Vanessa Eileen Thompson ist eine Sozialwissenschaftlerin und Soziologin, die als Professorin in Black Studies and Social Justice am Department of Gender Studies der Queen’s University in Kanada arbeitet. Sie forscht zu Black Studies, kritischer Rassismus- und Migrationsforschung, Geschlechterforschung, antikolonialen Theorien, staatlicher Gewalt, Versicherheitlichung und abolitionistischen Bewegungen.
Leben und Wirken Thompson promovierte 2017 an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und war von 2016 bis 2017 Fellow am Department of Black Studies der University of California, Santa Barbara. Von 2017 bis 2020 war sie Postdoktorandin und Lehrende am Institut für Soziologie der Goethe-Universität und von 2020 bis 2021 Postdoktorandin und Lehrende für Vergleichende Kultur- und Sozialanthropologie an der Europa-Universität Viadrina. Die Queen’s University kündigte 2021 an, dass Thompson im Januar 2022 als Queen’s National Scholar beginnen und gemeinsam mit Daniel McNeil den Aufbau des dortigen Black-Studies-Programms unterstützen werde. An der Queen’s University gehört sie zur Kernfakultät und Graduate Faculty in Black Studies und Gender Studies, lehrt zu Black Studies und Abolition Feminism und nimmt Funktionen im Black-Studies-Programm sowie in Universitätsgremien wahr.
Thompsons Forschung richtet sich auf transnationale schwarze urbane und soziale Bewegungen, anti-schwarze staatliche Gewalt, Policing sowie abolitionistische Geografien und Sozialitäten. In einem Viadrina-Projekt untersuchte sie anhand von Interviews Erfahrungen schwarzer Menschen in Deutschland, Frankreich und der Schweiz mit polizeilichen Kontrollen, Willkür und Gewalt sowie die intersektionale Ausprägung von Racial Profiling. Sie beschrieb die Polizei 2020 als Institution, die zugleich Schutz und Gefahr bedeuten könne, und fragte, für wen polizeiliche Sicherheit hergestellt werde. Im Jahr 2022 gab sie mit Daniel Loick bei Suhrkamp den Band Abolitionismus. Ein Reader heraus, welcher die internationale Debatte über die Überwindung staatlicher Gewaltinstitutionen wie Gefängnis und Polizei in deutscher Sprache zugänglich machen soll. Ihr Buch Black socialities: Urban resistance and the struggle beyond recognition in Paris erschien 2026 bei Manchester University Press und untersucht schwarze urbane Politik in von Rassialisierung geprägten Arbeiter- und Armutsvierteln der Pariser Region. In einem Interview aus dem Jahr 2025 deutete Thompson Frantz Fanons Aktualität über dessen Kritik des kolonialen Rassismus, struktureller Gewalt und eines bloß identitären Antirassismus. In einem Interview aus dem Jahr 2026 forderte sie eine antirassistische Klassenpolitik des Antifaschismus und argumentierte, antifaschistische Kämpfe müssten neben Neonazi-Strukturen und rechten Parteien auch staatliche Formen von Faschisierung in den Blick nehmen.
Veröffentlichungen (Auswahl) Black socialities: Urban resistance and the struggle beyond recognition in Paris. Manchester University Press, Manchester 2026, ISBN 978-1-5261-6864-1. Mit Daniel Loick als Herausgeberin: Abolitionismus. Ein Reader. Suhrkamp, Berlin 2022, ISBN 978-3-518-29964-7. Als Mitherausgeberin von kitchen politics: Die Neuordnung der Küchen. Materialistisch-feministische Entwürfe eines besseren Zusammenlebens. edition assemblage, Münster 2023, ISBN 978-3-96042-157-3. Mit Mike Laufenberg als Herausgeberin: Sicherheit. Rassismuskritische und feministische Beiträge. Westfälisches Dampfboot, Münster 2021, ISBN 978-3-89691-249-7. Als Mitherausgeberin von kitchen politics: Mehr als Selbstbestimmung! Kämpfe für reproduktive Gerechtigkeit. edition assemblage, Münster 2021, ISBN 978-3-96042-110-8. Policing as Un-Breathing and Geographies of Black Breathing in Europe. In: Antipode, 2026, doi:10.1111/anti.70103. Policing the surplus crisis, carceral racism and abolitionist resistance in Germany. In: Ethnic and Racial Studies, Band 48, Nr. 7, 2025, S. 1393–1411, doi:10.1080/01419870.2024.2446487. From the Black Mediterranean to liberation. In: Geographica Helvetica, Band 78, 2023, S. 99–104, doi:10.5194/gh-78-99-2023. Policing in Europe: disability justice and abolitionist intersectional care. In: Race & Class, Band 62, Nr. 3, 2021, S. 61–76, doi:10.1177/0306396820966463.
Einzelnachweise
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