Die Evangelische Kirche ist ein Kirchengebäude in Grab, einem Ortsteil der Gemeinde Großerlach im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis. Die Kirchengemeinde Großerlach-GrabWebsite der Kirchengemeinde Großerlach-Grab , abgerufen am 6. Juli 2026. gehört zum Kirchenbezirk Backnang in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Das schlichte Gotteshaus wurde in den Jahren 1852 bis 1853 im württembergischen Kameralamtsstil nach Plänen von Carl Christian Nieffer erbaut.
Geschichte Bis ins 19. Jahrhundert gehörte Grab in kirchlicher Hinsicht zu dem etwa 8 Kilometer entfernten Murrhardt. Wegen der räumlichen Distanz und der schlechten Wegeverhältnisse war es jedoch nur wenigen Menschen möglich, die Gottesdienste in der Walterichskirche regelmäßig zu besuchen. Besonders im Winter war der Kirchgang beschwerlich, ebenso der Transport der Toten auf den Murrhardter Friedhof. Daher erhielt Grab 1848 einen eigenen Gottesacker. Wegen des starken Bevölkerungswachstums im 19. Jahrhundert beschloss das Königlich-württembergische Konsistorium 1851, in Grab eine ständige Pfarrverweserei einzurichten. Der Pfarrverweser übernahm nun die Seelsorge der Bevölkerung und erfüllte alle Funktionen eines Pfarrers. Gleichzeitig begann das Kameralamt Backnang mit den Planungen für eine eigene Kirche. Als Architekt wurde Bauinspektor Carl Christian Nieffer vom Bezirksbauamt Ludwigsburg engagiert. Bei den Erdarbeiten wurden Überreste eines römischen Wachturms des Obergermanisch-Raetischen Limes entdeckt.
Die Grundsteinlegung fand am 29. Juli 1852 statt, die feierliche Einweihung mit Festgottesdienst am 23. Oktober 1853.
1862 wurde die Pfarrverweserei Grab zu einer Pfarrei erhoben. Mit Wirkung vom 1. Januar 2011 fusionierten die bislang selbstständigen Kirchengemeinden Grab und Großerlach.
Architektur und Ausstattung Die Evangelische Kirche in Grab ist eine südöstlich orientierte PredigtkircheUlrich Zimmermann: Die Predigtkirche und die Querkirche. Protestantischer Kirchenbau in Württemberg. Eine Studie zur Geschichte und Theologie des Kirchenraums und zur Entstehung zweier Kirchenbautypen. Ubstadt 2025, S. 259, 286 – ISBN 978-3-95505-592-9. im Rundbogenstil mit einer Kanzelwand hinter dem Altar und einem apsisartigen Anbau, der die Sakristei und die Kanzeltreppe beherbergt. Das Mauerwerk besteht aus Bruchsteinen, die mit Sandsteinquadern verkleidet wurden. Auf dem nordwestlichen Giebel sitzt, am Mittelrisalit unterbaut von einer konsolartigen Auskragung, der massive Dachturm, in dem zwei Glocken hängen. Die Fenster haben romanisierende Bögen. Über den Eingangsportalen befinden sich kreisrunde Fenster.Eva-Maria Seng: Der evangelische Kirchenbau im 19. Jahrhundert. Die Eisenacher Bewegung und der Architekt Christian Friedrich von Leins. Tübinger Studien zur Archäologie und Kunstgeschichte Band 15. Dissertation von 1992, veröffentlicht Tübingen 1995, S. 205, Bilderseite 36, Abb. 104.
Die Ausstattung stammt aus der Erbauungszeit und hat sich nur wenig verändert. Die hölzerne Kanzel mit Schalldeckel wurde von Schreinermeister Knapp aus Mainhardt geliefert. Der Altar wurde von demselben Meister gebaut. Das neuromanische Taufbecken ist aus Sandstein gefertigt.
Orgel Die Orgel wurde 1854 durch Johann Heinrich Schäfer (Heilbronn) gebaut.
Glocken Die ersten zwei Glocken wurden 1853 von der Glockengießerei Neubert in Ludwigsburg gegossen. Während des Ersten Weltkriegs wurde die eine Neubert-Glocke 1917 als angeordnete, aber so genannte „Metallspende“ für Rüstungszwecke abgegeben. Nach dem Krieg wurde diese von der Glockengießerei Bachert (Kochendorf) nachgegossen. Auch diese musste dann 1942 als „Metallspende“ abgeliefert werden. Die zweite Glocke von Neubert wurde 1945 beim Einmarsch der US-Armee durch Schüsse so sehr beschädigt, dass sie unbrauchbar wurde. Erst 1950 wurden zwei neue Glocken bei Kurtz in Stuttgart bestellt. GlockeGlockengießerGussortGussjahrSchlagtonDurchmesserI.Heinrich KurtzStuttgart1950cis''71 cmII.Heinrich KurtzStuttgart1950e''60,9 cm
Trivia In der Kirche von Großerlach waren 1960/61 drei Fenster von Walter Kohler ausgebaut und zur Aufbewahrung in die Kirche oder das Pfarrhaus Grab verbracht worden. Über den seitherigen Verbleib ist nichts bekannt.
Literatur Siegwart Rupp: Kirchenbauten im württembergischen Kameralamtsstil. In: Schwäbische Heimat 3/1972, S. 178–196. Adolf Schahl: Die Kunstdenkmale des Rems-Murr-Kreises. Band 1. Deutscher Kunstverlag München und Berlin 1983, ISBN 3-422-005-60-9, S. 397–400.
Einzelnachweise
Kategorie:Kirchengebäude im Rems-Murr-Kreis Kategorie:Kulturdenkmal in Großerlach Kategorie:Kirche in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg Kategorie:Saalkirche in Baden-Württemberg Kategorie:Neuromanisches Kirchengebäude Kategorie:Neuromanisches Bauwerk in Baden-Württemberg Kategorie:Erbaut 1853 Kategorie:Geläut Kategorie:Bauwerk des Historismus im Rems-Murr-Kreis