Das Mauser Modell 1890 ist ein deutsches Repetiergewehr, welches für das Osmanische Reich entwickelt und von 1890 an bis in die 1960er Jahre eingesetzt wurde.
Entwicklungsgeschichte Kurz nachdem Belgien das Mauser Modell 1889 in den Bestand aufnahm, erkannten die osmanischen Behörden das Potential des neuen Gewehrs. Zwei Jahre zuvor hatten sie zwar einen Vertrag über die Lieferung des Gewehr Mauser Modell 1887 unterzeichnet, konnten jedoch durch eine Ausstiegsklausel diesen Vertrag ändern. Aufgrund der Entwicklung des rauchschwachen Pulvers für Gewehre, konnten sie eine Modernisierung beanstanden und den Vertrag abändern. Mit zusätzlichen Anpassungen am Gewehr unterzeichneten sie den neuen Vertrag über die Lieferung eines Mauser Modell 1890, welches auch als Türkisches Mauser Modell 1890 bezeichnet wurde.
Produktion Das Osmanische Reich bestellte, nach der Stornierung des Mauser Modell 1887, insgesamt 280.000 Gewehr vom Typ Mauser Modell 1890, was die restliche Lieferung der eigentlich geplanten Mauser Modell 1887 entsprach. Vom Karabiner fertige Mauser eine nur sehr geringe Stückzahl für das Osmanische Reich an, da diese keine Großbestellung dafür aufgaben.
Technische Beschreibung Gewehr Model 1890 Das Mauser Model 1890 wies, im Gegensatz zum Mauser Model 1889, einige Verbesserungen auf. Es hat eine Länge Lauflänge von 739,9 mm, mit dem Schaft eine Gesamtlänge von 1234 mm und ein Gewicht von 3,9 kg. Der Zylinderverschluss ist mit einem einteiligen Abzugsstollen ausgestattet und war damit robuster. Das Magazin war für das Gewehr weiterhin vorgesehen, konnte aber durch die Betätigung einer Verriegelung im Abzugsbügel entnommen werden. Der Lauf verfügt über je vier Züge und Felder mit einem Rechtsdrall. Das Gewehr hat einen Schaft mit geraden Kolbenhals und keine Griffmulden. Der röhrenförmige Metallhandschutz vom Modell 1889 wurde entfernt und durch einen kurzen Handschutz aus Holz ersetzt. Dieser begann kurz hinter der Vorderseite des Visiersockels (Kimme) und hatte eine Länge von wenigen Zentimetern. Weiterhin wurde der Gewehrlauf abgestuft. Dabei wurden die Aussparungen im Schaft so zu gestaltet, dass sie bei starker Beanspruchung und häufiger Schussabgabe zu keinen oder nur wenigen Beschädigungen führten. Die Visiereinrichtung wurde ebenfalls angepasst und leicht verbessert. So ist es beim Modell 1890 kein Klappvisier mehr, sondern ein Schiebevisier. Dieses kann bis auf eine Entfernung von 2000 m eingestellt werden.
Karabiner Model 1890 Die Karabiner waren im Grunde identisch zu dem Gewehr Modell 1890, wiesen allerdings einige kleine Änderungen auf. Die Visierung ging von 400 m bis 1400 m. Der Verschlusshebel ist nicht geradlinig, sondern nach unten gebogen und liegt eng am Schaft an. Der Lauf ragt 40,6 cm durch die Mündungskappe. Der Karabiner hat ein Gewicht von 3,4 kg.
Munition Das Kaliber für das Modell 1890 wurde so angepasst, dass die türkischen 7,65 mm Patronen genutzt werden konnten. Diese waren im Grunde mit dem des Modell 1889 identisch, jedoch mit 75,1 mm etwas kürzer in der Länge. Die Patronen hatten einen Kern aus Blei, welche von einem Mantel aus Weichstahl umgeben war. Damit hat eine einzelne Patrone ein Gewicht von 23,9 g. Das Kastenmagazin fasst insgesamt fünf Patronen, welche mittels einem Ladestreifen oder einzeln eingeführt werden können. In den 1930er Jahren wurde das Kaliber erneut angepasst und auf 7,92 × 57 mm erweitert.
Bezeichnungen Modell 90 Mauser tüfeği modeli 1890 – (Osmanisches Reich) Karabina Modeli 1890 – (Osmanisches Reich) Puška M90 T – (Jugowslawien) Gewehr 297 (j) – (Wehrmacht)
Einsatz Osmanisches Reich / Türkei Den ersten Einsatz mit den neuen Gewehren fand während des Ersten Balkankrieges 1912 statt.
Wenig später wurden die Gewehre von den Osmanen im Ersten Weltkrieg genutzt. Während des Türkischen Befreiungskrieges kamen erneut die Gewehre auf Seiten der türkischen Nationalbewegung als auch bei den sultantreuen Truppen zum Einsatz. Bis in die 1950er Jahre wurden durch kurdische und tscherkessische Truppen erbeutete Gewehre als Reserve gehalten. Das letzte Mal, dass die alten Mauser Model 1890 in der Türkei zum Einsatz kam, war in den Jahren 1963 und 1964 während der Zypernkrise, als Zyperntürken sich damit ausrüsteten.
Großbritannien Während der Schlacht von Gallipoli im Ersten Weltkrieg gelang es der britischen Armee eine große Anzahl von Gewehren Typ Mauser Model 1890 von den Osmanen zu erbeuten. Die Briten erkannten, dass das Kaliber identische war wie bei den Gewehren, welche die belgische Armee nutzten und stellten ihnen diese umgehend zur Verfügung.
Belgien Nachdem die britische Armee die erbeuteten Gewehre Mauser Model 1890 von den Osmanen an die belgische Übergaben, wurden diese an die Modelle 1889 angepasst. So wurde das Schiebevisier wieder entfernt und durch das alte Klappvisier. Weiterhin wurde der Handschutz entfernt und der Lauf und das Verschlussgehäuse intensiven Beschussprüfungen unterzogen. Die türkischen Markierungen und Stempel blieben derweil auf den Gewehren erhalten.
Jugoslawien mini|Verkürztes Puška M90 T Die königlich jugoslawische Armee erhielt nach dem Ende des Ersten Weltkrieges im Jahr 1920 eine Vielzahl von Gewehren des Typ Mauser Model 1890 von der Türkei als Reparation. Ein Großteil dieser Gewehre wurden dabei in Kragujevac für das Kaliber 7,92 × 57 mm umgebaut und angepasst. Man verkürzte den Lauf, wodurch das Gewehr an die Länge des Karabiners näher kam. Durch die Verkürzung des Laufs auf 590 mm hatte das Gewehr nun eine Gesamtlänge von 1095 mm. Dadurch verringerte sich Gewicht auf 3,4 kg, sämtliche anderen Eigenschaften blieben jedoch erhalten. Die unveränderten Gewehre erhielten die Bezeichnung Puška M90 T (deutsch: Gewehr Model 90, türkisch). Die verkürzten wurden als Puška M03 T in der Armee geführt.
Wehrmacht Als die Wehrmacht Jugoslawien besetzte, fielen ihnen dort eine Vielzahl an Gewehren in vom Typ Puška M90 T und Puška M03 T in die Hände. Diese Modelle wurden als Gewehr 297 (j) geführt.
Literatur
Einzelnachweise
Kategorie:Mauser-Waffe Kategorie:Mehrladerbüchse