thumb|Börse am Heumarkt: Sitz der Kammer ab 1833 Die Industrie- und Handelskammer Stettin (kurz: IHK Stettin, ursprünglich Vorsteher der Kaufmannschaft Stettin) war eine preußische Industrie- und Handelskammer mit Sitz in Stettin.
Geschichte 1243 erhielt Stettin das Magdeburger Stadtrecht. Dies enthielt unter anderem das Recht, ein Kaufhaus für die Märkte zu errichten und Innungen, darunter die Kaufmannsinnung, zu bilden. Im Jahr 1301 wurde eine Brüderschaft der Kaufleute in Stettin erwähnt. Die wichtigsten Innungen wurden die Segler, also die Händler, die Schifffahrt betrieben und die Gewandschneider. Diese gerieten über ihre Rechte in Streit, den der Rat der Stadt am 10. Februar 1466 schlichtete. Danach wurde beide Innungen zusammengeschlossen. An der Spitze standen acht von den Kaufleuten gewählte Alterleute. Die Kooperation hatte ihren Sitz im Seglerhaus. In einem Vergleich von 1503 erhielt die Kaufmannschaft das Recht, die Schöffen im städtischen Schöffenkollegium zu wählen.
1810 waren es weiterhin acht Alterleute, die den Vorstand der Kaufmannschaft bildeten. Deren Aufgaben waren die Aufsicht über die Börse Stettin, Gutachten, die Besetzung des Seegerichtes, die Verwaltung des Vermögens der Kaufmannschaft und allgemein die Vertretung der Kaufmannschaft. Nach dem Ende der Franzosenzeit kam es ab 1815 zu einem Konflikt zwischen großen Teilen der Kaufmannschaft und den Alterleuten. Eine größere Zahl an Kaufleuten forderte eine Generalversammlung der Kaufmannschaft, die Wahl eines neuen Vorstandes und eine neue Organisation. Die Alterleute verwiesen auf die bestehende Tradition. Anfang der 1820er Jahre organisierte der Staat die Kaufmannschaften in einer Reihe von Handelsstädten in Preußen neu. In Stettin erfolgte dies mit dem Statut der Kaufmannschaft Stettin vom 25. April 1821.Statut der Kaufmannschaft Stettin vom 25. April 1821, GS 194 . Der Kaufmannschaft gehörte nun alle Kaufleute der Stadt an. Dies schloss auch Krämer ein, die bisher nicht beteiligt waren. Diese wählten neun Mitglieder in den Vorsteher der Kaufmannschaft genannten Vorstand, der unter anderem die Aufgaben der früheren Alterleute übernahm. Die Wahl erfolgte auf sechs Jahre, wobei alle drei Jahre die Hälfte neu gewählt wurde. Die Vorsteher der Kaufmannschaft wählten ihren Vorsitzenden selbst und auch die kaufmännischen Mitglieder der See- und Handelsgerichtsdeputation des Stettiner Stadtgerichts. Aufsichtsbehörde über die Vorsteher der Kaufmannschaft war der Magistrat.
Anfang der 1920er Jahre wurden die Handelskammern und kaufmännischen Kooperationen in Preußen einheitlich in Industrie- und Handelskammern umbenannt. Damit entstand die Industrie- und Handelskammer Stettin. Die Kammer gab die Zeitschrift "Ostsee-Handel" heraus. 1933 wurde der Eisbrecher Stettin im Auftrag der IHK Stettin in Betrieb genommen. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurden auch die Industrie- und Handelskammern gleichgeschaltet. Der Präsident wurde nun ernannt und ernannte nach dem Führerprinzip seinerseits die Kammermitglieder. 1936 wurde sie Teil der Wirtschaftskammer Pommern. 1943 wurde die IHK aufgelöst und zusammen mit der Handwerkskammer in die „Gauwirtschaftskammer Pommern“ mit Sitz in Stettin überführt.
1945 wurde Stettin von der Roten Armee erobert und unter polnische Verwaltung gestellt. Die deutsche Bevölkerung floh oder wurde vertrieben, die IHK Stettin stellte ihre Arbeit ein.
Gebäude Die Vorsteher der Kaufmannschaft Stettin nutzten zunächst das Seglerhaus. 1833 wurde von der Kammer das Börsengebäude am Heumarkt eröffnet und die Vorsteher der Kaufmannschaft Stettin und später die IHK nutzten dann Räume in diesem Gebäude.Martin Wehrmann: Der Bau des Börsengebäudes in Stettin, 1936, Digitalisat.
Personen Obervorsteher Friedrich Wilhelm Rahm (1822 bis 1828) Daniel Wilhelm Schultze (1828 bis 1849) Friedrich Schillow (1850 bis 1864) Johann Heinrich Emil Rahm (1865 bis 1877) Conrad Ferdinand Brumm (1877 bis 1885) Heinrich Friedrich Haker (1885 bis 1899) Albert Heinrich Wilhelm Schlutow (1900 bis 1905) Georg Jacob Manasse (1906 bis 1923)
Präsidenten Otto Lange (Zeit des Nationalsozialismus)Horst Möller, Jürgen John, Thomas Schaarschmidt: Die NS-Gaue, Regionale Mittelinstanzen im zentralistischen "Führerstaat"?, 2018, ISBN 9783110591064, S. 287.
Andere Curt Hoffmann (Syndicus 2022 bis 1945)
Literatur Martin Wehrmann: Festschrift zum hundertjährigen Bestehen der Korporation der Kaufmannschaft zu Stettin, Digitalisat.
Einzelnachweise
Stettin Kategorie:Historische Organisation (Stettin) Kategorie:Verbandsgründung 1821 Kategorie:Aufgelöst 1945 Kategorie:Wirtschaft (Provinz Pommern)