Linda Troeller (* Juni 1949 in New Jersey) ist eine US-amerikanische Kunst-Fotografin, die vor allem für ihre Selbstporträts und Arbeiten zu Körper, Identität, Sexualität sowie zu den Themen Wasser, Heilung und Erinnerung bekannt wurde.

Leben Troeller wuchs in einer Kleinstadt in New Jersey auf. Sie machte ihren Abschluss an der Toms River High School in Toms River, die sie in ihre Hall of Fame aufnahm. Nach einem Bachelor-Studium an der Reed School of Media der West Virginia University absolvierte Troeller den Master of Fine Arts in Fotojournalismus der School of Art sowie einen Master of Science der Newhouse School of Public Communication der Syracuse University.

Trotz des Abschlusses durfte Troeller nicht für die Zeitung The Asbury Park Press arbeiten, da Frauen laut der Zeitung nicht für „gefährliche Einsätze“ geeignet waren. Troeller wurde laut eigenen Angaben von Georgia O’Keeffe geprägt, die sie im Sommer 1971 während eines Schauspiel-Workshops auf der Ghost Ranch, einem Ausbildungszentrum in Mexiko kennenlernte. 1972 begegnete Troeller auf der Photokina in Köln erstmals dem Werk von Diane Arbus. Deren erkundender fotografischer Ansatz wirkte auf sie als wichtiger Impuls für ihre eigene künstlerische Arbeit. Troeller arbeitete zunächst als Modell für bedeutende Fotografen und Fotografinnen wie zum Beispiel Lucien Clergue und den japanischen Fotografen Eikō Hosoe. 1974 war sie Assistentin bei den Ansel Adams Workshops für Ralph Gibson und 1987 für Annie Leibovitz sowie David Hockney. 1976 hielt sich Troeller erneut in Mexiko auf, wo ihre Auseinandersetzung mit Wasserfotografie begann.

Troeller hat an der New Yorker Kunsthochschule School of Visual Arts, an der Parsons School of Design, der Yale University, der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg, der New Orleans Photo Alliance sowie an der Toronto Metropolitan University unterrichtet. Sie war zudem Professorin für Fotografie am Stockton College in New Jersey, an der Indiana University Bloomington und der Bournemouth University. Troeller unterrichtete außerdem an der University of Nevada, Las Vegas und hielt Vorlesungen beim PhotoNOLA-Festival in New Orleans. Weiterhin unterrichtete Troeller Photographie am Otis College of Art and Design in Los Angeles sowie im Museum of Science and Industry in Chicago. 2010 unterrichtete sie arme Frauen an der Universidad de Antioquia Medellín, Kolumbien in der Aufnahme von Selbstporträts. 2013 gab sie zudem einen Workshop für Fotografie während des sommer.frische.kunst-Festivals in Bad Gastein.

Ab 1993 lebte Troeller zwanzig Jahre im 8. Stock des Chelsea Hotels in New York. Troeller berichtet von Begegnungen mit dem britischen Modedesigner Alexander McQueen, der sie zu einer seiner Modenschauen einlud, sowie mit der Modejournalistin Isabella Blow. Diese Kontakte führten zwar nicht unmittelbar zu beruflichen Kooperationen, prägten jedoch ihr berufliches Netzwerk im Umfeld der Mode- und Kunstszene. Im Chelsea Hotel lernte Troeller zudem den Künstler Lothar Troeller kennen, den sie in zweiter Ehe heiratete. Im Jahre 2013 erhielt sie eine Aufforderung, das Hotel zu verlassen, da der Staub der Renovierungsarbeiten untragbar geworden waren.

Troeller lebte bis 2016 in Lakewood, New Jersey und wohnt zurzeit in New Smyrna Beach.

Werk Troellers Werk umfasst Selbstporträts sowie Fotografien, die Körperlichkeit, Intimität und weibliche Selbstbestimmung thematisieren und häufig in der Natur oder privaten Räumen entstehen. Ihre Fotografien dokumentieren dabei ihre Beschäftigung mit der Überschreitung gesellschaftlicher Tabus und der Darstellung sexueller Identität. Ihre Arbeiten zeigen intime Situationen und Prozesse sexueller Selbstfindung, ohne auf eine Inszenierung für den Blick der Betrachtenden – insbesondere den männlichen Blick – ausgerichtet zu sein. Troeller nutzt die Fotografie dabei oft gezielt zur Darstellung von weiblicher Intimität, sexueller Lust, Masturbation und des weiblichen Orgasmus. Die Kamera dient ihr dabei als Medium zur Stärkung weiblicher Selbstbestimmung und sinnlicher Ausdrucksmöglichkeiten.

Laut Troeller beeinflussen persönliche Erfahrungen und gesellschaftliche Rollen die Wahrnehmung, was sich besonders in der Darstellung von Frauen und weiblichen Lebenswelten ausdrückt. Die feministische Kunst seit den 1970er Jahren brachte neue Themen und Perspektiven in die Kunst ein und erweiterte damit die lange männlich geprägten Vorstellungen von Kunst. In einem Interview schilderte Troeller, dass sie das Fehlen von erotischer Liebe in der Beziehung ihrer Eltern mit einem Verlust von Ruhe und Gesundheit in Verbindung brachte. Gleichzeitig beschrieb sie, dass sie früh ein positives, intuitives Verhältnis zur eigenen Körperlichkeit entwickelte, das auch im Erfahrungskontext mit ihren Eltern entstanden sei.

Troeller fotografierte zudem drei Modekataloge von preisgekrönten Designs von Studierenden für das Apolda-Museum. Ein Brand im Jahre 2016, bei dem ein Großteil von Troellers fotografischem Archiv vernichtet wurde, führte zu einer Serie über Obdachlose im East Village (Manhattan). Gemeinsam mit Christine L. Selzer entwickelte sie aus geretteten Fragmenten neue fotografische Collagen, die sich mit Erinnerung, Verlust und Erneuerung auseinandersetzen.

Bridal Rite (1975) Es handelt sich hierbei um eins der berühmtesten Werke von Troeller. Es zeigt eine Frau in einem abgeschnittenen Hochzeitskleid über einem Kaktus und thematisiert die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Tabus. Das Foto sollte Empörung hervorrufen, aber auch die weibliche Perspektive sichtbar machen. Im weiteren Verlauf ihrer Arbeit vertieften sich Troellers Projekte zunehmend in die Erforschung sexueller Identität und deren gesellschaftlicher Prägung. Die Fotografie wurde in der New Yorker Wochenzeitung The Village Voice veröffentlicht.

TB-AIDS Diary (1988) Bei diesem Werk handelt es sich um eine Serie von 22 Fotocollagen in Color Polaroid, die dazu beitrugen, die diskriminierende Stempelung von HIV in Pässen zu verhindern. Das Werk erinnert an ihre Mutter, die 1930 mit Tuberkulose kämpfte und erzählt die Geschichte einer anderen Mutter, die ihren Sohn durch AIDS verlor. Das Projekt zog als erstes die Parallele der Behandlung von Tuberkulose in vergangenen Zeiten und der Situation, in der sich AIDS-Kranke zu Beginn der 1990er Jahre befanden.

Die Serie wurde auf dem FotoFest in Houston und in über 50 Galerien ausgestellt und in der Asbury Park Press, der Trenton Times und dem European Photography Magazin veröffentlicht. Die 19 Drucke wurden von der ständigen Sammlung des Norton Museum of Art in West Palm Beach erworben.

Healing Waters (seit Mitte der 1990er-Jahre) Troeller beschreibt, dass ihre frühe Wahrnehmung der „heilenden Wirkung“ von Wasser durch Kindheitserfahrungen mit ihrem Vater geprägt wurde, der im Zweiten Weltkrieg eine Beinverletzung erlitten hatte. Gemeinsame Besuche an der Küste von New Jersey, insbesondere am Manasquan Inlet, verband sie mit Situationen, in denen sie ihrem Vater auf dem Weg zum Strand half. Diese biografischen Erinnerungen nennt sie als einen Ausgangspunkt für ihre spätere künstlerische Auseinandersetzung mit Wasser als heilendem Element.

Troeller fotografierte 1976 erstmals ein Spa im mexikanischen San José Purúa, wo sie die Künstlerin Leonora Carrington in Mexiko-Stadt besuchte. Deren Hinweis auf spirituell-rituelle Praktiken im Zusammenhang mit Heilung beeinflusste ihre Entscheidung, sich auf Wasser als zentrales Element zu konzentrieren. In diesem Kontext entstanden frühe Selbstporträts, die sie selbst als Teil eines persönlichen Heilungsprozesses beschreibt.

Seit Mitte der 1990er-Jahre widmete sich Troeller verstärkt der fotografischen Dokumentation von Heilbädern und Kurorten. Sie bereiste unter anderem Bad Sulza und Auerstedt in Thüringen, die Region wird touristisch auch als „Toskana des Ostens“ bezeichnet. Im Mittelpunkt standen dabei Anlagen mit dem Konzept des Liquid Sound, das Licht- und Farbeffekte mit Unterwasserklang in Schwimmbecken kombiniert. Troeller war an der visuellen Ausgestaltung des Markenauftritts beteiligt. Eine ihrer Fotografien wurde als prägendes Key Visual für die visuelle Identität der Anlagen verwendet und war auch noch 20 Jahre später im Einsatz. Darüber hinaus entstanden 1998 Aufnahmen in der Therme Saturnia in Italien, in San José Purúa in Mexiko, den Calistoga Hot Springs in Kalifornien, den Chico Hot Springs in Montana, am Toten Meer in Israel, in Abano Terme (Italien) sowie Ojo Caliente in New Mexico.

In dieser Fotografieserie setzt sich Troeller dokumentarisch mit der heilenden Wirkung von Wasser auseinander und verbindet natürliche Gewässer, Mineralquellen und Spa-Kulturen in Europa und Asien. Sie verbindet dabei Themen von Körperlichkeit, Natur und Gesundheit mit einer explizit weiblichen Perspektive. Troeller betont die Bedeutung intakter Wasserökosysteme sowie die Rolle mineralhaltigen Wassers und Wasseranwendungen im Kontext von Gesundheit und Erholung. Ihre Auseinandersetzung mit dem Thema hat sie in den Publikationen Healing Waters und Spa Journeys dokumentiert.

Chelsea-Hotel (1994–2012) Troeller wohnte 20 Jahre im Chelsea Hotel in New York und hat das Leben dort 2008 in einer Langzeitfotoserie dokumentiert. Troeller setzte sich in dieser Arbeit mit der Bedeutung von Orten sowie sozialen und räumlichen Grenzerfahrungen auseinander. Das Hotel beschrieb sie als einen Ort mit einer offenen Atmosphäre, an dem sie sich als Künstlerin besonders akzeptiert fühlte.

Orgasmus – Fotografien und Interviews (2004–14) Dem über einen Zeitraum von rund zehn Jahren gemeinsam mit der deutschen Autorin Marion Schneider entstandenen Projekt liegen Fotografien und Interviews mit 25 Frauen unterschiedlicher Altersgruppen und sexueller Identitäten aus Deutschland, Israel, Mexiko und den USA zugrunde, die sich mit weiblicher Sexualität und dem Orgasmus auseinandersetzen.

Die Teilnehmerinnen wurden eingeladen, ihre persönlichen Erinnerungen und Empfindungen zum Orgasmus fotografisch nachzustellen, während Schneider begleitende Interviews führte. Ziel des Projekts war es, unterschiedliche Erfahrungen weiblicher Sexualität und deren kulturelle Prägung sichtbar zu machen.

Gemeinsam mit Schneider veröffentlichte Troeller 2014 den Bildband Orgasmus – Fotografien und Interviews (Orgasm – Photographs & Interviews). Die Publikation wurde im Rahmen einer Lesereise in Europa vorgestellt.

Weitere Werke (Auswahl)

1973: Self-Portrait. Dieses Foto wurde mit Troellers erster Kamera, einer Rollei, aufgenommen. 1973: Self-Portrait, Dorm, Syracuse University 1973: Ann Tucker, former Curator Museum of Fine Arts, Houston at Aperion 1974: Liquid Sound 1975: Mineral Spring, Colorado 1975: Self-Portrait, Sex Shop North Beach, San Francisco 1975: Self-Portrait, Job Interview Chicago Art Institute 1976: Craters of the Moon 1976: Ghost Ranch, New Mexico 1976: Self-Portrait. San Jose Purua Hot Springs, Mexico 1976: Self-Portrait 1980: Document from Pt. Lobos 1980: Self-Portrait, Seaweed Bath, Cliff Baths, Ireland 1982: Self-Portrait, Me and Bogart #1, #2, #3, Los Angeles 1987: Self-Portrait, Annie Leibovitz Workshop 1986: Self-Portrait, Lost Children 1989: Self-Portrait 1994: Fango 1994: Hotel, Fotografie 1994: Liquid Sound, Toskana Therme, Germany 1995: Club Scene, 3rd Floor Hall Bath, Fotografie 1995: Gellert Baths, Budapest 1996: Pilgrim, Kidney Cure, Morocco 1996: Self-Portrait 1997: Irene Tschacbazov, Painter 1997: Art, Balcony, Fotografie 1998: Chelsea Hotel 1998: Valerie, 55, United States 1998: Maria 1998: Marion, Chelsea Hotel Fire Escape 1998: Yoko, Erotic Lives of Women, Chelsea Hotel 1999: Virgil Thompson, Librettist, Historic Apartment, Fotografie 1999: Mailboxes 2000: Lobby, Chelsea Hotel 2000: Hot Chelsea, Fotografie 2000: Ethan Hawke, Actor, 10th Floor, Fotografie 2002: Self-Portrait, Lobby, Chelsea Hotel 2005: Karl Lagerfeld, Apolda