Daniel Robitaille, allgemein als Candyman bekannt, ist eine fiktive Figur und der Hauptantagonist der Filmreihe Candyman. Die Figur hat ihren Ursprung in Clive Barkers 1985 veröffentlichter Kurzgeschichte „The Forbidden“. In der Filmreihe wird er als afroamerikanischer Mann dargestellt, der im 19. Jahrhundert wegen einer verbotenen interethnischen Liebesbeziehung brutal ermordet wurde. Er kehrt als moderne Sage zurück und tötet jeden, der ihn beschwört, indem er vor einem Spiegel fünfmal seinen Namen ausspricht. Dies kann als Evokation oder eine Form der Katoptromantie angesehen werden. Die Figur wird von Tony Todd in Candyman’s Fluch (1992), Candyman 2 – Die Blutrache (1995) und Candyman 3 – Der Tag der Toten (1999) dargestellt. Todd übernahm die Rolle erneut in Candyman (2021), einer Fortsetzung des Originalfilms von 1992. Darin nimmt die Figur weitere Seelen in ihren „Schwarm“ verschiedener Candyman-Erscheinungsformen auf: Sherman Fields (dargestellt von Michael Hargrove), William Bell, Samuel Evans, George Stinney, James Byrd Jr., Gil Cartwright (dargestellt von Cedric Mays) und Anthony McCoy (dargestellt von Yahya Abdul-Mateen II).
Auftritte
Literatur Die Figur hat ihren Ursprung in Clive Barkers Kurzgeschichte „The Forbidden“, die zunächst in der semiprofessionellen Zeitschrift Fantasy Tales und später im fünften Band von Barkers sechsbändiger Anthologie-Reihe Books of Blood veröffentlicht wurde. Die Geschichte wurde teilweise durch eine abschreckende Erzählung inspiriert, die Barkers Großmutter ihm im Alter von sechs Jahren erzählt hatte, um ihn vor Fremden zu warnen. Darin ging es um einen Mann mit einer Hakenhand, der einem Jungen die Genitalien abschnitt. Darüber hinaus greift die Geschichte ein Motiv auf, das Barker seit seinem Theaterstück Hunter in the Snow von 1973 entwickelt hatte: den ruhig sprechenden, gentlemanhaften Bösewicht.
Die Veröffentlichung in Fantasy Tales enthielt eine Illustration des Künstlers John Stewart, die von Barkers Beschreibung abwich und einen bestialisch wirkenden Mann als Silhouette mit wildem Haar und einer aufwendig gestalteten Hakenhand zeigte. Im Text selbst wird der Candyman wie folgt beschrieben:Er war grell bis zur Geschmacklosigkeit: Sein Fleisch war wächsern gelb. Seine schmalen Lippen waren blassblau. Seine wilden Augen glitzerten, als seien ihre Iris mit Rubinen besetzt. Seine Jacke bestand aus Flicken, ebenso seine Hose. Er sah, dachte [Helen], mit seinem blutbefleckten bunten Gewand und dem Hauch von Rouge auf seinen gelblichen Wangen beinahe lächerlich aus.Der für den Candyman charakteristische Haken und die Bienen werden ebenfalls in der Geschichte eingeführt. Obwohl der Candyman als geheimnisvoller weißer Mann mit langem blondem Haar, einem ungepflegten roten Bart, außerordentlich blasser, gelblicher Haut und einem leuchtend bunten Flickenanzug beschrieben wird, werden seine ethnische Herkunft, sein Name, sein Herkunftsort und seine Vorgeschichte nicht genannt. Bereits der Zweifel an seiner Existenz genügt, um ihn zu beschwören.
Filme Seinen ersten Filmauftritt hatte der Candyman in Candyman (1992). Der in der Gegenwart spielende Film folgt der Doktorandin Helen Lyle aus Chicago, die ihn als zentrale Figur einer mit einer Mordserie in der Wohnanlage Cabrini–Green verbundenen modernen Sage untersucht.
Helen schreibt eine wissenschaftliche Arbeit darüber, wie die Bewohner von Cabrini–Green ihre Schwierigkeiten dieser scheinbar mythischen Figur zuschreiben. Nachdem sie die Legende diskreditiert, deren Geschichte untersucht und an der Festnahme eines Verbrechers mitgewirkt hat, der die Candyman-Legende zur Einschüchterung der Bewohner missbraucht, erscheint der Candyman. Er lässt Helen als Verantwortliche für eine weitere Mordserie erscheinen, um die Angst der Öffentlichkeit vor ihm aufrechtzuerhalten.
Es wird angedeutet, dass Helen die Reinkarnation der Geliebten des Candyman ist. Er plant, sich selbst, Helen und das entführte Baby Anthony McCoy in einem Scheiterhaufen verbrennen zu lassen. Helen kann ihm jedoch entkommen und opfert sich, um Anthony zu retten. Nachdem der Candyman vernichtet wurde, wird Helen selbst zu einem rachsüchtigen Geist und setzt sein Verhalten fort.
In Candyman 2 – Die Blutrache, dessen Handlung 1995 und damit drei Jahre nach Candyman spielt, erscheint er in New Orleans. Der Candyman begegnet Annie Tarrant, einer Nachfahrin seiner und Carolines Tochter Isabel, nachdem sie ihn beschworen hat. Der Film schildert zudem, wie er zu Lebzeiten als Künstler Daniel Robitaille Caroline Sullivan kennenlernte, bevor er ermordet und zum Candyman wurde.
In Candyman 3 – Der Tag der Toten, der 25 Jahre nach Candyman 2 – Die Blutrache im Jahr 2020 spielt, erscheint der Candyman während der Feierlichkeiten zum Tag der Toten in Los Angeles und begegnet Annies erwachsener Tochter Caroline.
In Candyman (2021), dessen Handlung 2019 und damit 27 Jahre nach dem Film von 1992 spielt, wird der Candyman erneut von dem mittlerweile erwachsenen Anthony McCoy beschworen. Es stellt sich heraus, dass die Legende des Candyman überlebt und sich im Laufe der Jahre weiterentwickelt hat. Sie wurde immer wieder auf ähnlich tragische Morde an Afroamerikanern übertragen, die durch rassistische Autoritäten auf eine Weise getötet wurden, die an den Tod Daniel Robitailles erinnert. Diese Figuren werden Teil des sogenannten „Schwarms“ des Candyman.
Der Candyman vor Anthony war ein Mann mit geistiger Behinderung namens Sherman Fields. Er wurde beschuldigt, Rasierklingen in Süßigkeiten für Kinder versteckt zu haben, und daraufhin von der Polizei zu Tode geprügelt. Später stellte sich heraus, dass er unschuldig gewesen war. Schließlich wird der entstellte und katatonische Anthony von der Polizei erschossen, wodurch der Candyman ihn in seinen „Schwarm“ aufnehmen und seine Legende erneuern kann. Zu den weiteren Figuren, die als Teil des Candyman-Schwarms gezeigt werden, gehören Anthony Crawford, William Bell, Samuel Evans, George Stinney, Helen Lyle, James Byrd Jr. sowie in entfallenen Szenen Gil Cartwright.Nia DaCosta (director) (August 27, 2021). Candyman
Entwicklung
Konzept und Entstehung Nachdem Tony Todd und Virginia Madsen als Candyman und Helen besetzt worden waren, ließ ihnen der Regisseur des ursprünglichen Candyman-Films, Bernard Rose, bei der Ausarbeitung der Vorgeschichten ihrer Figuren im Rahmen des kreativen Prozesses weitgehend freie Hand. Rose erklärte:Der Candyman ist in Clives Geschichte nicht schwarz. Tatsächlich kommt auch die gesamte Vorgeschichte der gescheiterten interethnischen Liebesbeziehung im Buch nicht vor. Alles, was im Buch enthalten ist, findet sich auch im Film, wurde dort jedoch erweitert.Todd entwickelte die Vorgeschichte der Figur während der Proben mit Madsen. Er nannte seine Figur „Granville T. Candyman“, der eine verbotene Liebesbeziehung mit einer weißen Frau eingeht, deren Porträt er malt, was schließlich zu seiner Lynchung führt. Der Name „Granville“ wird in den Filmen nie verwendet; stattdessen erhielt die Figur letztlich den Namen Daniel Robitaille.
Charakterisierung Der Candyman wird vor allem von dem Bedürfnis angetrieben, sein Vermächtnis aufrechtzuerhalten, und tötet diejenigen, die an seiner Existenz zweifeln. Er wurde als ein „Ghoul, der durch den ‚Glauben‘ seiner Anhänger angetrieben wird“, beschrieben. In Draculas, Vampires and Other Undead Forms: Essays on Gender, Race and Culture wird die Figur mit einem Vampir verglichen.
Tony Todd verglich die Fähigkeit seiner Figur, Angst, Beeinflussung und Verführung hervorzurufen, mit dem DC-Comics-Bösewicht Scarecrow. Zudem verglich Todd seine Figur mit dem Phantom der Oper und dem Glöckner von Notre-Dame. Bei allen handle es sich um „Monster“, die Zärtlichkeit und Schrecken einsetzen, um erfolglos die Liebe einer weiblichen Hauptfigur zu gewinnen.
Virginia Madsen bestätigte, dass der Candyman als eine Art „afroamerikanischer Dracula“ gedacht gewesen sei. Die Figur habe die afroamerikanische Bevölkerung ansprechen sollen, da diese „endlich ihren eigenen Dracula“ erhalten habe.
In Candyman 3 – Der Tag der Toten ruft die Lynchmenge vor seinem Tod fünfmal „Candyman“. Die Beschwörung eines Geistes durch das wiederholte Aussprechen seines Namens vor einem Spiegel lässt sich möglicherweise auf die Legende von Bloody Mary zurückführen.
Aussehen und Fähigkeiten In den Filmen wird die körperliche Erscheinung des Candyman häufig von der Person wahrgenommen, die ihn beschworen hat, sowie von denjenigen, die an ihn glauben. Personen, die nicht an ihn glauben, können ihn nicht direkt sehen. Auch von Überwachungssystemen kann er nicht aufgezeichnet werden. In Spiegelungen kann er jedoch von den betroffenen Personen wahrgenommen werden.
Daniel Robitailles Körper scheint zu verwesen. Sein geöffneter Brustkorb, der von seinem Trenchcoat verdeckt wird, ist mit Bienen gefüllt, die in seinem Fleisch umherschwärmen. In Gestalt von Sherman Fields ist sein durch die Schläge entstelltes Gesicht verwest. Als Anthony McCoy zu einem Candyman wird, durchläuft sein gesamter Körper eine fleischliche Verwandlung, durch die seine Haut eine bienenstockartige Struktur erhält.
Im Verlauf der Filmreihe setzt der Candyman häufig seine Stimme ein, um eine Person durch Hypnose in seinen Bann zu ziehen. Er bringt die Betroffenen dazu, sich ihm hinzugeben und unsterblich zu werden. Im Film von 2021 spricht der durch Sherman Fields verkörperte Geist des Candyman nicht, sondern gibt lediglich schmerzhafte und unheimliche Atemgeräusche von sich. Der Candyman kann zudem den Eindruck erwecken, als hätten seine Opfer die von ihm begangenen Morde selbst verübt.
Der Candyman besitzt außerdem die Fähigkeit, rasch zu verschwinden und seine Position in der Umgebung einer Person augenblicklich zu verändern. Zudem kann er schweben. In Candyman (1992) sieht Helen Lyle ihn waagerecht schweben und anschließend schnell rückwärts aus einem Fenster fliegen. In Candyman 2 – Die Blutrache beobachtet Annie Tarrant, wie er aus dem Wasser in die Luft steigt und anschließend auf der Wasseroberfläche landet. In Candyman 3 – Der Tag der Toten erscheint er Caroline McKeever, indem er, von Bienen umgeben, auf sie zuschwebt. In Candyman (2021) folgen ihm Bienen, während er schwebt.
Hintergrund In der Filmreihe war Daniel Robitaille der Sohn eines ehemaligen Sklaven, der zu Wohlstand gelangt war. Als Künstler verliebte er sich in eine weiße Frau, deren Porträt er anfertigen sollte, und zeugte mit ihr ein Kind. Ihr Vater ließ Robitaille daraufhin verfolgen. Ihm wurde eine Hand abgesägt, bevor sein Körper mit Honig bestrichen wurde und er durch die Stiche eines Bienenschwarms starb. Anschließend kehrte er als Candyman zurück, der der Legende nach erscheint, wenn sein Name vor einem Spiegel fünfmal ausgesprochen wird.
Nachwirkung Der Candyman wurde von mehreren Medien in Bestenlisten aufgenommen. Bloody Disgusting setzte ihn 2009 auf Platz acht einer Liste der 13 besten Slasherfiguren. Der deutsche Rolling Stone führte ihn auf Platz zehn einer Liste der besten Horrorfilm-Bösewichte. JoBlo.com setzte ihn auf Platz fünf einer Liste von Horror-Movie-„Boogeymen“, während ComingSoon.net ihn auf Platz sieben einer Liste der zehn besten Slasherfiguren führte.
Auch im Hip-Hop wurde die Figur aufgegriffen. 2Pac bezog sich in seinem Song Troublesome ’96 auf den Candyman, bezeichnete das Beschwörungsritual jedoch irrtümlich mit drei statt fünf Wiederholungen des Namens.
Im Oktober 2021 griff die US-amerikanische Spielshow Wheel of Fortune das Beschwörungsritual in einem Halloween-Rätsel auf.
In Scary Movie (2026) wurde u. a. der Candyman parodiert.
Merchandise McFarlane Toys veröffentlichte 2001 im Rahmen der vierten Reihe seiner Movie-Maniacs-Serie eine Candyman-Actionfigur. Weitere Actionfiguren von NECA sollten im November 2019 veröffentlicht werden.