Leatherface (auch: Bubba bzw. Junior Sawyer, später Junior Slaughter in der klassischen Reihe; Thomas Brown Hewitt im Remake und Jedidiah „Jed“ Sawyer im Reboot) ist eine fiktive Figur und der Hauptantagonist aus dem Texas-Chainsaw-Massacre-Franchise. Er trat erstmals in Blutgericht in Texas (1974) als geistig beeinträchtigter Angehöriger einer Familie wahnsinniger Kannibalen auf und ist vor allem für seine Gesichtsmasken und seine Kettensäge bekannt. Die von Tobe Hooper und Kim Henkel geschaffene Figur wurde teilweise von den Verbrechen des Mörders Ed Gein aus Wisconsin inspiriert. Später wurde die Figur auch in verschiedenen anderen Medien dargestellt, darunter Romane, Videospiele und Comics, und trat in allen neun Filmen des Franchise auf.
Gunnar Hansen war der erste und bekannteste Schauspieler, der die Figur verkörperte, und wurde später zu einem engagierten Fürsprecher der Figur. Seit Hansens Darstellung von Leatherface übernahmen im Verlauf der Filmreihe zahlreiche weitere Schauspieler und Stuntman die Rolle.
Das äußere Erscheinungsbild und die Persönlichkeit der Figur haben sich im Laufe der Jahre vielfach verändert, wobei verschiedene Autoren und Spezial-Make-up-Künstler die Figur und ihre Gestaltung prägten. Im Gegensatz zu vielen anderen Horrorschurken, deren Antagonisten meist als sadistisch oder böse charakterisiert werden, begeht Leatherface seine brutalen Taten vor allem, um den Anweisungen seiner Familie zu folgen, während er zugleich auch aus Angst tötet. Leatherface entwickelte sich allmählich zu einer weithin bekannten Figur der Popkultur und erlangte den Ruf einer kulturellen Ikone des Horrorgenres. Er gilt als eine der einflussreichsten Figuren des Slasher-Genres, da er das Stereotyp des massigen, maskierten und schweigsamen Killers prägte und damit Horrorfiguren wie Michael Myers, Jason Voorhees, Chucky und Ghostface vorausging und teilweise beeinflusste.
Leatherface wurde seither in Romanen, Spielfilmen, Videospielen und Fernsehserien parodiert und referenziert. Darüber hinaus diente er als Inspiration für zahlreiche künstlerische Werke, fiktive Figuren, Heavy-Metal-Bands und Wrestling-Gimmicks.
Auftritte
Leatherface ist die einzige Figur, die in allen neun Filmen des Texas-Chainsaw-Massacre-Franchise auftritt. Spätere Filme beleuchten unterschiedliche Aspekte der Figur, verändern dabei jedoch zugleich die übergeordnete Geschichte von Leatherface und seiner Familie. Nach seinem ersten Auftritt auf der Kinoleinwand erschien Leatherface auch in verschiedenen anderen Unterhaltungsmedien, darunter Comicreihen, Romanadaptionen und Videospielen. Jeder dieser Auftritte erweitert das durch die Filme geschaffene Universum.
Filme Leatherface trat erstmals 1974 in Blutgericht in Texas auf und wurde dort von Gunnar Hansen dargestellt. Als Mitglied einer kannibalistischen Familie trägt er Masken aus menschlicher Haut und ermordet gemeinsam mit seinen Angehörigen mehrere Jugendliche. In Texas Chainsaw Massacre 2 (1986), Leatherface: Texas Chainsaw Massacre III (1990) und Texas Chainsaw Massacre – Die Rückkehr (1994) wurde die Figur von wechselnden Darstellern verkörpert und jeweils in unterschiedlichen Familienkonstellationen gezeigt.
Das Remake Michael Bay’s Texas Chainsaw Massacre (2003) etablierte eine neue Kontinuität, in der Leatherface von Andrew Bryniarski dargestellt wird. Das Prequel Texas Chainsaw Massacre: The Beginning (2006) schildert die Vorgeschichte der Figur und ihrer Familie sowie die Entstehung ihrer kannibalistischen Lebensweise.
Texas Chainsaw 3D (2013) knüpft direkt an den Originalfilm von 1974 an und zeigt einen älteren, seit Jahrzehnten zurückgezogen lebenden Leatherface, dargestellt von Dan Yeager. Der Film Leatherface (2017) wiederum dient als Vorgeschichte des Originals und erzählt von der Jugend der Figur, die hier den Namen Jedidiah trägt und von Sam Strike gespielt wird. Nach seiner Flucht aus einer psychiatrischen Einrichtung und schweren Gesichtsverletzungen fertigt er seine erste Maske aus menschlicher Haut an.
Auch Texas Chainsaw Massacre (2022) setzt die Handlung des Originalfilms direkt fort. Mark Burnham verkörpert darin einen gealterten Leatherface, der nach mehreren Jahrzehnten erneut zu töten beginnt und dabei auf die Überlebende Sally Hardesty trifft.
Comics und Romane Außerhalb der Filme trat Leatherface erstmals 1991 in einer vierteiligen Comicadaption von Leatherface: Texas Chainsaw Massacre III auf, die zusätzliche Einblicke in seine Psyche bot. 1995 folgte die nicht zum offiziellen Kanon gehörende Miniserie Jason vs. Leatherface, in der er auf Jason Voorhees aus der Freitag der 13.-Reihe trifft.
Nach dem Remake von 2003 erschien 2004 eine Romanadaption, die auf einer früheren Drehbuchfassung beruhte. Ab 2005 veröffentlichten zunächst Avatar Press und später Wildstorm mehrere Comics zur Remake-Kontinuität. Diese erweiterten die Geschichte der Familie Hewitt und behandelten unter anderem Leatherfaces Jugend, seine Beziehung zu seiner Familie sowie weitere Auseinandersetzungen mit Opfern und Verfolgern.
Videospiele Sein Videospieldebüt hatte Leatherface 1982 in einer umstrittenen Adaption des ersten Films für den Atari 2600, in der der Spieler die Figur steuert und Eindringlinge mit einer Kettensäge verfolgt. Später erschien Leatherface als spielbare Figur in Mortal Kombat X sowie 2017 als herunterladbarer Killer in Dead by Daylight, wo er seine charakteristische Kettensäge und einen Vorschlaghammer als Waffen einsetzt.
Darüber hinaus war die Figur als Operator in Call of Duty: Modern Warfare und Call of Duty: Warzone verfügbar. Im 2023 veröffentlichten Survival-Horror-Spiel The Texas Chain Saw Massacre, dessen Handlung mehrere Monate vor dem Originalfilm angesiedelt ist, tritt Leatherface ebenfalls als spielbare Figur auf.
Konzept und Entstehung Die von Tobe Hooper und Kim Henkel geschaffene Figur Leatherface entstand, als Hooper Ende der 1960er Jahre als Regieassistent an der University of Texas at Austin und als Dokumentarfilmer arbeitete. In dieser Zeit war er zunehmend von der von ihm wahrgenommenen „Gefühllosigkeit und Brutalität“ der Gesellschaft sowie den drastischen Gewaltdarstellungen in den Nachrichten desillusioniert. Daraus entwickelte er die Vorstellung, dass der Mensch selbst das eigentliche Monster sei und lediglich unterschiedliche Gesichter trage – eine Überzeugung, die später in die Figur Leatherface einfloss. Henkel zufolge machte gerade die Entscheidung, Leatherface als Menschen statt als typisches Monster darzustellen, die Figur besonders beängstigend.
Einige Elemente der Figur wurden von den Verbrechen des Mörders und Grabräubers Ed Gein aus Wisconsin inspiriert. Hooper hatte nach eigenen Angaben durch Verwandte, die in der Nähe des Tatorts lebten, von dessen Taten gehört, erkannte jedoch erst nach der Veröffentlichung des Films, dass es sich dabei um Gein gehandelt hatte. Besonders verstörend empfand er dessen Verwendung menschlicher Haut zur Herstellung von Masken – ein Motiv, das Hooper und Henkel auf Leatherface übertrugen. Bereits acht Monate vor Hoopers Film war ein ähnliches Motiv in dem ebenfalls von Geins Verbrechen inspirierten Film Deranged (1974) verwendet worden.
Eine weitere Inspiration ging laut Hooper auf ein Erlebnis während seiner Studienzeit zurück. Bei einer Halloweenfeier erschien ein Freund, der damals Medizin studierte, scherzhaft mit dem Gesicht eines Leichnams als Maske. Hooper bezeichnete den Vorfall später als das Verstörendste, was er je gesehen habe. Bei der Gestaltung der Figur entschieden sich Hooper und Henkel schließlich für einen großen, bedrohlichen Mann mit kindlichem Verhalten; als eine der Inspirationen nannte Hooper die Zeichentrickfigur „Baby Huey“.
Frühe Drehbuchfassungen enthielten eine ausführliche Hintergrundgeschichte für Leatherface. Darin wurde er als Opfer von Misshandlungen in seiner Kindheit dargestellt; möglicherweise war ihm sogar die Gesichtshaut abgezogen worden. Spätere Überarbeitungen entfernten diese Vorgeschichte zugunsten einer bewusst unbestimmten Herkunft und führten stattdessen das Konzept wechselnder Persönlichkeiten ein.
Henkel und Hooper konzipierten Leatherface zudem als geistig beeinträchtigte Figur, deren Fähigkeit zu rationalem und zusammenhängendem Denken und Sprechen eingeschränkt ist. Im Film zeigt sich dies zweimal durch unverständliches Gestammel: in einer Szene mit Drayton, der im Abspann lediglich als „Old Man“ bezeichnet wird, sowie während der berühmten Abendessensszene. Ursprünglich sollte Leatherface in der Unterhaltung mit Drayton mehrere verständliche Sätze sprechen und ihm versichern, dass alles in Ordnung sei. Da dies die Figur nach Ansicht der Filmemacher zu rational erscheinen ließ, wurde die Szene entsprechend ihrer Vorstellung eines geistig beeinträchtigten und verwirrten Mörders umgeschrieben.
Die Idee für Leatherfaces charakteristische Kettensäge kam Hooper nach eigenen Angaben in der Werkzeugabteilung eines überfüllten Geschäfts, als er darüber nachdachte, wie er sich schneller einen Weg durch die Menschenmenge bahnen könnte.
Darsteller alt=Gunnar Hansen auf dem Filmfestival Cinema Wasteland (2009).|mini|Gunnar Hansen auf dem Filmfestival Cinema Wasteland (2009). Er ist der bekannteste Leatherface-Darsteller.
Die Rolle des Leatherface gilt als körperlich und emotional anspruchsvoll. Die Darsteller müssen unter teils schwierigen Drehbedingungen zahlreiche Stunts bewältigen und der Figur zugleich emotionale Tiefe verleihen.
Gunnar Hansen war der erste Darsteller der Figur. Die Filmemacher besetzten ihn vor allem aufgrund seiner imposanten Erscheinung. Hooper beschrieb Leatherface ihm gegenüber als geistig beeinträchtigte und wahnsinnige Figur, deren Zustand sie gewalttätig und unberechenbar mache. Zur Vorbereitung experimentierte Hansen mit unterschiedlichen Stimmlagen und beobachtete an einer Förderschule in Austin Bewegungs- und Sprechweisen der dortigen Schüler. Die Dreharbeiten waren für ihn aufgrund langer Arbeitstage und der großen Hitze körperlich wie psychisch belastend. Zudem schränkte die Maske seine Sicht erheblich ein. Die als „Chainsaw Dance“ bekannte Schlussszene, in der Leatherface mit seiner Kettensäge um sich schlägt, entstand teilweise improvisiert und spiegelte nach Hansens späterer Aussage auch seine während der Dreharbeiten angestaute Frustration wider.
In Texas Chainsaw Massacre 2 übernahm Bill Johnson die Rolle. Er vermied es bewusst, Hansens Darstellung zu imitieren, und entwickelte eine eigene Interpretation der Figur. Johnson blieb während der Produktion weitgehend in seiner Rolle und wurde bei zahlreichen körperlich anspruchsvollen Szenen von den Stuntleuten Bob Elmore und Tom Morga gedoubelt. Trotz schwieriger Drehbedingungen wurde insbesondere Johnsons Fähigkeit hervorgehoben, Leatherface über die bloße Erscheinung eines maskierten Mörders hinaus emotionale Tiefe zu verleihen.
Für Leatherface: Texas Chainsaw Massacre III sollte die Figur stärker in den Mittelpunkt der Reihe rücken. Die Rolle erhielt der Schauspieler und ehemalige Wrestler Randal Allen „R. A.“ Mihailoff. Noch vor der Verpflichtung eines Regisseurs verkörperte Kane Hodder Leatherface in einem Teaser und blieb später als Mihailoffs Stuntdouble und Stuntkoordinator an der Produktion beteiligt.
Für Texas Chainsaw Massacre – Die Rückkehr wünschte sich Regisseur Kim Henkel einen „androgynen Typus“ und besetzte den Musiker und Schauspieler Robert „Robbie“ Jacks. Jacks sah die Androgynität bereits in der ursprünglichen Figur angelegt, hielt sie dort jedoch aufgrund der damaligen Zeit und des geringen Budgets für weniger deutlich ausgearbeitet. Trotz schwieriger Produktionsbedingungen wurde sein großes Engagement für die Rolle von Beteiligten hervorgehoben.