Die Geschichte der Juden in Duisburg lässt sich bis in das hohe Mittelalter verfolgen. Bereits während des Ersten Kreuzzuges kam es im Rheinland 1096 zu blutigen Ausschreitungen gegen Juden. Samuel de Duisburch, der Ende des 12. Jahrhunderts erwähnt wird, war der erste namentlich bekannte Jude der Stadt. Für 1241 ist dokumentiert, dass die jüdische Gemeinde in der Stadt eine Reichssteuer in Höhe von 240 Gramm Silber zahlte. Während der Pestepidemie um 1350 kam es erneut zu Pogromen. Im Jahr 1495 erhielt Alart der Jude das Bürgerrecht der Stadt.
mini|Stolperstein für Manass Neumark Von 1692 bis zu ihrer Auflösung 1817 verzeichnete die Universität Duisburg 21 jüdische Studenten. Das Zuzugsverbot für Juden in die Stadt wurde 1719 aufgehoben. Ein erster Betraum wurde 1793 im Haus von Leiser Moses am Burgplatz/Ecke Knüppelmarkt eingerichtet. Eine Synagoge erhielt die jüdische Gemeinde der Stadt 1826 als das alte Anatomiegebäude der Universität für diesen Zweck umgenutzt wurde; der Bau in der Universitätsstraße erhielt dazu auch eine Mikwe. Eine weitere Synagoge wurde 1841 im damals eigenstänidgen Ruhrort in der Landwehrstraße 41 eingeweiht. 1854 wurden die Synagogenbezirke Duisburg, Ruhrort, Dinslaken und Holten vereinigt, doch gewinnt die jüdische Gemeinde in Duisburg ihre Eigenständigkeit 1877 zurück als sie 320 Mitglieder zählte. Unterdessen war im März 1875 für die Gemeinde eine neue, dritte Synagoge an der Junkernstraße errichtet worden. 1897 wurde der Verein für jüdische Geschichte und Literatur gegründet. Dr. Harry Epstein wirkte ab 1903 als führender Zionist des Rheinlands und Leiter der Gemeinde in Duisburg; er war der Vater des 1918 geborenen Architekten und Stadtplaners Gabriel Epstein. Manass Neumark, der dem liberalen Judentum zuzurechnen ist, wurde 1905 erster Rabbiner in Duisburg, dessen Gemeinde zu dieser Zeit 971 Mitglieder hatte, sodass die Juden etwa 0,5 Prozent der Stadtbevölkerung ausmachten. Ein Stolperstein erinnert in der Fuldastraße 14 an ihn und seine Schwester Hulda. Im selben Jahr wurde in Marxloh das Gebäude Kaiser-Friedrich-Straße 33 als Synagoge benutzt. Die Gemeinde in Hamborn zählte im Jahr 1911 300 Mitglieder, in der Stadt Duisburg waren es im Jahr 1912 1570, von denen im Ersten Weltkrieg 33 fielen. Bis 1930 war die jüdische Gemeinde in Düsseldorf auf 3176 Mitglieder (0,7 Prozent der Bevölkerung) angewachsen. Sie war in 30 Organisationen und Verbänden organisiert, aber in der Krise der ausgehenden Weimarer Republik auch zunehmend antisemitischen Attacken ausgesetzt.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten begann auch in Duisburg die staatlich organisierte Entrechtung und Verfolgung, die früh auch durch Akte persönlicher Drangsalierung und Gewalt gekennzeichnet war. So wurde am 23. März 1933 der haredische Rabbiner, Mordechai J. Bereisch, durch die Stadt getrieben und schwer misshandelt. Beim so genannten Judenboykott am 1. April riefen die Nationalsozialisten dazu auf, nicht in jüdischen Geschäften zu kaufen. Dies trug mit dazu bei, dass nun verstärkt Juden ins Ausland emigrierten und die Mitgliederzahl der jüdischen Gemeinde 1933 auf 1805 zurückging, also nahezu halbiert wurde. 1937 wurden die jüdischen Gemeinden von Duisburg, Hamborn und Ruhrort vereinigt, die zusammen nunmehr noch 1104 Mitglieder hatten. Die so genannte Polenaktion traf auch die Duisburger Juden; von ihnen wurden am 28. Oktober 1938 160 unter schikanösen Begleitumständen an die polnische Grenze verbracht. In der Pogromnacht vom 10. November 1938 wurden die Synagogen in Ruhrort und Hamborn niedergebrannt, ebenso die Synagoge in der Junkernstraße, deren ausgebrannte Gebäudereste die Duisburger Juden auf Anordnung von Oberbürgermeister Hermann Freytag abreißen mussten. Bei Kriegsbeginn 1939 lebten noch 841 Juden in Duisburg, denen der Fluchtweg ins Ausland praktisch abgeschnitten war. Die Deportationen in den Osten begannen in Duisburg am 24. Oktober 1941 mit einem Transport in das Ghetto von Łódź. Zusammen mit den letzten noch in der Stadt verbliebenen Juden wurde Rabbi Neumark am 25. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo er drei Monate später ums Leben kam.
mini|hochkant=1.4|Synagoge und Gemeindezentrum der Jüdischen Gemeinde Duisburg-Mülheim/Ruhr-Oberhausen mini|Enthüllung des Mahnmals am Hauptbahnhof Da nach dem Zweiten Weltkrieg nur wenige überlebende Juden nach Duisburg zurückkehrten, schlossen sich diese mit den Juden in Mülheim an der Ruhr zu einer Kultusgemeinde zusammen, die 1955 83 Mitglieder umfasste. Als Synagoge diente das Wohnhaus des Gemeindevorsitzenden Salomon Lifsches in Mülheim. 1968 schlossen sich auch die Juden in Oberhausen dieser Kultusgemeinde an. Erst mit der Zuwanderung der Juden aus der ehemaligen Sowjetunion nach 1989 erreichte die Zahl der Juden in Duisburg wieder dreistellige Werte und es wurden Rufe nach einem Synagogenneubau in der Innenstadt laut. Pläne hierzu setzten 1991 ein und nachdem seit 1993 auch wieder ein Rabbiner in Duisburg amtierte, wurde 1996 ein Realisierungswettbewerb für die neue Synagoge ausgelobt. Der Bau am Springwall nach Plänen des Architekten Zvi Hecker wurde am 21. Februar 1999 eingeweiht. Er befindet sich unmittelbar östlich der Duisburger Altstadt am Duisburger Innenhafen, wobei eine der Achsen des Gebäudes auf den Standort des 1938 zerstörten Vorgängerbaus rund 100 Meter südlich in der Junkernstraße ausgerichtet ist. Der Bau umfasst auch einen großen Saal mit Bühne, eine Bibliothek, Büros, Klassenräume, drei Wohnungen und die Räume des Kinder- und Jugendzentrums. Als Vorstandsvorsitzender der Gemeinde Duisburg-Mühlheim-Oberhausen amtierte 37 Jahre lang Jacques Marx, der 2010 nicht erneut antrat. 2014 übernahm Dimitrij Yagudin das Amt. Im beginnenden 21. Jahrhundert zählt die vereinigte Gemeinde rund 2000 Mitglieder.
Neben den rund 320 Stolpersteinen in Duisburg wird das Gedenken an die verfolgten und ermordeten Juden Duisburgs durch das 2012 errichtete Deportations-Mahnmal Duisburg Hauptbahnhof gepflegt. Vor der neuen Synagoge liegt der Yitzhak-Rabin-Platz, den dessen Witwe Leah Rabin mit den Worten eröffnete: „Auf einem Platz ist mein Mann ermordet worden, hier ist der Platz, der für Versöhnung steht.“ Friedhöfe bestehen in Beeck, am Sternbuschweg (mit 27 umgebetteten Gräbern des alten jüdischen Friedhofs), in Wanheimerort, in Hamborn, in der Möhlenkampstraße (ebenfalls in Hamborn, ohne erhaltene Grabsteine) und in Ruhrort (ohne erhaltene Grabsteine).
Weblinks https://jgduisburg.de/gemeinde/geschichte/ https://www.zentralratderjuden.de/gemeinden/juedische-gemeinde-duisburg-muelheim-oberhausen-k-d-oe-r/
Kategorie:Judentum in Duisburg