Die Wahlverwandtschaften ist ein Fernsehfilm von Claude Chabrol aus dem Jahr 1982 nach dem Roman Die Wahlverwandtschaften von Johann Wolfgang von Goethe.
Handlung Die Handlung des Films setzt nach der Hochzeit von Eduard und Charlotte ein. Das Paar lebt auf Eduards Landgut und beschäftigt sich mit Plänen, den Park und den Garten, d. h. das gesamte Anwesen umzugestalten. Mit ihnen auf dem Gut lebt Charlottes Nichte und Pflegetochter Ottilie. Die Harmonie des Trios gerät aus dem Gleichgewicht, als Eduard seinen Freund, den in Not geratenen Hauptmann Otto, auf das Gut einlädt. Charlotte fühlt sich bald zu dem Gast hingezogen, und Eduard verliebt sich in das junge Mädchen, um das er unverhohlen und mit Leidenschaft wirbt.
In der Schlüsselszene von Roman und Film zeugen Charlotte und Eduard, den jeweiligen Wunschpartner im Sinn, ein Kind. Charlotte entschließt sich, ihren Geliebten Otto aufzugeben und verlangt das Gleiche von ihrem Ehemann. Eduard verlässt das Landgut und geht zum Militär. Charlotte ist schwanger geworden, bringt ein Kind zur Welt, das auf mysteriöse Weise, Gesichtszüge Ottilies als auch des Hauptmanns hat. Ottilie kümmert sich liebevoll um das Kind. Als das Kind unter ihrer Aufsicht ertrinkt, kann sie mit der Schuld nicht leben, wird krank und stirbt. Auch Eduard stirbt wenig später, und die beiden werden Seite an Seite in einer neu errichteten Kapelle auf dem Gut bestattet.
Produktion und Veröffentlichung Gedreht wurde der Film in und um Karlsbad und in Prag. Die Filmmusik schrieben Pierre Jansen, sein letzter Film mit Chabrol, und Matthieu Chabrol, der hier zum ersten Mal in einem Spielfilm mit seinem Vater Claude Chabrol zusammengearbeitet hat. Die Kostüme schuf der französische Kostümbildner Claude Catulle (1929–2022).
Die deutsche Erstaufführung fand am 4. April 1982 im Fernsehen in der BRD statt.
Kritik Pitt Herrmann, Kritiker von Filmportal.de, bezeichnet Chabrols Films als eine handwerklich grundsolide Literaturverfilmung. Der Regisseur erweise sich hier „als ein Meister der Distanz, der Kälte, des demonstrativen Unbeteiligtseins“ und schreibt dann: „Chabrol nähert, und das auf sehr leisen Sohlen, die Goethesche Gesellschaft der bürgerlichen an und begründet das tragische Ende in der diffizilen Persönlichkeit Ottilies einerseits und in der Zaghaftigkeit und Gehemmtheit des Hauptmanns andererseits. [...] Chabrols Film „Les affinités électives“ ist eine zeitgemäße Erweiterung des Stoffes, die Goethe jedoch nicht aus dem Blickfeld verliert.“Pitt Herrmann: Die Wahlverwandschaften Filmportal.de, abgerufen am 5. Juli 2026
Literatur Claudia Grimm: Die Transformation von Gefühlsdarstellungen in Buch und Film. Medienwissenschaftliche Analysen zu vier filmischen Literaturadaptionen von Goethes Roman „Die Wahlverwandtschaften“. Diss. Gießen 2005. S. 83–93.
Weblinks
Les Affinités sélectives Film auf YouTube, französisch mit französischen Untertiteln; 1:55:09
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 1982 Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Französischer Film Kategorie:Tschechoslowakischer Film Kategorie:Claude Chabrol Kategorie:Johann-Wolfgang-von-Goethe-Verfilmung Kategorie:Fernsehfilm