marie Vien und Jean-Baptiste Marie Pierre ein privates Stipendium und das Brevet als Pensionär der Académie de France à Rome, da die Stelle durch den Tod Gustaf Taravals frei geworden war. Er reiste über Lyon, Genf und Turin nach Rom, wo er von 1784 bis 1787 blieb (mit Abstechern nach Neapel und Sizilien) und zahlreiche Landschaften, Veduten, Monumentabbildungen sowie Historien- und Genrebilder schuf. In Rom lernte er Jacques-Louis David kennen. 1787 debütierte er mit acht Bildern im Salon, den er fortan regelmäßig beschickte. 1788 heiratete er Josephine, die Tochter des Architekten Jacques Rondel und die Nichte des Miniaturmalers François Dumont.

Während der Französischen Revolution zog sich Taunay bis 1796 nach Montmorency zurück, malte jedoch mehrere Szenen aus dieser Zeit. 1795 wurde er Mitglied des neu gegründeten Institut de France. Ab 1806 war er für die Porzellanmanufaktur in Sèvres tätig. 1816 berief ihn König Johann VI. von Portugal an die neu gegründete königliche Schule für Wissenschaften, Künste und Handel in Rio de Janeiro, die später zur Kaiserlichen Akademie der Schönen Künste wurde. Er verlieh ihm den Titel eines Barons und ernannte ihn zum Professor für Landschaftsmalerei. Neben ihm wurden sein Bruder Auguste Marie Taunay sowie die weiteren französischen Künstler Charles-Simon Pradier und der Architekt Auguste Henri Victor Grandjean de Montigny berufen. Die Gruppe schiffte sich am 29. Januar 1816 in Le Havre ein und traf am 25. März desselben Jahres in Rio de Janeiro ein. Taunay bewohnte dort eine Villa nahe der Cascade Tijuca. Nach dem Tod des Grafen Barca, des Protektors der französischen Künstler, und des als Akademiedirektor vorgesehenen Lebreton wurde stattdessen der Maler Henrique José da Silva berufen, was Taunay als persönliche Zurücksetzung empfand. Da sich die Gründung der Akademie wegen Raummangels weiter verzögerte, verließ Taunay 1821 Brasilien und kehrte nach Frankreich zurück.

1824 wurde er zum Ritter der Ehrenlegion ernannt und 1829 zum Dekan seiner Klasse im Institut. Ein Teil seines Atelier-Nachlasses wurde vom 28. Februar bis zum 1. März 1831 versteigert, der Rest am 3. Juni 1835, bevor seine Witwe nach Brasilien übersiedelte. Zu seinen Schülern zählten neben seinen beiden Söhnen auch Georges Michel.

Werk mini|Nicolas Antoine Taunay – Le triomphe de la guillotine (1795). Eremitage, St. Petersburg Nicolas Antoine Taunay malte vorwiegend historische Landschaften mit militärischen, religiösen und mythologischen Sujets sowie Genrebilder, teils auch als Miniaturen. Ab etwa 1801, verstärkt ab 1808, schuf er zahlreiche Darstellungen der napoleonischen Feldzüge, darunter des Feldzugs in Deutschland. Einige dieser Werke entstanden im direkten Auftrag von Kaiserin Joséphine. Während seines Brasilien-Aufenthalts schuf er knapp 60 Gemälde, darunter topographische Landschaften sowie Porträts portugiesischer Adliger. Überliefert ist zudem das Bildnis eines schwarzen brasilianischen Sklaven mit Papagei (um 1821–1824); das weibliche Gegenstück gilt als verschollen. Charles-Melchior Descourtis fertigte Druckgrafiken nach Gemälden Taunays an. Taunay selbst lieferte Illustrationen, unter anderem für die von Pierre Didot d. Ä. herausgegebene Gesamtausgabe von Jean Racine (Les Plaideurs, Paris 1801).

In seinen frühen Werken zeigt sich der Einfluss der klassizistischen Malerei Jacques-Louis Davids. In seinen Genredarstellungen orientierte er sich an niederländischer Kunst, in seinen Landschafts- und Historienbildern an der französischen Malerei des 17. Jahrhunderts, insbesondere an Nicolas Poussin. 1798 schuf Louis-Léopold Boilly ein Doppelbildnis von Nicolas Antoine Taunay und Jean-Baptiste Isabey, das um 1870 von Félix Augustin Milius radiert wurde.

Werke Nicolas Antoine Taunays befinden sich unter anderem in Grenoble (Musée de Grenoble), Karlsruhe (Staatliche Kunsthalle), London (Victoria and Albert Museum), Montpellier (Musée Fabre), München (Alte Pinakothek), Paris (Louvre, Musée Carnavalet, Musée Marmottan) und Quimper (Musée des Beaux-Arts).

Werke (Auswahl)

Literatur

Jean-François Heim, Claire Béraud, Philippe Heim: Les salons de peinture de la Révolution française, 1789–1799. Paris 1989. Gérald Schurr, Pierre Cabanne: Dictionnaire des petits maîtres de la peinture, 1820–1920. Band 2. Paris 1996. Valerie Fraser (Hrsg.): Encyclopedia of Latin American and Caribbean Art. London/New York 2000. Élisabeth Lemoine-Bouchard: Les peintres en miniature actifs en France, 1650–1850. Paris 2008. Itinerari sublimi. Il paesaggio nella pittura dell'Ottocento tra Italia e Svizzera. Ausstellungskatalog. Lugano 1998. Gilles Chomer: Peintures françaises avant 1815. La collection du Musée de Grenoble. Ausstellungskatalog. Paris/Grenoble 2000. João Bandeira u. a.: A missão francesa. Rio de Janeiro 2003. Cyril Lebrun Jouve: Nicolas-Antoine Taunay (1755–1830). Paris 2003. Pedro Corrêa do Lago: Taunay e o Brasil: obra completa, 1816–1821. Rio de Janeiro 2008. Lilia Moritz Schwarcz: O sol do Brasil: Nicolas-Antoine Taunay e as desventuras dos artistas franceses na corte de Dom João. Rio de Janeiro 2008. Taunay no Brasil: uma leitura dos trópicos. Ausstellungskatalog. Rio de Janeiro 2008. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 13: Sommer – Valverane. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online, De Gruyter 2009.

Weblinks

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Einzelnachweise

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