Målfrid Grude Flekkøy (geb. Målfrid Skard; * 29. November 1936 in Oslo; † 2. November 2013 in Bærum) war eine norwegische Psychologin und die erste Kinderombudsfrau Norwegens und der ganzen Welt.Ingunn B. Skre: Målfrid Grude Flekkøy im Store norske leksikon, abgerufen am 7. Juli 2026.Marianne Borgen: Målfrid Grude Flekkøy im Store norske leksikon, abgerufen am 7. Juli 2026.

Leben Ihre Eltern waren der norwegische Poet und Professor Sigmund Skard (1903–95) sowie die norwegische Hochschullehrerin und Kinderpsychologin Åse Gruda Skard (1905–1985). Sie war die Zwillingsgeschwister von Torild Skard (* 1936) und hatte noch die Geschwister Anne, Åsmund und Halvdan Skard (* 1939). Sie wuchs während des Zweiten Weltkriegs in den Vereinigten Staaten auf, da die ganze Familie nach der Invasion der Nationalsozialisten in Norwegen von 1940 geflohen war. 1945 kehrte die Familie nach Norwegen zurück und ließ sich in Bærum nieder.

Nach der Grundschule besuchte sie die Sekundarschule in Oslo und das Gymnasium in Stabekk. Nach ihrem Abitur 1956 ging sie zunächst in eine Hauswirtschaftsschule, 1959 absolvierte sie das sozialpädagogische Kindergartenseminar in Aarhus und 1967 legte sie an der Universität Oslo das Staatsexamen zur Psychologin (cand. psychol.) ab. 1968 bis 1969 war sie Psychologin bei Emma Hjorth’s Home und von 1969 bis 1972 am Nic-Waals-Institut in Oslo. Danach verbrachte sie ein Jahr im Pennsylvania Psychiatric Hospital. Nach einer Weiterbildung am Nic-Waals-Institut wurde sie 1973 Fachpsychologin für Klinische Psychologie. Von 1973 bis 1976 arbeitete sie in der Kinderpsychiatrie am Krankenhaus Ullevål in Oslo. Von 1976 bis 1979 war sie Chefpsychologin an der Abteilung für psychisch behinderte Menschen im Ullevål sykehus in Akershus. Von 1979 bis 1981 war sie als schulpsychologische Beraterin für Vorschulkinder in der Gemeinde Bærum tätig. Sie promovierte 1991 zur Doktorin der Pädagogischen Psychologie (d. p. psych.) an der Universität Gent. Von 1991 bis zu ihrer Pensionierung 2005 war sie leitende Psychologin am Nic-Waals-Institut in Oslo.

Sie war zudem in der Kommunalpolitik aktiv als Gemeinderätin in Bærum sowie als Bezirkskomiteemitglied und im Stadtrat von Oslo für die Arbeiterpartei.

Werk Sie hatte von 1981 bis 1989 das Amt einer Kinderombudsfrau in Norwegen inne; damit war sie weltweit die erste Kinderombudsfrau und wurde eine Pionierin im Kampf für die Stärkung der Kinderrechte und die Sensibilisierung für die Situation von Kindern in der Gesellschaft. Ihr Nachfolger in Norwegen von 1989 bis 1995 wurde Trond-Viggo Torgersen. Sie vertrat eine wissensbasierte Sichtweise auf Kinder, im direkten Gegensatz zu einer Pädagogik, die auf Bestrafung und Gehorsam beruht. Kinder sollten ihrer Meinung nach nicht überbehütet werden und man sollte auch nicht jedem Wunsch nachgeben. Ihre professionelle Sichtweise basierte hauptsächlich auf den Entwicklungstheorien des deutsch-amerikanischen Kinderanalytikers und Psychologen Erik H. Erikson sowie auf den Theorien der Neo-Piagetianer.Kerstij NordbrØnd Barnas stemme i 40 år auf aftenposteninnsikt.no vom 9. September 2021, abgerufen am 7. Juli 2026 Ihr Ziel war es, eine Gesellschaft ohne körperliche Bestrafung von Kindern zu schaffen. Die Stelle einer Kinderombudsfrau wurde zu einem „Exportgut“ und 80 Länder richteten nach norwegischem Vorbild Kinderombudsstellen ein. Nach ihrem Ausscheiden als Kinderombudsfrau im Jahr 1989 war sie als Senior Fellow am Internationalen Kinderentwicklungszentrum der UNICEF in Florenz tätig. Dort war sie damit beauftragt, über die Erfahrungen mit politisch unabhängigen Kinderombudsleuten zu berichten, die Zugang zu öffentlichen Angelegenheiten haben.

Ehrungen/Positionen 2006: Ehrenmitglied der l’Organisation Mondiale pour l’Éducation Préscolaire (OMEP) Mitgründerin des Menschenrechtskomitees der Norwegischen Psychologischen Gesellschaft 1997: Gastwissenschaftlerin am Institute for Families in Society der University of South Carolina 1992: Vizepräsidentin für Europa der Defence Children International 1986 bis 1989: Generalsekretärin der International Association for Child and Adolescent Psychiatry and Allied Professions (IACAPAP)

Privates 1962 heiratete sie in erster Ehe den Psychologen Kjell Magne Flekkøy (* 1939), die Ehe wurde 1981 geschieden; aus der Ehe stammte ein Kind. In zweiter Ehe heiratete sie 1983 den Biostatistiker Truls Wilhelm Gedde-Dahl (1930–2024), Sohn von Generalsekretär Tobias Gedde-Dahl (1903–1994) und Dagny Holst Grimsgaard (1905–83); diese Ehe wurde 1995 geschieden.

Publikationen (Auswahl) Monografien Mit Natalie H. Kaufman: The participation rights of the child: rights and responsibilities in family and society. Jessica Kingsley, London 1997. Mit Natalie Hevener Kaufman: Rights of the Child: Rights and Responsibilities in Family and Society (Children in Charge Book 4). Jessica Kingsley, London 1997, ISBN 978-0857000767. Children's Rights. Reflections on and consequences of the use of developmental psychology in working for the interests of children. The Norwegian Ombudsman for Children: A practical experience. Gent 1993. Mit Asbjørn O. Faleide: 20 Children, 20 Years, Åse Gruda Skard's Longitudinal Project, Selected Papers (dt. 20 Kinder, 20 Jahre: Åse Gruda Skards Langzeitprojekt – Ausgewählte Arbeiten). Spartacus, Oslo 1993, ISBN 978-8243000193. Mit Tor Fretheim: Det er så urettferdig, atss! – da barna fik sitt eigen ombud (dt. Das ist so unfair, echt ärgerlich! – wo doch die Kinder ihren eigenen Vertreter bekommen haben). 1991. A Voice for Children. Speaking out as their Ombudsman. Jessica Kingsley, London 1991. Working for the Rights of Children. International Child Development Centre, Florenz 1990. Mit Åse Gruda Skard; Phyllis M. Pickard: Your Child is Growing. OMEP, Kopenhagen 1969.

Herausgeberwerke Hovedred. Barn og foreldre (6 Bände, dt. Kinder und Eltern). Lokalhostoric Forlag, Løten 1987–1989.

Weblinks Reidar Hjermann; Tove Beate Pedersen Målfrid Grude Flekkøy 1936–2013 auf psykologtidsskriftet.no, vom 4. Dezember 2013, abgerufen am 7. Juli 2026. Ingvild Baltzersen Sund: Målfrid Grude Flekkøy er død auf nrk.no vom 3. November 2013, abgerufen am 7. Juli 2026. Oppriktig talt - Målfrid Grude Flekkøy auf NVTV, abgerufen am 6. Juli 2026.

Einzelnachweise

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