Die Streitkräfte des Slowakischen Staates (slowakisch: Slovenská armáda) existierten von 1939 bis zur Kapitulation im Mai 1945. Der Slowakische Staat war Verbündeter des nationalsozialistischen Deutschen Reiches. Die Streitkräfte umfassten anfangs ca. 50.000 Mann, wuchsen kriegsbedingt auf etwa 125.000 Soldaten an und wurden sowohl gegen Polen als auch an der Ostfront gegen die Sowjetunion eingesetzt. Teile der slowakischen Armee trugen 1944 den Slowakischen Nationalaufstand.

Geschichte Auf Druck des Deutschen Reichs wurde am 15. April 1939 die Slowakei für unabhängig erklärt und erhielt eine autonome Regierung unter dem Führer der Autonomisten, Jozef Tiso. Die slowakische Armeeentstand mit der Gründung des Slowakischen Staates aus den Trümmern der alten tschechoslowakischen Armee, in der aufgrund der tschechischen Dominanz nur wenige Slowaken bis zum Offiziersrang aufgestiegen waren. Das slowakische Offizierskorps wurde – nachdem Soldaten tschechischer, ungarischer oder karpato-ukrainischer Nationalität weitgehend demobilisiert worden waren – in den Jahren 1939 bis 1942 aufgebaut. Die zentrale Rolle beim Aufbau der Armee spielte Ferdinand Čatloš, der nach der Staatsgründung General, Verteidigungsminister und Oberbefehlshaber in einer Person wurde.Charles K. Kliment, Břetislav Nakládal: Germany’s First Ally: Armed Forces of the Slovak State 1939–1945. Atglen 1997, S. 14 (englisch).Wolfgang Venohr: Aufstand der Slowaken. Der Freiheitskampf von 1944. Frankfurt am Main/Berlin 1992, S. 37.

Die neue slowakische Armee musste sich bereits in den ersten Tagen nach der slowakischen Unabhängigkeitserklärung im Slowakisch-Ungarischen Krieg bewähren. Die slowakische Armeeführung wurde von dem ungarischen Angriff am 23. März 1939 völlig überrascht, da mit dem ungarischen Angriff nicht aus der Karpatenukraine heraus gerechnet wurde und zudem am selben Tag ein Deutsch-Slowakischer Schutzvertrag unterzeichnet worden war. Zu den ca. 50.000 Soldaten der sich erst im Aufbau befindenden slowakischen Armee kamen aufgrund der Mobilmachungserklärung des Verteidigungsministeriums weitere 30.000 Mann dazu. Am frühen Morgen des 25. März begann auf Befehl von Verteidigungsminister General Čatloš die slowakische Gegenoffensive zur Befreiung der besetzten Gebiete, die jedoch scheiterte.Lacko: Slovenská republika, S. 41–42. Die Kämpfe dauerten bis zum 31. März an. Anfang April kam es dann zu slowakisch-ungarischen Verhandlungen. Als Ergebnis wurde am 4. April in Budapest ein Vertrag unterzeichnet, in dem die Slowakei einen Landstreifen im Osten des Landes um die Orte Stakčín und Sobrance an Ungarn abtreten musste.

Das Schutzzonenstatut vom 28. August 1939 mit Deutschland band das Land als „Schutzstaat“ endgültig militärisch, wirtschaftlich und außenpolitisch an den Nachbarstaat. Am 18. August 1939 verpflichtete sich die Slowakei ihr Gebiet freiwillig der Wehrmacht für deren militärische Operation zum Überfall auf Polen zur Verfügung zu stellen. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich auf slowakischem Territorium bereits 30.000 deutsche Soldaten. Mit der Entscheidung des Oberkommandos der Wehrmacht vom 26. August wurde die Slowakei Teil des Operationsgebietes der deutschen 14. Armee unter General Wilhelm List.Martin Lacko: Slovenská republika, Bratislava, Rok wydania. 2008, S. 104. (slowakisch) Die in diesem Zusammenhang mobilisierte slowakische Armeegruppe „Bernolák“ bestand aus drei Divisionen und einer schnellen Gruppe:

1. Division „Jánošík“ (Kommandeur Oberst Antonín Pulanich) – operierte in Richtung Spišská Belá – Nowy Targ 2. Division „Škultéty“ (Kommandeur Oberst Ivan Imru) – sicherte Verteidigungslinien und den Rückraum 3. Division „Rázus“ (Kommandeur Oberst Augustín Malár) – operierte im östlichen Abschnitt nahe Sanok Schnelle Gruppe „Kalinčiak“ – eine mechanisierte und berittene Aufklärungseinheit, die nicht mehr aktiv wurde

Der offizielle politische Vorwand für die slowakische Teilnahme am Polenfeldzug war ein kleines umstrittenes Gebiet an der polnisch-slowakischen Grenze. Die Slowakische Invasion Polens stieß nur auf schwachen Widerstand und erlitt minimale Verluste.

Die Slowakei trat am 24. November 1940 dem Dreimächtepakt und einen Tag später dem Antikominternpakt bei. Ab 1941 kämpften Einheiten der slowakischen Armee als „Schnelle Division“ und Slowakische Sicherungsdivision im Rahmen des Deutsch-Sowjetischen Krieges. Bis zum Frühjahr 1943 war die Zuverlässigkeit der slowakischen Einheiten in deutschen Augen zufriedenstellend, während des gesamten Jahres 1942 waren nicht mehr als 210 slowakische Soldaten zur Sowjetarmee oder zu den Partisanen übergelaufen. Ab Anfang 1943 jedoch, nach der Katastrophe von Stalingrad, steigerte sich die Zahl der slowakischen Überläufer sprunghaft.Wolfgang Venohr: Aufstand der Slowaken. Der Freiheitskampf von 1944. Frankfurt am Main/Berlin 1992, S. 46.

Am 25. August wurde Čatloš, der im Geheimen einen Seitenwechsel der slowakischen Armee plante,Martin Lacko: Slovenská republika, S. 172–173. als Oberbefehlshaber abgesetzt worden.Martin Lacko: Slovenské národné povstanie 1944 [= Der Slowakische Nationalaufstand 1944]. Bratislava 2008, S. 45 f. (slowakisch). Getragen von großen Teilen der slowakischen Armee kam es am 29. August unter der Leitung von Oberstleutnant Ján Golian zum Slowakischen Nationalaufstand. In der West- und vor allem Mittelslowakei schloss sich ein Großteil der slowakischen Offiziere und Soldaten dem Aufstand an.Lenka Šindelářová: Finale der Vernichtung: Die Einsatzgruppe H in der Slowakei 1944/45. Darmstadt 2013, S. 142. Nach 60 Tagen der Kämpfe endete der Aufstand am 28. Oktober 1944, als die militärische Führung der Aufständischen mit dem Fall von Banská Bystrica den offenen Kampf gegen die Wehrmacht aufgab und ohne Kapitulation zum reinen Partisanenkampf überging, den sie bis zur Besetzung der Slowakei durch die Rote Armee im April 1945 fortsetzte.Wolfgang Venohr: Aufstand der Slowaken. Der Freiheitskampf von 1944. Frankfurt am Main/Berlin 1992, S. 18.

Die slowakische Armee war damit zerfallen. Bis zum Kriegsende gelang es dem unter deutscher Kontrolle stehenden slowakischen Regime unter Verteidigungsminister Štefan Haššík nicht mehr, die Armee auf Seiten der deutschen Wehrmacht wirkungsvoll zu reorganisieren. Die Domobrana („Heimwehr“) bestand aus maximal 41.000 schlecht ausgebildeten und schlecht ausgerüsteten Soldaten.

Am 4. April 1945 besetzte die Rote Armee Bratislava; ab diesem Zeitpunkt war das gesamte slowakische Staatsgebiet unter sowjetischer Kontrolle.

Ausrüstung mini|Infanterieeinheit der Slowakischen Armee Der Slowakische Staat verfügte über eine Armee, deren Ausstattung aus einer Mischung aus tschechoslowakischen Altbeständen (z. B. Artillerie und einigen Panzerfahrzeugen der Typen LT vz. 35 und OA vz. 30) sowie deutschen Waffensystemen bestand, die vom deutschen Verbündeten im Laufe des Zweiten Weltkrieges geliefert worden war. Dazu gehörten u. a. Panzerkampfwagen II, das StuG III (oft in der Ausführung G) sowie Marder III.

Hauptinfanteriegewehr war das ZB vz. 24, die tschechoslowakische Version des bekannten Mauser-Karabiners.Robert W. D. Ball: Mauser Military Rifles of the World. Iola: Gun Digest Books (2011), S. 121, ISBN 978-1-4402-28-926 (englisch). Die wichtigsten Maschinengewehre waren das ZB vz. 26, ZB vz. 37 und das Schwarzlose vz. 7/24.

Zum von der Tschechoslowakei übernommenen Bestand gehörten Panzerabwehrkanonen des Typs 37mm kanon P.U.V. vz.37 sowie moderne Feld- und schwere Artillerie des Herstellers Škoda. mini|Messerschmitt Bf 109E der slowakischen Luftstreitkräfte Die slowakische Luftwaffe verfügte anfangs über eine kleine Anzahl von Flugzeugen, meist ältere Modelle des Typs Avia B-534, die aus der Tschechoslowakei übernommen worden waren. Im Sommer 1942 erhielten die slowakische Luftstreitkräfte ihre ersten modernen Militärflugzeuge mit 20 gebrauchten Messerschmitt Bf 109E. Ab März 1943 lieferte Deutschland dann auch neue Bf 109G an die slowakische Luftwaffe.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Historisches Heer Kategorie:Militär (Slowakei) Kategorie:Slowakischer Staat Kategorie:Erste Slowakische Republik im Zweiten Weltkrieg